Die wichtigste Weichenstellung deiner Karriere?
Wir fallen mal direkt mit der Tür ins Haus: Die Entscheidung für oder gegen Personalverantwortung ist wahrscheinlich die tiefgreifendste Weichenstellung in deinem Berufsleben.
Wir müssen nämlich mit einem großen Mythos aufräumen: Karriere bedeutet nicht automatisch, dass du Führungskraft werden musst. Früher war der Weg vielleicht klar vorgezeichnet – wer fleißig war, wurde irgendwann Vorgesetzter. Heute bietet die Arbeitswelt eine breite Palette an Karrieremöglichkeiten.
Die Entscheidung, ob du Führungsverantwortung übernehmen möchtest oder nicht, will gut überlegt sein. Sie beeinflusst dein Gehalt, deinen Stresslevel, deine Freizeit und deine persönliche Entwicklung so stark wie kaum etwas anderes.
Viele Führungskräfte hadern heute mit ihrer Rolle, fühlen sich ausgebrannt oder stecken in einer Sinnkrise. Damit dir das nicht passiert, schauen wir uns das Thema ganz genau an.
Die Rolle von Führungskräften hat sich geändert
Warum ist die Frage „Will ich Chef werden?“ heute so viel komplizierter als noch vor 20 Jahren? Ganz einfach: Die Arbeitswelt hat sich gedreht. Sie ist nicht mehr planbar, sondern volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig – manche nennen sie auch „VUKA-Welt“:
- Volatilität
- Unsicherheit
- Komplexität
- Ambiguität.
Dazu kommen Schlagworte wie „New Work“ und „Agilität“. Teams organisieren sich plötzlich zunehmend selbst. Was macht ein Chef da eigentlich noch?
Die Antwort: Die Rolle der Führungskräfte wandelt sich radikal. Weg vom traditionellen „Command and Control“-Boss, der Anweisungen gibt und jeden Schritt kontrolliert. Gefragt sind heute ganz andere Qualitäten.
Moderne Führungskräfte sind eher „Servant Leader“ – sie dienen dem Team und räumen Hindernisse aus dem Weg. Sie sind Coaches statt Ansager. Sie zeigen Empathie und führen über Vertrauen, nicht über physische Anwesenheit im Büro.
Das ist das große Paradox: Obwohl Hierarchien flacher werden, wird Führung wichtiger denn je. Die formale Macht (Anweisungen geben) nimmt ab, aber die echte Führung (Menschen inspirieren, Sinn stiften, coachen) wird überlebenswichtig. Die Anforderung an die Qualität von Führung steigt enorm.
Was bedeutet „Chef sein“ heute wirklich? (Und was nicht?)
„Personalverantwortung“ und “Führungsverantwortung” sind schwammige Begriffe. Bevor wir weitermachen, müssen wir zwei Arten von Führung unterscheiden, die ständig verwechselt werden.
Fachliche Führung
Du bist der Experte. Du gibst die Richtung inhaltlich vor, koordinierst Aufgaben und bist der Ansprechpartner für fachliche Fragen. Du hast aber keine „Macht“. Du kannst niemanden einstellen, das Gehalt nicht bestimmen oder Urlaub genehmigen. Viele Senior-Experten oder Projektleiter machen das jeden Tag. Manche sprechen auch scherzhaft von “Backen ohne Mehl”.
Disziplinarische Führung
Das ist die „echte“ Personalverantwortung, um die es in diesem Ratgeber geht. Im Mittelpunkt stehen Menschen, nicht die Aufgabe. Du bist weisungsbefugt. Das bedeutet, du trägst die volle Verantwortung – auch die arbeitsrechtliche.
