Werden Softwareentwickler durch KI ersetzt?

Werden Softwareentwickler durch KI ersetzt?

Karriereplanung | 23.09.2025

KI-Tools wie ChatGPT oder Claude ermöglichen es selbst Anfängern, komplexe und funktionierende Software zu erstellen. Wird der Beruf des Softwareentwicklers zukünftig überhaupt noch benötigt? Die Antwort ist ein klares “Ja”. Wir zeigen, warum das so ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

Du fragst dich, ob Künstliche Intelligenz (KI) bald deinen Job als Softwareentwickler übernimmt? Hier ist die schnelle Antwort, die dich beruhigen wird.

  1. KI wird dich nicht ersetzen, sondern dein wichtigstes Werkzeug – sie macht dich besser und schneller.
  2. Langweilige Routineaufgaben wie einfachen Code schreiben, Tests erstellen oder Dokumentationen anfertigen, übernimmt immer mehr die KI, damit du Zeit für die wirklich spannenden Dinge hast.
  3. In Zukunft wird es weniger wichtig sein, Code zu tippen, sondern clever die KI zu steuern und ihre Ergebnisse zu prüfen.
  4. Deine menschlichen Fähigkeiten wie Kreativität, Kommunikation und logisches Denken werden besonders wichtig, weil die KI das nicht kann.
  5. Es entstehen neue Jobs wie der AI Engineer, die top Karrierechancen bieten, wenn du dich mit Software und KI auskennst.

Was der Futuromat sagt

Der Futuromat ist ein Online-Tool der Bundesagentur für Arbeit, das einschätzt, wie stark ein Beruf durch Computer automatisiert werden kann. Für Softwareentwickler sagt er:

7 von 18 typischen Aufgaben können heute schon von Maschinen erledigt werden.

Das klingt vielleicht erstmal viel, aber es bedeutet nicht, dass der Job verschwindet. Es heißt nur, dass sich fast 40 Prozent deiner Arbeit verändern. Du musst diese Aufgaben nicht mehr selbst machen, sondern nur noch die KI dabei überwachen. Das bestätigt die Kernaussage: Es geht um Unterstützung, nicht um Ersatz.

Futuromat: Automatisierung im Beruf 'Softwareentwickler' durch KI
Futuromat: Automatisierung im Beruf 'Softwareentwickler' durch KI

Was ein Softwareentwickler heute wirklich macht

Um zu verstehen, wie KI den Job verändert, müssen wir uns ansehen, was ein Softwareentwickler eigentlich leistet. Es geht um viel mehr als nur Code zu schreiben. Softwareentwickler sind eine Art "Brückenbauer" in der digitalen Welt. Sie nehmen die Wünsche und Ideen von Kunden und übersetzen sie in funktionierende Software. Ihre Arbeit begleitet ein Produkt von der ersten Idee über das Design, die Programmierung und das Testen bis hin zur Wartung und Dokumentation.

Im Kern bist du als Softwareentwickler ein Problemlöser. Du analysierst, was gebraucht wird, entwirfst eine Lösung und sorgst dafür, dass am Ende alles sicher, stabil und einfach zu bedienen ist. Das Ergebnis ist nicht nur eine App, sondern ein komplettes System, das ein echtes Problem löst. Genau weil der Job so vielseitig ist und es darum geht, knifflige Probleme zu lösen, kann er nicht einfach von einer Maschine übernommen werden.

Worauf es besonders ankommen wird: Technik und Menschlichkeit

Ein guter Entwickler braucht beides: technisches Wissen (Hard Skills) und menschliche Fähigkeiten (Soft Skills). Während das eine die Basis ist, wird das andere immer mehr zum entscheidenden Vorteil.

Hard Skills

Du brauchst natürlich Ahnung von Programmiersprachen wie Java, Python, JavaScript, den passenden Frameworks, Datenbanken und Systemarchitektur. Genauso wichtig ist der Umgang mit Werkzeugen wie Entwicklungsumgebungen (IDEs), Versionskontrolle (Git) und Cloud-Plattformen.

