Portfolio für die Bewerbung erstellen

Portfolio für die Bewerbung erstellen

In Berufen, in denen Kreativität gefragt ist, ist ein Portfolio ein unverzichtbarer Türöffner. Auch für Bewerber auf einen Studienplatz und in Branchen, in denen selbstständig Objekte erstellt werden, sind sie ein Muss und Entscheidungskriterium für Ihre Bewerbung.

Portfolio:Begriffsdeutung und Unterschiede

Seinen Wortursprung hat das Portfolio - manchmal auch in der französischen Form Portefeuille benannt - im Lateinischen. Die Wortbestandteile "portare" - tragen und "folium" - Blatt veranschaulichen bereits, worum es sich hier handelt. Nämlich eine Mappe, in der Blätter gesammelt werden. Maler, Zeichner, Journalisten, Werbetexter und Angehörige kreativer Berufe legen ein Portfolio an, um ihre wichtigsten Arbeiten zu präsentieren.

Aber auch für Architekten, Ingenieure und andere Berufsgruppen, in denen eigenständig Projekte erstellt werden, sind Portfolios geeignet. Ebenso ist diese Art der Bewerbung auch für junge Menschen interessant, die sich auf einen Studienplatz bewerben.

Portfolios kennt man zudem im Zusammenhang mit Wertpapieren und Wechseln im Finanzbereich, als Zusammenstellung von Unterlagen in der Wirtschaft, zur Dokumentation von Lernfortschritten an Universitäten und Schulen. Die ursprüngliche Form der Blätter hat sich jedoch gewandelt, digitale Sammlungen überwiegen heutzutage.

Portfolio für die Bewerbung: Darauf kommt es an

Ein Portfolio für einen Berufseinstieg oder die berufliche Veränderung dient dazu, die eigenen Fähigkeiten zu präsentieren. Neben den üblichen Bewerbungsunterlagen wie Anschreiben, Lebenslauf und berufliche Stationen finden in der virtuellen Mappe ausgesuchte Arbeiten ihren Platz. Hinsichtlich des Inhalts und der Ausarbeitung gibt es - mehr oder weniger ausgesprochene - Regeln und nützliche Tipps. Die Darstellung der Mappe ist zugleich in kreativen Berufen eine Visitenkarte. Deshalb darf kein Detail vernachlässigt werden.

Portfolio für die Bewerbung erstellen: Tipps und Tricks

Wesentlich für Bewerbungsunterlagen ist immer ein chronologischer Aufbau. Entscheider über Ihren Studienplatz oder die Arbeitsstelle legen großen Wert darauf, Ihren Werdegang möglichst rasch erfassen zu können. Dies gilt nicht nur für die schulischen und beruflichen Situationen, den Lebenslauf und die bisherige Arbeit, sondern auch für Ihre Entwicklung und die gesetzten Ziele.

Erfolgreich abgeschlossene Projekte, Foto- und Malarbeiten oder verfasste Texte werden deshalb zeitlich geordnet. Dabei ist es wichtig, sich bei der Auswahl auf diejenigen Exemplare zu konzentrieren, die für die angestrebte Position oder den Studienplatz wesentlich sind. Deshalb sollte jedes Portfolio, wenn es an unterschiedliche Adressaten geht, individuell angepasst werden.

Arbeiten von großer Relevanz, gewonnene Preise und Ausschreibungen dürfen selbstverständlich auch dann Einzug in die Mappe finden, wenn sie thematisch nicht unbedingt passen, aber ein Ausdruck Ihrer Vielseitigkeit und Ihres Talentes sind.

Portfolios - der Umfang

Die Konzentration auf das Wesentliche macht gute Bewerbungsunterlagen aus. Wichtig ist, dass bei einer Online-Bewerbung der Datensatz kompakt bleibt und vom Adressaten problemlos empfangen und geöffnet werden kann. Etwa 15 Megabytes sollten ausreichen, alle für die Bewerbung wichtigen Informationen, Unterlagen und Arbeiten an den Empfänger zu bringen. Lässt sich Ihr Portfolio nicht sinnvoll auf diese Datenmenge zu reduzieren, können Sie Ihr Portfolio in einer Cloud speichern und den Link nebst Anschreiben an den künftigen Arbeitgeber versenden. Schließlich landet nicht nur Ihre Bewerbung in dessen Posteingang, sondern eine Vielzahl. Ihre Unterlagen dürfen nicht zwar untergehen, sie sollten jedoch auch nicht das Postfach sprengen.

