Empathie: Bedeutender Soft Skill im Berufsleben

Empathie: Bedeutender Soft Skill im Berufsleben

In unserer modernen Gesellschaft ist oft von einem Mangel an Empathie die Rede. Viele sind diesem Begriff schon einmal begegnet, seine genaue Bedeutung kennen jedoch nur die Wenigsten. Deshalb soll erklärt werden, was Empathie eigentlich ist und wieso sie als wichtiger Baustein für ein gelungenes Leben mit seinen Mitmenschen, privat wie beruflich, zu erachten ist. Abschließend gibt es eine Liste mit Übungen, um die eigene Empathiefähigkeit und emotionale Reflexion zu verbessern.

Empathie: Was heißt das?

Das Wort 'Empathie' kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie 'Einfühlung', beziehungsweise 'Einfühlungsvermögen'. Erst durch die Empathie gelingt es, sich in eine andere Person einzufühlen, ihre Empfindungen zu begreifen und sich ihr zuzuwenden. Deshalb entspricht die Empathiefähigkeit den christlichen Tugenden des Mitleids oder der Nächstenliebe.

Besonders in der Berufswelt stellt emotionale Intelligenz eine Notwendigkeit dar. Sie wird benötigt, um das Leben am Arbeitsplatz möglichst positiv zu gestalten. Insgesamt wird zwischen drei Formen differenziert. Es gibt die soziale, affektive und kognitive Fähigkeit, empathisch zu handeln.

Soziale Empathie

Sie ist gefragt, wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen aufeinandertreffen. Solche eine Konstellation lässt sich auch am Arbeitsplatz finden. Hier kommen täglich viele Kollegen zusammen, die auf vielfältige Weise verschieden sind. Auf diese Unterschiede muss ein Vorgesetzter entsprechend eingehen können, indem er einen empathischen Umgang mit seinen Mitarbeitern pflegt.

Affektive Empathie

In diesem Fall bildet die emotionale Komponente einen Schwerpunkt. Gemütslagen von Anderen werden korrekt erfasst. Ein empathiefähiger Mensch weiß innerhalb von Sekundenbruchteilen, welche Emotionalität sein Gesprächspartner gerade ausdrückt. Sein Empathievermögen geht jedoch noch weiter, denn er geht taktvoll auf seine Gemütslage des Kommunikationspartners ein.

Kognitive Empathie

Diese Empathieform bildet sozusagen die nächste Stufe. Nur aufgrund der kognitiven Auffassungsgabe lässt sich die Emotion eines Anderen treffend einordnen. Man vergegenwärtigt sich die Gefühlslage vom Gesprächspartner, greift auf einige Erfahrungen zurück und kann somit seine Empfindungen bewerten. Trotz Einfühlungsvermögen kann es hier zu falschen Einschätzungen kommen. Dies passiert gerade dann, wenn man seine eigenen Gemütsverfassungen zu sehr als Maßstab für die Gefühle Anderer nimmt. In dem Fall schließt man letztlich von sich selbst auf den Kommunikationspartner.

Was bedeutet es, empathielos zu sein?

Empathielose Menschen besitzen nicht die Bereitschaft, anderen Personen Verständnis und Anteilnahme entgegenzubringen. Häufig mangelt es ihnen an Mitgefühl, mitunter auch an Selbstreflexion über das eigene Handeln. Sie haben Schwierigkeiten, die Gefühle und Emotionen ihrer Mitmenschen richtig zu verstehen und bemühen sich zumeist nicht darum.

Ein Mensch mit fehlender Empathie wird oft als emotionslos beschrieben. Er reagiert auf seine Mitmenschen wenig rücksichtsvoll, während eines Gesprächs zeichnet er sich kaum durch Taktgefühl aus. Die Anliegen des Anderen sind ihm gleichgültig.

Häufig verhalten sich solche Individuen unnachgiebig, Fehler können sie nur schwer verzeihen. In der Regel zeigen sie auch keine Hilfsbereitschaft, wenn sie darum gebeten werden. Ihre Grundhaltung lautet sinngemäß: 'Dein Kummer ist nicht meiner. Also behellige mich nicht damit'. Aus diesem Grund besteht kaum ein Unterschied zwischen Empathielosigkeit und Eigensucht.

Anmerkung:

Empathielosigkeit ist nicht immer beabsichtigt. Oftmals geschieht sie durch unbedachte Äußerungen oder beiläufige Kommentare, die sich an einen Kollegen richten. Das Verhältnis zwischen Aussage und Empfänger befindet sich hier in einem Ungleichgewicht. Oftmals führt es zu Streitgesprächen, weil eine Aussage falsch verstanden wurde. Eine ausdrückliche Absicht steckt allerdings nicht dahinter.

