Volition: So stärken Sie Ihre Umsetzungskompetenz

Volition: So stärken Sie Ihre Umsetzungskompetenz

Erfolgserlebnisse fallen nicht vom Himmel. Man muss schon selbst motiviert sein. Aber das allein reicht auch noch nicht. Es kommt auf das Machen an. Solche oder ähnliche Aussagen kennen wir noch aus unserer Schulzeit. Sie begleiten uns auch später im Berufsleben. Für dieses erfolgsorientierte Verhalten gibt es in der Psychologie ein Fachwort: Volition. Diese Umsetzungs Kompetenz soll etwas genauer betrachtet werden.

Neben der Definition und Theorien über volitionale Prozesse werden zum Schluss auch praxisnahe Anregungen gegeben. Im echten Leben lässt sich die Umsetzungskompetenz am besten erlernen.

Definition: Was versteht man unter Volition?

Der Begriff 'Volition' stammt vom lateinischen Verb 'volere' ab. Volere bedeutet 'etwas wollen' oder auch 'etwas erreichen wollen'. Volition bezeichnet daher den Willen, die eigenen Ziele zu erreichen. Aus diesem Grund sind Durchsetzungsfähigkeit oder Willenskraft geeignete Synonyme. Ein weiteres Synonym ist Entschlossenheit, welche auch als Umsetzungs Willen gedeutet werden kann.

 Motivation und Volition sind zwar eng miteinander verwandt, es gibt aber Unterschiede. Die Motivation ist zunächst nur der grundlegende Wunsch zum Erreichen von Zielen. Sie kann auch die Begründung dafür sein, warum man ein bestimmtes Ziel vor Augen hat. Im Gegensatz dazu ist die Volition der wesentliche Handlungsimpuls, diese Motive aktiv umzusetzen. Das Ergebnis einer 'geglückten Volition' ist schließlich das Erfolgserlebnis, wenn das Ziel erreicht wurde.

 Die Säulen der Volition

Volitionale Handlungen sind kein einmaliges Geschehen. Sie umfassen mehrere Phasen, die hier als zusammengefasste Abbildung dargestellt werden:

 1. Phase

In der ersten Phase findet das Benennen und Entwickeln von Zielen ab. Ab diesem Zeitpunkt können die Ziele bereits formuliert werden. Hinzu kommt eine emotionale Komponente in Form von (Vor-)Freude.

2. Phase

Die zweite Phase ist die Prüfungsphase. Sie geht dem praktischen Teil der Umsetzung voraus. Im zweiten Stadium wird überlegt, wie das jeweilige Ziel am einfachsten erreicht werden kann.

3. Phase

In der dritten Phase steht das aktive Handeln im Vordergrund. Es geht aus der Motivation hervor und muss einen Sinn haben. Sonst kann das Ziel entweder gar nicht oder nur unter großem Aufwand erreicht werden. In keinem anderen Abschnitt ist mehr Durchhaltevermögen gefragt als in dieser. Deshalb lässt das dritte Stadium Einblicke in das eigene Seelenleben zu: Halte ich an meinem Ziel fest oder gebe ich zu schnell auf, wenn es anstrengend wird? Oder bleibe ich selbst an stressigen Tagen noch engagiert?

4. Phase  

Im vierten und letzten Abschnitt wurde das Ziel im Idealfall erreicht. Wir halten unser Ergebnis in den Händen, was mitunter wörtlich gemeint sein kann. Dieser abschließende Schritt ist für spätere Erfolge am wichtigsten: Mögliche Fehler können in Zukunft umgangen oder besser gemacht werden. Das Gefühl, erfolgreich gewesen zu sein, ist jedoch ausschlaggebend.

Diese Vorteile bringt Ihnen Volition - im Job und im Leben

Willensstärke macht noch etwas anderes stark: Das eigene Selbstbewusstsein. Das Zurückschauen auf persönliche Erfolge ist wie ein Buch voller positiver Erinnerungen. Dieses 'Seelenbuch' sollte man zwischendurch immer wieder öffnen, um sich selbstsicherer zu fühlen.

Die innere Stärke bleibt auch den Mitmenschen nicht verborgen. Eine selbstbewusste Außenwirkung bereitet den Weg für zukünftige Erfolge. In einem Bewerbungsgespräch spielt Selbstsicherheit eine Rolle bei der Frage, ob der Arbeitsuchende die Stelle bekommt. Souveräne Bewerber haben meistens mehr Glück - und steigen leichter auf der Karriereleiter auf.

Wann Volition wichtig ist

Volition ist immer dann notwendig, wenn mit dem eigenen Handeln Absichten verfolgt werden. Die Absichten können Motive im eigenen Interesse und/oder im Interesse anderer Personen sein. Wenn eine Handlung volitionale Prozesse voraussetzt, hängt immer etwas von ihr ab.

In der Arbeitswelt kann die Motivation zum Beispiel eine berufliche Veränderung sein. Man bewirbt sich auf eine besser bezahlte Stelle im Betrieb oder möchte mit einem anderen Job neu anfangen. Besonders wichtig ist die Fähigkeit bei Führungskräften.

