Brainteaser: Knifflige Fragen im Bewerbungsgespräch

Brainteaser: Knifflige Fragen im Bewerbungsgespräch

Besonders in Bewerbungsgesprächen werden sie gerne genutzt: Brainteaser. Vermeintlich unmögliche Aufgaben, um den Probanden ins Schwitzen zu bringen, aber auch sein logisches Denken und seine intellektuelle Kreativität zu testen. Welche Zwecke damit noch verfolgt werden, was einen Brainteaser typischerweise kennzeichnet und wie man sich darauf am besten vorbereitet: All das erfährt man in diesem Text.

Was ist ein Brainteaser?

Am besten beginnt man bei der Beschäftigung mit einem Thema immer ganz vorne. Nämlich mit der Frage danach, was es eigentlich ist, was man da kennenlernen möchte. Hier also: Ein Brainteaser und brainteasern - was ist das eigentlich?

Ein Brainteaser ist eine Denksportaufgabe, wobei die genaue Übersetzung "Hirn-Kitzler" bedeuten würde. Etwas freier übersetzt landet man bei einer "harten Nuss", die es zu lösen gilt. Diese Definition ist freilich sehr weit gefasst, doch man wird im weiteren Verlauf des Textes schnell erkennen, dass es sich nicht einfach nur um ein "Rätsel" handelt, dass man bei ausreichendem Nachdenken per se stets lösen kann. Das Knifflige an Brainteasern ist ihr definierender Charakter - und sorgt dafür, dass es oft die eine, korrekte Antwort gar nicht gibt. Klingt merkwürdig? Ist aber von jenen, die einen Brainteaser einsetzen, genau so gewollt. Und wo werden diese eingesetzt?

In welchem Rahmen werden Brainteaser eingesetzt?

Brainteaser finden vor allem im Bereich der Bewerbungsgespräche Anwendung. Gleichwohl nutzen inzwischen viele Menschen derartige Denksportaufgaben zur reinen Unterhaltung oder um ihr logisches Vorgehen aus anderen Gründen zu trainieren. In diesem Text soll es aber vornehmlich um die Anwendung als eines von vielen Kriterien im Rahmen einer Bewerbungssituation gehen, damit der Leser sich auf derartige Tasks bei einem Vorstellungsgespräch vorbereiten kann. Insbesondere in einem Assessment-Center ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man seine Fähigkeiten beim brainteasern unter Beweis stellen muß.  Brainteaser können aber auch in jedem normalen Bewerbungsgespräch zur Anwendung kommen.

Was ist der Zweck eines Brainteasers?

Was möchten Personaler über einen Kandidaten mittels dieser doch recht ungewöhnlichen Technik herausfinden? Da gibt es gleich mehrere Aspekte, die mittels Brainteaser beim Kandidaten geprüft werden sollen. Zunächst einmal geht es natürlich auch darum, in welcher Geschwindigkeit ein Kandidat einen Brainteaser bearbeiten kann. Ebenso werden die Personaler aber auch ein Auge darauf werfen, wie viel Augenmerk der Proband auf die einzelnen Details der Aufgabenstellung legt, die oftmals auch aus Fangfragen bestehen können.

Definitiv im Vordergrund steht aber die Stressresistenz des Teilnehmers am Bewerbungsgespräch. Schließlich befindet er oder sie sich hier in einer eindeutigen Prüfungssituation, in der es für den Prüfling um viel - meist um seine potenzielle Karriere - geht. Hier hat der Kandidat Zeitdruck ganz allgemein, dazu den Druck seiner Konkurrenten, ob anwesend oder imaginiert, und den Druck, eventuell unter Beobachtung der Personaler zu stehen. Wie gut geht jemand mit diesem Druck um, versagt er vielleicht völlig ob der obskuren Art der Aufgabe? Oder findet er auch unter Stress eine Lösung für dieses in der Regel sehr ungewöhnliche Problem?

Welche Fähigkeiten sind bei der Lösung eines Brainteasers gefordert?

Neben grundsätzlichem Verständnis von auch auf den ersten Blick wenig sinnvoll oder intuitiv erscheinenden Aufgaben ist es vor allem ein Aspekt, den man zur Lösung benötigt. Es geht um das Verlassen eingeschliffener, herkömmlicher Denkmuster.

Typischer Aufbau von Brainteaser-Aufgaben

Um nun einmal zu veranschaulichen, wie obskur diese Fragen tatsächlich sind, sollen nun einige Beispiele folgen.

Der Klassiker schlechthin beinhaltet quasi alles, was Brainteaser kennzeichnet. Denn der lautet da schlicht: "Wie schwer ist Manhattan?"

Eine Frage, deren Antwort man (wahrscheinlich) in keinem Lexikon findet, weil das keine klassische Frage ist, die sich Menschen stellen. Man fragt vielleicht nach der Fläche dieser Halbinsel, der Zahl der Einwohner oder der Anzahl der Hochhäuser - aber nicht so etwas auf den ersten Blick Absurdem wie dem Gewicht einer Halbinsel.
Weshalb es für diese Frage auch keine klassisch vorgegebenen Wege gibt, mittels derer man eine halbwegs wahrscheinliche Antwort schätzen könnte. Kreativität ist also gefragt. Neue Lösungswege ad hoc zu suchen und zu finden heißt hier das Gebot der Stunde, um den Arbeitgeber zufriedenzustellen.

