Alles im Flow: Wie Arbeit uns glücklich machen kann

Alles im Flow: Wie Arbeit uns glücklich machen kann

Sind Sie glücklich im Job? Wenn ja, gehören Sie eher zu einer Minderheit. Die meisten Menschen empfinden ihr Berufsleben überwiegend als Belastung. Das muss eigentlich nicht so sein. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie Sie zum schönen Gefühl gelangen, vollständig in ihrer Arbeit aufzugehen.

Wie werden wir glücklich im Job?

In seinem Buch “Emotionale Intelligenz” (erschienen 1995) beschreibt der US-Wissenschaftsjournalist Daniel Goleman unter anderem den “Flow”, der in der Psychologie schon länger bekannt ist. Er kennzeichnet das völlige Verschmelzen eines Menschen mit seiner Tätigkeit. Wer das im Beruf regelmäßig erlebt, wird dadurch eindeutig sehr glücklich.

Goleman geht ein wenig auf die Gehirnchemie bei so einem Flow ein. Demnach laufen viele Prozesse dann über den Hypothalamus ab, der eigentlich unsere Vitalfunktionen und Reflexe steuert, aber auch reflexhaftes, “fließendes” Verhalten auslösen kann. Hochtrainierte Sportler und Musiker kennen das: Sie denken über einzelne Bewegungen nicht mehr nach, diese erfolgen reflexhaft und dabei im günstigsten Fall so richtig, dass sportliche Spitzenleistungen oder höchste Kunst entstehen.

Das ist auch bei alltäglichen Arbeitsprozessen möglich, ein leidenschaftlicher Handwerker wird Ihnen das wahrscheinlich bestätigen. Wir erleben dieses Gefühl gelegentlich, wenn wir einem Hobby nachgehen, bei dem wir die Zeit und die Umgebung vergessen. Zuerst beschrieb diesen Flow der Psychologe Mihály Csíkszentmehályi im Jahr 1975. Er ging schon damals nicht nur auf den Effekt des Glücksgefühls, sondern auch der Produktivität ein. Im Flow leisten wir einfach mehr. Wir sind höchst konzentriert und nehmen Details deutlicher als sonst wahr.

Wie kommt es zum Flow bei der Arbeit?

Um in den glücklichen Flow zu gelangen, muss die Tätigkeit anspruchsvoll sein, doch wir müssen uns ihr gewachsen fühlen. Bei hoffnungsloser Überforderung gelingt das nicht, dann überwiegen Zweifel und Ängste. Bei Sportlern wurde der Flow inzwischen gut dokumentiert. Er stellt sich ein, wenn sie im Training ihre Grenzen leicht hinausschieben. In der Arbeitswelt ist ein Flow möglich, wenn

  • uns die Tätigkeit grundsätzlich sinnvoll erscheint,
  • die Leistungsanforderungen hoch, aber nicht zu hoch sind,
  • wir auf ein klares Ziel zusteuern,
  • der Themenbereich unser persönliches Interesse weckt,
  • die eigenen Kompetenzen sinnvoll eingebunden werden,
  • die eigenen Fähigkeiten zum Tragen kommen, sich aber auch ein wenig weiterentwickeln sowie
  • die erbrachte Leistung durch ein Feedback bestätigt wird.

Das Feedback kann vom Vorgesetzten, von Kollegen und Kunden kommen, doch das ist nicht zwingend: Wer etwas handwerklich herstellt, sieht am Ende das Ergebnis und freut sich daran. Sportler messen ihre Leistung bis auf die Hundertstelsekunde, Musiker nehmen Demo-Tapes auf. Das Ergebnis ist eine wertvolle Erfahrung in mehrfacher Hinsicht.

Es wurde im besten Fall etwas hergestellt (Handwerk, Handarbeit), wir haben Methoden entwickelt, mit denen sich das Ergebnis wiederholen lässt, wir gewinnen das Gefühl, diese Sache gut im Griff zu haben. Diese Sicherheit bei einer Tätigkeit stellt sehr positive Gefühle her. Sie führt zu voller Konzentration auf die Tätigkeit und lässt alltägliche Sorgen und Nöte verschwinden. Grübeleien und Ängste lassen sich ausblenden. Unser Ich kann sich voll entfalten, wir entwickeln viel mehr Energie.

Glücklich im Job: Regeln für den Flow

Ein Flow benötigt klare Regeln, mit denen sich unter anderem die deutschen Psychologen Falko Rheinberg, Regina Vollmeyer und Stefan Engeser befasst haben. Demnach gelingt ein Flow, der zu einer glücklicheren Arbeitswelt führt, unter folgenden Voraussetzungen:

  • Es gibt klare Handlungsanforderungen und ebenso ein klares Feedback. Die Person weiß immer, was sie als nächstes tun soll.
  • Die Beanspruchung fällt optimal aus. Dadurch behält der Mensch trotz hoher Anforderungen die Kontrolle über sein Handeln.
  • Handlungsabläufe verlaufen glatt. Die Schritte gehen flüssig ineinander über. Das Geschehen wird zu keinem Zeitpunkt unterbrochen, es folgt einer inneren Logik.
  • Die Konzentration stellt sich zwanglos her. Sonstige, überflüssige Informationen werden ausgeblendet, der Fokus ist vollkommen auf die Tätigkeit gerichtet.
  • Das Zeiterleben ändert sich stark. Stunden können wie im Flug vergehen.
  • Die Person verschmilzt mit ihrer Tätigkeit. Dadurch stellt sie die sonstige Reflexivität ein (Grübel-Stopp).

Lässt sich ein Flow gezielt herstellen?

Moderne Unternehmen versuchen ihn durch optimale Arbeitsbedingungen zu fördern, doch das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Zweifellos lohnt sich die Mühe, weil die glücklichen Mitarbeiter wesentlich effizienter arbeiten.

Leider kann ein Berufstätiger nur sehr selten sein Arbeitsumfeld und alle Anforderungen von sich aus so gestalten, dass er permanent im Flow bleibt. Die Firmen müssen also dazu beitragen. Auch eignen sich nicht alle Arbeitsaufgaben für einen glücklichen Flow - es gibt unumgängliche, zermürbende Routinen, an denen wir nicht vorbeikommen. Dennoch lohnt es sich, diesen Zustand der erhöhten Konzentration anzustreben.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.