Genesungswünsche: So finden Sie die richtigen Worte

Genesungswünsche: So finden Sie die richtigen Worte

Möchten Sie erkrankten Kollegen oder Vorgesetzten Ihre Anteilnahme ausdrücken, sind Genesungswünsche eine gute Möglichkeit. Doch wie formulieren Sie die Wünsche am besten? Tatsächlich braucht es bezüglich der Wortwahl etwas Fingerspitzengefühl, noch mehr jedoch ehrliches Mitgefühl. In unserem Betrag erfahren Sie, was Sie beachten müssen, damit Sie den richtigen Ton treffen.

Wann sind Genesungswünsche überhaupt angebracht?

Genesungswünsche sind prinzipiell immer dann angebracht, wenn Sie es ehrlich meinen und einen Bezug zur erkrankten oder verletzten Person haben. An den (unmittelbar) Betroffenen sollten Sie sich allerdings nur wenden, wenn Sie sicher wissen, dass es eine Möglichkeit gibt, dass er wieder gesund wird.

Wenn Sie in Erfahrung bringen, dass eine Genesung von der Krankheit ausgeschlossen ist, sind Genesungswünsche natürlich fehl am Platze. In einer solchen Situation müssen Sie Ihrer Anteilnahme anders Ausdruck verleihen - und auch das nur, wenn Sie mit der Person näher bekannt sind. Ansonsten ist es besser, sich zurückzuhalten.

Welche Medien kommen für Genesungswünsche in Frage?

Heutzutage stehen unzählige Medien zur Verfügung, um zu kommunizieren. Doch viele davon sind für Genesungswünsche tieferer Natur absolut ungeeignet, beispielsweise ein Chat. Wir nehmen die gängigsten und infrage kommenden Kommunikationskanäle kurz unter die Lupe.

Karte

Die Karte ist das am häufigsten verwendete Mittel, um erkrankten Kollegen Kraft für die Genesung zu wünschen. In der Regel hat sie auch ihre Berechtigung. Lassen Sie bei der Motivwahl aber Vorsicht walten. Sie muss der Beziehungsintensität zum Erkrankten unbedingt angemessen sein. Im Zweifel sollten Sie sich für ein möglichst neutrales Bild entscheiden, beispielsweise mit Blumen.

Ganz wichtig: Stecken Sie auch einfache, also nicht klappbare, Karten in ein Kuvert, wenn Sie diese versenden. Offen in den Briefkasten geworfen wirkt die Geste von vornherein oberflächlich - da können die Genesungswünsche selbst noch so schön formuliert sein.

Brief

Auf den ersten Blick mutet ein klassischer Brief zu geschäftlich und formal an, um wirklich für Wünsche zur Genesung Sinn zu machen. Doch bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, dass es einzig und allein davon abhängt, wie Sie den Brief gestalten. Perfekt ist, wenn Sie ihn per Hand schreiben. Persönlicher geht es nicht. In jedem Fall schützt Sie ein Brief auch davor, ein unpassendes Motiv zu wählen, was bei einer Karte doch passieren kann. Stehen Sie der Person sehr nahe, raten wir generell zu einem handschriftlichen Brief.

E-Mail

Möchten Sie entfernte Kollegen mit Genesungswünschen aufmuntern, ist eine E-Mail in Ordnung. Allerdings nur unter den folgenden Voraussetzungen:

  • Sie kommunizieren auch sonst häufig per E-Mail mit ihm.
  • Die Erkrankung ist nicht allzu schlimm und der Betroffene wird definitiv gesund.
  • Der Erkrankte kann in seinem aktuellen Zustand E-Mails lesen.

Bei schwerer Krankheit oder auch bei nahestehenden Personen ist eine simple E-Mail ein absolutes No-Go.

SMS

Für eine SMS zur Genesung gilt im Grunde genommen dasselbe wie für eine E-Mail - nur mit dem Zusatz, dass Sie hierfür mit der Person etwas besser bekannt sein sollten, sie Ihnen aber nicht allzu nahe stehen darf.

Telefon

Ein Anruf ist sehr direkt und persönlich. Deshalb kommt diese Form, Genesungswünsche auszudrücken, nur infrage, wenn Sie mit dem Betroffenen befreundet sind. Darüber hinaus eignen sich telefonische Bekundungen einzig, wenn es sich um keine schwere Krankheit handelt und der Betroffene problemlos telefonieren kann.