Vorgehen bei Brainteaser-Aufgaben

Wie geht man vor, wenn man das Gewicht von etwas derart Großem ermitteln möchte? Das ist eben die Krux bei den Brainteasern. Es gibt in der Regel nicht einfach "die eine", richtige Antwort. Man muss erstmal selber denken, welche Wege das im eigenen Hirn vorhandene Wissen ermöglicht. Kann man etwas über die Ausmaße von Manhattan sagen? Hat man eine Idee, aus welchem Material der Untergrund besteht? Muss man die Gebäude in das Gewicht mit einberechnen? Gar die sich in der Regel in Manhattan aufhaltenden Menschen? Zur Rush Hour oder zu Mitternacht? Und was ist mit den Tieren?

All diese Fragen - und je nach Kreativität eben viele weitere - kommen bei einem solchen Brainteaser nun ins Spiel. Eine exakte oder auch nur annähernd korrekte Antwort erwartet hier wohl kein Arbeitgeber. Doch er will sehen, auf welche Weise man mit derart ungewohnten Fragen umgeht.

Der Klassiker von der Frage nach "dem Gewicht von Manhattan" vermittelt somit hoffentlich einen ersten Eindruck davon, wie ein Brainteaser gestaltet ist. Doch die inhaltliche Varianz bei den Aufgaben ist groß. Durchaus gibt es nämlich Rätsel, die tatsächlich genau eine korrekte Antwort verlangen. Dazu im nächsten Abschnitt mehr.

Welche Arten von Fragen oder Aufgaben gibt es bei Brainteasern?

Ein anderes Exemplar, welches man seinen Probanden zum Brainteasern vorlegen könnte, wäre zum Beispiel dieses:

Man hat neun Kugeln vorliegen, von denen eine minmal schwerer ist als die übrigen acht. Mithilfe einer klassischen Waage mit zwei Waagschalen soll man nun herausfinden, welche der neun Kugeln die etwas schwerere ist. Allerdings ist die Zahl die Wiegevorgänge auf zwei beschränkt.

Wie gelangt man nun zu einer Lösung? Das sollte man herausfinden, denn hier existiert tatsächlich eine solche. Man benötigt ein wenig mathematisches oder physikalisches Verständnis, dann kommt man vielleicht auch auf die Lösung, ohne dass diese hier im Text nun genannt werden wird.

Lösbare und unlösbare Brainteaser

Entscheidend ist bei diesem zweiten Beispiel aber vor allem, dass es tatsächlich lösbar ist. Weshalb man beim Brainteasern auch gemeinhin in die beiden Kategorien "lösbar" und "unlösbar" unterscheidet - zumindest mit den vorliegenden Mitteln. Im Endeffekt wäre natürlich auch die Frage nach dem Gewicht von Manhattan lösbar, jedoch nicht mit den vorliegenden Informationen - nämlich gar keinen. Bei der Aufgabe der zu wiegenden Kugeln hingegen gibt es eine eindeutige Antwort und nur diese ist richtig.

Generell gilt stets, wie für alles, was in einem solchen Vorstellungsgespräche gefordert ist. Entscheidend ist nicht so sehr, dass am Ende eine Antwort steht, die richtig ist. Sondern, dass man sich auf einen vielversprechenden Lösungsweg begibt.

Kann ich mich auf Brainteaser-Aufgaben vorbereiten?

Wahrscheinlich ist es nicht, dass in einem Bewerbungsgespräch ein Brainteaser verwendet wird, die bereits im Internet kursieren. Doch die basale Vorgehensweise, einerseits logisches Denken zu trainieren und andererseits auch dann richtig kreativ zu bleiben, wenn man unter Stress ist, kann man durchaus trainieren.

Die Fragen können dabei völlig unterschiedlich, unbekannt und hanebüchen sein. Das ist im Rahmen von einem Bewerbungsgespräch ja genau so beabsichtigt, um den Kandidaten zu überraschen. Doch wer logisches Denken genauso trainiert wie, auch auf abwegige Fragen zumindest vom Lösungsweg her sinnvolle Ansätze zu finden, wird auch bei Fangfragen nicht so schnell stolpern.

Im Vordergrund steht der Lösungsweg, und wie strukturiert man bei der Bewältigung von Ungewohntem vorgeht. Noch kein Vorstellungsgespräch dürfte übrigens daran gescheitert sein, dass man sich bei einem dieser Brainteaser ein wenig in die falsche Richtung verrennt. Macht dieser Ansatz ganz basal gesehen Sinn, auch wenn er nicht zum Ziel führt, hat man die eigentliche Herausforderung schließlich doch gemeistert.

Fazit

Wenn man in einem Assessment-Center oder in einem Vorstellungsgespräch bei einem Arbeitgeber mit derartigen Herausforderungen konfrontiert ist, ist in erster Linie eines wichtig: nicht die Nerven zu verlieren. Die Antwort muss nicht richtig sein. Logisches Denken wird man in der Regel durchaus in vielen Lebensbereichen schon benötigt haben und kann es auch hier einsetzen, um vor seinem künftigen Arbeitgeber zu glänzen. Fangfragen können einen natürlich auf eine falsche Fährte locken, doch auch, wenn man die eigene Antwort nicht richtig ist, kann man dennoch überzeugen. Logisches Denken bietet zum Glück die Option, dass man auch dann im Umgang mit einem Brainteaser im Bewerbungsgespräch überzeugen kann, wenn man sich mit dem konkreten Thema partout nicht auskennt.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.