Wie sollten Sie auf eine Bewerbungsabsage reagieren?

Wenn Sie sich bei einem Unternehmen bewerben, müssen Sie natürlich auch mit einer Absage rechnen. Das ist mehr oder weniger schmerzhaft - je nachdem, wie wichtig Ihnen der Job gewesen wäre. Nun kommt es aber nicht unbedingt auf Ihren privaten Schmerz an, sondern darauf, wie Sie dem Unternehmen gegenüber auf die Absage reagieren.

Bewerbungsabsage nicht persönlich nehmen

Es versteht sich von selbst, dass Sie die Absage Ihrer Bewerbung nicht persönlich nehmen dürfen. Das ist bei aller rationalen Überlegung - das Unternehmen hat viele Bewerber für diesen Job, nur einer kann ihn bekommen - manchmal gar nicht leicht. Immerhin haben Sie sich in die Bewerbung reingekniet, um überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Der Personaler hat dann zu Ihnen einen - aus Ihrer Sicht - sehr persönlichen Kontakt hergestellt, den er nun abrupt abbricht. Doch das ist sein Job, er musste Ihnen persönliche Fragen stellen. Nur so öffneten Sie sich, er konnte damit Ihre Motivation und einen Teil Ihrer Fähigkeiten entdecken. Wegen dieses scheinbar sehr persönlichen Kontakts erleben Sie die Absage nun als Zurückweisung. Denken Sie einfach daran, dass es vielleicht 30 anderen Kandidaten momentan genauso ergeht. Sie verkraften zeitgleich mit Ihnen die Absage, nur ein Glücklicher freut sich über den Job. Daher gilt der Grundsatz: Eine Absage im beruflichen Sektor ist niemals persönlich zu nehmen - selbst wenn sie manchmal (das gibt es durchaus) persönlich gemeint ist.

Warum haben Sie wohl die Bewerbungsabsage erhalten?

Auch wenn Sie sich keine persönlichen Emotionen gestatten, ist es wichtig, dieser Frage nachzugehen. Immerhin geht es um Ihre berufliche Qualifikation und die Eignung für diesen speziellen Job. Für die Absage kann es viele Gründe geben:
passgenauere Qualifikation eines anderen Kandidaten

  • persönliche Bekanntschaft eines anderen Bewerbers mit dem Personaler (alternativ: Empfehlung durch einen Bekannten des Personalers)
  • Fehler von Ihnen in der Bewerbung
  • Münzwurf des Personalers

Der letzte Grund wirkt kurios, kommt aber wahrscheinlich häufiger vor als gedacht. Es ist das sogenannte Bewerber-Roulette. Bei mehreren passenden Kandidaten lässt der Personalchef den Zufall entscheiden. Vielleicht wirft er wirklich eine Münze, vielleicht lässt er auch seine Katze nach bunten Bällen haschen. Rot gewinnt. Das ist nun wirklich kein Grund, die Absage persönlich zu nehmen. Wenn aber Ihre Qualifikation nicht ganz dem Job entsprach oder Sie Fehler in Ihrer Bewerbung und/oder im Vorstellungsgespräch gemacht haben, dann lohnt es sich, diese Fehler zu hinterfragen. Gut wäre es, wenn Ihnen der Personaler so einen Fehler nennt oder auf den Mangel in Ihrer Qualifikation verweist. Das geschieht leider nicht immer, weil die Unternehmen in der Regel höfliche, nichtssagende Standardabsagen versenden. Doch Sie können im Personalbüro anrufen und nachfragen. Diesen Versuch sollten Sie unbedingt unternehmen, um für den nächsten Versuch besser gewappnet zu sein.

Was lernen Sie aus möglichen Fehlern?

Gesetzt den Fall, ein Personalchef weist Sie wirklich auf konkrete Fehler oder Qualifikationsdefizite hin, können Sie die Fehler ausmerzen. Sie könnten schon in den Bewerbungsunterlagen formale Fehler gemacht haben. Vielleicht waren auch Rechtschreibfehler enthalten, die bei einem so wichtigen Schriftstück nicht vorkommen sollten. Nehmen Sie sich das nächste Mal mehr Zeit, informieren Sie sich gründlich zu den formalen Anforderungen einer Bewerbung, nutzen Sie ein Rechtschreibtool und lassen Sie jemanden gegenlesen, bevor Sie die Bewerbung versenden. Wenn Ihre nicht passgenaue Qualifikation der Grund war, dann haben Sie sich vielleicht nicht auf den passenden Job beworben. Auch das kommt immer wieder vor, wenn Arbeitsuchende massenhaft Bewerbungen verschicken. Ersparen Sie sich und den Arbeitgebern in Zukunft diesen Aufwand: Bewerben Sie sich nur dort, wo man Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten wirklich braucht.

Warum ist die Bewerbungsabsage meistens so nichtssagend formuliert?

Ein großer Frust für Kandidaten ist die mangelnde Aussagekraft einer jeden Absage. Sollten Sie - wie soeben darstellt - mit dem Personalchef wirklich ins Gespräch kommen, haben Sie großes Glück und können etwas lernen. Aus der Absage selbst lernen Sie aber nichts. Die Unternehmen schützen sich mit den Standardabsagen vor endlosen Diskussionen, weil in Wahrheit nur wenige Bewerber noch einmal nachfragen, außerdem schützen sie sich vor Klagen wegen einer möglichen Diskriminierung. Der § 1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes regelt nämlich, dass es keine Benachteiligungen wegen des Geschlechts, des Alters, der ethnischen Herkunft, der Religion, einer Behinderung oder der sexuellen Orientierung und Identität geben darf. Aus solchen Gründen darf auch nicht der Zugang zu einem Job erschwert oder gar unterbunden werden. Daher formulieren die Personalchefs ihre Absagen vorsichtig, rechtssicher und in keiner Hinsicht angreifbar. Selbst beim Versuch des persönlichen Gesprächs wird ein Personaler nur vorsichtig antworten. Auf Ihre mangelnde fachliche Eignung kann er aber verweisen. Er sollte sie nur hinreichend begründen, damit Sie mit der Aussage etwas anfangen können.

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.