Was sind eigentlich Soft Skills?

Die Begrifflichkeiten der Soft und Hard Skills werden oft bemüht, wenn es um die Eignung von Bewerbern für eine Stelle geht. Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Personalchefs unterscheiden zwischen harten und weichen Kompetenzen (Skills) wie folgt:

  • Hard Skills sind rein fachliche Fähigkeiten, die sich durch Zeugnisse, Zertifikate und nachweisliche fachliche Berufserfahrungen belegen lassen.
  • Soft Skills sind persönliche Eigenschaften sowie soziale und kommunikative Kompetenzen, die für die Arbeit im Team, die Anpassungsfähigkeit an ein Unternehmen und für Führungsaufgaben unerlässlich sind.

Welche persönlichen Eigenschaften und Kompetenzen sind besonders gefragt?
 

Für diese zusätzlichen Schlüsselqualifikationen gibt es sozusagen eine Hitliste. Dabei gibt es einen wesentlichen Unterschied bei den ersten beiden Punkten, nämlich der Team- und der Durchsetzungsfähigkeit. Teamfähig sollen Fachleute sein, Durchsetzungsfähigkeit erwartet man von Führungspersönlichkeiten. Ein Fachmann, der seine Durchsetzungsfähigkeit zu sehr betont, gerät in den Verdacht, stur eine Idee “durchziehen” zu wollen, was nicht unbedingt gern gesehen ist. Ansonsten werden allgemein - unabhängig von der ausgeschriebenen Position - folgende sozialen (“weichen”) Kompetenzen erwartet:

  • Teamfähigkeit
  • Durchsetzungsfähigkeit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Einsatzfreude
  • Selbstorganisation
  • Ergebnisorientierung
  • Kritik- und Konfliktfähigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Belastbarkeit
  • Auffassungsgabe
  • Flexibilität

Wichtig zu wissen: Niemand sollte in seiner Bewerbung eine Liste dieser Eigenschaften herunterrattern. Sie müssen dezent im Lebenslauf und im Anschreiben untergebracht werden, unter anderem mit Formulierungen wie: “Schon während meines Studiums konnte ich durch ausreichende Selbstorganisation Zusatzfächer belegen und gleichzeitig mit einer freiberuflichen Tätigkeit im studierten Fachgebiet (z.B. Programmierer) für meinen Unterhalt sorgen.” So ein Satz verrät sehr viele “weiche” Kompetenzen. Der Bewerber war schon als Student belastbar, flexibel, sehr gut organisiert und außerdem intelligent genug, um nicht zu kellnern, was bei einem IT-Studium eindeutig verlorene Zeit bedeuten würde. Stattdessen hat sich um seinen Unterhalt selbst gekümmert, also Verantwortungsbewusstsein bewiesen, gleichzeitig hat schon für sein Hauptstudienfach wertvolle Berufserfahrung gesammelt. Team- und kommunikationsfähig musste er dabei außerdem sein.

Soft vs. Hard Skills

Als man ab den 1990er Jahren erkannte, wie wichtig soziale Kompetenzen und Kommunikation für das Teamworking sind, begann eine Überbetonung dieser Skills. Autoren wie der Headhunter John Warham etwa stellen die These auf, dass überhaupt nur emotionale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz für den beruflichen Erfolg entscheidend sind. Diese Fähigkeiten werden vorrangig aus der Familiengeschichte eines Kandidaten abgeleitet. Warham ist Headhunter für Führungskräfte und berät große Konzerne, er spricht also aus der Praxis. Der Augenschein gibt ihm teilweise recht, wenn wir uns politische Karrieren anschauen: Ein Fachminister ist zuerst für Wirtschaft, dann für Verteidigung und danach vielleicht für Finanzen zuständig. Woher nimmt er die Fachkompetenzen? Offenbar sind sie nicht so wichtig, seine weichen Skills genügen für diese Spitzenjobs. Vielleicht steckt aber auch Parteienproporz dahinter, die Facharbeit erledigen Spitzenbeamte. Dieses Beispiel aus der Politik sollten sich Bewerber um einen ausgewiesenen Fachjob daher nicht zum Vorbild nehmen. In einer höchst spezialisierten Wirtschaft zählen die Hard Skills zuerst. Um es plakativ auszudrücken: Ein Elektriker, der mit Ihnen sehr charmant plaudert, also ausgewiesene soziale und kommunikative Fähigkeiten besitzt, soll dennoch die Leitungen korrekt verlegen und prüfen. Wenn er das nicht schafft, es ihm also an Hard Skills fehlt, werden Sie in Ihrer eigenen Wohnung schlimmstenfalls einen Stromschlag erleiden, die Geräte werden nicht funktionieren, vielleicht brennt die Wohnung ab. Zu plakativ gedacht? Nicht unbedingt: In Genua stürzte am 14. August 2018 die Autobahnbrücke eines privaten Betreibers ein, mehrere Dutzend Menschen starben. Das Management des Betreibers hatte offenbar über genügend Verkaufsgeschick verfügt, um milliardenschwere Aufträge für den Autobahn- und Autobahnbrückenbau zu generieren, das nennen wir erstklassige Soft Skills (die daher im Vertrieb stets sagenhaft betont werden). Die Ingenieure des Betreibers bauten und prüften aber nicht richtig, die Betriebswirte setzten Mittel für die Instandhaltung falsch ein oder riefen sie gar nicht erst ab. Mangelnde Hard Skills verursachten einen Maximalschaden mit Todesopfern.

Warum Soft Skills dennoch wichtig sind

Sie müssen trotzdem ihre sozialen und (selbst-)organisatorischen Fähigkeiten, Ihre Konflikt- und Teamfähigkeit in einer Bewerbung geschickt unterbringen. Ohne diese Fähigkeiten möchte Sie kein Unternehmen wirklich einstellen, denn sogenannte “Fachidioten” sind verpönt. Das liegt nicht nur daran, dass sie unangenehme Zeitgenossen sein können, sondern vor allem daran, dass es einfach effizienter ist, mit einem ausgewiesenen Fachmann zusammenzuarbeiten, der außerdem ein netter und gut organisierter, kommunikativer Kollege ist.

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.

Bookmark setzen bei: Twitter Bookmark setzen bei: Facebook Bookmark setzen bei: XING Bookmark setzen bei: Google+ Bookmark setzen bei: LinkedIn