Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch

Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch

In einer Bewerbung wird neben einem Lebenslauf und einem Anschreiben die Stärken und Schwächen von den Kandidaten erwartet. Haben Sie Schwierigkeiten, überzeugende Eigenschaften zu finden? Im folgenden Artikel gibt es ausführliche Informationen und Beispiele, um in der Bewerbung zu punkten.

Stärken und Schwächen in der Bewerbung und in einem Vorstellungsgespräch

Stärke und Schwächen sind seit Anbeginn der Zeit wichtig für den Menschen. Bereits in der Steinzeit entschied die Stärke und die Schwächen trugen zum Misserfolg bei. Das galt nicht nur bei der Fortpflanzung, sondern auch bei der Nahrungssuche.

Im übertragenen Sinn ist die Stärke auch auf den Erfolg des Berufs zurückzuführen. Schwächen hingegen müssen nicht negativ gemeint sein: Sie können auch eine Chance sein für das Erlernen neuer Dinge und für eine veränderte Ausübung des Berufs.

Im Vorstellungsgespräch sind die Stärke und die Schwächen nicht mehr wegzudenken. Warum sie den Personalern so wichtig sind und wie Sie sich darauf vorbereiten, zeigt der nachfolgende Artikel.

Die Klassikerfrage im Vorstellungsgespräch: Wann wird sie gestellt?

Der Zeitpunkt nach der klassischen Frage

  • Welche Stärke hebt Sie besonders hervor und was sind Ihre Schwächen?

ist bei Personalern ganz unterschiedlich. In der Regel erfolgt die Fragerunde jedoch erst zur Mitte bis zum Ende hin. Derweil haben Sie Zeit, sich auf das Kommende vorzubereiten und um noch mehr über das Jobangebot zu erfahren.

Standardmäßig wird eine Stärke, in den meisten Fällen auch nach drei positiven Eigenschaften gefragt. Das Gleiche gilt auch für die Schwächen. Antworten Sie bedacht und lassen Sie sich Zeit. Wenn die Antworten wie aus der Pistole geschossen kommen, weiß der Personaler genau, dass Sie die Antworten auswendig gelernt haben.

So gelingt die Vorbereitung auf die Klassikerfrage

Machen Sie sich vor dem Gespräch Gedanken und fertigen Sie eine Liste an. Schreiben Sie sowohl die Stärken als auch die Schwächen auf, die relevante Bezüge zum Jobangebot zeigen.

Überlegen Sie sich Beispiele, wie sich Ihre Eigenschaften auf eine bestimmte Situation auswirken. Das kann sich einerseits auf Sie selbst und andererseits auf Ihre Kollegen beziehen. Ihre Gesprächspartner erkennen daran, wie Sie im Team arbeiten.

Sofern Sie im Lebenslauf Ihre Stärken und Schwächen genannt haben, greifen Sie darauf zurück. Der Personaler hat den Lebenslauf vor sich liegen und erwartet mehr als nur eine Aufzählung der Kompetenzen und Schwächen. Gehen Sie auf jede Eigenschaft näher ein und nennen Sie Beispiele, die Sie positiv im Berufsleben geprägt haben. Mit einer durchdachten und ehrlichen Antwort punkten Sie beim Personaler allemal.

Haben Sie die Eigenschaften im Lebenslauf nicht aufgeschrieben, warten Sie im Bewerbungsgespräch ab, bis Sie darauf angesprochen werden.

Diese Schwächen sind akzeptabel

Mit der Frage nach den Schwächen finden Personaler heraus, ob Sie fähig sind, eine Selbstreflexion durchzuführen. Kein Mensch ist perfekt, sondern jeder kann an sich arbeiten. Das gilt sowohl im frühen als auch im späteren Berufsleben.

Nennen Sie Schwächen, die etwas Persönliches ausdrücken. Individualität und Authentizität sind das A und O in einem Vorstellungsgespräch!

Überzeugende Beispiele sind etwa:

  • Dickköpfigkeit,
  • Impulsivität,
  • überkritisch,
  • Zerstreutheit,
  • Ungeduld,
  • Unentschlossenheit

Um dem heftigen und starken Ausdruck etwas Fahrt zu nehmen, erläutern Sie anhand von einigen Beispielen, wie sich das Ganze zeigt.

Beim Beispiel der Zerstreutheit können Sie Bezug auf Ihren ehemaligen Arbeitgeber oder auf Ihre Kollegen eingehen: Dort herrschte ein solches Chaos, dass Sie nicht klar denken und gut arbeiten konnten. Machen Sie auch deutlich, dass Sie an sich selbst arbeiten und strukturierter vorgehen möchten. Das Erstellen von Listen hilft Ihnen nun dabei, die Zerstreutheit und das Chaos zu beseitigen.

Fällt es Ihnen schwer, sich Ihre Schwächen einzugestehen? Dann fragen Sie doch einmal bei der Familie und bei Freunden nach. Das gilt auch für die Stärke, die Sie am meisten prägt und ausmacht.

Welche Schwächen Sie nicht nennen sollten

Achten Sie bei der Auswahl der Schwächen darauf, dass diese nicht die Bewerbung gefährden. Die Schwächen sollten sich niemals negativ auf das Stellenangebot auswirken. Ein mangelndes Zeitmanagement beispielsweise ist in einer Redaktion oder in einem Kindergarten fehl am Platz. Das macht dem Personaler deutlich, dass Sie nicht fähig sind, Aufgaben zu bestimmten Zeiten zu erledigen.