Den richtigen Ton treffen: Genesungswünsche formulieren

Formulieren Sie Ihre Gedanken einfühlsam. Das ist am wichtigsten. Bemühen Sie keine Floskeln, sondern schreiben oder sagen Sie ehrlich und authentisch, dass Sie mit ihm, also dem Erkrankten, mitfühlen. Überlegen Sie sich ruhig auch, was Sie selbst in der Situation des Betroffenen gerne lesen würden beziehungsweise was Ihnen Kraft geben könnte. Auf Basis dieser Gedankenspiele treffen Sie sicherlich den richtigen Ton.

Generell wichtig: Gehen Sie stets sensibel mit der Krankheit und der Person um. Es ist elementar, weder das eine noch das andere in irgendeiner Form zu (be)werten. Also bitte niemals etwas in dieser Art schreiben: "Das wird schon wieder." oder "Kopf hoch, ist doch alles halb so schlimm." Maßen Sie sich zu keiner Zeit an, den Zustand des Betroffenen zu beurteilen, selbst wenn Sie vielleicht wissen, dass es "nur" um eine Erkältung geht.

Kurios: die "gute Besserung"

"Gute Besserung", diese Floskel hat sich längst so eingebürgert. Das heißt aber nicht, dass man sie auch verwenden muss und nicht hinterfragen darf. Im Gegenteil: Wenn Sie Ihre Wünsche zur Genesung ausdrücken, können Sie sich das Attribut "gut" eigentlich sparen. Denn es ist ja klar, dass Sie der Person eine gute und keine schlechte Besserung wünschen.

Natürlich treten Sie nicht ins Fettnäpfchen, wenn Sie die "gute Besserung" auf die Karte schreiben oder ins Telefon sagen. Um das Ganze etwas sprachlogischer und auch weniger "floskelnd" zu gestalten, ist die "baldige Besserung" aber der sinnigere Wunsch.

Humorvolle Genesungswünsche? Nur in Ausnahmefällen!

Sie sind nicht per se verboten, dennoch sollten Sie bei humorvollen Genesungswünschen vorsichtig sein. Lustige Sprüche zur Besserung passen nur, wenn

  • die Krankheit nicht schlimm ist (der Erkrankte also sicher gesund wird) und
  • Sie den Betroffenen gut kennen.

Gegenüber mehr oder weniger Fremden müssen Sie zwingend auf Humor verzichten. Da sind "neutrale" (aber nicht minder gefühlvolle) Wünsche die einzig gute Variante.

Wie Sie Genesungswünschen formulieren, wenn eine Person schwer erkrankt ist

Möchten Sie einem Schwerkranken Ihre Gedanken übermitteln, brauchen Sie besonders viel Fingerspitzengefühl. Ein schneller und oberflächlicher Einzeiler mit der guten oder auch der baldigen Besserung hat in solch einer Situation nichts auf der Karte oder im Brief zu suchen. Hier müssen Sie sich mehr Mühe geben, dürfen aber gleichzeitig nicht mehr Nähe vorgaukeln, als in Wahrheit vorhanden ist. Sensibel und dennoch mit der nötigen Distanz gilt es die Genesungswünsche in dem Fall zu kommunizieren.

Wie bereits erwähnt, sollten Sie lieber schweigen oder sich maximal an Angehörige des Erkrankten wenden, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Genesung unklar, nicht sehr hoch oder überhaupt nicht gegeben ist. Zu groß erscheint uns in diesem Zusammenhang die Gefahr, sich "falsch" auszudrücken und missverstanden zu werden.

Genesungswünsche für Kollegen oder den Chef unterschiedlich formulieren?

Im Großen und Ganzen müssen Sie bei der Wortwahl nicht danach unterscheiden, ob es sich beim Erkrankten um einen Kollegen oder einen Vorgesetzten handelt. Bedeutsamer für die Formulierungen ist vielmehr, wie nah Sie der Person in zwischenmenschlicher Hinsicht stehen.

Formulierungshilfen zum Verfassen von Genesungswünschen

Am besten ist es, wenn Sie auf Basis unserer Empfehlungen versuchen, Ihre spezifischen Gedanken so aufzuschreiben, wie sie Ihnen gerade in den Sinn kommen. Natürlich sollten Sie dies zunächst einmal auf einem separaten Blatt Papier tun, nicht schon auf der Karte, die Sie für die Genesungswünsche vorsehen.

Mit der Zeit und Übung wird es Ihnen bald leichter fallen, passende Formulierungen zu finden - soweit es eben leicht sein kann, jemandem Kraft und Glück für die Genesung zu wünschen, der an einer möglicherweise schweren Krankheit leidet.

