Smalltalk: Das Geheimnis des mühelosen Plauderns

Smalltalk: Das Geheimnis des mühelosen Plauderns

Smalltalk - das kleine Gespräch - schafft einen wichtigen sozialen Kitt unter Menschen und ist im Berufsleben ein Baustein im Selbstmarketing.

Das Gespräch verbindet Menschen miteinander, weil es viel mehr  Informationen als nur die reinen, sachlichen Fakten vermittelt. Es  entsteht eine emotionale Basis, wenn Sie bei einem ersten Kontakt  gewisse Gemeinsamkeiten finden, über die Sie nett mit dem Gegenüber  plaudern können.

Wenn Sie dabei auch noch interessant und sympathisch  erscheinen, sammeln Sie für die Zukunft viele Bonuspunkte. Allerdings  dürfen Sie den Faden nicht abreißen lassen: Kollegen und selbst  Familienmitglieder begegnen sich tagtäglich mit etwas Smalltalk. Im  Berufsleben geht es dabei immerhin um Ihre Existenz.

Wenn Sie  idealerweise eine ungezwungene und angenehme Atmosphäre aufbauen, wird  man sich mit Ihnen so gern unterhalten, dass Sie wertvolle  Geschäftskontakte knüpfen können. Doch nicht nur im Geschäftsleben ist  Smalltalk wichtig: Auch Handwerker und Büroangestellte schwatzen ein  wenig an der Kaffeemaschine. Beim Smalltalk mit Chef überprüfen und  festigen sie die eigene Position.

Warum gilt Smalltalk als schwierig?

Viele Menschen fühlen sich nicht unbedingt wohl, wenn sie ein  Gespräch mit einem unbekannten Gesprächspartner eröffnen sollen. Vor  allem die Frage nach dem richtigen Gesprächsstoff gilt als heikel, das Wetter ist scheinbar sehr verpönt. Doch machen Sie sich nichts daraus:  Wenn Ihnen nichts anderes einfällt, sagen Sie eben lächelnd: “Schönes  Wetter heute, nicht wahr?” Das ist allemal besser als betretenes  Schweigen.

Unsere über Jahrmillionen entwickelten Reflexe spielen  nämlich bei dieser Art der Kommunikation mit. Wenn Sie zu einem Menschen  ein winziges, freundliches Wort sagen, brechen Sie das Eis. Wenn Sie es  unterlassen, könnten Sie für ihn ein Gegner sein, denn Ihre Absichten  bleiben unbekannt.

Lassen Sie uns noch einen winzigen Ausflug in die  Kommunikationstheorie machen. Alles, was wir sagen (oder auch  schreiben), enthält konnotative (die Gefühle codierende) und denotative  (Fakten übermittelnde) Bestandteile. Dasselbe trifft übrigens auf Musik  und die tierische Kommunikation zu, nur dass sich hier die Bestandteile  verschieben. Wenn Sie also freundlich sagen, “schönes Wetter heute”,  dann haben Sie konnotativ “die Hand ausgestreckt”, auch wenn der denotative Informationsgehalt wirklich so was von banal ist, denn das  Wetter sieht Ihr Gesprächspartner schließlich allein. Darauf kommt es  aber nicht an. Unterschätzen Sie also die Konnotation nicht und  beobachten Sie einmal Verkäufer, die immer freundlich bleiben.

Smalltalk: So alt wie die Menschheit

Stellen Sie sich vor, wie sich zwei Urmenschen unterschiedlicher Stämme in grauen Vorzeiten in der Savanne begegneten. Sie konnten sich bekämpfen oder anfreunden und dann zusammen auf die Jagd gehen. Einer von beiden zeigte nun lächelnd auf die Sonne und ein paar Wolken und sprach im Urmenschen-Kauderwelsch: “Sieht nach Regen aus, oder?” Der andere legte die Hand über die Stirnwülste, blickte ebenfalls nach oben, schüttelte sacht den Kopf und antwortete: “Wohl eher nicht.” Darauf der erste: “Ich habe ein paar Antilopen gesehen.” Der zweite: “Na, schaun’ mer’ mal.” Sehen Sie, so alt ist der Smalltalk.

Der Handschlag hat übrigens eine ähnliche Funktion. Er bewies, dass man unbewaffnet war und die eigene Hand freigab. Im Grunde hat sich an unserer Kommunikation seither nicht viel verändert. Smalltalk war, ist und bleibt dabei ein wichtiges Element. Der kanadische Psychologe Eric Berne (1910 - 1970) hat dessen winzigen Gesprächsfetzen genauer untersucht und nachgewiesen, dass Smalltalk ziemlich exakten Mustern folgt.

