Anthropologe: Berufsbild, Studium, Karrierechancen

Anthropologe: Berufsbild, Studium, Karrierechancen

Die soziale und biologische sowie kulturelle Entwicklungen der Menschen – das ist der Gegenstand der Forschung von Anthropologen. Dabei sind ihre Arbeitsplätze sehr verschieden;

  • Wissenschaft und Lehre 
  • Verlagswesen 
  • Kunst und Kultur
  • Journalismus; hier benötigen Sie allerdings noch zusätzlich zum Studienabschluss ein Volontariat oder eine entsprechende journalistische Qualifikation.

Was macht ein Anthroprologe*?

Im Ausstellungsmanagement bereiten sie die Forschungsergebnisse so auf, dass sie für die Öffentlichkeit präsentiert werden können. Im Verlagswesen dagegen betreuen sie Autoren und prüfen deren Manuskripte. Museumspädagogische Konzepte für Kinder zu erarbeiten kann ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit sein. Sie führen durch Ausstellungen und machen sich um die Erwachsenenbildung verdient, oder leiten andere Veranstaltungen, die sich mit anthropologischen Themen beschäftigen. 

Auch in Museen und Archiven sind sie gern gesehene Fachleute, die Sammlungen aufbauen und entsprechende Stücke ankaufen. 

An einer Hochschule kann der Anthropologe als Lehrer tätig sein oder ist in der wissenschaftlichen Forschung tätig. Hier geht es vor allem um die wissenschaftliche Forschung der biologischen Anthropologie. Eigenständig wissenschaftlich zu arbeiten ist erst möglich, wenn ein Masterstudium oder sogar eine Promotion abgeschlossen worden ist. Wird eine Führungsposition angestrebt, setzt man in der Regel ein Masterstudium voraus. 

Im wissenschaftlichen Teil der Arbeit wird zwischen 

  • biologischer Anthropologie und 
  • Sozial- und Kulturanthropologie unterschieden. 

Zu ersterem gehören beispielsweise Forschungen über Zwillinge, Altersdiagnosen und Vaterschaftstests. Auch die Identifikation von Verbrechensopfern kann in ihr Resort fallen. 

Zur Sozial-und Kulturanthropologie gehören kulturelle Entwicklungen, Unterschiede in Sprache und Lebensstil… Auch im Bereich der Industrie können sie tätig sein, so zum Beispiel bei der Benutzerfreundlichkeit von Arbeitsplätzen. 

Anthropologe: Diese Voraussetzungen müssen gegeben sein

Um in diesem Beruf tätig sein zu können, müssen Sie ein grundständiges Studium der Anthropologie oder der Ethnologie absolviert haben. Ggf. sollte, wie oben erwähnt, ein Masterstudium oder sogar die Promotion folgen. 

Grundlagen des Studiums sind 

  • Fach-und Theoriegeschichte, 
  • Sozialstruktur und Ethnografien, 
  • Sozialstruktur und Wirtschaft oder auch 
  • Ethnografien, um ein paar Beispiele zu nennen. 

Um sich in diesem Studium zurechtzufinden, sollten ein paar persönliche Aspekte gegeben sein. Interesse an theoretisch-abstrakten Tätigkeiten ist wichtig, sprachliches Denken und eine gewisse Befähigung zum Planen und Organisieren. Wichtig sind zudem Beobachtungsgenauigkeit und Textverständnis sowie schriftliches Ausdrucksvermögen. 

Was verdienen Anthropologen?

Wenn Sie im öffentlichen Dienst angestellt sind, können Sie mit einem monatlichen Bruttogehalt zwischen 3.500 und 4.800 Euro rechnen. Das Einstiegsgehalt liegt ca. bei 2.600 Euro. Durchschnittlich kann davon ausgegangen werden, dass mit einem Bachelor-Abschluss ca. 3.200 Euro Gehalt realistisch sind, mit einem Master-Abschluss sogar 4.000 Euro. 