Wichtig ist auch branchenspezifisches Wissen. Es sorgt dafür, dass du deine Programmierfähigkeiten zielgerichtet einsetzen kannst - mit maximalem Nutzen.

Soft Skills

Diese Fähigkeiten entscheiden immer öfter über den Erfolg. Hier sind die wichtigsten:

  • Logisches Denken und Problemlösung: Komplexe Aufgaben in kleine Teile zerlegen und eine logische Lösung finden – das ist und bleibt das A und O.
  • Team- und Kommunikationsfähigkeit: Software wird im Team entwickelt. Du musst dich klar mit Kollegen und Kunden austauschen können und vor allem gut zuhören, um Wünsche richtig zu verstehen.
  • Einfühlungsvermögen (Empathie): Du musst dich in den Nutzer hineinversetzen können, um eine Software zu bauen, die ihm wirklich hilft und die er gerne bedient. Es geht darum, Anforderungen möglichst genau in technische Vorgaben zu übersetzen.
  • Anpassungsfähigkeit und Lernbereitschaft: Die Technikwelt dreht sich rasend schnell. Du musst bereit sein, ständig dazuzulernen und dich auf Neues einzulassen.
  • Geduld und Ausdauer: Fehlersuche kann nervenaufreibend sein. Geduld mit dir, dem Code und deinen Kollegen ist eine Superkraft.

Dass Soft Skills wie Empathie und Kommunikation immer wichtiger werden, ist kein Zufall. Sie sind dein Schutzschild gegen die KI. Eine KI kann Code schreiben, weil sie Muster in Daten erkennt. Aber sie kann nicht die unausgesprochenen Wünsche eines Kunden verstehen, in einem Team vermitteln oder kluge Design-Entscheidungen treffen, bei denen es auf Fingerspitzengefühl ankommt. Während die KI dir immer mehr technische Arbeit abnimmt, wird dein Wert als Mensch mit sozialen Fähigkeiten immer größer.

Was KI wirklich kann (und was nicht)

Stell dir KI in der Softwareentwicklung wie einen extrem fähigen Assistenten vor. Ihre Hauptaufgabe ist es, dir die sich wiederholenden, langweiligen und zeitraubenden Aufgaben abzunehmen. Das gibt dir die Freiheit, dich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren: die Architektur des Systems, kreative Lösungen für knifflige Probleme und die strategische Planung.

Große Firmen berichten schon jetzt von großen Produktivitätssprüngen durch KI. JPMorgan gibt zum Beispiel an, ihre Entwickler seien dank KI-Hilfe 10-20 Prozent schneller. GitHubs Copilot kann angeblich die zum Programmieren benötigte Zeit sogar um bis zu 30 Prozent verkürzen. Es geht also nicht darum, dich zu ersetzen, sondern deine Arbeitsweise zu verändern.

Was die Futuromat-Zahlen wirklich bedeuten

Wenn es heißt, 7 von 18 Aufgaben von Softwareentwicklern seien "automatisierbar", heißt das nicht, dass sie komplett von Maschinen erledigt werden. Es bedeutet nur, dass die Technik es prinzipiell könnte. Aber oft braucht es trotzdem einen Menschen, der die Qualität prüft, die Aufsicht hat oder einfach flexibler reagieren kann.

Die Aufgaben, die die KI übernimmt, sind wahrscheinlich Dinge wie: Standard-Code schreiben, einfache Tests erstellen, Basis-Dokumentationen anfertigen oder häufige Fehler erkennen. Die restlichen Aufgaben sind die, die strategisches Denken, Kreativität und soziale Fähigkeiten erfordern: Projektziele festlegen, komplexe Architekturen entwerfen, Nutzerbedürfnisse verstehen, neue Probleme lösen oder jüngere Kollegen anleiten.