Bedenken Sie auch, dass es Zeit kostet, die einzelnen Portfolios zu sichten. Ist ihres zu umfangreich, sinken die Chancen, dass es aufmerksam gelesen und betrachtet wird. Neben den üblichen Unterlagen sollten deshalb - je nach Ihrer Berufserfahrung - die fünf bis zehn herausragendsten Arbeiten mitgesandt werden, nicht mehr. Sind in der Stellenausschreibung formale Vorgaben gewünscht, halten Sie diese unbedingt ein.

Bewerbungsunterlagen - der Inhalt

Unabhängig davon, ob Sie sich an einem Musterportfolio orientieren oder Ihre Mappe von Grund auf selber aufbauen möchten, kommt es auf die Vollständigkeit Ihrer Unterlagen an. Dazu gehören

  • Titelblatt
  • Inhaltsangabe
  • Lebenslauf
  • Einleitung/Exposé
  • Schwerpunkt und (wissenschaftliche) Qualifikationen
  • Resümee

Auf das Titelblatt gehören neben den persönlichen Angaben Ihr Thema und der berufliche Schwerpunkt. Der Lebenslauf darf bei längerer Berufserfahrung "geglättet" sein, die wesentlichen, beruflichen Stationen verdienen mehr Aufmerksamkeit als Praktika in den Sommerferien. Sind Sie schon länger im Beruf, dürfen Sie darauf verzichten, die besuchten Schulen im Lebenslauf zu erwähnen. Hier zählen neben einer Ausbildung oder dem Studium vor allem die Arbeit der letzten Jahre.

Einleitung oder Exposé bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen sowie Ihre Ziele darzulegen, gerne auch mit passenden Beispielen. Journalisten, Texter und andere schreibenden Freiberufler nehmen in das Portfolio ihre wichtigsten Textproben auf, auch fertige Artikel und Bücher werden erwähnt. Bei einer Arbeit, die für Dritte fertiggestellt wurde und deren Nutzungsrecht anderen obliegt, kann eine Erlaubnis erforderlich sein. Versichern Sie sich, dass hier Einverständnis besteht.

Für Maler, Grafiker und andere Angehöriger der Bildenden Künste ist es wichtig, dass professionelle Fotos der bisherigen Arbeiten für die Bewerbungsunterlagen verwendet werden. Architekten und Ingenieure können auf Bilder oder auf erstellte Pläne und Projektunterlagen zurückgreifen und sie für ihre Bewerbungsmappe nutzen.

Reichen Sie eine Mappe per Post ein, verwenden Sie am besten Kopien, damit Ihre wichtigen Arbeiten und Originale nicht untergehen können. Beim Online-Portfolio achten Sie, wie bereits erwähnt, auf die Datengröße und die Vollständigkeit. Hier ist es besonders wichtig daran zu denken, dass der erste Blick entscheidend sein kann. Testen Sie Ihr Portfolio, indem Sie es sich selbst zur Kontrolle schicken. So können Sie Schwachstellen wie Tippfehler, beschädigte Dateien etc. noch rechtzeitig erkennen und revidieren.

Portfolio - die ideale Veröffentlichung

Ein Online-Portfolio ist zeitgemäß und gefragt, weil auf diese Weise Bewerbungsunterlagen nicht aufwändig und teuer zurückgesandt werden müssen. Zur Veröffentlichung kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht, Ihre Profession und die angestrebte Position sollten Sie bei der Wahl der Online-Veröffentlichung berücksichtigen.

