Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch: 7 Tipps für besseres Sprechen

Manche Menschen reden viel, schnell und laut, doch bei ihren Zuhörern kommt keine sinnvolle Botschaft an. Stattdessen drängt sich der Eindruck eines “Sprechdurchfalls” auf, den es ja sogar im medizinischen Sinne gibt. Die sogenannte Logorrhoe ist eine krankhafte Geschwätzigkeit. Betroffene reden ohne Punkt und Komma und sich damit unter Umständen um Kopf und Kragen – nämlich unter anderem dann, wenn es um die Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch geht.

Hier geht es darum, den Personalchef als Zuhörer zu fesseln. Erfahren Sie durch unsere 7 Tipps für besseres Sprechen, wie Sie sich hierbei verbessern können.

Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch: Was macht gute Redner aus?

Es gibt wirklich glänzende Redner. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama konnte sein Publikum auf faszinierende Weise fesseln, seine berühmten Vorgänger auf dem Rednerpodium waren unter anderem Cicero (106 – 43 v. Chr.), Gandhi (1869 – 1948), Winston Churchill (1874 – 1965) oder Martin Luther King (1929 – 1968).

Große Rhetoriker treffen wir auch im privaten und beruflichen Alltag. Manchmal steht uns in einem Meeting der Mund offen, wenn ein Kollege sogar fragwürdige Ideen als große Knüller verkaufen kann, einfach weil er so brillant und mitreißend darüber spricht. Doch was ist das Geheimnis solcher Redner? Das würden gern Kandidaten wissen, denen vor einem Vorstellungsgespräch die Hände feucht, der Mund aber trocken werden, weil sie befürchten, bei ihrem Pitch zu versagen. Gern hätten sie die Ausstrahlung und Selbstsicherheit der genannten Vorbilder, die zudem ihre Botschaften so verpackten, dass diese leicht verständlich sofort beim Publikum ankamen. Dazu gehört ein großes Wissen um die Wirkung von Sprache. Wer dieses Wissen anwendet und die richtigen Pointen setzt, kann Menschenmassen ebenso wie eine einzelne, momentan sehr wichtige Person überzeugen.

Es gehören dazu auch schauspielerische Fähigkeiten wie eine angemessene Körpersprache und die gezielt eingesetzte Gestik sowie der passende Umgang mit der Stimme. Ein guter Redner ist niemals nur laut, sondern setzt auch sein Piano gekonnt ein. Er spricht manchmal im schnellen Stakkato, ratternd wie ein Maschinengewehr, an einer anderen Stelle ritardiert er gekonnt bis zur Kunstpause, nach welcher er den grandiosen Schlusspunkt verkündet. All das sind die konnotativen Elemente seines Sprechkunstwerks, doch auch seine Denotation – die Offenlegung des reinen Inhalts – hat es in sich.

Große Redner bringen die Fakten gut portioniert auf den Punkt. Sie leiten mit einem Teaser ein und bauen Argumentationsketten schlüssig auf. Zudem verzichten sie strikt auf lange Schachtelsätze. Diese sind schon bei geschriebener Sprache verpönt, beim gesprochenen Wort sind sie ein No-Go. Eine gute Rede verwendet bildhafte, leicht verständliche Elemente. Hinzu kommen “Magic Words“. Das sind Adjektive, die den Zuhörer zum Träumen verleiten, so etwa “zauberhaft“, “pflegeleicht” oder “innovativ“.

Wer sich wenigstens einige der Kniffe aneignen möchte, sollte unsere nachfolgenden 7 Tipps für die Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch befolgen.

Tipp Nummer 1: Sprechen Sie deutlich und eindeutig

Eine undeutliche, nuschelnde Sprechweise ist im privaten Bereich nervtötend, im Beruf ist sie ein Karrierekiller. Für ein Einstellungsgespräch kann sie das Aus bedeuten. Sie führt zu Missverständnissen, weil sie das Zuhören erschwert. Damit vergröbert sie Missverständnisse, die durch unklare (uneindeutige) Aussagen entstehen. Deutlichkeit und Eindeutigkeit sind die ersten beiden Schlüssel zu den Ohren, dem Verstand und dem Herzen des Zuhörers.

Tipp Nummer 2: Kernbotschaften betonen

Große Redner heben einzelne Sätze, Worte oder Satzteile durch Betonung hervor. Damit bestimmen Sie die Botschaften, die besonders wichtig sind und vom Gegenüber unbedingt wahrgenommen werden müssen. Ihre Aussagen werden dadurch sinnhafter und bleiben im Gedächtnis. Die Betonung kann durch Lautstärke oder Dehnen der Worte erfolgen.

Tipp Nummer 3: angemessene Lautstärke

Wer zu laut spricht, wirkt aufdringlich bis ordinär. Wer zu leise spricht, nervt seine Zuhörer, die sich anstrengen müssen, ihn zu verstehen. Leise Sprecher wirken schnell unsicher, “Lautsprecher” wirken arrogant. Gute Redner werden an sehr wenigen Stellen lauter und leiser. Das lässt ihren Vortrag lebendig und emotional wirken.

Tipp Nummer 4: Pausen gezielt verwenden

Zu einer Rede gehören wie zu einem Musikstück kleine Pausen. Übertreiben Sie es hiermit aber nicht, sonst nerven Sie gerade im Vorstellungsgespräch den Personaler, der es grundsätzlich immer eilig hat. Sie können bei einer Sprechpause einmal durchatmen und etwas vorausdenken. Schweigen kann auch souverän wirken und dem Gesprächspartner eine Möglichkeit zum Nachdenken verschaffen.

Tipp Nummer 5: Sätze kürzen

Wie schon erwähnt sind Bandwurmsätze in einer Rede tödlich. Beim Lesen nimmt sie der eine oder andere Literaturfreund hin, doch Zuhörer ermüden dadurch sagenhaft schnell. Wenn Sie Ihre Rede vorab aufschreiben, sollte ein Satz selten mehr als ein Komma enthalten.

Tipp Nummer 6: Ruhe im Redefluss

Sprechen Sie nie zu schnell, das ist genauso schlimm wie nuscheln. Sie dürfen nur dann in virtuosem Tempo vortragen, wenn Sie die Artikulation wirklich gut beherrschen. Schauspieler können das nach intensivem Sprechunterricht. Nehmen Sie sich selbst auf, damit erfahren Sie viel über Ihre Sprechkünste.

Tipp Nummer 7: Fragen bevorzugen

Sprechen Sie nicht in Anweisungen, sondern eher fragend. Das gelingt durch ein Heben der Stimme am Ende des Satzes. Doch wenn Sie eine klare Aussage treffen, dann enden Sie auch im entsprechenden, bestimmten Duktus.

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.

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