In der freien Wirtschaft richtet sich das Gehalt nach der Größe des Unternehmens. Auch hier treffen die o.g. Rahmenzahlen zu. 

Wie sehen die Einstiegschancen für Anthropologen aus?

Die Einstiegschancen für diesen Beruf sind gut. Sind Sie umfassend ausgebildet, stehen Ihnen verschiedene Türen offen, die ein breites Interessenspektrum abdecken. Die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten machen den Beruf besonders interessant. 

Diese Arbeitgeber kommen in Frage 

Die Zahl der Arbeitgeber ist relativ groß. Während in Museen und bei Verlagen zwar diese Fachleute begehrt sind, aber die Stellen eher selten, hat man bei Instituten der Erwachsenenbildung und in gerichtsmedizinischen Laboren bessere Chancen. Auch an Hochschulen und in Archiven sowie Bibliotheken finden Anthropologen Arbeit. 

Welche Weiterentwicklungschancen für Anthropologen gibt es?

Da häufig der Bachelor-Abschluss für die ausgeschriebene Stelle nicht ausreicht, können Sie sich weitere Karrieremöglichkeiten offenhalten, indem Sie ein weiterführendes Studium beginnen. Für eine wissenschaftliche Laufbahn ist sogar zur Promotion zu raten. Streben Sie sogar eine Karriere als Hochschulprofessor an, so muss eine Habilitation erfolgen. 

Wer einen entsprechenden Arbeitsplatz gefunden hat, dem ist zu Anpassungsweiterbildungen zu raten, die das Wissen auf dem aktuellen Stand halten. Ein aktuelles Weiterbildungsthema ist die Digitalisierung von Kulturgütern. 

Auch eine Existenzgründung ist eine Möglichkeit für einen Anthropologen. Als freier Journalist zum Beispiel oder freier Gutachter. Freiberuflich kann auch im Bereich der Erwachsenenbildung gearbeitet werden. 

Das sollten Sie bei einer Bewerbung beachten

Neben Eigenschaften, die in vielen (wenn nicht allen) Berufen wichtig sind, wie Zuverlässigkeit etwa, kommt bei den Anthropologen noch Weiteres hinzu, das von Vorteil ist: 

  • Eine hohe Leistungs-und Einsatzbereitschaft (Engagement und Flexibilität)
  • Sorgfalt (genaues Durchführen von Studien und deren Auswertung)
  • Selbstständige Arbeitsweise (Entwickeln von Konzepten für Ausstellungen oder Führungen)
  • Kontaktbereitschaft (Pflegen von Kontakten; Kultur-und Öffentlichkeitsarbeit).

Je nach Arbeitsstelle kann der eine oder andere Punkt besonders wichtig sein und in hoher Ausprägung verlangt werden. 

Fachjargon

Forensische Anthropologie

  • eines der drei Teilgebiete neben Rechtsmedizin und forensischer Odontologie. Gebiete der forensischen Anthropologie sind Identifizierung nach Bildern, Identifizierung von Skeletten, Altersdiagnosen und Abstammungsgutachten sowie Zwillingsdiagnosen. Die entsprechenden Gutachter helfen bei der Aufklärung von Straftaten. 

Theologische Anthropologie 

  • Dies ist ein Teilgebiet der systematischen Theologie und zeigt den Menschen aus theologischer Sicht. Grundlage sind das Wesen des Menschen. Dabei sollen aus der Bibel gültige Aussagen und Folgerungen abgeleitet werden. Dieses Teilgebiet wird auch Religionsanthropologie genannt, obwohl es kein wirklich synonymer Begriff ist. Die Religionsanthropologie ist ein Teil der Religionswissenschaft, und erst seit den 1980er Jahren so benannt. Sie befasst sich mit den Grundphänomenen der Religion.

 

*Hinweis: Für ein besseres Lesegefühl wird in diesem Text ausschließlich von „Anthropologe“ gesprochen, dies schließt natürlich alle Geschlechter mit ein.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.