Stärken in der Bewerbung: Wonach suchen Personaler?

Auf der Suche nach einem Job bringen die meisten Menschen bestimmte Stärken in der Bewerbung unter, von denen sie glauben, dass diese besonders gern gesehen sind. Dabei herrschen einige Mythen und Irrtümer. So sind “Neugierde und Kreativität” sehr viel weniger gefragt als Eigeninitiative, Kommunikationsfähigkeit und Leistungsbereitschaft.

Welche Stärken in der Bewerbung wollen Personaler sehen?

Die folgende Liste entstammt einer Meta-Analyse aus mehreren, branchenübergreifenden Umfragen unter den Personalchefs deutscher Unternehmen. Sie zeigt den Anteil der “sehr wichtigen” und “wichtigen” Eigenschaften von Bewerbern und damit ziemlich genau, auf welche Stärken es wirklich und überall ankommt:

  • Eigeninitiative: 80 %
  • Leistungsbereitschaft: 65 %
  • Kommunikationsfähigkeit: 64 %
  • Teamfähigkeit: 58 %
  • Lernbereitschaft: 52 %
  • Leistungsorientierung: 50 %
  • Verantwortungsbereitschaft: 48 %
  • analytische Fähigkeiten: 44 %
  • Neugier / Offenheit: 41 %
  • Belastbarkeit: 35 %

Dabei ist natürlich die Branche zu beachten. Es mag Unternehmen geben, in denen analytische Fähigkeiten etwas mehr gefragt sind, wenn Analysen in der Unternehmenstätigkeit eine große Rolle spielen. Allerdings dominieren die ersten sechs Punkte (bis zur Leistungsorientierung) praktisch überall.

Wie stellen Sie in einer Bewerbung Ihre Stärken dar?

Eine Auflistung gilt als vollkommen ungeeignet, vielmehr sollten die Stärken aus Ihrem Lebenslauf hervorgehen und behutsam unterstrichen werden. So könnte als Beleg für Eigeninitiative dienen, dass Sie in einem früheren Job einen Workshop für die Schulung Ihrer Kollegen eingerichtet oder auch Fehler im Arbeitsprozess beseitigt haben. Ihre Leistungsbereitschaft haben Sie möglicherweise dadurch bewiesen, dass Sie Projekte auch unter sehr widrigen Umständen und mit Zusatzarbeit erfolgreich abschließen konnten. Ihre Kommunikationsfähigkeit würde aus früheren Leitungsfunktionen - etwa bei Ihrem selbst eingerichteten Workshop - hervorgehen, in welchem Sie auch Ihre Teamfähigkeit beweisen konnten. Unterstreichen Sie Ihre Lernbereitschaft mit Belegen aus früheren Jobs und Praktika, verweisen Sie auf Ihre Ergebnisorientierung, indem Sie Ihre Effizienz und Ihre strikte Orientierung an betriebswirtschaftlichen Zahlen betonen. Die Anleitung kleiner Teams in Ihrer vorherigen Firma zeugt von Verantwortungsbereitschaft, Ihre analytischen Fähigkeiten haben Sie vielleicht im Studium geschärft. Neugierig und offen sind Sie, wenn Sie gern an Weiterbildungen teilnehmen, als belastbar gelten Sie, wenn Sie Überstunden nicht ablehnen.

Zählt das Fachwissen auch zu den Stärken?

Das Fachwissen zählt man zu den Hard Skills, während die bisher genannten Stärken komplett den Soft Skills zuzuordnen sind. Natürlich müssen Sie in einer Bewerbung Ihre Hard Skills benennen, vielfach werden diese auch in der Stellenausschreibung explizit vorgegeben (“abgeschlossene Ausbildung als …”, “Zertifikat in der Software-Schulung zu XY” etc.). Solche Hard Skills sind daher keine besonderen Stärken, mit denen Sie sich aus der Masse der Bewerber herausheben können.

