Feel Good Manager: Berufsbild, Studium, Karrierechancen

Feel Good Manager: Berufsbild, Studium, Karrierechancen

Ein Feel Good Manager ist nur zuständig für den Faktor Spaß im Unternehmen? Weit gefehlt: Zum Zwecke von kontinuierlicher Mitarbeitermotivation und langfristiger Mitarbeiterbindung  setzen Startups und Großunternehmen mit steigender Tendenz auf Feelgood-Management in all seinen Facetten. Gut ausgebildete "Wohlfühl-Manager" sind in der freien Wirtschaft als Mitarbeiter zunehmend gefragt. Ein Grund, um das junge und erklärungsbedürftige Berufsbild hier intensiver zu betrachten.

Was macht ein Feel Good Manager eigentlich?

Feel Good Management - mehr als ein Plus an Spaß im Unternehmen

Feel Good Management" geht um das Jahr 2011 erstmals gehäuft durch die deutsche Wirtschaftspresse: Dabei steht der Begriff in engem Zusammenhang mit der Umsetzung einer wertschätzenden Unternehmenskultur, die den Menschen nicht als austauschbaren Aufgaben- und Leistungsträger betrachtet. 

So arbeitet ein Feel Good Manager im Unternehmen darauf hin, Wohlbefinden für jedes Firmenmitglied zu schaffen. Davon profitiert nicht nur der Arbeitnehmer: Der unternehmerische Nutzen ergibt sich daraus, dass im Job zufriedene oder gar begeisterte Menschen nachweislich kontinuierlichere Leistungen erbringen, weniger Fehlzeiten aufweisen und sich langfristig an ein Unternehmen gebunden fühlen. 

"Feel Good Management" - einige Beispiele für praxiserprobte Maßnahmen

Der Katalog möglicher Maßnahmen zur Förderung des betrieblichem Wohlfühl-Klimas geht weit über Aktionen in Richtung "Spaß und Event" hinaus. Die Wünsche von Mitarbeitern nach Anerkennung, Work-Life-Balance, Karriere, stressfreiem Arbeiten oder körperlicher und geistiger Fitness schaffen unterschiedliche Handlungsansätze. 

Hier zur Inspiration exemplarisch und gemixt einige Beispiele für gelebtes Feel Good Management: 

Auf den einzelnen Mitarbeiter bezogene Maßnahmen

• On-boarding beziehungsweise Off-boarding (Begleitung beim Eintritt oder Ausscheiden eines Mitarbeiters) 
• Arbeitsplatzbezogener Sprachunterricht 
• Trouble-Shooting (Mentoring bei Konflikten zwischen Mitarbeitern)

Auf fest oder temporär zusammengesetzte Gruppen (Abteilungen oder Projekte) bezogene Maßnahmen

• Office Breakfast und After-Work-Treffen (regelmäßige Veranstaltungen mit inoffiziellem Charakter)
• Family hour (regelmäßige Besuchszeiten für Familienmitglieder und Freunde
• Trouble-Shooting (Mentoring bei Konflikten zwischen Gruppen)

Auf alle Firmenmitglieder bezogene Maßnahmen

• Laufende Gewinn-Aktionen (beispielsweise Tombola für eingereichte Verbesserungsvorschläge
• Sportangebote für Mitarbeiter
• betriebliche Sonderkonditionen (beispielsweise Erlaubnis von "Bürohunden" oder Home Office)

Aufgaben des "Feelgood Managers" - das Tagesgeschäft

Der Verantwortliche für das Wohlfühl-Klima im Unternehmen wählt die Maßnahmen für das firmenspezifische "Wohlfühlmanagement" aus. Er installiert, überwacht, bewertet und dokumentiert die einzelnen Aktionen. 
Daraus ergeben sich eine Reihe von konzeptionellen, administrativen und kaufmännischen Tätigkeiten. Denken Sie beispielsweise an firmenweite Mitarbeiterbefragungen zu den persönlichen Wünschen in einem 1000-Mann-Unternehmen im Vorfeld von Fun Events. 

Organisatorische Einbindung des "Feel Good Managers" im Unternehmen

In neutraler Stellung steht der Verantwortliche für das Wohlfühlklima im Unternehmen als integrative Mittelsperson zwischen Sachbearbeitern und Vorgesetzen und fungiert als Sprachrohr in Richtung Geschäftsführung. 