Hier ist ein schneller Überblick, der den Unterschied zwischen fachlicher Führung und disziplinarischer Führung deutlich macht:
|
Merkmal |
Fachliche Führung (z.B. Projektleiter) |
Disziplinarische Führung (z.B. Teamleiter) |
|
Fokus |
Arbeitsinhalte, Aufgaben, was und wie |
Mitarbeiter, Entwicklung, Rahmenbedingungen |
|
Machtbasis |
Fachkompetenz, Expertise, Überzeugung |
Weisungsbefugnis, formale Position (Amt) |
|
Typische Aufgaben |
Aufgabenverteilung, fachliches Coaching |
Mitarbeitergespräche, Gehalt, Urlaub, Kündigung |
|
HR-Themen |
Kaum bis kein Kontakt zur Personalabteilung |
Engste Zusammenarbeit mit HR |
|
Verantwortung |
Für das Ergebnis der Aufgabe/des Projekts |
Für die Person (inkl. Arbeitsrecht) |
Tabelle 1: Fachführung vs. Disziplinarische Führung
Typische Aufgaben und Verantwortlichkeiten bei disziplinarischer Führung
Wenn wir also ab jetzt von „Führung“ sprechen, meinen wir die disziplinarische Rolle. Das ist der ungeschminkte Arbeitsalltag, der auf dich zukommt:
Die „harten“ Aufgaben:
- Personal einstellen (Recruiting-Entscheidungen treffen)
- Personal entlassen (Kündigungen aussprechen)
- Gehaltsverhandlungen führen
- Zielvereinbarungen treffen und deren Erreichung kontrollieren
- Arbeitsrechtliche Maßnahmen ergreifen (z.B. Abmahnungen)
- Arbeitszeiten und Urlaube freigeben
Die „weichen“ Aufgaben:
- Mitarbeitergespräche führen (Entwicklung, Feedback, Kritik)
- Die Gesundheit der Mitarbeiter im Blick haben (Gesundheitsschutz)
- Das Team motivieren und fördern
- Konflikte im Team moderieren und lösen
Was ist der Unterschied zwischen Leadership und Management?
Als wäre das nicht schon genug, musst du als Chef meistens zwei Hüte tragen: den des Managers und den des Leaders.
- Management (Verwaltung): Hier geht es um Prozesse, Strukturen und Stabilität. Der Manager plant Ressourcen, überwacht Abläufe und sorgt dafür, dass der Laden läuft. Er löst bekannte Probleme.
- Leadership (Führung): Hier geht es um Menschen, Visionen und Wandel. Der Leader inspiriert, entwickelt eine Vision und geht neuartige Probleme an. Führen findet auf der sozialen und psychologischen Ebene statt.
Viele Unternehmen machen den Fehler, ihre besten Fachkräfte (die oft gute Manager sind) zu Führungskräften zu befördern und erwarten dann, dass sie automatisch gute Leader sind. Aber das sind zwei völlig verschiedene Disziplinen. Wenn du es liebst, Prozesse zu optimieren, aber die zwischenmenschliche Ebene dich stresst, willst du vielleicht Manager sein, aber kein Leader.
Immer wieder hört man von Fällen, in denen ein fachlich hervorragender Mitarbeiter aufgrund seiner Leistungen zur Führungskraft befördert wurde, in dieser Rolle aber unglücklich war und dann wieder auf die vorherige Position zurückgekehrt ist.
|
Aspekt |
Der Manager |
Der Leader |
|
Fokus |
Prozesse, Systeme, Kontrolle |
Menschen, Vision, Vertrauen |
|
Ziel |
Stabilität sichern, Effizienz |
Wandel gestalten, Effektivität |
|
Ansatz |
Plant und organisiert |
Inspiriert und motiviert |
|
Umgang mit |
Bekannten, alltäglichen Problemen |
Neuartigen, komplexen Problemen |
|
Frage |
„Wie und wann machen wir es?“ |
„Was und warum machen wir es?“ |
Tabelle 2: Manager vs. Leader
3. Die Vorteile von Personalverantwortung
Natürlich gibt es gute Gründe, warum Menschen sich dazu entscheiden, Führungsverantwortung zu übernehmen. Die Vorteile sind real und können sehr erfüllend sein.
Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten im Unternehmen
Das ist oft der Hauptantrieb: Du kannst endlich wirklich etwas bewegen. Statt nur Umsetzer von Entscheidungen zu sein, die andere getroffen haben, sitzt du mit am Tisch. Du gestaltest die Strategie mit, statt sie nur auszuführen.
Du kannst die Dinge, die dich als Mitarbeiter immer gestört haben, wie zum Beispiel ineffiziente Prozesse, schlechte Stimmung, unklare Ziele – aktiv angehen und ändern. Du hast Gestaltungsspielraum. Du baust dein eigenes Team auf, förderst Talente, die dir wichtig sind, und prägst die Kultur in deinem Bereich.
Karriere- und Gehaltschancen
Seien wir ehrlich: Geld ist ein wichtiger Faktor. Mit Personalverantwortung steigt in der Regel das Gehalt. Aber auch nicht immer: Es soll noch Unternehmen geben, welche die zusätzliche Verantwortung alleine als ausreichende Belohnung ansehen. Kläre also möglichst vor deiner Beförderung, ob, wann und wie sich diese auf dein Gehalt auswirken wird.
Noch wichtiger ist aber oft der variable Anteil deiner Bezahlung. Dein Bonus oder deine Provisionen werden als Führungskraft häufig deutlich größer. Das höhere Gehalt ist allerdings kein „Schmerzensgeld“, sondern eher eine Risikoprämie. Dein Bonus ist direkt an den Erfolg deines Teams oder sogar des ganzen Unternehmens gekoppelt. Das ist der Deal: Du übernimmst die Verantwortung für das Ergebnis anderer. Wenn das Team erfolgreich ist, profitierst du. Wenn nicht, spürst du das auch finanziell.
Zusatzleistungen wie ein Firmenwagen oder bessere Aktienoptionen sind in Führungspositionen ebenfalls häufiger anzutreffen.
Anerkennung und Reputation
Eine Führungsposition bringt Sichtbarkeit. Du baust dir intern und extern einen Ruf auf. Wenn du es gut machst, basiert dieser Ruf nicht auf Macht, sondern auf Vertrauen und Integrität. Du kannst zu einer echten Identifikationsfigur werden. Die Anerkennung, die du bekommst, wenn dein Team wächst, erfolgreich ist und du positives Feedback gibst, ist ein starker Motivator.
4. Die Herausforderungen und Risiken
Kommen wir zur anderen Seite der Medaille. Und die ist oft hart, teuer und emotional anstrengend.
Zeit- und Leistungsdruck
Dein Kalender wird explodieren. Als Führungskraft bist du in Meetings. Ständig. Der Druck kommt von allen Seiten: Du musst die Ziele (von oben) erreichen und gleichzeitig dein Team (nach unten) motivieren und am Laufen halten. Du bist nicht mehr nur für deine eigene Leistung verantwortlich, sondern für die deines gesamten Teams. Wenn dein Team nicht liefert, ist es dein Problem.
Emotionale Belastung (Konflikte, Kündigungen, Verantwortung für andere)
Das ist für viele der härteste Teil. Du musst die harten Entscheidungen treffen. Du bist derjenige, der einem Mitarbeiter im persönlichen Gespräch die Kündigung aussprechen muss. Du bist derjenige, der einer erhofften Beförderung eine Absage erteilt. Das ist emotional extrem belastend.
Studien zeigen, dass Führungskräfte ein signifikant höheres Risiko für psychische Belastungen, depressive Symptome und emotionale Erschöpfung haben. Du nimmst die Sorgen deiner Mitarbeiter mit nach Hause. Du bist verantwortlich für ihre Entwicklung, aber eben auch für ihr Wohlbefinden.
Zielkonflikte zwischen Team und Unternehmensleitung
Willkommen in der „Sandwich-Position“. Das ist der Alltag für fast jede Führungskraft, die nicht ganz oben sitzt. Du wirst zerrieben zwischen den Erwartungen von oben und den Wünschen von unten.