Vorgehensweise beim Verfassen der Formulierungen

1. Schritt: Informieren Sie sich über die Art der Erkrankung und den aktuellen (!) Zustand des Betroffenen - und zwar gründlich. Erkundigen Sie sich, sofern es die Etikette erlaubt, vorsichtig bei Angehörigen des Erkrankten. Wie steht es um ihn? Wird er wieder gesund? Nur wenn Sie die gesundheitliche Lage kennen, können Sie adäquate Worte formulieren, die weder verharmlosend noch dramatisierend wirken und tatsächlich Kraft geben.

2. Schritt: Wählen Sie eine Form für Ihre Genesungswünsche aus, die zum Zustand und zu Ihrer Beziehung mit dem Betroffenen passt. Was wann passend ist, können Sie oben im Beitrag noch einmal nachlesen.

3. Schritt: Schreiben Sie einen Entwurf. Bringen Sie Ihre Gefühle so zu Papier, wie sie in Ihnen sind. So werden Sie persönlich und authentisch - und diese Merkmale sind die entscheidenden, wenn Sie dem Erkrankten mit Ihrer Aufmerksamkeit viel Kraft für seine Genesung spenden möchten.

4. Schritt: Lesen Sie sich Ihren Entwurf durch. Wenn Sie mit den Formulierungen zufrieden sind, schreiben Sie sie bestenfalls per Hand auf die Karte oder das Briefpapier.

Textbausteine

Jeder Genesungswunsch sollte aus drei Textbausteinen bestehen:

  • dem Ausdruck der Betroffenheit ("Es hat mich zutiefst erschüttert, von Ihrer Erkrankung zu erfahren...")
  • dem Wunsch selbst ("Ich wünsche Ihnen von Herzen baldige Besserung und dass Sie wieder ganz gesund werden...")
  • einem Hilfsangebot ("Lassen Sie mich wissen, wie ich Ihnen helfen kann...")

Was bei den Genesungswünschen vermeiden?

In Genesungswünschen haben

  • abgeschmackte Floskeln,
  • Wertungen der Krankheit (Verharmlosen oder Dramatisieren) sowie
  • mit einem gewissen Duck behaftete Aussagen ("Werden Sie schnell gesund", "Kommen Sie bald zurück...")

nichts verloren.

Konkrete Formulierungen als Beispiele

Hier zwei Beispiele für ausformulierte Genesungswünsche - ein Text für einen eher leicht Erkrankten und eine Vorlage für angemessene Worte an einen Schwer(st)kranken:

"Lieber Kollege, nehmen Sie sich alle Zeit, die Sie brauchen, um sich von Ihrer Krankheit zu erholen und wieder ganz gesund zu werden. Ich bin in Gedanken bei Ihnen und wünsche baldige Besserung. Kann ich Ihnen helfen? Lassen Sie es mich bitte wissen, wenn dem so ist. Herzliche Grüße, XY"

"Lieber Kollege, mit Bestürzung habe ich heute von Ihrer Erkrankung erfahren. Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Aber Sie sollen wissen: Ich bin in meinen Gedanken bei Ihnen und möchte Ihnen auf diesem Weg viel Kraft und Geduld für den Kampf gegen die Krankheit wünschen. Wenn ich Sie und Ihre Familie in dieser furchtbar schweren Zeit unterstützen kann, melden Sie sich bitte. In tiefer Anteilnahme, XY"

Vorsicht bei Zitaten

Wer sich bei seinen eigenen Formulierungen unsicher ist, kann natürlich auf Zitate von bekannten Persönlichkeiten zurückgreifen. Allerdings sollten Sie dabei vorsichtig sein und nicht den erstbesten Spruch in die Karte kritzeln. Wählen Sie das Zitat mit Bedacht und prüfen Sie genau, ob es im jeweiligen Fall passend ist.


Fazit - baldige Genesung gedankenvoll wünschen

Wenn Sie einem Kollegen oder Vorgesetzten Ihre Genesungswünsche aussprechen wollen, ist bei der Wortwahl eine gute Mischung aus Neutralität und emotionaler Nähe wichtig. Seien Sie persönlich und drücken Sie Ihr Mitgefühl ehrlich aus. Jedoch: Um Fettnäpfen zu vermeiden, müssen Sie darauf achten, nicht wertend zu werden. Auch sollten Sie Humor außen vor lassen, wenn Sie nicht die Sicherheit haben, dass der Erkrankte Ihre Äußerung richtig versteht. Nehmen Sie sich Zeit für das Formulieren und nutzen Sie unsere beispielhaften Vorlagen zur Orientierung - dann sollte nichts schiefgehen. 

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.