Warum fehlt mir eventuell Empathie?

Wenn Sie es kompliziert finden, für andere Menschen Mitgefühl zu empfinden, könnte ein Empathiemangel vorliegen. Dafür kommen verschiedene Ursachen infrage.

Viele Menschen haben es nicht gelernt, sich empathisch zu verhalten. Einige von ihnen sind in einem unemotionalen Elternhaus aufgewachsen. Andere haben schlichtweg keine Begabung im Erfassen fremder Gefühlslagen. In einigen Fällen liegt dem Problem eine psychisch-neurologische Erkrankung zugrunde. Autisten können sich in die Gefühlsregung eines Gesprächspartners nicht hineinversetzen und verstehen ihn deshalb nicht.

Wo entsteht Empathie im Gehirn?

Empathie gilt als eine kognitive Fähigkeit. Sie findet auf einer unbewussten Ebene statt, man kann sie allerdings auch bewusst anwenden. Hilfreiche Ratschläge für eine gezielter Vergegenwärtigung von Gemütslagen erhalten Sie in der nächsten Rubrik.

Im Gehirn sind bestimmte Areale für das Erkennen von Gefühlen zuständig. Nämlich dieselben, mit denen man Schmerzen empfindet. Die dafür verantwortlichen Neuronen lassen uns eine Emotion erkennen und richtig beurteilen. Manchmal werden wir von der Stimmung des Gesprächspartners angesteckt, sodass eine Gefühlsübertragung stattfindet.

Grundsätzlich besitzen alle Menschen die Gabe, Emotionen zu erfassen und einzuordnen. Jedoch variiert die Ausprägung bei jedem Einzelnen. Die gute Nachricht lautet: Man kann lernen, seine persönliche Auffassungsgabe von Gefühlen zu optimieren.

Wie lernt man Empathie?

Die Ausprägung der eigenen Empathiefähigkeit kann man sogar lernen. Anhand einer Checkliste können Sie diese emotionale Fähigkeit im alltäglichen Geschehen üben. Sie aufgeführten Ratschläge richten sich sowohl an Mitarbeiter und Kollegen als auch an Führungskräfte.

Schärfen Sie Ihre Wahrnehmung.

Das funktioniert sowohl im Privatleben als auch am Arbeitsplatz. Machen Sie sich Gedanken darüber, welche Gefühle in der gegenwärtigen Situation vorherrschen. Gibt es in diesem Moment eine Person, welche Ihren Beistand gebrauchen könnte?

Schauen Sie den Kollegen einmal genau an.

Seine Haltung, Blicke oder Stimmlage kann Aufschluss geben, wie er sich vielleicht gerade fühlt. Natürlich sollte man sich nicht zu sehr auf diese äußeren Anhaltspunkte versteifen, aber es dient zur ersten Orientierung.

Stellen Sie sich im Bedarfsfall die folgende Frage: 'Wie würde es mir ergehen, wenn ich an der Stelle meines Kollegen wäre?

Welche Emotionen und Gefühle würden mich in dem Moment bestimmen.

Versuchen Sie bitte dabei, nicht zu sehr von sich auf andere zu schließen.

Möglicherweise würden Sie in bestimmten Situationen eine andere emotionale Reaktion zeigen als Ihr Gegenüber. Dennoch gibt es hier kein Richtig oder Falsch. Jede Person ist individuell Das gilt auch für die eigenen Gefühle.

Bewahren Sie eine gesunde Distanz zu Ihrem Kommunikationspartner.

Eine zu hohe Empathie kann sich negativ auswirken, wenn die Probleme eines Anderen zu den eigenen werden. Das gilt besonders für das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Sollte sich ein Mitarbeiter an Sie als Vorgesetzten wenden und von privaten Schwierigkeiten berichten, bieten Sie Hilfe an. Halten Sie aber zugleich einen inneren Abstand.

Bei manchen Gelegenheiten ist es besser, sich selbst ganz zurückzunehmen.

Nicht immer bringt es Vorteile mit sich, die eigenen Gedanken ohne Rücksichtnahme kundzutun.

Selbst wenn Sie die gegenwärtigen Empfindungen Ihres Gesprächspartners nicht verstehen können, sollten Sie seine Gefühle dennoch ernst nehmen.

In der Fachsprache ist die Rede von einer persönlichen Resonanzfähigkeit. Solch ein Verhalten ist wichtig, um Konflikte zu verhindern. Fehlendes Verständnis führt nicht selten zu Missverständnissen. Auf diese Weise dient die Einfühlsamkeit als Mittel zu Konfliktprävention.

