Arbeiten in der Zukunft - die sechs wichtigsten Trends

Arbeiten in der Zukunft - die sechs wichtigsten Trends

Noch sitzen wir gemütlich auf unserem Bürostuhl und warten bis der Chef uns was zu arbeiten gibt. Dass sich das bald ändern wird, wissen wir. Wie könnte zukünftiges Arbeiten aussehen? Nicht nur für Berufseinsteiger ist diese Frage sehr spannend. Lesen Sie hier, welche Trends Fachleute ausmachen.

Trend 1: Umschulungen und Fortbildungen werden immer bedeutsamer

Die Unternehmen müssen sich in Zukunft immer stärker um die Qualifizierung ihrer Belegschaft kümmern. Dazu gehören auch häufigere Umschulungen der Mitarbeiter. Qualifikationslücken werden heute schon festgestellt. Das hat unter anderem zur Folge, dass KMU immer schwerer geeignetes Personal finden. Sie können es aber rekrutieren, wenn sie anschließend dessen Ausbildung in die eigene Hand nehmen. Auf diesen Trend verweist unter anderem die National Federation-of Independent Business. Nach ihren Erhebungen sind aktuell in Europa 45 % der KMU von diesem Problem betroffen. Die nötigen Ausbildungsprogramme sind schon in vollem Gange. So hat beispielsweise der britische Schatzkanzler Philip Hammond im Jahr 2018 angekündigt, 30 Millionen Pfund allein für die Entwicklung der digitalen Kompetenzen von ArbeitnehmerInnen ausgeben zu wollen. Neben solchen Regierungsprogrammen investieren die Arbeitgeber auf eigene Faust immer stärker in Aus- und Weiterbildungsprogramme. Anders lassen sich bestehende Qualifikationslücken nicht schließen.

Trend 2: Auftragslage für Freelancer und ökonomische Flexibilität steigen

Die sogenannte Gig Economy ist schon in vollem Gange. Damit sind Aufträge für Freelancer gemeint, die online über Agenturen vergeben werden. Die Freiberufler erledigen Programmier- und Webdesignaufträge, aber auch handwerkliche Tätigkeiten oder die Contenterstellung für Webseiten. Die Auftragslage verbessert sich permanent, doch die Preise bleiben stabil oder sinken sogar. Davon profitieren wiederum die Unternehmen, die zu extrem geringen Kosten die Aufträge sehr flexibel vergeben können und niemanden fest einstellen müssen. Sie finden Freelancer für (fast) jedes Projekt, selbst wenn dieses eine erhebliche Qualifikation erfordert. Die Gig Economy wird wegen bestimmter Arbeitsbedingungen und der oft geringen Bezahlung zwar kritisiert, doch die Freelancer begeben sich schließlich freiwillig in dieses Umfeld. Sofern sie Aufträge online erledigen können, genießen sie sehr viel Freiheiten, die sie offenkundig schätzen. Sie wünschen dieselbe Flexibilität wie die Unternehmen. Unter anderem können sie auf Reisen arbeiten. Dennoch ist längst nicht ausgemacht, dass zukünftiges Arbeiten komplett solche Züge annehmen muss. Noch ist die Online-Wirtschaft jung, daher arrangieren sich viele Freiberufler mit den Nachteilen aufgrund der Vorzüge, die Remote Working mit sich bringt. Möglicherweise steigen aber viele von ihnen auch wieder aus, weil die Einkommensunterschiede zu normalen Angestelltenverhältnissen einfach zu groß sind. Wenn das passiert, werden vermutlich bei gleicher Flexibilität neue Modelle dieser Arbeitsform entstehen, die einen stärkeren Fokus auf den Berufstätigen richten, für höhere Verdienste sorgen und mit etwaigen Vergünstigungen locken. Anders werden sich Top-Kräfte in Zukunft nicht mehr beauftragen lassen.

Trend 3: KI

Die künstliche Intelligenz dürfte in allen Bereichen immer bedeutsamer werden. Sie hält schon Einzug in unsere Arbeitswelt und erledigt teilweise ganz unspektakuläre Aufgaben – nicht nur am Fließband von Industriebetrieben, sondern auch bei der Spracherkennung von Computern und Robotern oder bei der Datenverarbeitung. So ist beispielsweise die Umsetzung umfänglicher Datenschutzvorschriften wie der DSGVO ohne KI-basierte Algorithmen (fast) nicht möglich. Mit mehr KI wird sich die Datenqualität erhöhen. Prädiktive (vorausschauende) Technologien und maschinelles Lernen werden die Arbeitswelt zunehmend durchdringen. Die Datenversorgung der entsprechenden Programme ist enorm wichtig, wozu wiederum die künstliche Intelligenz beiträgt. Sie ist zum Beispiel imstande, aus einem sehr hohen Daten-Input nur die relevanten Daten herauszufiltern.

Trend 4: Zunahme von Chatbots

Chatbots helfen Supportern bei Kundenbetreuungsgesprächen, dafür wurden sie ursprünglich entwickelt. Doch inzwischen nehmen sie Einfluss auf die komplette interne und externe Unternehmenskommunikation und damit auch auf Entwicklungsprozesse. Ihre Rolle als einfaches Werkzeug haben sie überwunden, inzwischen sind sie Teil einer übergreifenden Unternehmensstrategie. Die Firmen können damit Geschäftsprozesse automatisieren. Das geschieht zum Beispiel durch den On-Demand-Kundensupport, der die Kosten deutlich senkt, doch es geschieht auch beim internen Austausch in vernetzten Entwicklerteams. Künftig dürften Chatbots die künstliche Intelligenz öffentlich repräsentieren, indem sie in die Außendarstellung von Unternehmen – zum Beispiel in sozialen Netzwerken – eingebunden werden. Den Kundenservice werden sie noch viel stärker als bisher kontrollieren. In den letzten zwei Jahren galten sie oft noch als etwas schwerfällig, teilweise führte ihr Einsatz zu frustrierenden Erfahrungen. In Zukunft ist zu erwarten, dass sie natürlich wirken und sehr flexibel in viele Kommunikationsstränge eingebunden werden. Selbst komplexe Anfragen dürften sie alsbald gut verstehen und beantworten.

Trend 5: Verbesserungen bei der Unternehmenskultur

In jüngster Zeit hat sich gezeigt, dass selbst sehr große Unternehmen in Schwierigkeiten geraten können, wenn ihre interne Kultur nicht stimmt – ob sie nun Google heißen, Tesla oder Uber. Das hat den Blick für die Bedeutung von unternehmenskulturellen Werten geschärft. Fachkräfte schauen sich schon jetzt sehr genau um und überlegen lange, wo sie wirklich arbeiten wollen. Nur mit einer starken Unternehmenskultur lassen sie sich noch rekrutieren und anschließend auch binden. Darauf müssen Firmen achten, wenn sie ihre Konkurrenzfähigkeit erhalten wollen.

Trend 6: Hierarchien werden noch flacher

Die Hierarchien vieler moderner Firmen sind schon flach, doch sie könnten noch flacher werden oder gar flächendeckend verschwinden. Zukünftiges Arbeiten kommt vielleicht ganz ohne sie aus. Kompetente und engagierte Mitarbeiter, die andererseits stark projektbezogen entlohnt werden, kommen im Grunde ohne sie aus. Das passt zum Trend Nummer 2 der ökonomischen Flexibilität durch Freelancer. Diese lassen sich überhaupt nicht in eine Hierarchie einbinden. Das werden Angestellte auch alsbald verlangen. Vielleicht gibt es in 20 Jahren gar keine Vorgesetzten mehr, sondern nur nur Ideengeber.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.