Das "kleine Gespräch" folgt einem exaktem Muster

So hängt beispielsweise seine Dauer davon ab, ob wir uns  überhaupt schon kennen, wenn ja, in welchem Verhältnis wir zueinander  stehen und außerdem, wie lange wir uns nicht gesehen haben. So genügt  es, wenn Ihre 16-jährige Tochter morgens ein missgelauntes “Moin” vor  sich hin brummt - Sie haben sich zuletzt abends gesehen, immerhin hat  sie gegrüßt, der Tag hat somit ganz gut begonnen. Wenn allerdings Ihr  Nachbar aus dem 14-tägigen Urlaub wiederkommt, schwatzen Sie schon zwei  bis drei Minuten am Gartenzaun, weil sie sich eine Weile nicht gesehen  haben. Am kommenden Tag genügt wieder ein kurzer Gruß.

Da solche Regeln der Rhetorik nicht einfach zu verstehen sind, auch wenn Sie diese erlernen können,  fühlen manche Menschen ein Unbehagen, gerade wenn es um den wichtigen  Smalltalk mit Kollegen geht.

Smalltalk: Leitfaden für die Plauderei

Smalltalk ist der Einstieg in eine Unterhaltung mit Fremden. Wenn Sie wissen, wie Sie ein Gespräch beginnen, ohne verkrampft zu wirken, können aus Fremden Freunde oder Geschäftsbeziehungen werden. Hier gibt es dos and don‘ts zu beachten, für den Einstieg und die weitere Konversation.

Die Kunst des Smalltalks sollten Sie besonders im beruflichen Kontext beherrschen. Bei Netzwerktreffen, auf Messen oder Vorträgen. Aber auch Kunden und Kollegen, die Sie gerade erst kennen lernen, öffnen sich leichter bei lockeren Gesprächen.

Wie vieles andere auch kann Smalltalk erlernt werden. Dabei kann einiges falsch laufen. Denn wie das Wort schon sagt, geht es hier um die Anbahnung eines kleinen Gespräches. Machen Sie das geschickt, ist es leicht neue Menschen kennenzulernen.

Typische Fehler beim Smalltalk

Fehlende Empathie und Aufmerksamkeit

Was ganz oft falsch gemacht wird ist zum Beispiel lustloses ansprechen ohne Empathie und Körperspannung. Dabei gibt es so schöne Möglichkeiten für den Beginn.

Um ein Geplauder zu beginnen und vor allem weiterzuführen, braucht es Aufmerksamkeit. Aktives Zuhören gehört dazu. Das gelingt nur, wenn Sie nicht den Fehler begehen, in Gedanken nur bei sich selbst zu sein. Denken Sie nicht über Ihre Probleme nach, sondern hören Sie zu.

Zu hoher Anspruch an den Inhalt der Konversation

Bei Smalltalk ist es ganz normal, dass es sich um allgemeine Themen drehen kann. Sie sollten keine hochkomplexen Konversationen erwarten. Das kann sich im Laufe des Abends oder des Treffens durchaus noch ergeben. Mit den unwichtigen Themen könnte sich eine Unterhaltung erst mal warmlaufen.

Balance aus Zuhören und Sprechen stimmt nicht

Ist eine Unterhaltung entstanden, oder Sie beteiligen sich an einer bereits laufenden, beachten Sie bitte Folgendes: Finden Sie einen guten Mix aus Zuhören und Sprechen.

Mimik und Blickkontakt fehlen

Sie müssen nicht unbedingt ein begnadeter Erzähler sein, aber vermeiden Sie eintöniges sprechen und wenig Mimik. Ein Lächeln und Blickkontakt bewirken oft Wunder. Schauen Sie um sich in die Gesichter, ob und wie Ihnen zugehört wird.

Emotionslosigkeit

Zeigen Sie Emotionen. Wenn etwas Lustiges erzählt wird, lachen Sie mit. Auch wenn Ihnen nicht danach ist. Ohne Gefühlsregungen wird so schnell niemand mit Ihnen ins Gespräch kommen wollen. Aus unterschiedlichen Gründen, denn Emotionslosigkeit erschreckt manche Menschen.

