Belastbarkeit: Ausdauer und Stressresistenz lassen sich erlernen

Belastbarkeit: Ausdauer und Stressresistenz lassen sich erlernen

Das Wort 'Belastbarkeit' hat im Sprachgebrauch des modernen Arbeitnehmers und -gebers seinen festen Platz. Die moderne Welt ist ein stressiger Ort zum Arbeiten und Leben. Die Menschen suchen nach Mitarbeitern, die mit hektischen Terminen, Herausforderungen durch andere Berufstätige und auch mit ihren eigenen persönlichen Verpflichtungen außerhalb der Bürozeiten zurechtkommen - das erfordert mentale Stärke! Warum ist Belastbarkeit so bedeutsam und wie kann man lernen, stressige Situationen professionell durchzustehen? Diese und weitere Fragen beantworten wir in diesem Artikel.

Was versteht man unter Belastbarkeit?

Belastbarkeit ist die Fähigkeit, stressige oder negative Situationen zu bewältigen, Ausdauer zu haben und mit Niederlagen konstruktiv umgehen zu können.

  • Motivation
  • Stressresistenz
  • Kommunikation und
  • Kritikfähigkeit

werden in jedem Beruf verlangt. Diese Verhaltensweisen greifen wie Zahnräder ineinander über. Folglich bezeichnet der Begriff 'Belastbarkeit' nicht eine bestimmte Eigenschaft, sondern eine Vielzahl an charakterlichen Kompetenzen.

Mentale Stärke gehört zu den Soft Skills. Ein belastbarer Mitarbeiter kann Probleme effektiv und sachlich lösen und weist ein gutes Konfliktmanagement auf. Er ist termintreu, arbeitet ausdauernd und erweist sich im Arbeitsalltag als stressresistent. Seine beruflichen Leistungen werden durch äußere Einflüsse nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Belastbarkeit: in welchen Jobs ist sie besonders wichtig?

In jedem Job gibt es Situationen, die Selbstkontrolle erfordern. Ein besonders hohes Maß an Belastbarkeit ist in den folgenden Berufen gefragt:

Eine große Anzahl an Kollegen, Tätigkeiten unter Zeitdruck, Misserfolge sowie häufiger Kontakt zu verschiedenen Menschen (Klienten etc.) sind potentiell belastende Faktoren. Sie dürfen dennoch nicht zu mangelhaften Arbeitsergebnissen führen. Deshalb ist Belastbarkeit besonders in verantwortungsvollen Berufen notwendig.

Belastbarkeit in Stellenanzeige und Arbeitszeugnis

Fast alle Arbeitgeber suchen nach belastbaren Mitarbeitern. Darauf wird oft bereits in der Stellenausschreibung hingewiesen. Im Bewerbungsgespräch oder im Anschreiben kann man anhand von Beispielen auf die eigene Belastbarkeit Bezug nehmen. Es ist daher wichtig, dass Sie Beispiele für Momente nennen können, in denen Sie Belastbarkeit bewiesen haben. 

Was bedeutet es, wenn in Stellenanzeigen nach „belastbaren“ Bewerbern gefragt wird?

Die ausdrückliche Suche nach belastbaren Stellensuchenden ist ein Indikator für einen physisch und/oder psychisch anspruchsvollen Job. Wer einen Arbeitsplatzwechsel anstrebt, sollte sich vor dem Verfassen der Bewerbung über die Anforderungen im neuen Beruf informieren.

Daher ist es auch entscheidend, Ihre Belastbarkeit im Bewerbungsprozess herauszustellen.
Sie können zum Beispiel von einer Zeit erzählen, in der Sie wegen einer Veränderung im Unternehmen oder der Abwesenheit eines Kollegen besonders hart arbeiten mussten. Oder über eine Zeit, in der ein Projekt nicht gut lief, Sie aber nicht aufgaben und schließlich gute Ergebnisse lieferten. Indem Sie konkrete Beispiele nennen, zeigen Sie, dass Sie wirklich belastbar sind und erhöhen damit Ihre Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden oder die Stelle zu bekommen.

Wie wird Belastbarkeit im Arbeitszeugnis dokumentiert?

In Zeugnissen wird das Wort 'Belastbarkeit' durch Synonyme ersetzt. Der ehemalige Arbeitgeber beschreibt den belastbaren Mitarbeiter als

  • zuverlässig,
  • ausdauernd,
  • konzentriert,
  • durchsetzungsfähig oder auch
  • pünktlich

Für die Beurteilung der Belastbarkeit gibt es verschiedene Abstufungen. Eine außergewöhnlich hohe oder sehr gute Stressresistenz spricht für einen Arbeitnehmer, der selbst unter widrigsten Bedingungen leistungsstark ist. Die Bewertung 'Gut' entspricht der Schulnote 2 bis 3. Eine durchschnittliche Belastbarkeit gilt als Mindestanforderung. Für die oben genannten Berufsbilder reicht sie allerdings nicht aus.

Belastbarkeit: kann man das lernen?

Als Mitarbeiter kann man Belastbarkeit im Beruf üben. Der praktische Kontext am Arbeitsplatz hilft dabei, stressige Arbeitssituationen zu erkennen und zu bewältigen.

Stressige Arbeitssituationen können sogar vorteilhaft sein. Eustress, also 'guter Stress', hat eine aktivierende und motivierende Wirkung auf den Mitarbeiter. Dieser Arbeitseifer führt letztlich zu beruflichen Erfolgen. Die Grenze zwischen beiden Stressformen ist oft fließend. Was früher als Stress wahrgenommen wurde, kann mittlerweile motivieren. Der umgekehrte Fall ist ebenfalls möglich.

