Schwung auf dem Arbeitsmarkt fehlt noch
Die Ausgangslage für den deutschen Arbeitsmarkt im Jahr 2026 ist durch eine anhaltende wirtschaftliche Schwäche geprägt. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2025 stagnierte und für das Gesamtjahr nur ein geringes Wachstum erwartet wird, fehlt der Volkswirtschaft zum Jahreswechsel der Schwung. Experten rechnen für 2026 zwar mit einer allmählichen Erholung, eine umfassende Überwindung der Wirtschaftskrise wird jedoch nicht prognostiziert. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) stellt fest, dass sich die Wirtschaft eher auf einem niedrigen Niveau stabilisiert.
Diese konjunkturelle Situation beeinflusst die Personalplanung der Unternehmen für das Jahr 2026 negativ. Einer Verbandsumfrage des IW zufolge gehen 22 von 46 Wirtschaftsverbänden davon aus, dass die Beschäftigtenzahl in ihren Branchen im Jahr 2026 sinken wird. Lediglich neun Verbände erwarten einen Personalaufbau, während 15 von einer stabilen Beschäftigungslage ausgehen. Das ist eine Fortsetzung der Entwicklung aus dem Jahr 2025, in dem die Zahl der Erwerbslosen bereits um durchschnittlich 161.000 Personen anstieg und die Erwerbstätigkeit erstmals seit langem leicht rückläufig war.
Industrie weiter schwach
Die Aussichten unterscheiden sich deutlich zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen. Besonders in der Industrie sind die Perspektiven ungünstig. Branchen wie die Automobilindustrie, die Papierindustrie und die Textilindustrie rechnen mit Rückgängen bei der Produktion. Ursachen hierfür sind unter anderem hohe Standortkosten, eine weltweite Zunahme des Protektionismus sowie eine generelle Exportschwäche, die durch Einfuhrzölle in den USA verstärkt wird.
Dienstleistungssektor trotzt dem negativen Trend
Im Gegensatz dazu zeigen sich im Dienstleistungssektor positivere Tendenzen. Bereits im Jahr 2025 verhinderten Beschäftigungsgewinne in den Dienstleistungsbereichen einen stärkeren Gesamtrückgang der Erwerbstätigkeit. Für das Jahr 2026 melden Dienstleister eine bessere Lage als das verarbeitende Gewerbe. Bereiche wie das Gesundheitswesen, Erziehung und öffentliche Dienstleister verzeichneten zuletzt Zuwächse. Zudem profitieren bestimmte Sektoren von staatlichen Sondervermögen und steigenden Verteidigungsausgaben. Zu diesen Branchen zählen der Schiffbau sowie die Luft- und Raumfahrt, denen für das Jahr 2026 bessere Chancen eingeräumt werden.
Baubranche könnte Aufschwung erleben
Die Bauwirtschaft bietet ein gemischtes Bild. Während die Bauinvestitionen im dritten Quartal 2025 einen Rückgang verzeichneten und die Zahl der Baugenehmigungen sank, profitieren Teile des Baugewerbes im Jahr 2026 von öffentlichen Aufträgen und Sondervermögen.
Die Zahl der Erwerbstätigen ist im Jahr 2025 nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamts im Vergleich zum Vorjahr so gut wie unverändert gewesen. Auch hier zeigen sich Unterschiede zwischen den Wirtschaftsbereichen. Während die Entwicklung im produzierenden Gewerbe (-1,8 Prozent) und im Baugewerbe (-0,9 Prozent) negativ war, stieg die Zahl der Beschäftigten in Dienstleistungsberufen an (+0,5 Prozent).
Demografischer Wandel wirkt sich aus
Neben den konjunkturellen Faktoren wirkt der demografische Wandel auf das Arbeitskräfteangebot ein. Das Ausscheiden geburtenstarker Jahrgänge aus dem Erwerbsleben führt dazu, dass weniger junge Arbeitskräfte nachrücken, was das Erwerbspersonenpotenzial dämpft. Das ist relevant, weil die Nettozuwanderung und die Erwerbsbeteiligung der inländischen Bevölkerung bisher stützende Faktoren waren. Insgesamt bleibt die Investitionsneigung der Unternehmen für 2026 verhalten, weil die wirtschaftliche Unsicherheit fortbesteht.
Fazit
Wer im Jahr 2026 auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sein möchte, hat in den Sektoren Dienstleistung und öffentlicher Dienst sowie Gesundheit gute Chancen. Allerdings kommt es darauf an, die nötigen Skills wie zum Beispiel eine entsprechende Ausbildung oder KI-Kenntnisse mitzubringen. Zudem wird es verstärkt auf Flexibilität ankommen - wer einen Job bekommen möchte, muss notfalls auch zu einem Umzug bereit sein.