Berufseinsteiger, -umsteiger und -aufsteiger: Unterschiede bei der Bewerbungsstrategie

Berufseinsteiger, -umsteiger und -aufsteiger: Unterschiede bei der Bewerbungsstrategie

Wer sich bei einem Unternehmen bewirbt, hat eine unterschiedlich lange Berufskarriere hinter sich. Dementsprechend dünn oder umfangreich fällt das Material für die Bewerbungsmappe aus. Da diese aber nicht unendlich dick werden soll, gilt es, ab einem bestimmten Alter auch auszusortieren. Darüber hinaus sind bei einem beruflichen Umstieg andere Unterlagen interessant als beim Ein- oder Aufstieg. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie sich die Bewerbungsunterlagen von Einsteigern, Aufsteigern und Umsteigern voneinander unterscheiden.

Bewerbung Berufseinsteiger

Wer sich mit 16 Jahren für einen Ausbildungsplatz bewirbt, kann noch auf gar keine berufliche Entwicklung verweisen, doch einige Belege für das persönliche Potenzial müssen in die Bewerbung hinein. Vielleicht hat der Kandidat als Schüler gejobbt, ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeführt und sich im Sportverein stark engagiert. Die Bundesagentur für Arbeit rät jungen Leuten, all das in ihre Bewerbung mit aufzunehmen und sich im Idealfall durch Ferienjob-Arbeitgeber und den Sportverein auch schriftlich bestätigen zu lassen. Auch vollkommen artfremde Jobs sind wertvoll, denn sie belegen den Fleiß des jungen Bewerbers und im besten Fall auch wesentliche Soft Skills wie Teamfähigkeit und Disziplin. Dieser Hinweis für die Bewerbung Berufseinsteiger gilt auch noch für Absolventen von Hochschulen, Fachhochschulen oder Universitäten. Sie können allerdings inzwischen über deutlich mehr Praktika, Auslandssemester, Projekte und Nebenjobs berichten. Sollten sie inzwischen den Master in der Tasche haben, dürften schon etliche Lebenslaufstationen nachweisbar sein. Diese präsentieren Bewerber am besten stringent und zwingend hinsichtlich der fachlichen Expertise und persönlichen Eignung. Die Informationen können individuell auf den jeweiligen Arbeitgeber zugeschnitten werden.

Bewerbung Umsteiger

Viele Berufstätige orientieren sich nach dem 30. Geburtstag neu. Häufig wird der Arbeitgeber etwa mit Mitte 30 gewechselt, nachdem die ersten Karrierestufen geschafft wurden. Tatendurstig, aber schon einigermaßen berufserfahren stürzen sich diese Bewerber auf neue Aufgaben, lesen wieder Stellenanzeigen und schicken ihre Bewerbung an den nächstgrößeren Arbeitgeber. Nun gilt es, auf die wesentlichen Fakten der letzten 15 Jahre zu fokussieren und Unnützes auszusortieren. Die Zeugnisse bis zum Abitur haben jetzt kaum noch eine Bedeutung, es reicht die Erwähnung des Schulabschlusses und der Gesamtnote. Zu viele Details wären jetzt schädlich: Wer mit 35 Jahren nämlich noch auf seine guten Mathenoten verweist, hat möglicherweise danach nicht mehr viel Großartiges erreicht. Außerdem scheint ihm der Blick fürs Wesentliche zu fehlen. Es gilt daher bei der Bewerbung Umsteiger, den Fokus auf die wesentlichen Leistungen der letzten Berufsjahre zu richten. Den neuen Arbeitgeber interessiert, wo der Kandidat aktuell steht und was er auf der nächsthöheren Position erreichen kann. Der Fokus ist prägnant und knapp. Anlagen sollten in keinem Fall zehn Seiten überschreiten.

Bewerbung Aufstieg

Wer eine Spitzenposition anstrebt, darf den Personalchef des neuen Unternehmens keinesfalls mit überflüssigen Details seiner Vita langweilen. Experten aus dem Bereich Headhunting und Coaching raten dazu, weniger auf einzelne Stationen und mehr auf persönliche Hard und Soft Skills zu verweisen. Belege für spezielle Managementkenntnisse sind gut (beispielsweise Innovations- oder Change-Management), Führungserfahrung auf Team- oder Bereichsleiterebene ist nachzuweisen. Die Zahl der bislang geführten Mitarbeiter ist eine sehr wesentliche Kennziffer. Abteilungsleiter hatten bestenfalls 10 bis 15 Beschäftigte unter sich, größer werden Abteilungen nicht. Beim Bereichsleiter können es 100 Mitarbeiter aus neun bis zehn Abteilungen gewesen sein. Dieser Unterschied ist für die Karriere sehr wesentlich. Wenn die Bewerbung Aufstieg in den Vorstand eines Unternehmens - ins sogenannte C-Level - führen soll, gelten ganz spezielle Regeln. Wer CEO, CTO oder CFO werden möchte, benötigt Netzwerke und Headhunter. Die Bewerbungsunterlagen gelten dann eher als Formsache und können knapp gefasst werden. Die Spitzenkräfte müssen stattdessen dort sichtbar sein, wo man ihre fachliche Expertise würdigt, also bevorzugt auf Konferenzen. Am meisten spricht für ihre Eignung allerdings aus Sicht des künftigen Arbeitgebers ihre Persönlichkeit - Führungsstärke, die aus Dominanz und Taktgefühl besteht.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.