Gehaltserhöhung abgelehnt: Wie reagieren Sie richtig?

Das folgende Szenario ist leider gelegentlich anzutreffen: Sie haben im letzten Jahr mehr Verantwortung übernommen, Überstunden geschoben und sogar an Wochenenden gearbeitet. Es folgte das Mitarbeitergespräch zum Jahresende inklusive Gehaltsverhandlung, die in Ihren Augen berechtigt erschien. Dabei hat nun der Chef Ihren Wunsch nach einer Gehaltserhöhung abgelehnt. Wie reagieren Sie? Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie Sie mit dieser Situation angemessen umgehen.

Gehaltserhöhung abgelehnt – werden Sie aktiv!

Leider finden sich die meisten ArbeitnehmerInnen mit dem ausgeschlagenen Wunsch nach einer Gehaltserhöhung zunächst einmal ab. Das belegen Studien. Am häufigsten warten die Betroffenen einfach ab, den Job wechseln deshalb nur wenige. Im Detail besagen die Studienergebnisse:

  • Über die Hälfte der ArbeitnehmerInnen wartet auf das nächste Mitarbeitergespräch. Dann wollen sie erneut die Gehaltserhöhung fordern.
  • Ein Drittel geht auf andere Benefits ein, die der Chef vorschlägt, oder bittet selbst darum. Das sind Zusatzleistungen, Fortbildungen oder eine Beförderung vorläufig ohne mehr Gehalt.

Rund zehn Prozent suchen sich einen neuen Job.

Doch es ist nicht nötig, abzuwarten oder sich abzufinden, wenn der Chef die Bitte um ein höheres Gehalt zunächst ablehnt. Sie sollten aktiv werden. So können Sie online einen Gehaltsvergleich für Ihre Branche aufrufen, Sie können auch Ihre Kollegen behutsam nach deren Einkommen befragen. Nicht zuletzt können Sie schon während der Gehaltsverhandlung angemessen reagieren, indem Sie die typischen Chef-Argumente entkräften.

Typische Chef-Argumente und Ihre angemessene Reaktion darauf

“Ich sehe bei Ihnen keine Weiterentwicklung.”

– Überprüfen Sie dieses Argument und entkräften Sie es, wenn es wirklich nicht stimmt. Möglicherweise haben Sie auf Ihre Weiterentwicklung, Ihre gestiegene Verantwortung und Ihre größeren Projekte inklusive Überstunden den Chef nicht angemessen aufmerksam gemacht. Das wäre mangelndes Selbstmarketing, das Sie nun konkret verbessern können. Wenn aber die Kritik berechtigt ist, sollten Sie erfragen, welche Leistungen denn von Ihnen erwartet werden, um eine Gehaltserhöhung zu legitimieren. Auf dieses klare Ziel können Sie sich nun in den kommenden Monaten konzentrieren.

"Ihre Argumente können mich nicht überzeugen."

– Auch das ist eine Frage des mangelhaften Selbstmarketings, das der Chef sogar unumwunden anspricht: Er ist nicht überzeugt, was nicht bedeutet, dass Sie nichts geleistet haben. Er konnte es nur nicht sehen. Sie müssen wie im ersten Punkt nun wirklich überzeugend argumentieren. Eine gute Vorbereitung wäre eine Liste Ihrer Leistungen und Erfolge im vergangenen Jahr. Konnten Sie den Gewinn des Unternehmens steigern? Wertvoll ist es stets, wenn Sie die Erfolge mit handfesten Zahlen belegen können. Auch ein Vergleich Ihrer Jobbeschreibung im Arbeitsvertrag mit Ihren tatsächlichen Leistungen kann hilfreich sein, wenn Sie in Wahrheit deutlich mehr leisten. Wenn Sie solche Argumente vortragen, sollten Sie sehr sachlich und professionell auftreten.

"Das Unternehmen steckt im Change (Veränderungsprozess), Gehaltserhöhungen sind aktuell nicht drin."

– Hierfür sollten Sie Verständnis aufbringen, doch Ihr Gegenargument lautet, dass Sie ein leistungs-, kein umständebezogenes Gehalt erwarten. Wenn Sie viel leisten, muss das Unternehmen Sie dafür angemessen vergüten. Der Veränderungsprozess wird mit schwachen, demotivierten Mitarbeitern ganz sicher nicht besser gelingen. Fragen Sie auch konkret, wann denn eine Gehaltserhöhung möglich wäre. Sie sollten auf Ihre konstant hohen Leistungen (nicht nur auf bonuswürdige Einzelleistungen) verweisen. Schildern Sie auch Ihre Pläne für das Unternehmen im kommenden Jahr.

Was Sie nicht tun sollten, wenn die Gehaltserhöhung abgelehnt wurde:

Vermeiden Sie zu emotionale Reaktionen. Möglicherweise kann der Chef nicht mehr zahlen, vielleicht aber haben Sie auch in der Gehaltsverhandlung zu hoch gepokert. Es gibt Arbeitnehmer, die mit unverhohlener Wut reagieren oder als “beleidigte Leberwurst” den Raum verlassen. Damit diskreditieren Sie sich. Es ist viel sinnvoller, die Gründe für die Ablehnung sachlich zu hinterfragen. Dennoch kann es passieren, dass Sie die Fassung verlieren, wenn ein höheres Gehalt (vorläufig) nicht in Aussicht steht. Das dürften Sie selbst an sich zuerst bemerken. Bevor die Reaktion nach außen tritt, können Sie um eine Unterbrechung des Gesprächs oder gar um einen neuen Termin für ein Anschlussgespräch bitten.

Klären Sie auf jeden Fall, warum Ihr Wunsch nach einer Gehaltserhöhung abgelehnt wurde. Sie benötigen diese Klarheit, damit Sie nicht auf andere, sehr kontraproduktive Ideen kommen. Manche Arbeitnehmer leisten dann nur noch Dienst nach Vorschrift, werden häufig krank, bummeln gar ein wenig oder – das wäre der kriminelle Gipfel – bedienen sich illegal an der Materialausgabe. Das führt unweigerlich zum Zerwürfnis, Ihre nächste Gehaltserhöhung kann dann lange warten. Bei großen Auswüchsen riskieren Sie eine Abmahnung, die Kündigung und sogar juristische Konsequenzen.

Gehaltserhöhung abgelehnt: Wann sollten Sie sich einen anderen Job suchen?

Die Suche nach einem neuen Job ist sinnvoll, wenn Sie das untrügliche Gefühl haben, dass der Chef Ihnen das höhere Gehalt trotz Ihrer unbestreitbaren Leistung nicht zahlen möchte, obwohl er es könnte. Das wäre vielleicht eine subtile Form des Bossings, zu der weitere Symptome passen – nämlich, dass Sie bei Beförderungen übergangen werden. Der Chef will Sie entweder loswerden oder hat kein Interesse an Ihrem Fortkommen, beutet aber Ihre Arbeitskraft billig aus. So sieht das jeder zehnte deutsche Arbeitnehmer, wenn man ihm die Gehaltserhöhung konsequent verweigert. Die Betroffenen schauen sich nach einem anderen Job um. Bevor Sie diesen Schritt gehen, sollten Sie sich einige wichtige Fragen stellen:

  1. Gibt es wirklich keine Verbesserungschance?
  2. Würden Sie woanders mehr verdienen?
  3. Wie zufrieden stellt Sie der Job insgesamt?

Wenn Sie keine positiven Antworten finden, kann die Kündigung der richtige Weg sein.

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