Ikigai Methode: Karriere mit Sinn

Ikigai Methode: Karriere mit Sinn

Vielleicht haben einige von Ihnen den Begriff Ikigai oder Ikigai-Methode schon einmal irgendwo gelesen oder gehört. Was verbirgt sich hinter diesem japanischen Ausdruck und was hat er mit einer erfolgreichen Karriere zu tun? Diesen Fragen wollen wir nachgehen.

Das Ikigai-Modell - was ist das eigentlich?

Wie bereits angedeutet, kommt der Begriff "Ikigai" aus dem Japanischen. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das Wort so viel wie "zufriedeneres, lebenswertes Leben". Hinter diesem Ausdruck verbirgt sich ein japanisches Lebens- und Arbeitsmodell. Das gibt es aber nicht erst seit der Moderne, sondern schon viel länger.

Es entstand wahrscheinlich im 14. Jahrhundert nach Christus. Zumindest findet es in jener Zeit zum ersten Mal schriftliche Erwähnung. Man könnte sagen, dass das Ikigai-Modell dabei hilft, den höchst persönlichen, beruflichen Lebensweg zu finden.

Solche Konzepte sind sozusagen nützliche Tools, die dabei helfen, den eigenen Platz in der Gesellschaft zu bestimmen und einzunehmen. Nicht immer war das Ikigai-Modell so konzipiert wie in der heutigen Zeit. Denn innerhalb der letzten 700 Jahre veränderte sich nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Arbeitswelt. Job und Karriere sollen Spaß machen und den Menschen erfüllen.

Mit den Tools des Ikigai Modells kann sich jeder, der auf der Suche nach seiner beruflichen Karriere ist, Klarheit verschaffen. Ist der angebotene Job der richtige für mich? Soll ich diesen oder jenen Beruf lernen oder einen bestimmten Job annehmen?

Lohnt sich eine Umschulung oder soll ich lieber im alten Beruf bleiben? Diese Fragen lassen sich mit dem japanischen Modell zwar nicht präzise beantworten. Aber die Tools des Ikigai zeigen anhand der Ergebnisse auf, ob der angestrebte Job die vorgegebenen Kriterien erfüllt.

Mit diesem Konzept lässt sich nicht nur in Japan, sondern auch in der westlichen Welt Karriere machen. Allerdings gehört auch dazu, dass das berufliche Fortkommen Glück und Zufriedenheit beschert. Denn das Einkommen und Auskommen ist zwar ein Aspekt des Ikigai, aber nicht der einzige.

Ikigai-Modell: Die vier Aspekte

Das Ikigai-Modell setzt auf vier Aspekte, die bei der beruflichen Findung eine Rolle spielen sollten. Diese vier Aspekte sind:

  • Was tue ich selbst gerne?
  • Was kann ich für die Gesellschaft und die Welt tun?
  • Womit kann ich meinen Lebensunterhalt verdienen?
  • Über welche Skills und Begabungen verfüge ich?

Bilden diese vier Aspekte eine Schnittmenge, dann hat der Suchende seinen Weg auf der Welt gefunden. Das Konzept Ikigai setzt eben nicht nur auf schulischen Werdegang und der Job soll nicht nur bezahlte Beschäftigung sein.

So wirft das Ikigai-Modell auch Fragen auf, wofür man das alles tut und ob man gesund dabei bleibt. Geld zu verdienen allein bedeutet nämlich noch nicht Glück und Zufriedenheit. Der Alltag soll Sinn machen und das Arbeiten einen hohen Stellenwert im Leben haben.

Aber es ist ein Stellenwert, der über berufliches Fortkommen hinausgeht. So lässt sich mit dem Ikigai-Modell ganz einfach jede Frage beantworten, die Ausbildung, Studium oder Beruf betrifft. Wer Berichte über Japan gelesen hat und die Mentalität der Japaner ein wenig kennt, der mag sich nun wundern.

Denn die japanische Gesellschaft und Arbeitswelt ist für ihre strenge Disziplin bekannt. Überstunden, die zum großen Teil unbezahlt bleiben, sind fast normal.

Das Burnout Syndrom greift schon bei ganz jungen Menschen im Land der aufgehenden Sonne um sich. Suizide aufgrund von schulischer und beruflicher Überlastung sind an der Tagesordnung. Aber Japan war ja schon immer ein Land der Widersprüche.

Modernste Technik ist genauso präsent wie Jahrhunderte alte Tradition. Um die japanische Gesellschaft als Ganzes zu verstehen, müsste man praktisch im Land leben. Aber es steht jedem von uns frei, das japanische Modell des Lebens auf unsere westlichen Gegebenheiten hin anzuwenden.

