Boreout: Chronische Unterforderung im Job

Boreout: Chronische Unterforderung im Job

Hinter dem Begriff Boreout verbirgt sich eine chronische depressive Erkrankung. Sie ist seltener und deutlich weniger bekannt als das Burn-out-Syndrom, was das Gegenteil darstellt. Beim Boreout führt chronische Langeweile am Arbeitsplatz zu Symptomen, die einer Depression ähnlichen.

Die Beschwerden können körperlicher oder seelischer Natur sein. Die chronische Erschöpfung im Job bedarf auch dann einer Therapie, wenn man gar nicht gefordert ist. Andernfalls kann sich ein schweres Krankheitsbild entwickeln.

Langweilige Arbeitsaufgaben im Job - häufig ein vorübergehendes Phänomen

Langeweile am Arbeitsplatz kennt sicher jeder einmal. Die Arbeitsaufgaben wiederholen sich ständig. Sie sind routiniert und finden keine neue Herausforderung. Dies kann für einige Tage so gehen oder auch für eine Woche oder einen Monat. Doch dann kommt wieder eine spannende Aufgabe oder eine Veränderung, der Sie sich gern widmen möchten. Langweilige Arbeitsaufgaben, die vorübergehend die Stimmung trüben, können ärgerlich oder frustrierend sein. Sie haben aber mit dem Krankheitsbild der chronischen Erschöpfung nichts gemein.

Chronische Erschöpfung am Arbeitsplatz entwickelt sich schleichend

Ähnlich wie das Burn-out Syndrom entwickelt sich das Krankheitsbild schleichend. Wenn es über einen Zeitraum von Monaten oder Jahren zu einer chronischen Langeweile kommt, kann sich daraus das Krankheitsbild entwickelt. Es spielen aber viele Faktoren eine Rolle. Wenn Sie sich während Ihrer Arbeit langweilen, bedeutet dies nicht, dass Sie krank sind. Ein echtes Bore-out kündigt sich mit körperlichen Symptomen an, die einen schweren Charakter annehmen können. Wichtig ist deshalb, dass Sie langweilige Phasen im Job von echten Problemen unterscheiden und bei Bedarf rechtzeitig einen Arzt aufsuchen.

Das Krankheitsbild erkennen

Oftmals ist es gar nicht so einfach, das Boreout-Syndrom als Krankheitsbild zu erkennen. Wenn Patienten über Jahre an einer chronischen Erschöpfung während der Arbeit leiden und diese nicht als solche erkennen, können die Symptome eine starke Ausprägung haben und das Leben der Betroffenen stark belasten. In der Realität ist es sehr schwierig, eine chronische Unterforderung zu realisieren und mit einer depressiven Erkrankung in Verbindung zu bringen. Wenn Sie sich dauerhaft erschöpft fühlen, suchen Sie die Ursachen in aller Regel in einer Überforderung. Sie überlegen, ob und wann Sie unter einem großen Stress gestanden haben und was die Ursache für Ihre Symptome sein könne.

Chronische Überforderung ist leichter zu diagnostizieren

Das Burn-out Syndrom als chronische Überforderung hat mittlerweile den Weg in das Bewusstsein der Arbeitgeber, aber auch der Arbeitnehmer gefunden. Wenn ein mentaler oder körperlicher Zusammenbruch im direkten Zusammenbruch mit einer hohen Arbeitsbelastung steht, wird die Problematik schnell klar. Haben Sie sich jedoch während Ihrer Arbeit in den letzten Wochen und Monaten gelangweilt, liegt es nahe, dass Sie für die Erfüllung aller Aufgaben ausreichende Energiereserven zur Verfügung haben. Ein Zusammenbruch oder die Symptome einer depressiven Erkrankung erscheinen in diesem Zusammenhang vollkommen unverständlich. Fakt ist, dass sich eine chronische Erschöpfung aufgrund einer Unterforderung während des Jobs deutlich schlechter diagnostizieren lässt. Für die Betroffenen ist schnelle Hilfe aber wichtig, um aus dem Teufelskreis zu entkommen.