Präsentationmöglichkeiten für Ihr Portfolie sind beispielsweise

  • Die eigene bestehende Homepage
  • Eine zu diesem Zweck eingerichtete Seite
  • Social Media

E-Portfolio für Selbstständige

Wenn Ihre eigene, bereits vorhandene Homepage zu der Ausschreibung für den Auftrag oder die Anstellung passt, ist sie das Mittel der Wahl. Dabei sind jedoch ein paar Tipps zu beachten:

Die Homepage sollte gepflegt und aktuell sein, veraltete Inhalte oder gar Gästebucheinträge mit mehr privatem Charakter wirken sich nicht unbedingt positiv auf Ihre Chancen aus. Es lohnt sich zudem auf jeden Fall, alle Daten auf der Homepage auf ihre Aktualität zu überprüfen. Nicht mehr bestehende Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder sonstige Angaben könnten zu Irritationen oder Fehlleitungen von Antworten und Rückfragen Ihres künftigen Arbeitsgebers führen.

Prüfen Sie, ob Sie das Portfolio für jeden Besucher der Homepage sichtbar machen möchten. Vielfach ist es sinnvoller, den Zugang zu schützen und ihn nur für bestimmte Personen freizugeben.

Eigene Internetseite erstellen

Möchten Sie Ihre Fähigkeiten als Web-Designer unter Beweis stellen, kann eine eigens für die Bewerbung programmierte Seite bereits der Türöffner sein. Andere Kreative dürfen sich gerne bereits vorgefertigter WordPress-Module oder ähnlicher Bausteine bedienen. Hier gilt ebenfalls: Wählen Sie den Anbieter mit Bedacht aus, eine Fehlermeldung beim Aufrufen der Seite könnte dazu führen, dass das Interesse an Ihrem Portfolio erlischt.

Dem Inhalt der Website sollten Sie die gleiche Aufmerksamkeit wie Ihren Bewerbungsunterlagen widmen. Ein unbedingtes Muss ist jedoch, dass die Seite nicht nur am Rechner, sondern auch am Mobilgerät lesbar und vollständig zu öffnen ist.

Social Media als Bewerbungsplattform

Wenn es zu Ihren Zielen und der Art Ihrer Arbeit passt, sind Social Media nach wie vor eine gute Wahl für einen beruflichen Auftritt. Ein bestehender öffentlicher Account kann passend zur Bewerbung bereinigt und verschlankt werden. Hier besteht jedoch immer die Gefahr, dass Besucher unpassende Kommentare hinterlassen. Besser ist es, diese Funktion zu sperren oder einen Account anzulegen, der nur über einen persönlich verschickten Link zugängig wird.

Andererseits bietet ein offener Account die Möglichkeit, dem künftigen Auftrag- oder Arbeitgeber das eigene Netzwerk zu präsentieren. Je nach Profession und angestrebter Position kann dies durchaus ein Plus darstellen, etwa, wenn Sie in Sachen Werbung tätig sind. Tipps und Rückmeldungen von Seitenbesuchern dienen Ihnen als Verbesserungsvorschläge für Ihre Arbeit und den Internetauftritt.

Bewerben über Portfolio-Plattformen

Nicht nur die klassischen Plattformen wie flickr für Fotografen oder Xing für alle Berufsgruppen bieten die Möglichkeit, eigene Portfolios hochzuladen. Eine Vielzahl von Online-Diensten haben sich in den letzten Jahren speziell im Sektor Portfolio etabliert. Zu den bekanntesten zählen Behance, Format, Lounge oder Crop. Teils bieten diese Dienste die Möglichkeit, direkt aus einem Netzwerk heraus Auftraggeber zu suchen. Durch das Netzwerk erfahren Sie wertvolle Tipps, die Sie wiederum für Ihre Arbeit am Internetauftritt einsetzen.

Gleichzeitig können für unterschiedliche Bewerbungen individualisierte Portfolios erstellt werden. Je nach Jobangebot oder ausgeschriebenen Auftrag fügen Sie neben den Basics wie Titelblatt und Lebenslauf die Arbeiten ein, die Ihnen für diese spezielle Bewerbung am geeignetsten erscheinen. So sparen Sie sich Zeit bei der Überarbeitung und sind doch in der Lage, das Portfolio rasch und flexibel im Kontext zu der Ausschreibung oder dem Stellenangebot zu erstellen.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.