Welche Bewerbungssituationen gibt es?

Wer einen neuen Job sucht, befindet sich immer in einer individuellen Lebenssituation. Daraus ergeben sich spezielle Bewerbungssituationen, die wiederum eine individuelle Bewerbung erfordern. Im Folgenden wollen wir diese Situationen im Überblick betrachten.

Warum sind spezielle Bewerbungssituationen individuell zu betrachten?

Für Bewerbungen gibt es immer eine Frist, die kurz bemessen sein kann. Der Kandidat hat eine interessante Stellenanzeige gefunden, doch es bleibt nicht viel Zeit, sich mit den Anforderungen des Jobs und der Bewerbung vertraut zu machen. Es gibt durchaus sehr verschiedene Ansätze für Online- oder Initiativbewerbungen, für Quereinsteiger, Bewerber nach der Ausbildung, dem Studium oder der Elternzeit. Die Berufswege verlaufen heute viel inkonsistenter als noch vor einigen Jahrzehnten. Jobsuchende müssen sich auf spezielle Bewerbungssituationen einstellen können.

Situation 1: Bewerbung nach der Berufsausbildung

Diese erste Bewerbungsphase des Lebens prägt den beruflichen Werdegang. Um den richtigen Job auch zu erhalten, sollten Bewerber sehr professionell vorgehen. Die absolvierte Ausbildung darf nicht die einzige Begründung für den Wunsch nach der Arbeitsstelle sein. In der Regel herrscht große Konkurrenz bei gut bezahlten Stellen in attraktiven Berufen. Eine Möglichkeit wäre, gleich im Ausbildungsbetrieb als Angestellter zu bleiben, das bieten diese Unternehmen oft an. Doch junge Leute sollten nicht alles auf diese Karte setzen, sich auch anderweitig umschauen und vor allem die Bewerbung - wo auch immer - spätestens drei Monate vor dem Ausbildungsende abgeben. Das vermeidet unangenehme Überraschungen.

Situation 2: Bewerbung nach dem Studienabschluss

Die Situation stellt sich ähnlich wie bei Azubis nach dem Ende der Berufsausbildung dar. Der erste Job nach dem Studium kann entscheidende Weichen stellen. Zu den Voraussetzungen für diesen Job gehören überzeugende Bewerbungsunterlagen. Wichtig zu wissen: Fach- und Hochschulabsolventen haben stets das Gefühl, es “geschafft” zu haben, denn die zweite entscheidende Hürde ihres Lebens - nach dem Abitur - haben sie nun bewältigt. Doch die Anspannung bleibt erhalten, denn nun gilt es, die mühsam erworbene Qualifikation in eine adäquate Position umzumünzen.

Situation 3: Bewerbung im Alter von 50+

Es ist bekannt, dass Kandidaten ab dem 50. Lebensjahr (oft schon etwas eher) große Probleme bei ihrer Bewerbung haben. Dieser Eindruck wird durch die Medien noch verstärkt, wobei Pauschalurteile zu vernehmen sind: Ab 50 geht nichts mehr. Das stimmt so nicht, doch die Kandidaten müssen sich dringend neu orientieren. Es gibt Möglichkeiten, das Manko des Lebensalters auszugleichen. Eine Variante besteht darin, gewachsene Netzwerke zu aktivieren und auf das eigene Spezialwissen zu setzen. Hierfür muss es passende Stellen bei bestimmten Unternehmen geben. Eine andere Möglichkeit besteht darin, sich in Branchen umzuschauen, in denen das Lebensalter eher von Vorteil ist. Der Vertrieb bietet beispielsweise viele Möglichkeiten. Die Bereitschaft zu dieser Art von Flexibilität muss aus den Bewerbungsunterlagen hervorgehen.

Situation 4: Bewerbung nach dem Dienst bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr bietet den Soldatinnen und Soldaten viele typische Ausbildungen an (beispielsweise im kraftfahrzeugtechnischen Bereich), die im Zivilleben 1:1 verwertet werden können. Wer so eine Ausbildung beim Bund genossen hat, sollte sich gezielt auf adäquate Stellen in der Wirtschaft bewerben. Doch das ist nicht selbstverständlich, denn die Spezialausbildung an Flugabwehrraketen nutzt im Zivilleben gar nichts. Dennoch nimmt die Wirtschaft die disziplinierten Kameradinnen und Kameraden sehr gern. Diese sollten in ihrer Bewerbung gerade auf die erworbenen soldatischen Tugenden und stark auf ihre Lernbereitschaft verweisen. Im Übrigen ist zu beachten, dass sich zivile Unternehmenskulturen doch etwas von den Gepflogenheiten beim Militär unterscheiden.