Boreout - ein zunehmendes Problem in vielen Unternehmen

Erkrankungen, die durch eine chronische Überforderung ausgelöst werden, haben mittlerweile den Weg in das Gedächtnis der Arbeitgeber gefunden. Es erkranken so viele Menschen an einem Burn-out, dass die Erkrankung mittlerweile aus der Tabuzone geholt werden konnte. In vielen Unternehmen gibt es Bestrebungen, die Mitarbeiter zu entlasten und ein besseres Arbeitsklima zu schaffen. Gleichermaßen ist es vielen Arbeitgebern wichtig, die betroffenen Mitarbeiter zu unterstützen und die Anzahl der Erkrankungen zu verhindern. Das Krankheitsbild der chronischen Unterforderung ist hingegen schwer greifbar. Es ist für den medizinischen Laien tatsächlich schwer verständlich, wie eine langweilige Arbeit zu einer Depression oder zu körperlichen Symptomen führen kann. Mittlerweile ist es aber medizinisch erwiesen, dass eine langweilige Tätigkeit, die über Monate oder Jahre andauert, genau diese Probleme auslösen kann. Mittlerweile entwickelt sich Boreout zu einem zunehmenden Problem in vielen Unternehmen. Die Betroffenen stoßen dabei leider eher auf Unverständnis, als dass sie Hilfe bekommen.

Veränderungen in der Arbeitswelt

Ein langweiliger Arbeitsplatz führt nicht automatisch zu einem differenzierten Krankheitsbild. Vielmehr ist es so, dass viele Faktoren zusammenkommen müssen, bevor sich die Symptome einstellen. Und sie stellen sich auch nicht bei jedem Mitarbeiter ein. Die Arbeitswelt hat sich in den letzten zehn bis 20 Jahren recht gravierend verändert. In vielen Bereichen werden anspruchsvolle Arbeitsaufgaben von Computern übernommen. Die Arbeitsaufgaben beschränken sich auf die Bedienung der Technik. Vieles, was über einen langen Zeitraum hinweg Denkarbeit erforderte, wird heute von der künstlichen Intelligenz übernommen. Die Bedienung einer Maschine kann über einen längeren Zeitraum hinweg als stupide empfunden werden. Nicht selten werden Mitarbeiter von dem unangenehmen Gefühl beschlichen, gar nichts mehr zu leisten. Das Selbstwertgefühl leidet.

Mitarbeiter werden austauschbar

Mitunter fehlt bei vielen Beschäftigungen die Anerkennung. Für immer mehr Aufgaben können Mitarbeiter angelernt werden. Fachwissen ist nicht mehr notwendig, weil die Maschine wesentliche Aufgaben übernimmt. Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal austauschbar gefühlt. Sie haben eine Ausbildung gemacht und Fachwissen erworben. Ihr neuer Kollege kommt aus einem ganz anderen beruflichen Bereich als sie selbst. Er wird mit den gleichen Tätigkeiten betraut, für die Sie einige Jahre Erfahrung mitbringen. Und er erledigt die Tätigkeiten genauso gut. Sie selbst würden sich gern weiterentwickeln. Vielleicht neue Tätigkeiten ausüben. Aber das ist nicht möglich oder es wird vom Arbeitgeber nicht gewünscht. Wenn die Arbeitstage nicht vergehen, wenn die Bezahlung nicht stimmt oder wenn Sie die eine oder andere Tätigkeit überhaupt nicht gern verrichten, kann ein Boreout-Syndrom die Folge sein.

Überforderung trotz geringem Arbeitspensum

Wenn Sie chronisch unterfordert sind, können Sie sich ebenso ausgelaugt fühlen wie beim Burn-out. Häufig sind sogar die Symptome identisch. Der Stress und die ermahnte Überforderung fehlen jedoch. Ein erfahrener Arzt wird bei Ihnen Boreout diagnostizieren. Wichtig ist, dass Sie sich mit der Erkrankung auseinandersetzen. Sie benötigen eine Therapie. Nicht selten ist ein Wechsel der Arbeitsstelle empfehlenswert oder der einzige Ausweg, um dem Teufelskreis zu entgehen. Wenn Sie einen verständnisvollen Arbeitgeber haben, können Sie sich eventuell auf eine Veränderung der Arbeitsaufgaben oder des Arbeitsalltages verständigen. Sollten Sie jedoch wenig Verständnis erfahren, ist der Wechsel der Arbeitsstelle neben der Therapie eine Option, die Sie unbedingt in Betracht ziehen sollten. Ihr Arzt oder Therapeut wird Sie entsprechend beraten und unterstützen.