Willensstärke ist aber keinesfalls nur im Berufsalltag relevant. Zur Veranschaulichung folgen zwei alltagsnahe Beispiele:

  • Ein Passant entdeckt im Laden ein angebotenes Kleidungsstück, das er kaufen möchte. Die Motive für den Kauf können vielfältig sein. Das Kleidungsstück soll möglicherweise verschenkt werden oder ist der Jahreszeit entsprechend. Der volitionale Prozess besteht im Kaufvorgang. Nur der bloße Wunsch nach dem Artikel reicht nicht aus. Der Wendepunkt wird erst durch die Handlung des Kaufens eingeleitet.
  • Auf Anraten seines Arztes muss ein Patient seine Ernährung umstellen, um einen Herzinfarkt zu vermeiden. Hier liegt das Motiv ganz eindeutig auf der Gesundheit. Gleichzeitig wird der Patient vom Arzt darauf hingewiesen, dass sich sein Gesundheitszustand nur dann verbessert, wenn er seine Lebensgewohnheiten von sich aus ändern möchte. Der Erfolgt hängt also unmittelbar von seiner 'Mitarbeit' ab. Aus diesem Grund ist die Eigeninitiative der volitionale Aspekt.

Ist Volition erlernbar? Tipps und Tricks:

Manchmal braucht es etwas Zeit, bis man seine persönlichen Ziele richtig erkannt hat. Oder die Ziele sind schon bekannt, nur die Umsetzung muss noch durchdacht werden.

Zum Glück kann man Volition trainieren. Dies gelingt zum Beispiel mit den folgenden Ratschlägen. Sie sind mit den fünf Phasen verknüpft, die wir inzwischen kennen:

  • Im ersten Schritt können Sie eine Liste anfertigen. Darauf halten Sie alles fest, was Sie erreichen möchten. Diese Ziele können sowohl berufliche als auch private Hintergründe haben.
  • Versuchen Sie zudem, Ihre Emotionen in Worte zu fassen. Der Gedanke an das Ziel kann mit Gefühlen wie Vorfreude und Aufregung verbunden sein. Gedanken an den Weg dorthin lösen eventuell Reaktionen wie Anspannung oder Überforderung aus. Solche emotionalen Impulse können ebenfalls in Schriftform dokumentiert werden.
  • Führen Sie sich Ihre bisherigen Erfolgserlebnisse deutlich vor Augen. Man kann sich durchaus jeden Tag die Frage stellen: Was habe ich bisher schon geschafft? Solche Gedanken sind ein entscheidender Erfolgsfaktor, da sie motivieren. Daran sollten Sie auch während der aktiven Handlungsphase denken.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, einen Zeitplan zu erstellen. Bis wann sollte das Ziel erreicht sein? Wie lange wird es dauern, dorthin zu kommen?

  • Überlegen Sie auch, wer Ihnen aus Ihrem Bekanntenkreis etc. vielleicht helfen kann. Gibt es jemanden, der dasselbe Ziel schon erreicht hat? Solche Personen sind immer wertvolle Ansprechpartner.
  • Eine Handlung muss immer einen Sinn haben. Sonst ist sie nicht zielführend. In diesem Fall kann wieder die Rücksprache mit einem Bekannten etc. hilfreich sein. Er bringt möglicherweise Lösungsansätze mit ein, an die man allein gar nicht gedacht hätte.

So trainieren Sie Volition

Eine gute Nachricht für alle, die ihre Willenskraft noch etwas ausbauen wollen: Volition kann man tatsächlich üben. Zumindest die Fähigkeiten, welche zu diesem Konzept gehören.

Das Stichwort heißt 'am Ball bleiben'. Wenn man sich nicht (mehr) an das Ziel erinnert, wird es irgendwann vergessen. An der Durchführung muss so lange gearbeitet werden, bis man am Ziel angekommen ist.

Am Anfang braucht es oft eine gewisse Überwindung, den ersten Schritt zu machen. Man sollte deshalb immer kleinschrittig anfangen. Auch kleine Erfolge führen auf lange Sicht zum Wunschziel.

Fazit: Volition als Grundstein des Erfolgs

In der Psychologie bezeichnet die Volition eine bewusst durchgeführte Handlung zum Erreichen von Zielen. Sie ist deshalb ein unverzichtbarer Baustein für private und berufliche Erfolge.

Darüber hinaus muss die Volition als Kompetenz von der Motivation unterschieden werden. Die Motivation schließt Motive, also Begründungen für bestimmte Handlungen ein. Motivation an sich führt aber noch nicht zum Erfolgserlebnis. Für das Umsetzen von Zielen kommt es letztlich auf den eigenen Willen an. Er ist daher eine wesentliche Voraussetzung aller Fähigkeiten zum erfolgreichen Handeln.

Trotz aller wissenschaftlichen Ansätze zur Umsetzungskompetenz kommt es in erster Linie auf den Einzelnen an. Den grundsätzlichen Willen zum erfolgreichen Handeln muss jeder selbst mitbringen. Eigene Aktivität ist immer grundlegend. Nur dann können volitionale Prozesse auch wirklich zum Erreichen von Zielen führen. Man muss es eben von sich aus wollen.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.