Bewerberfrage: Wo sehen Sie sich in 3, 5,10 Jahren?

In Bewerbungsgesprächen wird den Bewerbern stets die Frage nach ihrer persönlichen Zukunftsperspektive gestellt. Sie gehört zu den schwierigsten in diesem Gespräch und wird nur selten überzeugend beantwortet. Dabei ist eine genaue Prognose gar nicht erforderlich. Lesen Sie hier, worauf diese Frage abzielt und welche Antworten sich anbieten.

Die Frage nach dem Karriereplan

Wer bei dieser Frage stockte und verlegen wurde, muss sich dafür nicht schämen – das geht fast allen Kandidaten im Vorstellungsgespräch so. Nun ist natürlich interessant, warum ein Personaler überhaupt jemanden nach seiner eigenen Karriereprognose befragt. Das lässt sich durchaus erklären. Eigentlich geht es um drei Fragen, die komprimiert in der Fragestellung, wo man sich in fünf (oder drei oder zehn) Jahren sehen würde, stecken:
 

  • Was ist der wahre Antrieb des Bewerbers? Verfügt er über genügend Eigenmotivation? Hat er ein Ziel vor Augen? Letzteres wäre gut, es steigert die Leistung.
  • Passt der Kandidat ins Unternehmen? Das ist die Frage nach dem Cultural Fit, der Übereinstimmung von grundlegenden Werten des Bewerbers mit denen des Unternehmens. Wenn er glaubt, in fünf Jahren in diesem Unternehmen Karriere gemacht zu haben, dürfte er aus seiner Sicht kulturell gut zu diesem Unternehmen passen.
  • Wie langfristig möchte er dieser Firma bleiben, bei der er sich gerade bewirbt? Niemand schätzt Kandidaten, die schon beim Einstellungsgespräch wieder halb auf dem Absprung sind.


Sollten Sie dieser Bewerber sein, ist Ihnen spätestens jetzt klar, dass Sie keineswegs detailliert Ihre Karriereposition in drei, fünf oder sieben Jahren beschreiben sollen. Es geht vielmehr um Ihre wahren Antriebe und Ziele, die zu denen des Unternehmens passen müssen. Wenn Sie den Job haben wollen, können Sie mit der Antwort auf diese Frage, die fast immer ganz zuletzt gestellt wird, für sich selbst ein Schlussplädoyer halten und die Werbetrommel rühren. Bereiten Sie dieses Plädoyer gut vor.

So legen Ihren Karriereplan dar

Es gibt mehrere entscheidende Kriterien, die der Personaler durchleuchtet haben will, wenn er Ihnen diese Frage stellt. Ihm erschließt sich mit seiner Expertise daraus Ihr Plan für die eigene Karriere. Dieser Plan kann nicht in Daten festklopfen, wann Sie was sein möchten: in drei Jahren Abteilungs-, in fünf Jahren Bereichsleiter. Das wäre vollkommen weltfremd, sprechen Sie also solche Gedanken niemals aus. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf den Entwicklungsprozess. Beschreiben Sie, was Sie wohl in den nächsten Jahren lernen werden. Erwähnen Sie auch, inwieweit Sie sich eher zur Fach- oder mehr zur Führungskraft berufen fühlen. Suchen Sie dabei die Verbindung zu den Interessen des Unternehmens. Über dieses müssen Sie einiges wissen. Wodurch zeichnet es sich aus? Seine Größe und seine Innovationskraft spielen eine Rolle, die Position im Marktumfeld, das soziale Engagement und die Familienfreundlichkeit. An diese Punkte können Sie anknüpfen. Suchen Sie diejenigen Punkte, bei denen es eine große Übereinstimmung zwischen Ihren Interessen und denen des Unternehmens gibt. Vermeiden Sie strikt unehrliche Antworten, diese werden durch erfahrene Personaler sofort als solche erkannt.

Die eigene Motivation zeigen

In den Feldern, in denen Sie eine große Interessenübereinstimmung zwischen sich und dem Unternehmen feststellen, sollten Sie Ihre persönliche Motivation überzeugend und ausführlich darlegen. Wenn es sich beispielsweise um ein sehr innovatives Unternehmen handelt und Sie selbst gern tüfteln und schon Innovationen angestoßen haben, dann sprechen Sie über genau diesen Punkt. Sollten Sie keinen Punkt mit wirklich starken Übereinstimmungen finden, dann sprechen Sie über Dinge, die jeder unterschreibt. Das könnte das Ziel sein, Prozesse immer effizienter zu gestalten. Sie müssen den Personaler davon überzeugen, dass Sie persönlich wirklich motiviert sind.

Der Blick in die Zukunft

Sie sollen keinen exakten Karriereplan für die kommenden fünf Jahre darlegen, doch Sie dürfen durchaus in die Zukunft blicken. Dabei lassen Sie anklingen, wie stark Sie bestimmte Ziele anstreben. Damit stellen Sie klar, dass Sie im Unternehmen bleiben und dort Ziele verwirklichen möchten. Erklären Sie, warum Sie bei diesem Unternehmen beste Voraussetzungen für Ihre Ziele vorfinden. Bekräftigen Sie Ihren Optimismus, hier genügend Unterstützung zu finden – immer unter der Prämisse, dass eine exakte Karriereposition in exakt fünf Jahren unmöglich vorhergesagt werden kann. Doch vielleicht erlauben Sie sich die Spekulation zu alternativen Entwicklungen: “Ich könnte sicher ein Team führen, doch eine spannende Fachaufgabe im Bereich XY würde mich auch sehr reizen.”

Wie Sie sehen, ist die Antwort auf die oben gestellte Frage gar nicht so schwer. Bereiten Sie sich dennoch gut darauf vor.

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.