Langweiliger Arbeitsplatz oder Boreout? - Der Unterschied

Es gibt einen Unterschied zwischen dem langweiligen Job und einer ernsthaften Erkrankung, die auf mangelnde Auslastung bei den Arbeitsaufgaben zurückzuführen ist. Langweilige Arbeitsaufgaben gibt es nahezu überall. Sie müssen erledigt werden. Ein guter Chef sorgt dafür, dass diese langweiligen Jobs an mehrere Mitarbeiter verteilt werden. Wenn jeder einmal dran ist, lassen sich die unangenehmen Arbeiten leichter bewältigen. Es gibt dann auch wieder Tage, in denen Sie sich ausgelastet, zufrieden und gefordert fühlen.
Wenn dieses Gefühl dauerhaft ausbleibt, wenn immer nur Sie die langweiligen Arbeiten erledigen müssen und wenn Sie sehen, wie Kollegen mit Ihrer Weiterentwicklung an Ihnen vorbeiziehen, dann kann das Konsequenzen für die Gesundheit haben.

Das Ausbleiben von Erfolgen

Das dauerhafte Ausbleiben von Erfolgen ist ein wesentlicher Aspekt für die Entwicklung einer ernsthaften Erkrankung. Aber auch die persönliche Vorgeschichte, ein Hang zur Niedergeschlagenheit oder mangelnde Wertschätzung über einen längeren Zeitraum kann die Erkrankung begünstigen. Sie unterscheiden die Erkrankung von vorübergehenden langweiligen Arbeiten dadurch, dass Sie keinerlei Hochgefühl mehr kennen. Sie mögen Ihre Arbeit nicht mehr und gehen nur noch hin, weil sie Geld verdienen müssen. Wenn ein Gespräch mit dem Chef auch kein Ergebnis bringt, kann Sie das noch weiter herunterziehen.

Symptome für das Bore-out

Wenn die Langeweile zu einem Boreout fühlt, gibt es eine Reihe von Symptomen, die Sie unbedingt ernst nehmen sollten. Das Problem ist, dass diese Symptome sehr unspezifisch sind. Sie weisen nicht explizit auf eine Erkrankung hin, sondern können das Ergebnis einer Reihe von Erkrankungen sein.

Zu diesen Symptomen gehören:

* Lustlosigkeit
* ständige Müdigkeit
* Schlafstörungen
* kein Antrieb, auch im Privatleben
* ständige Unzufriedenheit mit den Arbeitsaufgaben
* Gereiztheit
* hohes Stresslevel
* Schwindel
* Tinnitus
* Magenprobleme
* Kopfschmerzen oder Migräne
* erhöhe Anfälligkeit für Infekte
* Depressionen

Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome an sich bemerken und sich in Ihrem Job nicht ausgelastet fühlen, sollten Sie für sich herausfinden, ob Sie vielleicht unterfordert sind.

Boreout: Wege aus der Krise

Der einzige und wichtigste Weg aus der Krise ist die Veränderung. Wenn Sie Ihren Job nicht wechseln möchten, sollte ein Gespräch mit dem Chef die erste Anlaufstelle sein. Mitunter ist es möglich, die gewünschte Veränderung kurzfristig herbeizuführen und der Langeweile auf diese Weise den Kampf anzusagen. Parallel dazu ist es wichtig, dass Sie sich in Therapie begeben. Mitunter hat ein Boreout noch weitere Ursachen, die in Ihrem Leben oder in Ihrer Kindheit zu suchen sind und aufgearbeitet werden müssen. Dieser Prozess kann Wochen oder Monate dauern. Nur wenn sich keine Lösung ergibt, ist der Jobwechsel als einziger Ausweg aus der Krise zu verstehen. 

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.