Verschiedene Unternehmenstypen: Wo passe ich hin?

Wer sich bei einem Unternehmen bewirbt, muss daran denken, dass es unterschiedliche Unternehmenskulturen - selten in Reinform - gibt. Teilweise unterscheiden sich nur Abteilungen und Bereiche eines Unternehmens deutlich voneinander. Ein Bewerber sollte überlegen, mit welcher Kultur er möglicherweise gar nicht zurechtkommt und wo er am produktivsten arbeiten oder gar als Exot Erfolg haben könnte.

Konventionelle Unternehmensformen

In solchen Unternehmen haben Ordnung und Struktur oberste Priorität. Bewerber erfahren sofort, in welchem Bereich sie tätig werden. Die Größe des Unternehmens ist dafür nicht unbedingt entscheidend. Folgende Kennzeichen der Firma verweisen auf diese Art von Konvention:

  • Das Auswahlverfahren findet in Stufen statt.
  • Man zeigt Ihnen Wege und Prozesse auf.
  • Es gibt Großraum- und Einzelbüros.

In Familienunternehmen fühlen sich die Mitarbeiter für gewöhnlich sehr wohl. Es ist möglich, mit den Kollegen auch zu leben, also einen gewissen Teil der Freizeit mit ihnen zu verbringen. Der Chef ist sympathisch, nur das Gehalt muss nicht unbedingt Spitzendimensionen erreichen. Zu erkennen sind die Familienunternehmen zunächst einmal dadurch, dass sie durch eine Familie geführt werden. Weitere Kennzeichen der Unternehmenskultur sind:

  • Die Mitarbeiter halten sich in der Regel länger in der Firma auf, niemand schaut auf die Uhr.
  • Zur Kultur gehören menschliche Nähe und Freude.
  • Einzelbüros werden selten vergeben, alle KollegInnen möchten sich in einem größeren Büro bei der Arbeit nahe sein.

Dynamische Unternehmen

Wenn Sie schnell befördert werden wollen und sich als Macher fühlen, andererseits keine festen Regeln benötigen, sind dynamische Unternehmen für Sie die richtige Wahl. Zu erkennen sind sie an diesen Eigenschaften:

  • Sie erhalten sehr schnell Chancen für Ihre Entwicklung.
  • Andererseits werden Sie ins eiskalte Wasser geworfen.
  • Echte Anweisungen fehlen: Sie müssen die anstehenden Aufgaben selbst erkennen.

Leistungsorientierte Unternehmen

Wenn Sie effizient arbeiten wollen und sich gern auf Fakten und Zahlen stützen, sollten Sie sich bei leistungsorientierten Unternehmen bewerben. Diese belohnen Mitarbeiter, die ordentlich zum Gewinn beitragen: Sie erhalten schnell Gehaltserhöhungen, Prämien und einen hohen Status. Bewerber erkennen solche Unternehmen an folgenden Merkmalen:

  • Das Auswahlverfahren für Bewerber ist klar strukturiert.
  • Erfolgreiche Mitarbeiter erhalten Titel.
  • Die Einzelbüros sind nach Status ausgestattet.

Kooperative Unternehmen

Wenn sie sehr gern eng mit Ihren Kollegen zusammenarbeiten möchten und generell die Kooperation lieben, wenn Sie außerdem auch Gruppenbelohnungen schätzen, werden Sie sich in einem kooperativen Unternehmen wohlfühlen. Sie erkennen es sofort:

  • Schon das erste Gespräch führen Sie mit einem Team der Firma, nicht wie sonst üblich nur mit einem Personaler.
  • Die Kollegen duzen sich untereinander.
  • Alles verweist auf eine Startup-Kultur: Der Chef sitzt im Großraumbüro mitten unter seinen Kollegen.

“Bessere Welt” Unternehmen

Ökologisch und nachhaltig orientierte Unternehmen möchten die Welt verbessern. Wenn Sie das auch möchten, sollten Sie sich dort bewerben. Es sind dennoch gewinnorientierte Unternehmen, sonst würden sie nicht am Markt bestehen, darunter Banken wie die GLS und die Umweltbank. Sie verzichten allerdings an manchen Stellen auf Profite zugunsten moralisch einwandfreier Geschäfte. Daher zahlen sie prinzipiell nicht die Spitzengehälter wie andere, rein marktorientierte Unternehmen. Die Mitarbeiter können aber darauf vertrauen, dass durch ihre Arbeit garantiert kein Schaden entsteht. Die Eigenschaften dieser Unternehmen sind:

  • Man spricht über Werte und moralische Einstellungen - auch beim Vorstellungsgespräch.
  • Soft Skills (die “Persönlichkeit”) können höher bewertet werden als Hard Skills (die fachliche Qualifikation).
  • Teilen unter den Kollegen ist selbstverständlich.

Flexible Unternehmen in einem flexiblen Arbeitsumfeld

Moderne Unternehmen verschiedener Branchen setzen auf die Online-Wirtschaft und sind permanent auf Social Media Portalen unterwegs. Mitarbeiter haben hier große Chancen, verdienen allerdings anfangs oft nicht viel Geld. Dafür können sie sich vollständig verwirklichen. Zu erkennen sind diese Unternehmen an folgenden Merkmalen:

  • Im Vorstellungsgespräch wird über Freiheit gesprochen.
  • Zeiterfassung gibt es in diesen Unternehmen nicht, doch die Kollegen arbeiten manchmal freiwillig bis in die Nacht.
  • Vertrauen wird großgeschrieben, Kontrollen gibt es nicht.

Welche Unternehmensformen gibt es aus juristischer und ökonomischer Sicht?

Juristisch und ökonomisch werden Einzelunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Konzerne unterschieden. Einzelunternehmen (e.K.) werden in der Regel durch den Inhaber geführt, der bei der Gründung kein Mindestkapital nachweisen muss. Beim Kleingewerbe muss nicht einmal ein Handelsregistereintrag erfolgen. Das Unternehmen beschäftigt kein kaufmännisches Personal und bilanziert auch nicht, weil der Umsatz nicht 600.000 Euro, der Gewinn nicht 60.000 Euro pro Jahr übersteigen. KMU sind laut geltender EU-Definition

  • Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern und bis zu zwei Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme im Jahr,
  • kleine Unternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitern und bis zu 10 Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme im Jahr sowie
  • mittlere Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitern und bis zu 50 Millionen Euro Umsatz oder 43 Millionen Euro Bilanzsumme im Jahr.

Die oben beschriebenen Unternehmensformen können theoretisch zu jeder dieser juristischen/ökonomischen Größenordnung gehören, allerdings sind Konzerne und auch Mittelständler oft leistungsorientierte und sehr effiziente Unternehmen. Eine pauschale Zuordnung, aus der sich auf eine mögliche Unternehmenskultur schließen lässt, ist aber nicht möglich: Familienbetriebe sind oft Mittelständler, dynamische und flexible Unternehmen sind manchmal große Konzerne wie Google und Apple.

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