Welche Rolle spielen die Sprachkenntnisse im Lebenslauf?

Welche Rolle spielen die Sprachkenntnisse im Lebenslauf?

Sprachkenntnisse im Lebenslauf haben wir auch früher schon erwähnt, jedoch eher als interessanten “Gut-zu-wissen”-Zusatz. Heute sollten wir sie pflichtgemäß mit dem Grad der Beherrschung auflisten. Erfahren Sie in diesem Artikel, welche Rolle Fremdsprachen im Lebenslauf inzwischen spielen.

Niveau der Sprachkenntnisse im Lebenslauf

Das Niveau der Sprachkenntnisse ist eigentlich durch den GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen) genormt. Es gibt die Sprachniveaus A1 bis C2 (insgesamt sechs Stufen) von einfacher Alltagssprache bis zum Expertenstatus, bei dem eine Fremdsprache (fast) wie die eigene Muttersprache beherrscht wird. Doch diese Bezeichnungen tauchen eher selten in Lebensläufen auf, weil auch die Personaler nicht nachschlagen möchten, was denn nun A2 oder B1 genau bedeuten. Es gilt, im Lebenslauf eine ehrliche, aber auch halbwegs exakte Einschätzung der eigenen Sprachkenntnisse zu liefern. Das ist gar nicht einfach: Führen denn neun Jahre Englisch in der Schule zu “sehr guten” Sprachkenntnissen, wenn die Zensur (immer eine 1) eigentlich darauf hinweist? Lohnt es sich, den Volkshochschulkurs Spanisch überhaupt zu erwähnen? Für diese Fragestellungen haben sich bei Bewerbungen Regeln etabliert.

Fremdsprachen im Lebenslauf: Grad der Beherrschung entscheidet

Es gilt grundsätzlich: Nicht die Dauer des Lernens ist für den Lebenslauf wichtig, sondern der Grad der momentanen Beherrschung. Dieser könnte beispielsweise sehr hoch sein, wenn Sie gerade eine längere Zeit im Land der betreffenden Sprache zugebracht hat - vielleicht im Rahmen eines Auslandssemesters, bei dem an der Hochschule nur diese Sprache gesprochen wurde, wodurch Sie dann echtes Fachenglisch oder -französisch gelernt haben. Im Alltag brauchten Sie die Sprache ohnehin. Unter diesen Voraussetzungen dürfen Sie sich im Lebenslauf “sehr gute” Sprachkenntnisse attestieren. Wenn dieses Auslandssemester schon wieder fünf Jahre zurückliegt, sollten Sie Ihre Sprachkenntnisse neu testen. Gar nichts nutzt es, wenn Sie eine Sprache wie Russisch bis zum Abitur gelernt und danach nie wieder gesprochen haben. Sie sind jetzt Anfang 40 und wollen Russisch in Ihrem Lebenslauf erwähnen? Versuchen Sie zunächst, es zu verstehen und zu sprechen. Es dürfte nicht mehr viel übrig sein. Sie könnten zwar die Dauer ihres Russischunterrichts erwähnen, doch verweisen Sie darauf, dass Sie zu dieser Sprache nur noch über Basiswissen verfügen. Sinnvoller kann es sogar sein, so eine Sprache, die Sie niemals brauchten und voraussichtlich nie wieder aktivieren werden, gar nicht erst zu erwähnen. Eine Ausnahme von dieser Empfehlung bestünde dann, wenn der Arbeitgeber bekanntermaßen russische Niederlassungen betreibt oder auf sonst eine Weise russischsprachige Mitarbeiter gebrauchen könnte. Erwähnen Sie dann ruhig Ihre Basiskenntnisse - rechnen Sie aber damit, dass man Sie im Bewerbungsgespräch fragen wird, inwieweit Sie bereit wären, diese aufzufrischen.

Welche Niveaus gibt es noch für die Sprachkenntnisse im Lebenslauf?

Über dem Basiswissen sind die erweiterten Grundkenntnisse angesiedelt. Sie könnten dann mit einem Vertreter dieser Sprache einige wenige, aber vielleicht relevante Infos austauschen. Sogar für eine Terminabsprache dürften die Kenntnisse reichen, für einen kultivierten Small Talk hingegen meistens nicht. Von da an geht es wie folgt aufwärts:

  • gut (konversationssicher)
  • fließend
  • verhandlungssicher
  • Muttersprachler

Das sind die üblichen Abstufungen, die in Lebensläufen bezüglich der Sprachkenntnisse genannt werden.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.