Der erste Satz im Anschreiben: Dieser Klassiker kostet dich die Einladung

Der erste Satz im Anschreiben: Dieser Klassiker kostet dich die Einladung

Professionell bewerben | 13.07.2026

„Hiermit bewerbe ich mich um die ausgeschriebene Stelle als …“ Mit genau diesem Satz beginnt ungefähr jedes zweite Anschreiben. Er wirkt höflich, korrekt, sauber. Und trotzdem ist er oft der Grund, warum eine gute Bewerbung gar nicht erst weitergelesen wird. Denn der erste Satz ist die wertvollste Position im ganzen Dokument. Wer ihn verschenkt, verliert die Aufmerksamkeit, bevor die eigentlichen Argumente überhaupt eine Chance bekommen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Standard-Einstieg „Hiermit bewerbe ich mich …“ sagt nur das, was ohnehin klar ist.
  • Der erste Satz entscheidet, ob der zweite gelesen wird. Er soll neugierig machen, nicht abhaken.
  • Ein starker Einstieg braucht drei Dinge: einen konkreten Bezug zur Stelle, deine passende Stärke und, wenn möglich, eine Zahl als Beleg.
  • Drei beliebte Floskeln kannst du sofort streichen, weil sie nur über dich reden und nichts über deinen Nutzen sagen.

1. Warum der häufigste erste Satz so schwach ist

Stell dir die Situation kurz vor: Die Person, die einstellt, hält deine Bewerbung in der Hand. Sie weiß, dass du dich bewirbst, und sie weiß auch, auf welche Stelle. Wenn du dann schreibst „Hiermit bewerbe ich mich um die Stelle als …“, sagst du etwas, das längst klar ist. Das ist ungefähr so, als würdest du ein Gespräch mit den Worten „Hallo, ich spreche jetzt mit dir“ beginnen. Richtig, aber überflüssig.

Gleich drei Dinge gehen hier schief:

  • Erstens sagt der Satz nur das Selbstverständliche. 
  • Zweitens verschenkst du damit die wertvollste Zeile, die du hast: Der erste Satz entscheidet nämlich häufig, ob überhaupt ein zweiter gelesen wird. Er ist deine Eintrittskarte, ein kleiner Aufhänger. 
  • Und drittens klingt der Satz nach Schema F. Er signalisiert: Jetzt kommt eine Bewerbung, die genauso aussieht wie tausend andere. Und genau hier liegt das eigentliche Risiko. In diesem Moment darf bei der lesenden Person auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass du austauschbar bist.

Vielleicht denkst du jetzt: „Der Satz ist doch einfach höflich und seriös.“ Das stimmt. Höflich und austauschbar sind aber zwei verschiedene Dinge. Du kannst respektvoll und formell bleiben und im ersten Satz trotzdem etwas Eigenes sagen.

2. Was dein erster Satz wirklich leisten muss

Dreh das Ganze einmal um und versetze dich gedanklich in die Rolle der Person, die über die Einstellung von Personal entscheidet. Welche Aufgabe hat der erste Satz, den sie liest? Er muss eine einzige Frage mit “Ja” beantworten: Lohnt es sich, weiterzulesen? Mehr nicht. Der erste Satz ist ein Türöffner. Er zeigt, dass du verstanden hast, worum es bei dieser Stelle geht.

Dafür gibt es einen einfachen Test. Frage dich: Könnte mein erster Satz genauso in tausend anderen Bewerbungen stehen? Wichtig ist dabei: Der Satz muss nicht originell sein. Er muss relevant sein. Ein konkreter Satz, der sofort diese eine Stelle trifft, ist viel wertvoller als einer, der um jeden Preis auffallen will.

3. Drei Bausteine für einen starken Einleitungssatz

Du brauchst nur drei Bausteine für einen gelungenen Einstiegssatz im Bewerbungsanschreiben:.

  • Bezug. Etwas Konkretes, das zeigt, dass du wirklich hingeschaut hast und das direkt mit der Stelle zu tun hat.
  • Stärke. Was du mitbringst und warum du gut dazu passt, zum Beispiel eine relevante Erfahrung.
  • Zahl. Ein kleiner Beleg dafür, dass das stimmt. 

