Geschlechtersegregation im Job: Frauen und Männer arbeiten noch immer oft in unterschiedlichen Berufen

Geschlechtersegregation im Job: Frauen und Männer arbeiten noch immer oft in unterschiedlichen Berufen

News | 24.02.2024

In den letzten zehn Jahren gab es bei der Verteilung der von Männern und Frauen ausgeübten Berufe in Deutschland kaum Veränderungen. Es gab aber eine leichte Angleichung zwischen Ost- und Westdeutschland.

Wenn Männer und Frauen unterschiedliche Berufe ausüben, wird dies auch als Geschlechtersegregation bezeichnet. So arbeiten Frauen in Deutschland zum Beispiel noch immer häufig in personenbezogenen Berufen in den Bereichen Dienstleistung, Gesundheit und Erziehung. Männer sind dagegen mehrheitlich in technischen Berufen zu finden und üben außerdem verstärkt manuelle Tätigkeiten aus.

Nach aktuellen Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung arbeiteten im Jahr 2019 deutlich mehr als die Hälfte der beschäftigten Frauen und Männer in Ost- und Westdeutschland in geschlechtstypischen Berufen. Weniger als 30 Prozent übten gemischte Berufe aus und nur 15 Prozent verfolgten einen geschlechtsuntypischen Beruf.

Von einem geschlechtstypischen Beruf ist dann die Rede, wenn die Angehörigen eines Geschlechts zu mindestens 70 Prozent vertreten sind. Dementsprechend liegt der Anteil des eigenen Geschlechts bei einem geschlechtsuntypischen Beruf bei höchstens 30 Prozent.

Unterschiede zwischen Ost und West

In Ostdeutschland arbeiten mehr Männer als Frauen in geschlechtsuntypischen Berufen. In Westdeutschland ist es umgekehrt: Hier sind mehr Frauen als Männer in geschlechtsuntypischen Berufen tätig.

Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland haben sich innerhalb des Zeitraums von 2012 bis 2019 kaum reduziert. Sie basieren zum Teil auf unterschiedlichen Berufsstrukturen. Der ostdeutsche Arbeitsmarkt ist vor allem von den Beschäftigungsfeldern Gesundheit und Sozialwesen geprägt. Dementsprechend sind dort personenbezogene Dienstleistungsberufe in den Bereichen soziale und kulturelle Dienstleistung stärker vertreten. Das gilt auch für Lebensmittel- und Gastronomieberufe. Dagegen sind in Westdeutschland eher kaufmännische Dienstleistungsberufe wie Handelsberufe, Berufe in der Unternehmensführung und der Unternehmensorganisation sowie Berufe im Bereich der Unternehmensdienstleistungen verbreitet. Das gilt auch für IT- und naturwissenschaftliche Berufe.
Ein weiterer Unterschied: In Westdeutschland sind fertigungstechnische Berufe stärker vertreten, im Osten dagegen Agrar- und Bauberufe.

Innerhalb der Landesteile kaum Veränderungen

Auch die Entwicklung innerhalb der Landesteile zeigt kaum Bewegung. So ist zum Beispiel der Anteil von Frauen in personenbezogenen Dienstleistungsberufen sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland leicht gesunken, befindet sich aber nach wie vor auf einem hohen Niveau (Ostdeutschland 2019: 73,3 Prozent, Westdeutschland 2019: 72,6 Prozent). Während in Westdeutschland der Frauenanteil in IT- und Dienstleistungen von 2012 bis 2019 leicht von 21,3 auf 21,7 Prozent anstieg, sank er in Ostdeutschland von 30 auf 27,7 Prozent.

Etwas stärker wuchs der Frauenanteil in Westdeutschland in Berufen mit komplexen Spezialistentätigkeiten und hochkomplexen Tätigkeiten. Bei den komplexen Spezialistentätigkeiten stieg der Frauenanteil von 35,9 Prozent im Jahr 2012 auf 37,3 Prozent im Jahr 2019. Bei den hochkomplexen Tätigkeiten stieg der Frauenanteil von 34,8 Prozent im Jahr 2012 auf 36,7 Prozent im Jahr 2019. In Ostdeutschland gab es hier dagegen jeweils einen leichten Rückgang des Frauenanteils, während dieser im Jahr 2019 jedoch mit 47 Prozent für komplexe Spezialistentätigkeiten und 46,7 Prozent für hochkomplexe Tätigkeiten noch immer deutlich höher lag als in Westdeutschland.

Innerhalb der Landesteile kaum Veränderungen

Auch die Entwicklung innerhalb der Landesteile zeigt kaum Bewegung. So ist zum Beispiel der Anteil von Frauen in personenbezogenen Dienstleistungsberufen sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland leicht gesunken, befindet sich aber nach wie vor auf einem hohen Niveau (Ostdeutschland 2019: 73,3 Prozent, Westdeutschland 2019: 72,6 Prozent). Während in Westdeutschland der Frauenanteil in IT- und Dienstleistungen von 2012 bis 2019 leicht von 21,3 auf 21,7 Prozent anstieg, sank er in Ostdeutschland von 30 auf 27,7 Prozent.

Etwas stärker wuchs der Frauenanteil in Westdeutschland in Berufen mit komplexen Spezialistentätigkeiten und hochkomplexen Tätigkeiten. Bei den komplexen Spezialistentätigkeiten stieg der Frauenanteil von 35,9 Prozent im Jahr 2012 auf 37,3 Prozent im Jahr 2019. Bei den hochkomplexen Tätigkeiten stieg der Frauenanteil von 34,8 Prozent im Jahr 2012 auf 36,7 Prozent im Jahr 2019. In Ostdeutschland gab es hier dagegen jeweils einen leichten Rückgang des Frauenanteils, während dieser im Jahr 2019 jedoch mit 47 Prozent für komplexe Spezialistentätigkeiten und 46,7 Prozent für hochkomplexe Tätigkeiten noch immer deutlich höher lag als in Westdeutschland.

Berufe mit dem niedrigsten und dem höchsten Frauenanteil

Den geringsten Frauenanteil gab es im Jahr 2019 in den folgenden Berufen:

Den höchsten Frauenanteil verzeichneten diese Berufe:

Fazit

Nach wie vor ist die Geschlechtersegregation in Deutschland stark ausgeprägt. Die Ausübung bestimmter Berufe steht aber auch in Verbindung mit Kriterien wie zum Beispiel der Bezahlung. Dabei werden frauendominierte Berufe im Durchschnitt schlechter entlohnt als typische Männerberufe.

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Dr. Hans-Peter Luippold

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und LinkedIn.