Heilerziehungspfleger: Berufsbild, Karrierechancen, Verdienst

Heilerziehungspfleger: Berufsbild, Karrierechancen, Verdienst

Heilerziehungspfleger - schon das Wort selbst verrät viel über den Beruf. In der Tat dreht sich hier alles um das ganzheitliche Erziehen und Pflegen von Mitmenschen mit Behinderung.

Erziehen bezieht sich hier nicht nur auf Kinder, sondern steht übergreifend für die Förderung der Eigenständigkeit der ihnen anvertrauten Schützlinge. Hierbei achten die Heilerziehungspfleger ganz besonders auf den unterschiedlichen Grad und das Ausmaß der Behinderung. Das erklärte Ziel ist immer die Hilfe zur Selbsthilfe innerhalb der Möglichkeiten des Erkrankten.

Auch die pflegerische Komponente ist höchst unterschiedlich und hängt im Wesentlichen vom gesundheitlichen Zustand des Schützlings ab. Im besten Falle ist der Heilerziehungspfleger allerdings nicht direkt für die Pflege zuständig, sondern eher für deren Koordination und Beantragung.
Manche Behinderungen sind so gravierend, dass der Patient bettlägerig ist und zum Beispiel die eigene Körperhygiene nicht durchführen kann. Andere brauchen vielleicht nur Hilfe beim Anziehen angemessener Kleidung oder der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten.

Doch egal in welcher geistigen und körperlichen Verfassung das Gegenüber sich befindet: der zuständige Heilerziehungspfleger wird versuchen, ihm ein vertrautes, angenehmes und respektvolles Umfeld zu schaffen.
Ein Heilerziehungspfleger nimmt auch Einfluss auf das Umfeld der ihm anvertrauten Menschen. So steht er im ständigen Dialog mit Eltern, Pflegern, Lehrern oder Einrichtungen und behält so den Überblick über den Alltag.

Natürlich gibt es große Unterschiede innerhalb dieses Berufs. Manche Heilerzieher arbeiten in Einrichtungen und betreuen, motivieren und fördern mehrere Menschen gleichzeitig. Andere wiederum betreuen individuell einzelne Mitmenschen mit Behinderung beim selbstständigen Wohnen oder bei der Arbeitssuche.

Manche Betreuungssituationen sind von kurzer Dauer und beschränken sich auf einen Reha-Aufenthalt, andere sind sehr persönlich und dauern eine ganze Lebensphase an.

Wer staatlich anerkannter Heilerziehungspfleger werden möchte, sollte sich auf verschiedenste Menschen und Lebensmodelle einlassen können. Man sollte sich im Behördendschungel gut zurechtfinden und fachübergreifende Zusammenarbeit wertschätzen können. Vor allem aber sollte man ein offenes Ohr für die kleinen und großen Sorgen der Patienten finden. Prinzipiell liegt die Tätigkeit darin, den Patienten eine Annäherung an das normale Leben und den normalen Entwicklungstand zu ermöglichen. Wenn das nicht möglich ist, weil die Behinderung zu schwerwiegend ist, liegt der Fokus eher auf der Anpassung des Lebensumfelds.

Wie kann ich Heilerziehungspfleger werden?

Auf die schulischen Voraussetzungen gehen wir unter dem Reiter „Einstiegschancen“ noch einmal näher ein. Heilerziehungspflege geht mit einer hohen Verantwortung einher. Wer sich entschließt, Heilerzieher zu werden, sollte eine gute Portion Selbstreflektion mitbringen.
Berührungsängste sind durchaus normal am Anfang, sollten dann aber in der praktischen Arbeit abgebaut werden können.
Wenn man sich für diesen Beruf entscheidet, sollte man sich nicht vor Herausforderungen scheuen.

Organisieren muss man hier neben seinem eigenen Leben, auch das seiner Schutzbefohlenen. Allem voran braucht man jedoch viel Geduld und Herzenswärme. Ein Heilerzieher verteidigt Menschenrechte, die leider immer noch nicht in jedem Bereich des öffentlichen Lebens angekommen sind. Hier ist Idealismus und manchmal auch ein bisschen Kampfgeist sicher nützlich.

Körperlich sollte man fit sein. Zwar ist die körperliche Belastung im Schnitt nicht ganz so hoch wie in den pflegerischen Berufen, doch das hängt stark vom Arbeitsplatz ab.

Gehalt: Was verdient ein Heilerziehungspfleger?

Die Ausbildung ist schulisch und somit in aller Regel nicht vergütet.
Allerdings werden die praktischen Phasen allgemein bezahlt. Außerdem sind Auszubildende zum Heilerzieher berechtigt, Meister-Bafög zu beantragen.

Das Einstiegsgehalt eines staatlich geprüften Heilerziehers ist stark abhängig vom jeweiligen Bundesland und Arbeitgeber.
In Deutschland beträgt der mittlere Verdienst in diesem Bereich etwa 3219 Euro. Blickt man auf die Tariftabellen des öffentlichen Dienstes, so liegt die Bezahlung zwischen 2800 und 4260 Euro.

Viele private Träger orientieren sich an diesen Tarifverträgen, andere wiederum haben ihre eigenen Regelwerke.
Wie alle sozialen Berufe liegt auch hier der Lohn oft weit unterhalb dessen, was angesichts der großen Verantwortung angemessen wäre.
Dennoch kann man mit steigender Berufserfahrung und eventuellen Weiterbildungen vielseitig tätig werden und kann aufgrund der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt ein anständiges Gehalt aushandeln.