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der direkte Vergleich:

Schwacher Einstieg

Stärkerer Einstieg

„Hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle als Kundenberaterin in Ihrem Unternehmen.“

„Schwierige Kundengespräche sind genau das, was ich gut kann. In den letzten Jahren habe ich täglich Beschwerden gelöst, ohne dass Kunden abgesprungen sind. Genau diese Stärke möchte ich bei Ihnen einbringen.“

„Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen und würde mich gerne bewerben.“

„Als ich in Ihrer Anzeige gelesen habe, dass Sie jemanden suchen, der Ordnung ins Chaos bringt, musste ich schmunzeln. Genau das ist seit Jahren mein Job.“

 

Der Unterschied ist immer derselbe: Der zweite Einstieg zeigt sofort eine Stärke und verbindet sie mit dem, was das Unternehmen sucht. Genau das macht aus einer Formel einen Türöffner.

Wie lang sollte der Einleitungssatz sein?

Ein bis zwei Sätze reichen. Mehr braucht es nicht. Wer umständlich einleitet, bevor er zum Punkt kommt, verliert die Aufmerksamkeit, die er gerade erst gewonnen hat. Faustregel: Wenn dein erster Satz alleine stehen könnte und trotzdem schon etwas bedeutet, ist er gut.

4. Einleitungssätze für verschiedene Situationen — 14 Beispiele zum Anpassen

Manchmal ist es beim Verfassen eines Bewerbungsanschreibens einfacher, ein konkretes Muster vor Augen zu haben. Hier sind 14 Einleitungssätze für die häufigsten Bewerbungssituationen. Du musst sie nicht wörtlich übernehmen,  aber du kannst sie als Startpunkt nehmen und mit deinen eigenen Zahlen und Erfahrungen füllen.

Als Berufserfahrener

Du hast bereits Erfahrungen, auf die du dich beziehen kannst. Nutze genau das. Ein konkretes Ergebnis oder eine Zahl aus der Vergangenheit macht deinen Einstieg sofort glaubwürdig.

Situation

Einleitungssatz

Projektleitung

„In den letzten fünf Jahren habe ich als Projektleiterin Teams mit bis zu 30 Mitgliedern durch enge Zeitpläne geführt. Dabei habe ich gelernt, dass gute Planung genauso wichtig ist wie die Fähigkeit, schnell umzuplanen. Genau das suchen Sie laut Ihrer Ausschreibung.“

Vertrieb / Account Management

„Als Account Manager mit Fokus auf B2B-Software habe ich in drei Jahren 38 Neukunden gewonnen. Diese Erfahrung möchte ich jetzt in Ihrer Vertriebsabteilung einbringen.“

Führung mit Praxisbezug

„Ich kenne beide Seiten: sieben Jahre als Kundenberater, danach drei Jahre als Teamleiter. Diese Kombination macht mich zu jemandem, der ein Team nicht nur führt, sondern vor allem versteht.“

Marketing / Kommunikation

„Seit vier Jahren entwickle ich Marketingkampagnen mit einem Budget von bis zu 15 Millionen Euro, die sehr gut konvertieren. Genau das sehe ich als großen Mehrwert bei Ihrer ausgeschriebenen Stelle.“

 

Als Berufseinsteiger oder Absolvent

Du hast noch wenig Berufserfahrung , aber du hast Studium, Praktika, Projekte und Abschlussarbeiten erfolgreich absolviert. Alles davon kann ein Bezugspunkt sein, solange du es konkret machst.

Situation

Einleitungssatz

Studium + Praktikum kombinieren

„Im Studium habe ich Marketingstrategien entwickelt, im Praktikum bei [Unternehmen] habe ich sie umgesetzt. Mein Schwerpunkt ist Social Media, was exakt zur ausgeschriebenen Stelle passt.“

Abschlussarbeit als Brücke

„Meine Bachelorarbeit über agiles Projektmanagement und sechs Monate Praxis im Praktikum haben mir gezeigt: Ich bin am stärksten, wenn ich Strukturen aufbauen darf. Genau das beschreibt Ihre Ausschreibung.“

Eigeninitiative statt Zeugnisse

„Während des Studiums habe ich drei eigene Projekte geleitet, zwei Praktika absolviert und ein Ehrenamt im sozialen Bereich bekleidet. Ich möchte Ihnen gerne zeigen, was ich damit angefangen habe.“

 

Als Quereinsteiger

Quereinsteigen bedeutet nicht, von vorne anfangen. Du bringst Fähigkeiten aus einer anderen Branche mit,  und das ist oft genau das, was ein Team braucht. Benenne das direkt.