Nach amerikanischem Vorbild sind für das Wohlfühlklima eines Unternehmens verantwortliche Fachkkräfte meist in der Personalabteilung (HR) angesiedelt. Des Weiteren ist die organisatorische Einbindung direkt unter der Geschäftsführung oder im Office-Management üblich. 

Ob der Feelgood-Manager oder die Feelgood-Managerin als Experte für das Wohlbefinden der Mitarbeiter oder beispielsweise als Allrounder im HR-Bereich eingesetzt ist, hängt ab von Firmengröße und Unternehmensstruktur. In manchen Firmen sind Feel Good Manager beispielsweise betraut mit allen HR Arbeitsfeldern vom Personalmarketing bis zum Recruiting sowie der Abwicklung von Feel Good Management. In anderen Firmen verantworten und organisieren sie ausschließlich den firmenspezifischen Feelgood-Maßnahmenkatalog. 

Auch wenn der Titel des Jobs auf eine Linienfunktion hindeutet: In der Praxis ist der Job im Unternehmen meist als Stabstelle angelegt. Für den Stelleninhaber bedeutet dies, dass er informativ und beratend tätig ist. Über ein Weisungsrecht gegenüber anderer Mitarbeiter (Personalverantwortung) verfügt er nicht.

Feelgood Manager oder Wohlfühl-Manager (w/m/d)" - ein Blick auf den aktuellen Stellenmarkt

Wer stellt Feel Good Manager ein?

Konkret ist der Bedarf an Managern mit dieser Spezialisierung zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich  von Startup- und Großunternehmen sichtbar. Überwiegend vertreten sind Jobs aus der Werbebranche, gefolgt von Offerten aus den Bereichen IT-Entwicklung  und Telekommunikation. Dabei sind Stellenangebote für "Wohlfühlmanager" in Reinform selten zu finden. Jobs für "Workspace Happiness Officer" oder "Senior Culture and Engagement Manager" lassen mitunter nur erahnen, welche greifbaren Aufgaben sich hinter den kreativen Jobtiteln verbergen. 

Die potenziellen Arbeitsinhalte von Feelgood-Managerin oder "Wohlfühl-Manager" werden am häufigsten gesucht in Kombination mit HR. Des Weiteren gibt es eine Nachfrage für Bewerber, welche die Anforderungen von Office-Management und Feelgood-Management in Personalunion bedienen. Vereinzelt gibt es Stellenangebote und Jobs für eine freiberufliche Zusammenarbeit. 

Gehalt: Was verdient ein Feel Good Manager?

Bei der Frage nach dem Gehalt öffnet sich eine breite Schere: Das Einstiegsgehalt für diesen Beruf liegt für einen ausgebildeten Mitarbeiter bei circa 40.000 EU. Abhängig von Vorbildung (Studium, Ausbildung), einschlägiger Berufserfahrung und Region kann sich das Bruttojahresgehalt bis zu circa 75.000 EU steigern.

Berufliche Weiterbildung - Qualifizierung zum Feel Good Manager/Feelgood-Managerin 

Ganztages-Seminare oder Teilzeit-Kurse führen zum Ziel

Eine staatlich anerkannte Ausbildung oder einen Studiengang für den Beruf Feel Good Manager (w/d/m) gibt es derzeit nicht. Der Titel wird über private Bildungsträger erworben. Die Weiterbildung für den Job hat den Charakter einer beruflichen Zusatzqualifikation.
Da die Bezeichnung "Feel Good Manager (w/m/d)" nicht rechtlich geschützt ist, variieren Zulassungsvoraussetzungen und Ausbildungsinhalte sowie die Dauer der Weiterbildung. 

Für eine fundierte Weiterbildung sind im Durchschnitt zwischen 80 und 120 Unterrichsstunden angesetzt. Themenzentrierte Ganztages-Seminare und Teilzeitkurse werden meist als Präsenzveranstaltung oder Fernkurs mit modularem Aufbau angeboten. Viele Schulungsanbieter inkludieren im Rahmen der Weiterbildung ein mehrwöchiges Berufspraktikum. 

Tipps: So Erhöhen Sie die Akzeptanz des Abschluss-Zertifikates beim potenziellen Arbeitgeber 

Achten Sie bei der Auswahl des Weiterbildungsangebotes bitte auf Qualitätsmerkmale wie beispielsweise eine Zertifizierung durch die Industrie- und Handelskammer (IHK-Zertifikat).  Ein Hinweis darauf, dass das Weiterbildungsprogramm den Empfehlungen der Fraunhofer-Gesellschaft für das Berufsbild folgt, lässt gleichfalls praxisnahe Lerninhalte erwarten. 