Neben den Menschen in Ihrem Umfeld können sogar Sie selbst aus einer verbesserten Empathiefähigkeit einen Nutzen ziehen. Während Sie Ihre emotionale Wahrnehmung üben, lernen Sie gleichzeitig etwas über sich selbst: Sie lernen die eigenen Talente auf dem kognitiven Gebiet näher kennen und werden sich darüber bewusst, welche Sie bereits besitzen und wo noch Verbesserungsbedarf besteht.

Wie zeigt man anderen Menschen Empathie?

Wenn man sich gegenüber einem Mitmenschen empathiefähig zeigt, nimmt man ihn als Individuum ernst. Ihm wird der Eindruck vermittelt, dass seine Gefühle wichtig sind. Auf diese Wiese drückt man Respekt und Wertschätzung aus. Doch wie gelingt Empathie überhaupt?

- Zunächst braucht man eine grundsätzliche Zugewandtheit zu anderen Personen. Wer eine positive Grundeinstellung zum sozialen Umfeld und zu sich selbst hat, wird es wesentlich leichter finden, emotionale Anteilnahme auszudrücken.

- Morgens bei der Kaffeepause kann man beispielsweise den Kollegen fragen, wie er sein Wochenende verbracht hat. So begegnet man ihm mit einem aufrichtigen Interesse. Im Idealfall ergibt sich daraus eine kleine Unterhaltung, bei der man Einblicke in das Seelenleben des Anderen bekommt.

- Dabei geht es keineswegs nur um ein Mitgefühl im Sinne eines Mit-Leidens. Auch das gemeinsame Teilhaben an freudigen Erlebnissen gilt als empathisch.

- Falls Sie eine führende Position in Ihrem Betrieb einnehmen, sollten Sie für Mitarbeitergespräche ausreichend Zeit einplanen. In einer eingeschobenen Unterredung zwischen zwei Terminen haben Sie nicht die Möglichkeit, den Belangen Ihres Arbeitnehmers in Ruhe zuzuhören.

Warum ist es wichtig, Empathie zu haben?

Ohne Empathie ist ein harmonisches Miteinander auf Dauer nicht möglich. Deshalb gilt sie sowohl in der Berufswelt als auch im privaten Rahmen als ein unverzichtbarer Persönlichkeitszug.

Die emotionale Wahrnehmung einer empathischen Person ist hingegen besser ausgeprägt. Solche Menschen besitzen die Fähigkeit zur Selbstreflexion, sie bringen ihrem Gegenüber Mitgefühl und Verständnis entgegen. Daher lässt sich eine empathische Fähigkeit mit dem Charakterzug der Achtsamkeit vergleichen.

Welche Konsequenzen kann Empathielosigkeit haben?

Nicht Wenige finden es schwer oder sogar überflüssig, sich in Andere hinzufühlen. Zu den Folgen einer unzureichenden oder fehlenden Empathie gehören eine emotionslose Atmosphäre, zunehmende Rücksichts- und Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen sowie eine soziale 'Verrohung'.

Aus diesem Grund ist eine empathische Fähigkeit so wichtig für das Zusammenleben. Eine soziale Gesellschaft benötigt Werte wie Mitgefühl, nur auf diese Weise kann man sich gegenseitig besser verstehen.

Schlusswort:

Kognitive Fähigkeiten wie Empathie, Anteilnahme und Mitgefühl ermöglichen eine soziale Gemeinschaft. Empathische Menschen tragen ihren Teil zu einem friedlichen Leben untereinander bei. Es fällt ihnen leicht, ihr Gegenüber zu verstehen und seine Gedanken nachzuvollziehen. Daher beinhaltet die Empathie immer auch die Begabung, auf Gefühle und Gedanken des Gesprächspartners angemessen einzugehen.

Aufgrund ihres mitfühlenden Charakters werden empathische Personen von ihren Mitmenschen als besonders umgänglich wahrgenommen. Sie gelten als vertrauenswürdig, zuverlässig und rücksichtsvoll. Solche Wesenszüge gelten nicht nur im privaten Umfeld als Grundvoraussetzung für ein besseres Miteinander.

Idealerweise sollte vor allem ein Vorgesetzter über eine gewisse Empathiefähigkeit verfügen. Doch selbst ein empathischer Kollege kann das Leben im Büro mit seiner emotionalen Intelligenz etwas besser gestalten. Mitunter lassen sich in einer empathiefähigen Belegschaft Probleme leichter erkennen und beseitigen.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.