Wechseln aus einem festen Vertrag. Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Etwa die Hälfte aller Angestellten trägt sich mit dem Gedanken, einen neuen Arbeitgeber und Job zu suchen. Die Gründe sind vielfältig. Interessant ist stets die Fragestellung: Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Jobwechsel?

Gründe für den Jobwechsel

Das Zeitarbeitsunternehmen Man Power hat eine Umfrage unter Angestellten gestartet und die Quote von 50 % Wechselwilligen ermittelt. Der wichtigste Grund für den angestrebten Wechsel ist der Wunsch nach mehr Gehalt, das gaben 22 % aller Befragten an. Mangelnde Anerkennung der eigenen Leistungen im gegenwärtigen Job ist das zweithäufigste Motiv, gefolgt von Motivationsverlust durch die Arbeitsinhalte, einem schlechten Arbeitsklima und privaten Veränderungen. Experten warnen allerdings trotz eines sehr starken Wunsches nach Veränderung vor Spontanhandlungen. Jeder Jobwechsel sollte vielmehr gut durchdacht und überlegt erfolgen. Spontanhandlungen geschehen selten aus Frust über ein zu niedriges Einkommen oder die ermüdenden Arbeitsaufgaben. Diese Bedingungen waren länger bekannt. Konflikte oder herbe Misserfolge im Berufsalltag können allerdings die Stimmung so schlagartig eintrüben, dass ein Arbeitnehmer denkt: Nur noch weg hier! In diesem Moment heißt es, sich selbst Bedenkzeit zu geben und die berühmte Nacht über den Vorgang zu schlafen. Ohne diese Überlegungsphase, in der sich die Emotionen abkühlen, kündigen manche Arbeitnehmer, noch bevor sie einen neuen Job haben. Ein temporärer Konflikt, wenn er ein Einzelfall bleibt, ist ohnehin nur selten ein wirklicher Kündigungsgrund. Erst länger andauernde, höchst unbefriedigende Zustände liefern genügend Anlass für den Wechsel. Wenn die eigene Entwicklung nur noch stagniert, keine Besserung in Sicht ist und dann zusätzlich noch unangenehme Konflikte auftauchen, hat der Arbeitnehmer in der Firma nichts mehr verloren.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Jobwechsel gekommen?

Dieser Zeitpunkt ist gekommen, wenn die Bedingungen in der gegenwärtigen Firma so schlecht wie beschrieben sind und gleichzeitig ein neuer Job die Chance für eine wirklich positive Veränderung bietet. Diese muss zu den eigenen Wünschen passen, die ein wechselwilliger Arbeitnehmer daher gut hinterfragen sollte. Bloße Unzufriedenheit mit einem aktuellen Ist-Zustand genügt als Motiv nämlich nicht, um alle Konsequenzen eines Wechsels hinzunehmen. Ein neues Jobangebot muss auf den Arbeitnehmer zugeschnitten sein und zusätzlich mehr oder mindesten genauso viel Geld wie bisher bieten (+ Aufstiegschancen). Drei Fragen helfen beim Hinterfragen der Situation:

  • Was treibt mich grundsätzlich an? - (Motivation)
  • Was kann ich wirklich? - (Fähigkeiten und Neigungen)
  • Was will ich kurz-, mittel- und langfristig erreichen? - (Zielformulierung)


In Bezug auf Karrieremöglichkeiten sollten sich Arbeitnehmer überlegen, ob sie vielleicht eine Führungsposition anstreben. Wenn diese in der gegenwärtigen Firma niemals zu erreichen wäre, ist ein Wechsel des Arbeitgebers angebracht. Ihre beruflichen Ziele sollten Wechselwillige schriftlich fixieren. Danach können sie mit ihrer strukturierten Stellensuche beginnen. Auf der Basis der eigenen Standortbestimmung definieren sie zunächst bevorzugte Branchen, Funktionsbereiche, Regionen und Positionen. Daraus ergibt sich ein viel genaueres Bild davon, wohin man möchte und was man will. Das verbessert deutlich die Ergebnisse der Stellenauswahl. Jobwechsler, die sich schon länger nicht mehr auf eine neue Position beworben haben, sollten ihren aktuellen Marktwert ermitteln. Hierfür spielen spezifische Qualifikationen, die Region, die Branche, die aktuelle Marktsituation und die Konjunktur eine Rolle.

Die Frage des Einkommens

Durch Online-Gehaltsvergleiche lässt sich der aktuelle Arbeitsmarkt aus finanzieller Sicht beurteilen. Eine Gehaltssteigerung wird fast immer angestrebt. Realistisch sind 10 bis 15 Prozent mehr als das derzeitige Gehalt. Hierzu müssen die eigenen Qualifikationen und Berufserfahrungen zur neuen Position gut passen.

Wie ist die eigene Position auf dem Arbeitsmarkt richtig einzuschätzen?

Viele Arbeitnehmer, die aktuell unzufrieden sind und einen Neuanfang anstreben, zweifeln dennoch an ihrem Marktwert für einen anderen Arbeitgeber. Diese Zweifel sind verständlich, Psychologen machen dafür den generellen Veränderungsprozess verantwortlich. Diese Ängste dürfen nicht zur Lähmung führen, sonst gelingt der Wechsel nie. Ein Rückblick auf die eigene berufliche Entwicklung kann sehr hilfreich sein: Wer schon immer trotz aller Bedenken starke Veränderungen bewältigt hat, schafft es auch ein erneutes Mal. Das schafft Selbstvertrauen und Zuversicht sowie den optimistischen Blickwinkel, dass man auf jeden Fall etwas lernen werde und sich selbst seine Flexibilität und seinen Ehrgeiz beweise. Eine Karriere gelingt ohnehin nur, wenn sie ein Berufstätiger aktiv anstrebt und daher den Jobwechsel bewusst initiiert, anstatt sich dazu durch Veränderungen in seiner Firma oder gar den Frust durch ein unbefriedigendes Arbeitsumfeld treiben zu lassen. Die eigene Position auf dem Arbeitsmarkt ist am besten dadurch gut einzuschätzen, dass sich Berufstätige selbst so objektiv wie möglich - mit allen Stärken und Schwächen - beurteilen und dieses Profil mit Stellenanforderungen abgleichen. Sie sollten den Blick von außen einnehmen: So betrachtet sie der Personaler eines anderen Unternehmens.

Welche Vorteile bietet die Bewerbung aus einer Festanstellung?

Die Bewerbung aus “ungekündigter Stellung”, wie es so schön heißt, ist eine ausgezeichnete Basis, weil der Angestellte offenbar in soliden beruflichen Verhältnissen lebt, was ihn begehrenswert für ein anderes Unternehmen macht. Arbeitslose Bewerber oder Angestellte mit laufenden Jobwechseln, die auch noch den Frust auf ihrer gegenwärtigen Position durchblicken lassen, gelten hingegen als eher unsichere Kandidaten. Möglicherweise haben sie sich unbeliebt gemacht und vielleicht schon eine Abmahnung kassiert, weswegen sie der drohenden Kündigung durch einen neuen Job ausweichen wollen. So etwas kann vermutet werden, es gilt nicht gerade als Referenz. Bewerber sollten erkennen lassen, dass sie eine bessere Position, mehr Geld und vielleicht ein anderes Aufgabengebiet reizen.

     Foto © peterschreiber.media  adobe stock

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.

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