- Druck von oben: Die Geschäftsleitung gibt dir Kennzahlen (KPIs), Sparziele oder unrealistische Deadlines vor. Du musst diese Ziele vertreten.
- Druck von unten: Dein Team hat Wünsche (mehr Gehalt, weniger Stress), Sorgen, Überstunden und erwartet von dir, dass du sie beschützt und ihre Interessen vertrittst.
Du bist der Puffer, der Übersetzer, der Feuerlöscher. Dein Job ist es, in diesem permanenten Spannungsfeld zu leben. Du musst die unrealistischen Forderungen von oben so vermitteln, dass das Team sie umsetzen kann, und die Sorgen des Teams nach oben filtern und transportieren. Wenn du diesen permanenten Zielkonflikt nicht aushältst, ist dieser Job nichts für dich.
Weniger Facharbeit, mehr Administration
Das ist der Moment, der viele neue Führungskräfte schockiert: Du machst nicht mehr den Job, in dem du mal richtig gut warst.
Wenn du der beste Programmierer warst, wirst du als Teamleiter kaum noch selbst programmieren. Wenn du die beste Vertrieblerin warst, machst du als Chefin kaum noch eigene Abschlüsse.
Dein Job wandelt sich von „selbst machen“ (Facharbeit) zu „andere befähigen“. Und das fühlt sich im Alltag oft an wie reine Administration: Genehmigungen, Berichte schreiben, Budgets planen, Meetings, Meetings, Meetings.
Du wurdest befördert, weil du der Fachexperte warst. Jetzt musst du akzeptieren, dass dein Team fachlich besser wird als du. Dein neuer Stolz darf nicht mehr sein „Ich bin der Beste“, sondern „Mein Team ist das Beste“. Das ist ein massiver Ego-Shift, den viele nicht verkraften.
Burnout-Gefahr und Work-Life-Balance
Zähl 1 und 1 zusammen: hoher Druck, emotionale Last, ständige Erreichbarkeit und das „Sandwich“-Dilemma. Das ist eine toxische Mischung. Führungskräfte können oft schlecht abschalten. Die Work-Life-Balance gerät fast zwangsläufig ins Wanken. Die Verantwortung endet nicht um 17 Uhr.
5. Persönliche Eignung und Motivation
Führung ist kein Titel, den man bekommt, sondern eine Haltung. Bevor du „Ja“ zu einem Angebot sagst, musst du brutal ehrlich zu dir selbst sein. Es geht nicht darum, ob du nett bist. Es geht darum, ob du bereit bist, den Preis zu zahlen.
Selbstreflexion: Was treibt mich an? (Die harten Fragen)
Nimm dir einen Stift und Zettel. Beantworte diese Fragen nur für dich:
- Was ist mein wahres Motiv?
Warum willst du das wirklich? Geht es dir um Gestaltung und Sinnstiftung? Willst du, dass Menschen durch dich wachsen? (Das sind starke Motive). Oder geht es dir (ehrlich) um Macht, Status und das Geld? (Das sind schwache Motive, die dem Druck nicht standhalten werden). - Wie stehe ich zu Menschen?
Magst du Menschen? Klingt banal, ist es aber nicht. Genießt du es, anderen zuzuhören, auch wenn sie Sorgen haben? Oder gehen dir Befindlichkeiten eher auf die Nerven? Wenn Letzteres zutrifft: Finger weg. - Wie stehe ich zu Konflikten?
Wie gehst du mit Konflikten um? Suchst du Harmonie um jeden Preis? Oder bist du bereit, eine unangenehme Entscheidung zu treffen und durchzusetzen – auch wenn du dich damit unbeliebt machst? - Wie stehe ich zu Kritik?
Wie gehst du mit Kritik an dir um? Als Führungskraft bekommst du (hoffentlich) ehrliches Feedback. Hältst du das aus? - Wie stehe ich zum „Experten-Verlust“?