Situation 5: Bewerbung nach dem Ende der Elternzeit

Wer sich nach der Elternzeit bewirbt, sollte das durchaus im Lebenslauf angeben. Den neuen Arbeitgeber wird die familiäre Situation interessieren, denn es geht künftig darum, die Kinderbetreuung und das Berufsleben unter einen Hut zu bekommen. Der Verweis auf eine gute innerfamiliäre Organisation ist immer hilfreich, des Weiteren sollte eine Mutter, die sich nach der Elternzeit bewirbt (über 90 % der Fälle), auf die eigenen Qualifikationen verweisen. Diese interessieren den Arbeitgeber vorrangig. Auch die Bereitschaft, im Home Office zu arbeiten, kann sehr nützlich sein.

Situation 6: Bewerbung als Angestellter

Wer sich als Angestellter bewirbt, wird das ausdrücklich kommunizieren und darauf verweisen, dass er/sie sich in ungekündigter Stellung befindet. Solche Kandidaten sind für ein anderes Unternehmen durchaus interessant. Sie möchten sich verändern, doch sie befinden sich in keiner prekären Lage, die für neue Arbeitgeber unangenehm sein kann. Sie werden beispielsweise weder überzogene Gehaltsforderungen stellen noch Vorschüsse verlangen. Als legitim gilt, wenn sich ein Angestellter aus finanziellen und fachlichen Gründen verbessern möchte. Das sollte aus der Bewerbung eindeutig hervorgehen.

Situation 7: Bewerbung für ein Studium oder eine Ausbildung

Auch diese Art von Bewerbung muss gemäß geltenden Standards erfolgen. Die Bewerbungsmotivation soll ausdrücklich kommuniziert werden, zudem können die Kandidaten ihre Eignung für den Studien- oder Ausbildungsplatz deutlich unterstreichen. Firmen und Fach- oder Hochschulen entscheiden sich ungern für Bewerber, für die der Studien- oder Ausbildungsplatz nur ein Notnagel zu sein scheint. Etwas Begeisterung darf in der Bewerbung ruhig mitschwingen.

Situation 8: Freigestellte Spezialisten

Wenn Spezialisten freigestellt werden, was wegen ihres Spezialwissens selten geschieht, kann sich die Suche nach einer neuen Stelle als problematisch erweisen. Eine Bewerbung sollte vorrangig dort erfolgen, wo das Spezialwissen der Fachkraft benötigt wird. Vielfach ist hierfür ein Umzug erforderlich. Wer diesen als Spezialist scheut, ist oftmals gezwungen, sein Fachgebiet zu wechseln. Das ist bedauerlich, weil für einen neuen Arbeitgeber gerade das langjährig erworbene Fachwissen eines Spezialisten seinen größten Wert ausmacht. Dieser möchte selbst dieses Fachgebiet nur ungern aufgeben, schließlich hat er viel Zeit und Kraft darin investiert. Es ist daher oft zu einem Umzug zu raten, obgleich das mit einer höheren Belastung für die Familie verbunden sein kann.

Situation 9: Freigestellte Führungskräfte

Dass eine Führungskraft freigestellt wird, hat oft mit einer betrieblichen Umstrukturierung zu tun. Das bedeutet: Die Fachkompetenzen blieben erhalten, es gibt nur veränderte Stellenanforderungen im bisherigen Unternehmen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte lautet, dass es schwer sein kann, in Wohnortnähe eine gleichwertige Stelle zu finden. Bei einem Umzug allerdings dürfte die Familie schwer involviert sein, denn die Angehörigen sind ebenfalls durch Jobs, Schule, Studium, Freunde, Familie und Freizeitaktivitäten an den Ort gebunden. Fähige Führungskräfte sollten dennoch jede Möglichkeit - auch die eines Umzugs - ins Auge fassen, denn eine Lücke im Lebenslauf ist für sie bei Bewerbungen höchst kontraproduktiv. Wenn sich nicht sofort Chancen auf einen neuen Job ergeben, wären sogar eine Weiterbildung oder unbezahlte, aber qualifizierte Tätigkeiten (zum Beispiel im Rahmen eines Ehrenamts) neben der Jobsuche gute Referenzen für die eigene Vita.

Foto © nd3000 adobe stock

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