Welche Stärken sind gar keine?

Manche Bewerber verweisen auf vermeintliche Stärken, die in Wahrheit keine sind und den Personaler nur langweilen. Dieser Thematik hat sich die Karriereplattform LinkedIn angenommen. Dabei analysierten die Experten des Portals 300 Millionen Online-Profile und identifizierten dabei sogenannte “Stärken”, die so oft genannt werden, dass sie als abgedroschen gelten müssen. Dazu zählen:

  • kreativ
  • motiviert
  • Leidenschaft
  • Expertenwissen
  • strategisch
  • ehrgeizig
  • Auslandserfahrung

Dass Sie kreativ, motiviert oder ehrgeizig sind, brauchen Sie nicht zu betonen. Diese Attribute werden so oft genannt, dass Sie ein Personalverantwortlicher gezielt überliest. Auch die anderen genannten Schlagwörter zeugen nicht von Stärke, sondern von einer Allerweltsbewerbung, die sie wahrscheinlich irgendwo abgeschrieben haben.

Stärken in der Bewerbung je nach Stelle betonen

Es gibt Stärken wie die ersten sechs genannten, die überall gefragt sind. Dann gibt es auch Stärken, die wir gar nicht in die Prioritätenliste aufgenommen haben, die aber in bestimmten Branchen und auf gewissen Positionen wichtig sind. Das wäre zum Beispiel die interkulturelle Kompetenz in Unternehmen, die international aufgestellt sind und ständig - auch im Standort in Deutschland - interkulturelle Teams beschäftigen. Sollten Sie im neuen Job international reisen, käme als wichtige Stärke noch Ihre Sprachkompetenz hinzu (mindestens Fach-Englisch). Im Dienstleistungsbereich sollten Sie sehr kundenorientiert sein, in sozialen Berufen sehr feinfühlig.

Wie finden Sie Ihre individuellen Stärken heraus?

Je nach Lebensalter und Berufserfahrung hat man Ihnen sicher früher schon gesagt, wo Ihre Stärken liegen. In Zeugnissen der Berufsausbildung oder Hochschule werden sie ebenso erwähnt wie in Leistungsbeurteilungen früherer Arbeitgeber. Sie können auch Ihre Familie und Freunde fragen, doch denken Sie dabei an den Unterschied zwischen privatem und beruflichem Verhalten. Natürlich können Sie sich auch professionellen Rat einholen, indem Sie sich coachen lassen. Manager nehmen das immer wieder in Anspruch. Eine Selbstanalyse funktioniert per SWOT. Dieses Analyseverfahren wurde eigentlich für die Strategieentwicklung von Unternehmen kreiert, es deckt aber verschiedene Bereiche ab, darunter auch die berufliche Selbstanalyse. SWOT steht dabei für:

  • Strengths (Stärken)
  • Weaknesses (Schwächen)
  • Opportunities (Chancen)
  • Threats (Bedrohungen)

Mit den Stärken und Schwächen sind Ihre eigenen Eigenschaften gemeint, mit den Möglichkeiten und Bedrohungen die Einflüsse Ihrer Umwelt. Das sind im Fall eines Bewerbungsprozesses die Möglichkeiten, die Ihnen ein neuer Job bietet, sowie die Bedrohungen durch die Unsicherheiten (eventuell) am alten und auch am neuen Arbeitsplatz. Sie müssen schließlich diese Faktoren bewerten, gewichten und gegeneinander abwägen, was sogar mithilfe einer Matrix quantitativ möglich wäre. Bei der SWOT-Analyse für Unternehmen geht man so vor, Sie selbst sollten bei Ihrer Selbstanalyse dieses Verfahren vielleicht im Hinterkopf haben. Je besser Sie Ihre Stärken und Schwächen finden, desto eher finden Sie für sich eine passende Stelle.

Foto: © BillionPhotos.com Adobe Stock

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.

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