Monolog statt Dialog: Das Gespräch dreht sich nur um Sie

Wenn Sie ein Hobby haben, oder gerade im Job einen Durchbruch geschafft haben, könnte es für die Zuhörer langweilig werden. Nicht jeder teilt vielleicht Ihre Ansichten und Ihr Hobby. Außerdem dreht sich dann alles nur um Sie und das ist ein Gesprächskiller.

Stimmungskiller:  Nörgeln, jammern, Kritik üben

Was Sie auf gar keinen Fall tun sollten, ist Kritik an anderen zu üben. Auch Nörgeleien und Gejammer zerstören nicht nur die Stimmung, sondern vielleicht auch Ihr Image. Und sollte Ihnen das Buffet und die Getränke nicht behagen, dann behalten Sie das für sich. Bei Businesstreffen stehen sowieso andere Dinge im Vordergrund.

Besserwisserei und ungebetene Ratschläge

Verzichten Sie auf Besserwisserei. Auch wenn Sie gefühlt Recht haben, so kippt die Stimmung schnell, wenn Sie oder auch andere immer korrigieren. Was ebenfalls nicht gut kommt, sind ungefragte  Ratschläge, auch wenn Sie dem Gegenüber helfen könnten. Hier sollten Sie ganz bedacht vorgehen, oder sagen Sie nichts.

Smalltalk: Wie ein Gespräch beginnen?

Smalltalk ist leichtes etwas oberflächliches Plaudern. Es ist keine Präsentation oder ein Verkaufsgespräch. Es dient dazu einfach mal so in eine Plauderei zu kommen, sich ein wenig kennenzulernen. Zu sehen, ob man Gemeinsamkeiten findet oder nicht. Damit Sie unbeschwert einen Smalltalk beginnen können, gibt es ein paar gute Tipps.

Es fällt nicht immer leicht, aus dem Stand jemanden anzusprechen und in einen Smalltalk zu verwickeln. Um Redehemmungen zu überwinden, lächeln Sie Ihr Gegenüber an und fragen Sie ihn etwas. Das Thema kann ganz banal sein, aber mit Offenheit und Freundlichkeit werden Sie sicher eine Unterhaltung beginnen.

Je nachdem, wo Sie sind, ist die Frage nach dem Beruf oder über den Vortrag, der gerade zu Ende ist, ein guter Einstieg. Auch über das leckere Buffet oder aus welchem Grund das Gegenüber da ist. Lassen Sie dann den Gesprächspartner ausreden und hören
interessiert zu. Ein prima Einstieg für das Plauern .

Smalltalk: Das Gespräch am Laufen halten

Wenn Sie eine Konversation begonnen haben, ist es wichtig, dass Sie es auch am Laufen halten. Übernehmen Sie die Verantwortung dafür und stellen vielleicht weitere Fragestellungen in den Raum, oder antworten ausführlich auf die Fragen des Anderen. Immer mit einem Blick auf dessen Körpersprache. Sie erkennen, wenn das Interesse abflaut.

Eine offene Haltung, ein gerader Rücken und ein Lächeln sprechen alle Menschen an. Wenn Sie locker und nicht gehetzt durch die Reihen gehen, steigen die Chancen eine Unterhaltung beginnen zu können an. Wenn Ihr Blick entspannt umherwandert, kommen auch andere besser auf Sie zu.

Small Talk: Tabu-Themen

Die passende Themenauswahl für den Einstieg ist elementar. Das Plaudern über Politik und Religion, Tod und Sex, Geld und Lästereien über andere gehören nicht zu den Thematiken für Small Talk. Auch zu Privates gehört nicht dahin. Sprechen Sie positiv über die Veranstaltung, machen Sie ein Kompliment oder fragen Sie nach der Motivation hier zu sein.

So vermeiden Sie Gesprächspausen

Haben Sie einen Smalltalk gestartet, sollte dieser nicht nach den ersten paar Sätzen abbrechen. Es kann dann anstrengend werden, wieder und wieder eine Konversation zu beginnen. Daher ist es wichtig, die begonnene Unterhaltung nicht zu verlieren. Es gibt einige Techniken, die eine peinliche Pause verhindern.

Offene Fragen stellen

Mit offenen Fragen, können Sie Ihr Gegenüber in eine lockere Unterhaltung verwickeln.  

Beispiele für offene Fragen:

  • Was halten Sie von...?
  • Wie gefallen Ihnen...?
  • Woher und wie lange kennen Sie den Gastgeber?
  • Wie lange sind Sie schon in der Firma? 