Das ist aber eine Herausforderung für Berufseinsteiger. Die typischen Junior-Aufgaben sind genau die, die am leichtesten von der KI erledigt werden. Wenn die KI das macht, wie sollen Neulinge dann die nötige Erfahrung sammeln, um später die komplexen Aufgaben zu übernehmen? Firmen könnten zögern, Juniors für etwas einzustellen, was eine KI billiger und schneller kann. Das erfordert ein Umdenken bei den Einstiegsjobs, die sich in Zukunft mehr auf das Steuern der KI, fortgeschrittene Tests und die Integration von Systemen konzentrieren müssen.

Neue Chancen durch KI

KI ist nicht nur eine Herausforderung, sondern vor allem eine riesige Chance. Sie bringt viele Vorteile für die gesamte Branche.

  • Schneller neue Ideen umsetzen: Weil die KI dir Routinearbeit abnimmt, kann sie dazu beitragen, neue Produkte und Funktionen viel schneller auf den Markt zu bringen. Die gewonnene Zeit können Unternehmen in Innovation oder Weiterbildung stecken - auch in deine.
  • Größere Projekte stemmen: Mit KI-Hilfe können Teams Projekte angehen, die vorher zu kompliziert oder zu teuer gewesen wären. Sie hilft, den Überblick über große Code-Mengen zu behalten und führt so zu besseren Ergebnissen.
  • Bessere Software-Qualität: KI-gestützte Test-Tools finden Fehler früher und gründlicher als ein Mensch allein. Das macht die Software am Ende stabiler und zuverlässiger.
  • Vibe-Coding-Fehler beheben: Das sogenannte Vibe-Coding, also das Erstellen von Software per KI, kann ohne Zutun von menschlichen Entwicklern und Testern Fehler und Sicherheitslücken produzieren. Es zeichnet sich schon heute ab, dass die Nachfrage nach erfahrenen Entwicklern steigt, die entsprechende Fehler und Schwachstellen erkennen und lösen können.

Die durch KI geschaffene Produktivitätssteigerung wird wahrscheinlich nicht zu weniger Jobs führen. Im Gegenteil. Es gibt ein Prinzip namens Jevons-Paradoxon. Vereinfacht gesagt: Wenn etwas effizienter und billiger wird, nutzen die Leute mehr davon. Übertragen auf Software heißt das: Weil man mit KI Software schneller und günstiger entwickeln kann, werden plötzlich ganz neue Ideen und Projekte bezahlbar. Die Nachfrage nach Software wird steigen. 

Vom Coder zum KI-Dirigenten

Der Entwickler der Zukunft ist weniger jemand, der Code eingibt, sondern jemand, der mit der KI zusammenarbeitet und ihre Ergebnisse kontrolliert. Die wichtigste Fähigkeit ist zu wissen, wie man die KI richtig einsetzt.

  • Prompt Engineering: Du musst lernen, der KI klare und präzise Anweisungen ("Prompts") zu geben, damit sie genau das tut, was du willst. Das wird eine Kernkompetenz.
  • KI-Ergebnisse kritisch prüfen: Du musst den von der KI erstellten Code genau auf Fehler, Sicherheitslücken und Qualität prüfen. Der KI blind zu vertrauen, ist ein großes Risiko.
  • Das große Ganze sehen: Weil die KI die kleinen Details übernimmt, kannst du dich auf das Gesamtbild konzentrieren: die Architektur, wie die verschiedenen Teile zusammenspielen und die übergeordnete Logik.
  • Branchenwissen: Wenn du verstehst, wie die Branche deines Kunden tickt (z.B. Finanzen oder Medizin), kannst du die KI viel besser anleiten, um passende Lösungen zu erstellen.

So bereitest du dich auf die Zukunft vor

Warte nicht ab, sondern werde aktiv. Hier sind ein paar konkrete Tipps, wie du dich auf den Wandel vorbereiten kannst.