Bist du bereit, deinen alten Job (die Facharbeit) loszulassen? Kommst du klar damit, wenn andere fachlich an dir vorbeiziehen?
6. Karriereperspektiven mit und ohne Personalverantwortung
Jetzt kommt der vielleicht wichtigste Teil dieses Ratgebers. Er soll dir Druck nehmen. Die größte Lüge der Arbeitswelt lautet: „Wer Karriere machen will, muss Führungskraft werden“.
Das ist Unsinn. Moderne Unternehmen wissen, dass sie Menschen verlieren, wenn sie ihnen nur diesen einen Weg anbieten. Es gibt heute mindestens drei gleichwertige Pfade.
Der klassische Führungspfad
Das ist der Weg, über den wir die ganze Zeit sprechen. Vom Teamleiter zum Abteilungsleiter zum Bereichsleiter. Der Fokus liegt auf: Strategie, Mitarbeiterentwicklung, Budgetverantwortung.
Die Expertenlaufbahn (Die „Fachkarriere“)
Der oft übersehene, aber extrem wertvolle Weg. Hier geht es nicht um Breite (viele Mitarbeiter), sondern um Tiefe. Du tauchst tief ein, forschst, entwickelst, optimierst.
Moderne Unternehmen bieten dafür „Dual-Ladder-Systeme“ oder Parallelhierarchien. Das heißt, du kannst als Experte aufsteigen und genauso viel verdienen wie ein Manager auf der gleichen Stufe - manchmal sogar mehr. Dein Vorteil: Du kannst dich zu 100 Prozent auf dein Fachthema konzentrieren, ohne die ganzen Nachteile, die mit Führungsverantwortung verbunden sind.
Die Projektleitung
Projektleitung ist Führung auf Zeit. Du leitest ein Team, um ein bestimmtes Projekt zum Erfolg zu führen. Das ist oft fachliche Führung, manchmal aber auch mit Budget- und Team-Verantwortung.
Das ist der perfekte, risikoarme Test für Führung. Du kannst hier alle Leader-Skills wie Motivation, Kommunikation und Zielerreichung trainieren, ohne sofort die volle disziplinarische Verantwortung für Kündigungen, Gehalt etc. tragen zu müssen. Bevor du „Ja“ zur Teamleitung sagst, leite ein Projekt!
|
Merkmal |
Führungskarriere (Linie) |
Fachkarriere (Experte) |
Projektkarriere (Projektmanager) |
|
Ziel |
Teams/Abteilungen entwickeln |
Fachwissen vertiefen, Innovation |
Projekte erfolgreich abschließen |
|
Fokus |
Menschen, Strategie, Budget |
Inhalte, Analyse, „Das Was“ |
Prozesse, Termine, „Das Wie“ |
|
Verantwortung |
Disziplinarisch (permanent) |
Fachlich (permanent) |
Fachlich (temporär) |
|
Status |
Hoch (klassisch) |
Hoch (in Fachkreisen) |
Hoch (sichtbare Ergebnisse) |
|
Gehaltspot. |
Sehr hoch (oft mit Boni) |
Sehr hoch (bei gefragter Expertise) |
Hoch (oft auf Projektbasis) |
Tabelle 3: Karrierepfade im Vergleich (Es gibt nicht nur einen Weg)
7. Der Weg zur ersten Führungsrolle
Wenn du nach all diesen Überlegungen sagst „Ja, ich will das!“, dann brauchst du einen Plan.
Chancen erkennen und nutzen
Der häufigste Weg ist der Aufstieg vom Kollegen zum Chef. Aber genau der ist am schwierigsten. Probiere dich aus und melde dich freiwillig für Projekte. Übernimm die laterale Führung für ein Thema. Werde Mentor für neue Kollegen. Zeig, dass du Verantwortung übernehmen willst und kannst.
Vorbereitung und Qualifizierung
Führung kann man lernen. Warte nicht, bis du Chef bist, um damit anzufangen.