Interesse durch Nachfragen zeigen

Aufmerksamkeit während der Kommunikation mit den anderen ist elementar. Kommt die Unterhaltung zum Stocken, erinnern Sie sich an noch nicht beantwortete Fragen und können dort den Wortwechsel wieder aufnehmen. Das bringt erneut Schwung in den Small Talk. Die Beantwortung offener Punkte kann auch eine angenehme Themenwendung einleiten.

Um genau diese Wendung zu erreichen, sollten Sie ab und zu Nachfragen einwerfen. Zum Thema oder zu den Personen und Meinungen in der Runde. Auch, wenn diese nicht gleich beantwortet werden. Bleiben Sie aufmerksam dabei, um schnell handeln zu können.

Locker bleiben: Keine Scheu vor banalen Themen

Sie müssen sich keine Gedanken darüber machen, ob Sie besonders schlaue Fragestellungen aufbringen müssen. Sie dürfen nicht vergessen, dass originelle Rhetorik und intensive Fachthemen bei einem Smalltalk nichts zu suchen haben. Bleiben Sie locker, auch das Wetter kann manchmal interessant sein.

Bleiben Sie aufmerksam bei der Unterhaltung und den Teilnehmern. Stellen Sie Fragen, merken Sie sich diese und die der anderen und haben Sie keine Scheu vor banalen Themen. So werden Ihnen nie mehr die Worte fehlen und die Plauderei wird Ihnen nie mehr entgleiten.

Immer nur über das Wetter oder die aktuelle Verkehrslage zu sprechen wird auf Dauer langweilig. Haben Sie die Unterhaltung begonnen, ist es wichtig, Spannung und Wendungen hineinzubringen. Dafür gibt es ein paar gute Tipps für den Talk, die Sie beherzigen können.

Wenden Sie sich voll und ganz Ihrem Gesprächspartner zu. Reden Sie nicht dazwischen, sondern zeigen Sie volles Interesse an dem, was er sagt. Gehen Sie darauf ein und nehmen Sie Fäden auf, halten Sie sich mit Kritik zurück, aber nicht mit Lob.

Wenn Sie während der Unterhaltung bemerken, dass es Gemeinsamkeiten gibt, teilen Sie das mit. Vielleicht finden Sie noch mehr, was Sie verbindet und haben dann genügend Stoff zu reden. Es entsteht dadurch Raum für ein weiteres Kennenlernen und für Kooperation im Business.

Dialog statt Monolog

Eine Gefahr besteht, wenn Sie zu viel am Stück wissen möchten. Das Gegenüber könnte sich wie in einem Interview vorkommen, bei dem einzig nur geantwortet werden soll. Vermeiden Sie diese Form, sondern gehen Sie besser auf die Antworten ein und hinterfragen erst dann wieder, wenn das Gespräch zu stocken beginnt.

Small Talk beenden: So gehts

Jede Unterhaltung sollte auch mal ein Ende finden. Egal ob es interessant ist oder nicht. Mit einer freundlichen Entschuldigung, mit netten Worten, das Gespräch ein anderes Mal fortsetzen zu wollen, kann eine Konversation gut beendet werden. Wenn es geht, ist es am elegantesten, wenn Sie einen anderen Gesprächspartner ins Spiel bringen.

Plaudern üben

Wie alles im Leben heißt es auch für den Smalltalk und die Rhetorik Üben, üben, üben.

Stehen Sie ganz am Anfang, lernen Sie am schnellsten, indem Sie andere beobachten. Wie geht er/sie vor? Wie beginnt das Gespräch, wie entwickelt es sich und wie endet es. Seien Sie ein aufmerksamer Beobachter.

Wenn Sie noch unsicher sind, dann beginnen Sie mit ganz kleinen Schritten. Werden Sie aktiv und schließen Sie sich einer Gruppe an, oder testen Sie den Anfang von einem Gespräch. Seien Sie einfach offen für alle Möglichkeiten der Antworten anderer.

Nutzen Sie jede Gelegenheit um Small Talk zu üben. Gehen Sie auf Veranstaltungen, auf Messen oder zu Vorträgen. Sie werden sehen, wenn Sie ein paar Tipps befolgen, steigt Ihre Selbstsicherheit automatisch an. So wird Gesprächsführung und die Rhetorik immer besser und für Sie nie mehr zum Problem. Die Grundprinzipien für das Lernen von Smalltalk sind einfach: beobachten, lernen, keine Angst vor banalen Themen, Interesse zeigen, aktives Zuhören, eine offene Körpersprache, Augenkontakt und die „Übung macht den Meister“. 

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.