Standardfloskeln wie etwa

  • Ich bin ein Workaholic und arbeite viel.
  • Ich habe keine Schwächen!
  • Mir fällt dazu nichts ein.
  • Ich bin ein Perfektionist.
  • Ich bin sehr ehrgeizig.

machen Sie unsympathisch. Gehen Sie lieber auf etwas Persönliches ein und finden Sie tief in Ihrem Inneren die Schwäche, die Sie schon immer in der Karriere gehindert hat.

Sympathische Schwächen: Was sind das?

Sympathische Schwächen sind in der Berufswelt akzeptiert und sind mit einem Augenzwinkern zu sehen. Ausgehend von dieser Schwäche können Sie etwas lernen und sich selbst behaupten. Machen Sie aus den sympathischen Schwächen eine Stärke, indem Sie zum Beispiel ein Seminar für ein besseres Zeitmanagement besuchen.

Beispiele für sympathische Schwächen sind folgende:

  • geringe Fähigkeiten,
  • mangelnde Sprachkompetenzen
  • zu verbessernde Rhetorikkenntnisse,
  • Bedürfnis nach Ruhe zum Beispiel beim alleinigen Mittagessen

Nutzen Sie diese Beispiele, die etwas Kreativität bei der Auslegung erfordern.

Beispiele für unsympathische Schwächen gibt es ebenfalls. Versuchen Sie, diese zu vermeiden, auch wenn sie der Wahrheit entsprechen:

  • aggressives Verhalten,
  • häufiges Krankmelden,
  • Vergesslichkeit,
  • Konzentrationsschwäche,
  • Streitsucht,
  • Alkohol- oder Spielsucht

Die Überleitung zur Stärke

Um die Schwächen auszugleichen, nennen Sie eine positive Eigenschaft, die das wieder wett macht. Eine Überleitung zu Ihren Stärken macht dem Personaler deutlich, dass Sie schlagfertig sind. Die Tonalität sollte jedoch freundlich und nicht zu bestimmend sein.

Erwähnen Sie auch, dass Sie einen Kurs an der Volkshochschule etc. belegen möchten. Das vervollständigt Ihre fehlenden Kompetenzen, die Ihnen nicht mehr als Schwäche auferlegt wird. Das zeigt, dass Sie Ihre Schwächen erkannt haben und dass Sie an sich arbeiten. Diese Selbstreflexion ist vielen Personalern wichtig.

Ein Mittelmaß an Stärken aufzählen

Bei der Aufzählung der Stärken sollten Sie es nicht übertreiben. Eine Übertreibung kann schnell ins Negative verfallen: Dann wirken Sie als Besserwisser, eingebildet oder zu sehr von sich überzeugt. Das kommt beim Gsprächspartner nicht gut an, sodass die Devise lautet:

In der Kürze liegt die Würze.

Finden Sie ein geeignetes Mittelmaß, um sich mehr auf die Ausführung zu konzentrieren. Gehen Sie zu jeder Stärke präzise ein und erläutern Sie, warum diese positive Eigenschaft Ihnen im Job hilft. Das kann der Umgang mit den Kollegen sein oder eine gute Bearbeitung der gestellten Aufgaben.

Wählen Sie eine bis drei Stärken aus, um nicht den Überblick zu verlieren. Dies reicht dem Personaler bereits aus, um Ihre Fähigkeiten einzuschätzen.

Finden Sie zu jedem Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben, eine eigene Stärke. Machen Sie deutlich, warum Ihre positiven Eigenschaften zum Unternehmen passen. Die individuelle Bewerbung kommt immer gut an und verdeutlicht, warum Sie die ideale Wahl für die ausgeschriebenen Stelle sind.

Diese Beispiele für Stärke kommen bei den Personalern gut an

Machen Sie sich selbst bewusst, was Sie wirklich gut können. Eine Mindmap oder eine Liste hilft Ihnen dabei, das herauszufinden. In diesem Findungsprozess dürfen Sie gerne übertreiben. Die Auslegung sollte aber klarer, strukturierter und nicht zu überladen sein.

Beliebte Beispiele für Stärken lauten wie folgt:

  • Offenheit,
  • leistungsorientiert,
  • Zeitmanagement,
  • teamfähig,
  • Lernbereitschaft,
  • kommunikationsfähig,
  • kritikfähig,
  • Eigeninitiative,
  • Kreativität,
  • Organisationstalent

Haben Sie bestimmte Kurse oder Seminare belegt und die eine oder andere Fremdsprache erlernt? Dann ist es immer ratsam, die Belege dafür als Anlage hinzuzufügen.

Hegen Sie den Wunsch, sich darin zu verbessern? Dann erwähnen Sie das unter dem Punkt Schwächen. Oftmals bieten Unternehmen eigene Seminare und Kurse an, um die Mitarbeiter individuell zu fördern.

Fazit - Authentizität gewinnt

Die Stärke und die Schwächen zählen zu den Klassikerfragen in einem Vorstellungsgespräch, die vielen Kandidaten Angst bereiten. Mit einer guten Vorbereitung sind Sie bestens gewappnet und gehen mit einem guten Gefühl ins Gespräch hinein.

In einem Bewerbungsgespräch entscheidet vor allem Authentizität. Seien Sie Sie selbst und verstellen Sie sich nicht.  Nur einem ehrlichen Kandidaten geben die Personaler gerne eine weitere Chance sich zu beweisen. Erzählen Sie etwas Persönliches von sich, um interessant zu bleiben.

Greifen Sie auf die vorgeschlagenen Beispiele zurück und überlegen Sie sich, was zu Ihnen passt:

  • Welche Stärke bringt Sie speziell in diesem Jobangebot weiter?
  • Wo haben Sie Schwächen, die Sie mit anderen Dingen ausgleichen?

Mit diesen Tipps an der Seite meistern Sie jede Situation im Bewerbungsgespräch und dürfen sich über eine weitere Einladung freuen.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.