Career Awareness: Betrachten Sie Ihre Karriere von einem zukünftigen Standpunkt aus

Career Awareness ist das Karrierebewusstsein und erfordert, dass Sie Ihre Karriere von einem zukünftigen Standpunkt aus betrachten. Erfahren Sie hier, wie Sie diejenigen Kompetenzen entwickeln, mit denen Sie eigenverantwortlich und schnell Ihre Fähigkeiten erweitern.

Was gehört zur Career Awareness?

Lebenslanges Lernen ist heutzutage eine Pflicht, keine Kür mehr wie noch vor einigen Jahren. Das betrifft vor allem Fach- und Führungskräfte. Sie stärken damit aktiv ihre Beschäftigungsfähigkeit (Employability/Arbeitsmarktfitness) und halten diese auch. Es liegen hierin viele alternativlos Entwicklungspotenziale für den einzelnen Beschäftigten, aber auch für die Unternehmen.

Allerdings ähnelt der berufliche Alltag von Führungskräften heutzutage oftmals einer Achterbahn, in die gelegentlich doppelte Loopings eingebaut wurden. Es sind reguläre, an sich schon sehr anspruchsvolle Führungsaufgaben und darüber hinaus Projekte mit hoher Komplexität zu bewältigen. Vielleicht bedrohen neue Konkurrenten mit Innovationen das eigene Geschäftsmodell, technologische Disruptionen erfordern ein ständiges Umdenken. Datenmengen in riesiger Menge müssen koordiniert werden. Wenn es um Entscheidungen geht, haben die Führungskräfte immer häufiger starke Ambivalenzen zu akzeptieren.

Ein Beispiel: Das Unternehmen muss dringend Kosten senken und denkt daher an einen Stellenabbau. Andererseits sucht es eigentlich Fachleute mit sehr spezifischen Kompetenzen. Das ist die neue VUKA-Welt. Das Akronym steht für:

  • Volatilität
  • Unsicherheit
  • Komplexität
  • Ambivalenz

Die modernen agilen Organisationsformen tendieren zu sich selbst organisierenden Netzwerken zwischen kleineren Teams, die bereichs- und unternehmensübergreifend operieren. Entscheidungsträger, welche solche Teams erfolgreich aufbauen möchten, benötigen Offenheit und die Fähigkeit zu einer vertrauensvollen Führung. Dem steht die oft zitierte “German Angst” entgegen: In Deutschland möchte niemand Fehler machen. Doch damit sind entscheidende Entwicklungen nicht möglich. Gefordert sind heute vielmehr ein mutiges und manchmal auch disruptives Denken, dem ein entsprechendes Handeln folgt. Nur so können wir im Kern unsere Zukunftsfähigkeit sichern.

Die Unternehmenskultur muss gleichzeitig von gegenseitigem Vertrauen durchsetzt sein. Von den Führungskräften verlangt das Reflexion, Vielseitigkeit, Experimentierfreude, Offenheit, Selbstsicherheit und Veränderungsbereitschaft. Sie müssen sich selbst gut führen können: Nur dann können sie auch andere führen.

Karrierebewusstsein über Selbstreflexion

Gute Führungskräfte nehmen pro Woche eine halbe Stunde ihrer wertvollen Zeit für die Selbstreflexion. Die Frage lautet: “Bin ich noch auf dem richtigen, zielführenden Weg?“ Bei dieser Gelegenheit können Sie als Führungskraft auch die Leistungen Ihres Teams reflektieren. Sie sollen immerhin der Sparringspartner Ihrer Kollegen sein. Es genügt heutzutage nicht mehr, nur halbherzige Leistungsbewertungen von MitarbeiterInnen abzuliefern.

Natürlich denken manche Führungskräfte: Das kennen wir alles schon. Doch wie oft und regelmäßig haben Sie wirklich zuletzt über vertiefte und allgemeine Problemstellungen nachgedacht, die nicht unmittelbar mit dem Tagesgeschäft zu tun hatten? Wie aktiv haben Sie Ihre Erkenntnisse tatsächlich in Verhaltensveränderungen umgesetzt? Wenn Sie damit jetzt beginnen, erhalten Sie damit Ihre Beschäftigungsfähigkeit. Sprechen Sie auch mit Vorgesetzten und Mitarbeitern über die Ergebnisse Ihrer Reflexion. Auf diese Weise verhalten Sie sich vorbildlich und vernachlässigen Ihre Karriereplanung nicht.

Boxenstopp für den Karriereplan

Führungskräfte sollten alljährlich einen Boxenstopp durchführen. Idealerweise nehmen Sie sich etwa einen halben Arbeitstag Zeit für diese Denkpause, die Sie am besten gemeinsam mit einem qualifizierten Reflexionspartner durchführen.

Ihre Innenschau könnte bei Ihren Werten und Motiven beginnen. Dabei ist es nützlich, aufkommende Bilder für eine Visualisierung zuzulassen. Sie könnten über Ihre größten Erfolge im letzten Jahr nachdenken. Beschreiben Sie dabei, mit welchen Aktivitäten Ihnen diese geglückt sind.

Danach reflektieren Sie über Ihre persönlichen Fähigkeiten, die zum Erfolg beigetragen haben. Nun geht es um die Frage, inwieweit diese Fähigkeiten auch unter geänderten Rahmenbedingungen und möglicherweise künftigen Herausforderungen noch nützlich wären.

Auch über Ihre Misserfolge sollten Sie nachdenken und wiederum diejenigen Handlungen und wahrscheinlich mangelnden Fähigkeiten reflektieren, welche die Misserfolge ausgelöst haben. Überlegen Sie, ob es alternative Lösungsstrategien gegeben hätte und welche das gewesen wären. Damit erkennen Sie Ihre Entwicklungsfelder. Denken Sie Ihre Karriere immer aus dem Blickwinkel der Zukunft: Was dürfte Ihr übernächster Karriereschritt sein?

Career Awareness als Vorsorgemodell

Die digitale Welt hat das Tempo der Veränderungen deutlich beschleunigt. Das müssen Sie bei Ihrem Karriereplan beachten. In früheren Zeiten waren große Konzerne die Platzhirsche, die kleinere Unternehmen schlucken konnten.

Heute haben die schnellen Unternehmen die Nase vorn. Das lässt sich überall beobachten und verleitet Entscheider dazu, selbst viel schneller als früher zu agieren. Das ist nicht immer sinnvoll: Möglicherweise sollten Sie wenigstens temporär dem Druck zu blitzschnellen Entscheidungen und Handlungen widerstehen. Unter extremen Anforderungen reagieren wir manchmal unflexibel und innerlich verunsichert. Wir fallen in automatisierte Muster zurück, die beileibe nicht immer situationsgerecht und sinnvoll sind. Zwar sind wir schnell, doch wir agieren auch falsch und eben völlig unreflektiert.

Die Vorsorge für die eigene Karriere verlangt, sich diesen Effekt wirklich bewusst zu machen. Richten Sie daher regelmäßig und konkret Ihren Blick auf sich selbst, Ihre Motive, Wertvorstellungen, Fähigkeiten und Entwicklungsfelder. Damit erhalten Sie ein bedeutsames Navigationsinstrument und können sich klare Ziele setzen. “Achtsamkeit“ ist ein guter Begriff für diesen Blick auf die eigene Karriere.

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.

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