Die Kosten für eine umfassende Weiterbildung zum Feelgood Manager bewegen sich auf dem unteren bis mittleren vierstelligen Preisniveau. 

Feel Good Manager: Fachliche Zugangsvoraussetzungen und Soft Skills 

Eine Weiterbildung in diesem Bereich eröffnet eine berufliche Nische für Quereinsteiger. Viele Bildungsträger wünschen als Zugangsvoraussetzung eine vorausgegangene Berufstätigkeit von mindestens drei Jahren sowie ein Studium. Im optimalen Fall hat der Interessent ein Studium in Richtung Betriebswirtschaftslehre mit Spezialisierung im Bereich HR absolviert und war bereits als Personaler oder im Recruiting tätig.  Wer das akademische Rüstzeug aus einer anderen Studienrichtung mitbringt - vorzugsweise aus den Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Soziologie oder Informations- und Kommunikationswissenschaft - verfügt gleichfalls über einen für das Berufsbild verwertbaren Background. 

Nicht wenige Unternehmen haben in der Vergangenheit öffentlich verlauten lassen, dass sie für die Besetzung der Position eines "Wohlfühl-Managers" persönliche Stärken vor exzellente Studienabschlüsse und Arbeitszeugnisse stellen. Mut zur Lücke also für Interessenten mit nicht exakt geradlinigem Lebenslauf: 

Bewerber für diese Jobs können mit Empathie-Fähigkeit, Kommunikationsstärke, Durchsetzungs- und Überzeugungskraft, sowie Organisationstalent punkten. Kreativität sowie der Fähigkeit zum betriebswirtschaftlich-analytischen Denken. 

Feelgood Management: Lerninhalte der Weiterbildung

Da die Weiterbildung bisher nicht standardisiert ist, gibt es keine allgemeine Verbindlichkeit hinsichtlich der Auswahl und Gewichtung von Lerninhalten. 

Die meisten Schulungsanbieter vermitteln diese Themenkreise 
• Rahmenbedingungen für "Feelgood-Management" im Unternehmen (Stichwörter: Akzeptanz, Einführung, Überwachung Erfolgsmessung, Evaluierung, Kennzahlen, Tools)
• Unternehmenskultur (Stichwörter: Zielsetzung, Firmenphilosophie, Führungsstile, Aufbau- und Ablauforganisation, Hierarchieformen, Arbeitszeitmodelle)
• Werkzeugkasten "Feelgood Maßnahmen" für das Unternehmen"
• HR - Human Resources (Stichwörter: Recruiting, Personalmarketing, Personalentwicklung, Teambildung, Projektarbeit)
• Interne und externe Kommunikation (Stichwörter: Kommunikationskanäle, Wissensmanagement, Intranet, Social Media)
• Konfliktmanagement (Stichwörter: Mitarbeitergespräch, Mentoring)
• Datenerhebung (Stichwörter: Mitarbeiterbefragung, Einzel- und Gruppeninterview, Fragebogen)
• Bürokonzepte (Stichwörter: Ergonomie, Raumgestaltung, Arbeitsplatzgestaltung)
• Recht (Stichwörter: Arbeitsrecht, Onlinerecht)
• Merk- und Präsentationstechniken (Stichpunkt: Mind-Mapping)

Gelebtes Feelgood Management schafft Win-Win-Situation 

"Wohlfühl-Management" schafft einen Mehrwert für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die Integration von zielführenden Maßnahmen zur Förderung von betrieblichem Wohlfühl-Klima gestaltet sich zeit- und arbeitsintensiv. So macht es Sinn, einen verantwortlichen Mitarbeiter in Festanstellung oder freiberuflich mit dem Arbeitsgebiet zu betrauen, statt einschlägige Teilaufgaben als Nebenarbeiten an andere Stellen des Unternehmens anzubinden. Dies setzt eine experimentierfreudige Unternehmenskultur voraus. Als problematisch für die Neuanstellung in einem Unternehmen erweist sich indes häufig die Kostenfrage: Ist die Arbeit der Feelgood-Managerin oder des Feelgood-Manager doch nicht produktiv im betriebswirtschaftlichen Sinne.

Feelgood Manager in Stichworten:

• neuer Beruf im Aufwind
• keine standardisierte Ausbildung
• für Quereinsteiger geeignet
• Stellenangebote in Festanstellung  oder freiberuflich
• Einstiegsgehalt: circa 40.000 EU

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.