- Suche dir einen Mentor – eine erfahrene Führungskraft, die dich coacht und dir ehrliches Feedback gibt.
- Besuche Trainings – aber nicht irgendwelche. Wähle gezielt Kurse zu Kommunikation, Konfliktmanagement oder Führungsgrundlagen.
- Lerne, deinen Tag zu managen, bevor der Führungsstress kommt.
Gespräch mit der Führungskraft über Entwicklungsmöglichkeiten
Dein Chef muss wissen, dass du willst. Warte nicht, bis man dich fragt. Das Mitarbeitergespräch (Jahresgespräch) ist der perfekte Ort dafür.
Wichtig: Gehe nicht mit der Forderung „Ich will Chef werden“ ins Gespräch. Gehe mit einer Selbstreflexion und einem Plan hinein.
Beispiel „Ich habe mir Gedanken über meine Entwicklung gemacht. Meine Stärken sehe ich hier (z.B. Team motivieren, Prozesse strukturieren). Ich würde gerne in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen. Mein Vorschlag: Könnte ich im nächsten Schritt das Projekt XY (fachlich) leiten, um mich zu beweisen und weiterzuentwickeln?“
Häufige Stolperfallen beim Einstieg in Führung
Wenn es so weit ist, tappe nicht in eine der folgenden Fallen. Die ersten 100 Tage sind entscheidend.
- Stolperfalle 1: Der „Kumpel-Modus“.
Du versuchst, weiter mit allen „Freund“ zu sein. Das geht schief, sobald du die erste unangenehme Entscheidung treffen musst. Lösung: Klare Rollentrennung kommunizieren. - Stolperfalle 2: „Jetzt ändere ich alles!“
Du startest übermotiviert und willst am ersten Tag alles umkrempeln. Das erzeugt Widerstand. Lösung: Die ersten 100 Tage: Zuhören, Beobachten, Verstehen. - Stolperfalle 3: Missgünstige Ex-Kollegen.
Der Kollege, der den Job auch wollte, boykottiert dich jetzt. Lösung: Proaktiv das Gespräch suchen, Wertschätzung zeigen, aber auch klare Kante. - Stolperfalle 4: Die „Admin-Falle“
Du übernimmst die ungeliebten Aufgaben deiner Mitarbeiter, statt sie zu coachen. Lösung: Statt selbst zu lösen, „Coaching-Fragen“ stellen („Was hast du schon probiert?“). - Stolperfalle 5: Die eigenen Bedürfnisse vergessen.
Du arbeitest 80 Stunden pro Woche, um alles perfekt zu machen, und brennst nach sechs Monaten aus. Lösung: Eigene Grenzen setzen und Pausen einplanen.
Zusammenfassung: Pro & Contra
Hier ist die schonungslose Zusammenfassung. Häng dir diese Liste an den Kühlschrank, bevor du „Ja“ zur Führungsrolle sagst.
|
PRO (Dafür spricht die Verantwortung) |
CONTRA (Das ist der Preis) |
|
Gestaltung & Einfluss: Du kannst Dinge wirklich verändern. |
Druck & Stress: Du stehst permanent unter Strom. |
|
Höheres Gehalt: Dein Verdienst (inkl. Boni) steigt - normalerweise. |
Emotionale Last: Du musst zum Beispiel anderen kündigen und Konflikte lösen. |
|
Persönliches Wachstum: Turbo für deine Soft Skills. |
Sandwich-Position: zerrieben zwischen Oben und Unten. |
|
Sinnstiftung: Du entwickelst Menschen und Teams. |
Verlust der Facharbeit: Mehr Admin, weniger „Machen“. |
|
Anerkennung: Du wirst sichtbar und baust Reputation auf. |
Work-Life-Balance: Die Verantwortung endet nicht um 17 Uhr. |
|
Team-Erfolg: Der Stolz, wenn dein Team gewinnt. |
Burnout-Gefahr: Hohes Risiko für emotionale Erschöpfung. |