Situation

Einleitungssatz

Neue Branche, alte Stärken

„Zehn Jahre Außendienst in zwei verschiedenen Branchen haben mich gelehrt, in kurzer Zeit Vertrauen zu schaffen. Diese Fähigkeit bringe ich jetzt als Quereinsteigerin in den Bereich HR mit.“

Außenperspektive als Stärke

„Ich komme nicht aus der Branche,  doch ich bringe etwas mit, das sich nur schwer lernen lässt: eine Außenperspektive, die frischen Wind bedeutet, und echte Neugier auf das Thema.“

 

Für eine Initiativbewerbung

Bei einer Initiativbewerbung gibt es keine Stellenanzeige, aus der du Stichworte aufgreifst. Du musst also selbst zeigen, dass du das Unternehmen kennst, und warum du trotzdem schreibst.

Situation

Einleitungssatz

Konkreter Anlass (LinkedIn, Presse)

„Ihr Beitrag über die Expansion in den DACH-Markt hat mich aufhorchen lassen, denn genau in diesem Bereich habe ich in den letzten drei Jahren Erfahrungen gesammelt, die ich gerne einbringen möchte, um Ihre Position auf diesem Markt zu erweitern.“

Begeisterung ohne Umwege

„Eine  Stellenausschreibung habe ich bei Ihnen nicht gefunden. Warum bewerbe ich mich dennoch bei Ihnen? Weil ich von ihrer Strategie und ihren Produkten überzeugt bin und meine Marketing-Erfahrung im Bereich Social Media genau zu ihrem Portfolio passt.“

 

Nach einem Gespräch oder einer persönlichen Empfehlung

Hier hast du einen echten Vorteil: Es gibt bereits einen Kontaktpunkt. Nenn ihn im ersten Satz, denn das schafft sofort eine Verbindung.

Situation

Einleitungssatz

Nach Messe oder Event

„Nach unserem Gespräch auf der Jobmesse in München schicke ich Ihnen wie vereinbart gerne meine vollständigen Unterlagen.“

Empfehlung durch Kontakt

„Ihre Kollegin Lisa Wagner hat mir von der offenen Stelle im Marketing-Team erzählt. Nach einem Blick auf Ihre letzten Projekte war mir klar, dass ich Ihnen schreiben möchte.“

Nach telefonischem Erstkontakt

„Vielen Dank für unser Telefonat letzte Woche. Sie hatten gesagt, Sie suchen jemanden, der sowohl konzeptionell denken als auch anpacken kann. Das ist genau die Kombination, die ich mitbringe.“

 

5. Floskeln, die du sofort streichen kannst

Was du in der Einleitung unbedingt vermeiden solltest, sind Sätze, die nichts über dich aussagen und nicht konkret erklären, was das Unternehmen von dir hat. Hier einige besonders abschreckende Beispiele:

„Ich bin teamfähig, motiviert und belastbar.“ Das schreibt fast jeder Bewerber. Eine Behauptung über dich selbst überzeugt niemanden. Schreib stattdessen etwas Nachvollziehbares, das man dir abnimmt.

„Ihre Anzeige hat mein Interesse geweckt.“ Schön für dich, doch die lesende Person interessiert das wenig. Sie will wissen, was du für sie tust, nicht andersherum.

„Ich bin auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.“ Auch dieser Satz dreht sich um dich und nicht um die Stelle. Besser ist es, konkret zu benennen, was dich an dieser Aufgabe reizt.

Die gemeinsame Regel dahinter: Alles, was nur für dich spricht, gehört im Anschreiben nach hinten. Im ersten Moment zählt, was du kannst, was das Unternehmen braucht und wie du es einbringst.

6. Dos und Don’ts auf einen Blick

Wenn du unsicher bist, ob dein erster Satz funktioniert, hilft dieser schnelle Check. Hier sind die wichtigsten Regeln noch einmal kurz zusammengefasst.

Das gehört rein:

  • Konkret sein: Eine Zahl, ein Ergebnis, ein Projekt. Nichts ist überzeugender als etwas, das man nachprüfen kann.
  • Vom Unternehmen ausgehen: Welches Wort taucht in der Anzeige immer wieder auf? Greife genau dieses Wort auf.
  • Eine Stärke nennen: Nicht als Adjektiv über dich, sondern als Erfahrung oder Ergebnis, das zeigt, was du kannst.
  • Kurz bleiben: Ein bis zwei Sätze. Der erste Satz ist kein Aufsatz.

