Gig Economy - schnell mal (viel) Geld verdienen?

Die Gig Economy ist ein relativ neues Phänomen in der Wirtschaft, das seine Bezeichnung von einem traditionellen Wort entlehnt hat: Als “Gig” bezeichnen Musiker einen einzelnen Auftrag, den sie freiberuflich nur für einen Auftraggeber ohne jede feste Bindung durchführen.

Die Gigs der neuen Wirtschaft sind nun nicht nur musikalische Aufträge, sondern Arbeiten aller Art vom Taxifahren über Handwerksaufträge, Programmieren, Online-Texte, Webdesign oder Übersetzungen bis hin zu Putzjobs und dergleichen mehr. Erfahren Sie hier, wie diese Wirtschaft funktioniert und was sie den Beteiligten einbringt.

Vorab Chance und Warnung:

Je mehr Sie Experte auf Ihrem Fachgebiet sind, umso mehr lohnt es sich, schnell einen Gig zu machen und viel Geld zu verdienen. Beispiel der Feuerwehrmann Red Adair.

Wer das noch nicht ist, muss wird auch mal einen Gig unter dem Mindeslohn machen (müssen). 

 

Wie ist die Gig Economy organisiert?

Musiker wissen, dass Gigs gar nicht so einfach zu bekommen sind, wenn man nicht bei einer Agentur unter Vertrag steht, was für die meisten Bands schwer zu erreichen ist. Es gibt auch nur wenige Musikagenturen, die den Musikern eine auskömmliche Auftragslage garantieren können. Bei der neuen Ökonomie ist das infolge der Internetorganisation nun anders. Es gibt diverse Agenturen, welche die Aufträge zwischen den Freiberuflern und den Kunden vermitteln. Sehr bekannte Beispiele sind MyHammer für handwerkliche Tätigkeiten und Uber für privates Taxifahren. Twago und Upwork vermitteln Aufträge an Designer, Texter und Übersetzer, Textbroker ist eine reine Textagentur, andere Agenturen vermitteln Programmierer oder Fotografen bzw. gleich Bilder und Videos aus riesigen Datenbanken. Die Auftragslage ist glänzend, die Bezahlung ist es nicht immer. Auf jeden Fall müssen die Freiberufler nicht mehr um Aufträge kämpfen. In vielen Bereichen – so etwa bei Textagenturen – übersteigt die Nachfrage der Kunden bei Weitem die eigenen Arbeitskapazitäten, der Auftragnehmer hat ständig die Wahl unter mehreren Hundert oder gar mehreren Tausend Aufträgen. Das funktioniert auch deshalb, weil die Aufträge für sehr wenig Geld abgearbeitet werden, wozu sich die Freiberufler wiederum im Home Office imstande fühlen. Dahinter steckt freilich ein hohes Maß an Selbstausbeutung (oft liegen die Stundensätze unter dem Mindestlohn), doch auf der anderen Seite auch ein hohes Maß an Marketingverständnis für diese Art der Ökonomie. Dieses Verständnis besagt (Auftraggeber, aufgemerkt):

In allen Bereichen, wo Aufträge allein am PC erledigt werden (Webdesign, Programmieren, Texten etc.), kann der Freiberufler prinzipiell für Groschenpreise arbeiten, weil er praktisch keine Kosten hat. Er braucht nur einen Rechner und einen Internetanschluss, den hätte er sowieso wie jeder Privatmensch. Nicht einmal Arbeitskleidung ist nötig, Fahrtkosten entstehen keine, die Arbeit findet bequem daheim statt. Auf diese Weise nivellieren sich sehr niedrige Preise ein, die wiederum die Auftraggeber dazu verleiten, alle möglichen Experimente für Groschenpreise zu unternehmen. Sie lassen massenhaft Webseiten und Apps programmieren und designen, sie stellen massenhaft Bilder und Videos ins Netz, sie geben massenhaft Texte in Auftrag. Vermutet darf werden, das 95 % dieser Aktivitäten keinen Gewinn bringen. Das wiederum wissen die Freiberufler, weil sie aufgrund ihrer eigenen Recherchen im Netz bestens informiert sind. Daher erhöhen sie die Preise nicht. Es hat sich eine vollkommen neue Ökonomie entwickelt. Die Beteiligten denken, wenn sie das Wort “Tariflohn” hören, nur noch: Oh Gott! Willkommen im 21. Jahrhundert!

Ausgenommen von diesem Phänomen sind Berufsgruppen wie die Handwerker, bei denen es eine natürliche Untergrenze gibt, für die sie arbeiten können. Unter anderem haben sie Kosten.

Gehört die Gig Economy zur Zukunft der Arbeit?

Das ist zu vermuten. Wer sich als Freiberufler einigermaßen gut organisiert, kann auf diese Weise leben und genießt bestimmte Freiheiten. Allerdings wird kaum jemand reich dabei, im Gegenteil: Jahreseinkommen von 25.000 Euro sind vollkommen normal. Das klingt noch nicht einmal so sehr schrecklich, doch dafür arbeiten manche der Freiberufler 100 Stunden pro Woche (also praktisch immer). Viele der Aufträge sind gar nicht so ausgelegt, dass jemand davon leben soll. Es sind Dinge, die sich Menschen nebenher beibringen können oder die sowieso (wie etwa Texten oder Fotografieren) zur Allgemeinbildung gehören. Also gibt es in dieser Ökonomie viele Nebenberufler, die nur gelegentlich Aufträge erledigen. Damit bilden sich die Preise vollkommen frei am Markt – mit dem beschriebenen Phänomen der Dumping-Gagen. In manchen Ländern ist das dem Gesetzgeber schon aufgefallen. So ist in Deutschland das Uber-Taxi verboten, weil diese Fahrer dem traditionellen Taxigewerbe zu sehr das Wasser abgraben. In Großbritannien ist Uber erlaubt, doch seit Oktober 2016 haben die Fahrer wichtige Rechte: Sie sind per Gerichtsentscheid als Angestellte zu betrachten und haben daher Anspruch auf einen Mindestlohn und sogar auf Urlaubsgeld. Doch das Taxigewerbe hat durch die nötigen Sicherheitsstandards eine gewisse Ausnahmestellung. Die reinen Online-Tätigkeiten werden wohl auf Dauer so billig wie gegenwärtig bleiben.

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.

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