Die Unterscheidung zwischen negativen und positiven Stresssituationen ist eine präventive Maßnahme. Erlebnisse aus dem Arbeitsalltag können in diese beiden Kategorien eingeordnet werden. Eine gesunde Methode zur Stressbewältigung ist im Arbeitsalltag besonders wichtig.

Wie kann ich belastbar werden bzw. meine Belastbarkeit erhöhen?

Ein selbstbewusster Angestellter lässt sich auch durch Misserfolge nicht entmutigen. Die Bewusstwerdung über die persönlichen Fähigkeiten und Begabungen stärkt das Selbstvertrauen.

Ein gelassener Umgang mit Herausforderungen nimmt schwierigen Aufgaben oder Konflikten ihren Schrecken. Im Zweifelsfall sollten andere Kollegen als Ratgeber mit einbezogen werden.

Wenn die Belastung zu hoch wird

In vielen Bereichen der modernen Gesellschaft gilt ein Arbeitnehmer als schwach, wenn er an seine emotionalen Grenzen stößt. Diese Annahme ist jedoch falsch. Wer seine persönlichen Grenzen kennt, beweist ein hohes Maß an innerer Stärke. Dieses Wissen kann vor psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout schützen.

Eine mentale Überlastung betrifft keineswegs nur die älteren Mitglieder des Betriebs. Auch junge Kollegen können die täglichen Anforderungen als belastend empfinden. Vor allem Auszubildende fühlen sich in der neuen Umgebung oft überfordert.

Hier kommt es auf die Sensibilität der Kollegen an: Ein regelmäßiges Feedbackgespräch ist für beide Seiten aufschlussreich. Der Vorgesetzte sollte sich hier explizit nach den emotionalen Befindlichkeiten des Arbeitnehmers erkundigen. Fragen wie 'Fühlen Sie sich in der Abteilung wohl?' oder 'Kommen Sie mit der Arbeit gut klar?' brechen das sprichwörtliche Eis.

Von solchen Gesprächen kann die gesamte Belegschaft profitieren. Einmal im Vierteljahr sollte jeder Mitarbeiter die Möglichkeit haben, offen über seine Gefühlswelt sprechen zu dürfen. Viele machen negative Erfahrungen mit sich selbst aus anstatt ihre Sorgen zu teilen. Diese Vorgehensweise ist bei einer übermäßigen Belastung nicht ratsam.

Was kann passieren, wenn die Belastung über die Grenze der Belastbarkeit hinausgeht?

Niemand ist unbegrenzt belastbar. Es ist kein Zeichen von Schwäche, an die eigenen emotionalen Grenzen zu kommen. Solche Situationen weisen den Arbeitnehmer darauf hin, achtsamer mit sich selbst umzugehen. Die Folgen einer Überlastung können körperliche und seelische Erkrankungen oder eine Erwerbsunfähigkeit sein.

Was Sie noch gegen eine zu hohe Belastung tun können

Als Arbeitnehmer kann man einer zu hohen Belastung eigenständig entgegenwirken. Diese Impulse sind sinnvolle Hilfestellungen:

  • Ein gesunder Ausgleich zwischen Arbeit und Erholung beugt einer Überlastung vor. Beim Arbeiten sollten feste Pausenzeiten eingehalten werden - auch und vor allem im Homeoffice.
  • Die persönliche Belastunggrenze darf nicht überschritten werden. Es ist ein Zeichen von guter Selbstkenntnis, die Arbeitsweise zu ändern und zu entschleunigen.
  • Ein weiterer Aspekt ist der mentale Umgang mit Problemen im Job. Nach Dienstschluss sollte man sich von belastenden Situationen am Arbeitsplatz distanzieren und die Gedanken auf private Interessen lenken.
  • Die Liste mit der Gegenüberstellung von Stress und Eustress kann auf dem Schreibtisch liegen und nach Bedarf abgeändert werden.
  • Misserfolge sollten relativiert werden. Im Berufsleben gehören Fehler zum Alltag dazu und stellen nicht die eigenen fachlichen Kompetenzen in Frage.

Fazit: Kennen Sie Ihre Grenzen

Belastbarkeit ist notwendig, aber nicht grenzenlos. Eine gesunde Selbsteinschätzung und das Wissen um die eigene Belastungsgrenze sind wichtige Voraussetzungen, um die negativen Situationen im Beruf 'aushalten' zu können.

Belastende Arbeitssituationen sollten am Arbeitsplatz bleiben. Die freie Zeit ist zum Ausruhen vorgesehen und nicht für die gedankliche Nachbereitung von beruflichen Problemen. Eine klare Trennung zwischen Job und Privatleben ist der maßgebliche Schritt in die richtige Richtung.

Wenn Sie sich der täglichen Anforderung im Unternehmen nicht ausreichend gewachsen fühlen, sollten Sie sich rechtzeitig Hilfe holen. Ein Gespräch mit dem Chef oder einem vertrauten Kollegen kann viel bewirken. Machen Sie Ihren Gegenüber auf belastende Situationen aufmerksam. Vielleicht war er sich über die Tragweite nicht bewusst.

Ein räumlicher Wechsel in eine andere Abteilung oder ein 'ausgedünnter Terminkalender' können schon eine Entlastung sein. Bei einer anhaltenden Belastung sollte eine berufliche Neuorientierung in Erwägung gezogen werden.

Stress ist nicht nur ein gesundheitsschädlicher Faktor. Positive Stressmomente regen zur Motivation an. Unter diesen Umständen empfindet der Mitarbeiter Zeitdruck nicht als hinderlich, sondern führt seine Erfolgserlebnisse genau darauf zurück. Wer eine Aufgabe gerne macht, kommt auch mit scheinbaren Belastungen besser zurecht.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.