Das kannst du weglassen:

  • Das Selbstverständliche: „Hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle als …“, denn das weiß die lesende Person bereits.
  • Adjektive über dich selbst: „Als engagierte und kommunikationsstarke …“: Eigenschaften müssen belegt sein. Ansonsten lasse sie weg..
  • Den Fokus auf dich: „Ich suche eine neue Herausforderung“ dreht sich um dich, nicht um das Unternehmen.
  • Konjunktive: „Ich würde mich freuen, wenn …“ klingt unsicher. Formuliere direkt.

7. Warum dich das nur fünf Minuten kostet

Vielleicht denkst du jetzt: „Ich bewerbe mich auf zwanzig Stellen, ich kann nicht jedes Mal einen komplett neuen Satz erfinden.“ Musst du auch nicht. Du brauchst nur ein, zwei Sätze und etwas Recherche pro Stelle. Wirf einen Blick in die Anzeige, such das Wort, das wirklich wichtig erscheint, und greife genau dieses Wort in deinem Einstieg wieder auf.

Das sind im Schnitt rund fünf Minuten pro Bewerbung. Diese fünf Minuten sind mehr wert als zehn weitere Bewerbungen mit demselben Standard-Einstieg.

8. Häufige Fragen zum ersten Satz im Anschreiben

Darf der erste Satz im Anschreiben mit „Ich“ beginnen?

Früher war das verpönt, heute ist es kein Problem mehr. Entscheidend ist, was der erste Satz aussagt. Ein „Ich“-Satz, der sofort etwas Konkretes liefert, ist besser als ein verschachtelter Einstieg, der zwar kein „Ich“ enthält, aber trotzdem nichts sagt. Wenn du mit „Ich“ anfängst, dann sorge dafür, dass danach sofort eine Stärke oder ein Ergebnis kommt.

Was ist der Unterschied zwischen Einleitungssatz und Einleitung?

Der Einleitungssatz ist wörtlich der erste Satz. Die Einleitung kann ein ganzer Absatz sein: meistens zwei bis vier Sätze. Ein starker Einleitungssatz trägt die halbe Last alleine: Er holt die lesende Person rein, der Rest der Einleitung baut darauf auf. Wenn dein erster Satz sitzt, ist die Einleitung schon halb gewonnen.

Was schreibe ich, wenn ich keinen Ansprechpartner kenne?

Dann formulierst du so, dass du auf die Stelle eingehst. „Sehr geehrte Damen und Herren“ steht im Briefkopf, danach kommt ein Einstieg, der sofort zeigt, warum diese Stelle und du zusammenpassen. Die fehlende Anrede ist kein Nachteil, solange der erste inhaltliche Satz sitzt. Wenn es irgendwie möglich ist, suche auf LinkedIn oder der Website nach dem Namen einer konkreten Person. Das macht immer einen besseren Eindruck als die allgemeine Anrede.

Wie viele Sätze sollte die Einleitung insgesamt haben?

Zwei bis vier Sätze sind ein guter Rahmen. Mehr ist selten besser. Bedenke dabei: Die Einleitung ist kein Ort für Hintergrundinformationen zu dir oder dem Unternehmen. Das kommt später. Sie soll nur eines tun: so viel Interesse wecken, dass die lesende Person weiterliest.

Kann ich den Einleitungssatz für mehrere Bewerbungen verwenden?

Eine Grundstruktur kannst du übernehmen. Ergänze sie aber jedes Mal mit dem, was konkret zu dieser Stelle passt. Ein Satz, der auf eine konkrete Anzeige abgestimmt ist, funktioniert immer besser als ein universeller Einstieg, der irgendwie zu allem passen soll. Die fünf Minuten, die es kostet, den Satz anzupassen, sind gut investiert.

Mein Tipp: Lies einmal nur deinen ersten Satz

Nimm dir eine deiner aktuellen Bewerbungen und lies wirklich nur die erste Zeile. Stell dir dann die ehrliche Frage: Würdest du dieser Bewerbung eine Chance geben, weil der Einstieg dich neugierig macht? Oder würdest du sie zur Seite legen, weil sie anfängt wie alle anderen? Wenn dein erster Satz sitzt, hast du den schwierigsten Teil hinter dir, und alles, was danach kommt, bekommt überhaupt erst die Chance, gelesen zu werden.

Und wenn du gerade mehrere Stellen vergleichst: Auf Stellenmarkt.de findest du aktuelle Stellenangebote und in jeder Anzeige genau die Stichworte, die du für einen passenden ersten Satz aufgreifen kannst.

Helenas Bewerbungstipps: Mit diesem Satz bekommst du NIE eine Zusage – und fast jeder schreibt ihn!
Dr. Hans-Peter Luippold

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und LinkedIn.

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