  • Bleib neugierig und lerne ständig dazu: Probiere neue KI-Tools in eigenen kleinen Projekten aus. Finde selbst heraus, was sie können und wo ihre Grenzen sind.
  • Konzentriere dich auf das "Warum", nicht nur auf das "Wie": Verstehe die Grundlagen der Informatik, von Algorithmen und Systemdesign. Dieses Wissen hilft dir, die KI zu steuern und ihre Fehler zu korrigieren.
  • Trainiere deine Soft Skills: Arbeite bewusst an deiner Kommunikation, deiner Teamfähigkeit und deinem Einfühlungsvermögen. Diese menschlichen Fähigkeiten sind dein größter Vorteil.
  • Spezialisiere dich: Überlege dir, ob du dich in einem Bereich spezialisieren willst, der eng mit KI zusammenhängt, z.B. MLOps, Data Engineering oder werde selbst zum AI Engineer, der KI-Modelle baut und integriert.

 

Ein Blick in die Zukunft – Softwareentwicklung in 5 bis 10 Jahren

Kurzfristig (2-5 Jahre): KI wird zum Standard

In den nächsten Jahren werden KI-Werkzeuge zum Alltag gehören.

  • Gartner schätzt, dass bis 2028 schon 75 Prozent aller professionellen Entwickler regelmäßig KI-Assistenten nutzen werden – Anfang 2023 waren es noch unter 10 Prozent.
  • Ein KI-Tool wird so normal sein wie heute eine Entwicklungsumgebung (IDE). Wer keine KI nutzt, wird einen klaren Nachteil haben.
  • Der Job des Junior-Entwicklers wird sich stark verändern. Es wird weniger darum gehen, einfachen Code zu schreiben, sondern mehr darum, von der KI erstellten Code zu verwalten, zu testen und zu integrieren.
  • Der "AI Engineer", der Softwareentwicklung mit Data Science und KI-Wissen verbindet, wird ein etablierter und sehr gefragter Job sein.

Langfristig (5-10 Jahre): KI-Agenten und "Software 2.0"

Auf lange Sicht werden die Veränderungen noch größer sein und die Art, wie Software gemacht wird, grundlegend verändern.

  • Das Konzept der "Software 2.0" wird wichtiger. Dabei wird Software nicht mehr Zeile für Zeile von Menschen programmiert, sondern von einer KI auf Basis von Daten trainiert. Der Mensch gibt nur noch die Ziele vor.
  • Wir werden immer mehr autonome KI-Agenten sehen. Du gibst ihnen eine grobe Anweisung (z.B. "Baue mir einen Online-Shop mit diesen Funktionen"), und sie erledigen große Teile der Programmierung, des Testens und der Bereitstellung selbstständig.
  • Auch wenn manche extreme Prognosen eine steigende Arbeitslosigkeit aufgrund von KI vorhersagen, ist die wahrscheinlichere Zukunft eine, in der sich die Jobs verändern, aber nicht verschwinden. Menschliche Aufsicht, Kreativität und strategische Entscheidungen werden immer gebraucht und sogar noch wertvoller.

Der unschätzbare Wert des Menschen

Die entscheidende Frage ist nicht: "Wird KI Entwickler ersetzen?". Die richtige Frage lautet: "Wie werden Entwickler, die KI nutzen, diejenigen ersetzen, die es nicht tun?".

KI ist ein unglaublich mächtiges Werkzeug, das deine menschlichen Fähigkeiten verstärkt. Sie kümmert sich immer mehr um das "Wie" (die Umsetzung) und gibt dir die Freiheit, dich auf das "Was" (das Problem) und das "Warum" (das Ziel) zu konzentrieren.

Die Zukunft der Softwareentwicklung ist eine Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine. Die erfolgreichsten Profis werden diejenigen sein, die diese Zusammenarbeit meistern. Sie kombinieren ihr technisches Wissen und ihre einzigartigen menschlichen Fähigkeiten mit der Power der KI, um die nächste Generation von Software zu erschaffen. Der Kern deines Berufs – komplexe Probleme für Menschen zu lösen – bleibt derselbe. Aber die Werkzeuge dafür werden besser als je zuvor.

Dr. Hans-Peter Luippold

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und LinkedIn.