Einstiegschancen: Wie sieht der Arbeitsmarkt für Heilerziehungspfleger aus?

Die Voraussetzungen zur Aufnahme der Ausbildung sind - wie beim Erzieher - bundesweit unterschiedlich. Jedes Bundesland hat eigene Regeln und die Fachschulen können diese noch einmal leicht für sich verändern.

Grundsätzlich lässt sich aber feststellen, dass die Auszubildenden in der Regel Abitur oder die mittlere Reife haben sollten. Zusätzlich wird oft eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine langjährige Berufstätigkeit vorausgesetzt. Oft liegt der Einstieg in der Grundausbildung zum Sozialassistenten oder dem Heilerziehungspflegehelfer.
Doch auch hier gibt es regionale Unterschiede: In Bayern kann auch das vierjährige Führen eines Mehrpersonenhaushalts zusätzlich zum mittleren Schulabschluss zur Ausbildung befähigen.
In Hamburg kann man hingegen auch mit Hauptschulabschluss unter gewissen Voraussetzungen zugelassen werden.
So unterschiedlich die Länder ihre Ausbildung gestalten, fast alle Schulen verlangen ein Führungszeugnis.
Die bundesweite Gemeinsamkeit der Ausbildungen ist der staatlich anerkannte Abschluss.

Die Einstiegschancen auf dem Arbeitsmarkt hingegen sind sehr gut. Noch immer ist dieser Beruf zu Unrecht mit vielen Vorurteilen behaftet. So entscheiden sich viele Sozialassistenten bei der Suche nach einer Weiterbildung eher für den staatlich geprüften Erzieher. Dementsprechend stark ist die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt.

Wer stellt Heilerziehungspfleger ein?

Prinzipiell kann man als staatlich geprüfter Heilerziehungspfleger in der Lehre, der Erziehung, der Sozialhilfe und der Weiterbildung tätig werden.
Mögliche Arbeitgeber finden sich im öffentlichen Sektor - gerade Förderschulen und Integrationskindergärten. Hier kann man zum Beispiel in der Frühförderung mit beeinträchtigten Kindern, oder als pädagogische Fachkraft in Förderkindergärten und -schulen arbeiten.

Den Löwenanteil der Einrichtungen stellen jedoch die privaten Träger. In Frage kommen hier: der familienentlastenden und der familienfördernde Dienst, Werkstätten und Tagesstätten für Behinderte, betreutes Wohnen für Sucht- oder psychisch Kranke. Außerdem stehen unzählige Arbeitsplätze in Reha-Kliniken, Pflegeheimen und der Psychiatrie zur Verfügung.
Ein weiteres spannendes Berufsfeld ist der Reisehelfer für geistig oder körperlich Behinderte.
Nicht zuletzt gibt es einige Menschen mit Beeinträchtigungen, die gezielt nach Heilerziehungspflegern suchen und mit ihrem persönlichen Budget die individuelle Assistenz bezahlen.

Karrierechancen

Dem Heilerziehungspfleger stehen sehr unterschiedliche Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung. Einerseits gibt es die kaufmännischen Aufstiegsqualifizierungen zum Fachwirt für Erziehungswesen oder zum Fachwirt für Gesundheits- und Sozialwesen.
Auch Qualitätsbeauftragte für Gesundheits- und Sozialwesen, Sonderpädagoge oder Motopädagogen sind gefragte Experten auf dem Arbeitsmarkt.

Nicht zuletzt entscheiden sich einige Heilerziehungspfleger für ein weiterführendes Studium.
Hier können sie sich oft einige Berufserfahrungen und Lerninhalte der Ausbildung im Studium anerkennen lassen.
Studiengänge, die aus fachähnlichen Bereichen stammen, sind zum Beispiel: Heilpädagogik, Gesundheits- und Rehabilitationspsychologie, soziale Arbeit, Erziehungs- und Bildungswissenschaft und Rehabilitations- und Gesundheitspädagogik.
In Zukunft werden die möglichen Weiterbildungen und Aufstiegsfortbildungen sicher noch mehr differenziert werden. Immerhin wird die Inklusion beeinträchtigter Mitmenschen mit großem Aufwand vorangetrieben und schafft so immer neue Schnittstellen zwischen den verschiedenen Welten.

Wussten Sie schon, ...dass

das Wörtchen „Heil-“ nicht von heilen abstammt?
Vielmehr kommt es von „holos“, dem griechischen Wort für ganzheitlich, ganz, allumfassend.
Eine stimmige Bezeichnung für diese vielseitige Tätigkeit.
Dies erklärt zum Teil auch, warum dieser Beruf nicht bei den Pflegeberufen eingegliedert wird. Er gehört auch per Definition nicht zum therapeutischen Sektor, sondern ganz klar in den Bereich der Pädagogik.

Ein weiterer interessanter Fakt ist schließlich, dass ein staatlich geprüfter Heilerziehungspfleger, laut des deutschen Qualifikationsrahmens, der Stufe 6 entspricht. Hiermit steht er auf einer Stufe mit geprüften Meistern oder einem Bachelor.

*Hinweis: Für ein besseres Lesegefühl wird in diesem Text ausschließlich von „Heilerziehungspfleger“ gesprochen, dies schließt natürlich alle Geschlechter mit ein.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.