Bewerbung bei Unternehmen per Direkteinstieg oder mit Einstiegsprogramm

In ein Unternehmen können sich Absolventen per Direkteinstieg oder Traineeprogramm bewerben. Die Programme für Trainees unterscheiden sich teilweise deutlich, Bewerber sollten sie genau studieren. Die Bedingungen unterscheiden sich zudem manchmal mehr, manchmal weniger von denen beim direkten Einstieg. Ein künftiger Absolvent auf Bewerbungstour sollte seine Karriereziele genau kennen, um sich für die eine oder andere Variante entscheiden zu können.

Trainees im Unternehmen, Förderprogramme für Direkteinsteiger

Zwischen dem Direkteinstieg und einem Traineeprogramm gibt es naturgemäß Unterschiede, doch sie verwischen sich teilweise. Inzwischen legen viele Unternehmen Einstiegsprogramme für die Direkteinsteiger auf, die Mentoren- und Förderprogramme sollen die jungen Berufsanfänger zusätzlich schulen. Umgekehrt werden aus schieren Rentabilitätsgründen inzwischen viele Trainees in den Unternehmensalltag voll integriert - man kann ihre Arbeitsleistung gut gebrauchen. Der nach wie vor bestehende wesentliche Unterschied ist die gründliche Einführung von Trainees in ihre Arbeit, die auch Fehler verzeiht, weil die Ausbildung Vorrang hat. Die Arbeitgeber erhoffen sich zwar von ihren Investitionen in die Trainees alsbald handfeste Erfolge, doch sie wissen, dass dem ein wichtiger Lernprozess vorausgehen muss. Diejenigen Absolventen jedoch, die ins Unternehmen direkt eingestiegen sind, empfinden das sehr oft als den berüchtigten Sprung ins eiskalte Wasser. Ihr Arbeitgeber erwartet von ihnen schon vom ersten Tag an ein hohes Verantwortungsbewusstsein, Fehler sollten besser nicht passieren - wenn doch, haben sie ernsthafte Konsequenzen. Natürlich erhalten dafür die Direkteinsteiger deutlich mehr Geld als die Trainees, sonst wäre diese Rollenverteilung nicht gerecht.

Was sollten Absolventen über ein Traineeprogramm wissen?

Für Trainees gibt es stets nur eine begrenzte Stellenzahl. Der Einstieg gilt als kompetitiv (auf den Wettbewerb ausgerichtet), die künftigen Trainees werden zentral in einem Assessment-Center ausgewählt. Bei Direktbewerbern nimmt die einzelne Fachabteilung die Auswahl vor. Auch machen den Programmen für Trainees die Konjunkturzyklen wenig aus. Die Traineestellen lassen sich beim Betriebsrat viel eher durchsetzen, während die direkten Positionen in der Regel intern besetzt werden. Vorteile sind:
 

  • solide Karrierechancen
  • sehr hohe Chancen auf Übernahme nach dem Programm
  • Lernprozess in verschiedenen Unternehmensbereichen
  • internes Networking
  • oft internationaler Einsatz
  • sehr strukturierte Förderung


Dem stehen durchaus einige Nachteile gegenüber. Das deutlich geringere Gehalt ist nur der augenscheinlichste, auch die geringere Verantwortung wiegt schwer. Direkteinsteiger werden einfach vom ersten Tag an gestählt und müssen sich als Generalisten beweisen. Wenn ein Trainee übernommen werden will, muss er zudem flexibel bei der Jobwahl sein: Das Unternehmen könnte ihn an unterschiedlichste Einsatzorte schicken. Traineeverträge sind darüber hinaus oft befristet. Nach dem Programm muss sich der Kandidat also intern neu bewerben.

Was hat der Direkteinstieg für Vorteile?

Gerade durch Einstiegsprogramme kann die direkte Bewerbung auf den Job große Vorteile generieren:
 

  • höheres Gehalt
  • anspruchsvollere Aufgaben
  • schnellere praktische Erfahrungen
  • fachspezifische Schulungen


Ein Nachteil kann die mangelnde Zeit für Weiterbildungen sein. Auch das Networking beginnt erst nach der Einstellung. Die Entscheidung für die eine oder andere Variante richtet sich daher nach dem Karriereplan.

Welcher Karriereweg, welcher Einstieg?

Bewerber, ihre Interessen sehr gut kennen und die Art ihrer Karriere fest im Blick haben, können direkt in ein Unternehmen einsteigen. Sie verdienen von Anfang an mehr und können sich anspruchsvolleren Aufgaben widmen. Programme für Trainees sind hingegen praxisorientierte Ausbildungsprogramme mit einem gar nicht zu schlechten Gehalt. Die strukturierte Förderung im Rahmen dieser Programme spricht Bewerber an, die sich im Unternehmen umschauen möchten und für eine Weile die (fast täglichen) Ratschläge eines Mentors gern entgegennehmen. In günstigen Fällen lernen Trainees internationale Zweigstellen kennen und erweitern dabei ganz beträchtlich ihren Horizont. Wer hingegen schon Praktika absolviert oder anderswo handfeste Berufserfahrung gesammelt hat, kann durchaus den direkten Einstieg in ein Unternehmen wählen.

Foto: © grki adobe stock

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.