Wie finde ich meinen persönlichen Ikigai?

Hinter diesem Modell des Lebens und Arbeitens verbirgt sich keine Zauberei. Japan war schon sehr lange ein Land der Dichter und Denker. Und so soll auch dieses Modell des Lebens vor allen Dingen zum Nachdenken anregen.

Welche Arbeit kommt meinen Neigungen entgegen und macht mir auch auf Dauer Spaß? Ist dieser Job für mich gesund und verleiht er meinem Leben langfristig Sinn? Vielleicht ist die sehr japanische Frage nach dem Nutzen für die Gesellschaft bei uns in der westlichen Welt eher zweitrangig.

Bei uns würde man sich eher fragen, ob der Traumberuf Zukunft hat und wie die Lage auf dem Arbeitsmarkt sein wird. Das Ikigai-Modell ist kein Softwareprogramm, bei dem standardisierte Lösungen möglich sind. Das Modell gibt die Grundbegriffe vor und es regt sehr stark zum Nachdenken an.

Das Konzept gibt also keine Antworten vor, sondern es wirft viele Fragen auf. Diese sind individuell und ein jeder kann sie nur für sich selbst beantworten.

Wie kann ich das Ikigai-Modell anwenden und umsetzen?

Wenn Sie sich mit dem Ikigai-Modell auseinandersetzen möchten, dann sollten Sie sich Zeit dafür nehmen. Es gibt allerdings keine Zeitangabe, wie lange es dauert, bis eine Entscheidungsfindung stattgefunden hat. Wenn Sie sich lediglich zwischen zwei Berufen oder Jobs entscheiden müssen, dann kann es sehr schnell gehen.

Wenden Sie das Modell also für beide Berufe an und Sie werden anhand der Schnittmenge schon bald Klarheit gewinnen. Das Wichtigste dabei ist, dass Sie selbst ja die Entscheidung treffen. Das Konzept weist Ihnen lediglich den Weg in einen beruflichen Alltag, in dem Arbeit Sinn macht und auch Glück bedeutet.

Auch wenn Sie noch gar keinen Plan haben sollten, wofür und was Sie arbeiten möchten, kann das Ikigai-Modell Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen. Nehmen Sie ein Blatt Papier zur Hand und schreiben Sie zu jedem Aspekt alles auf, was Ihnen einfällt.

Nun können Sie mit dem Ikigai-Modell regelrecht spielen und den richtigen Beruf und Lebensweg herausfiltern. Übrigens lässt sich das Ikigai-Modell natürlich nicht nur zu Beginn des beruflichen Werdegangs anwenden. Wer mit seinem Job nicht mehr zufrieden ist und etwas anderes arbeiten möchte, kann jederzeit darauf zurückgreifen.

Dann hilft es bei der Entscheidung, ob eine Umschulung oder ein Jobwechsel Sinn machen würden. Diese japanische Lebensphilosophie passt eigentlich perfekt in unsere heutige Zeit. Der Faktor Arbeit hat sich verändert und Arbeitsleistung ist gerade im Büro schwer zu bemessen und zu begrenzen.

Die Erwartungshaltungen sind nicht nur in japanischen, sondern auch in westlichen Firmen enorm hoch. Momentan haben wir auch noch das Problem, dass eine Generation mit im Arbeitsleben steht, die nicht mit Computern aufgewachsen ist. Diese Generation tut sich in der heutigen Arbeitswelt, in der es immer weiter, höher und schneller gehen soll, bisweilen schwer.

Fazit

Auch wenn sich das japanische Ikigai-Modell nicht zu 100% auf unsere westlichen Gegebenheiten anwenden lässt, so ist es doch eine große Hilfe und Unterstützung. Es kann hilfreich sein, uns beruflich selbst zu finden. Das Ikigaimodell zeigt uns auf, welche Arbeiten uns nicht nur einen grauen Alltag bescheren.

Denn zur beruflichen Zufriedenheit gehört auch, dass wir morgens gerne arbeiten gehen. Es ist auf Dauer nicht gesund, bei der Arbeit unglücklich oder unzufrieden zu sein. Erfreulicherweise hilft uns diese Methode sogar dabei, berufliche Überlastung zu erkennen und rechtzeitig die Notbremse zu ziehen.

Das Computerzeitalter ist eine tolle, spannende Zeit, aber es verlangt uns in Bezug auf Arbeit bisweilen auch eine ganze Menge Einsatz und Engagement ab. Mit diesem fernöstlichen Konzept für ein Lebens- und Arbeitsmodell wird es leichter, beizeiten zu erkennen, ob eine Arbeit uns überlastet oder unglücklich macht. Berufliches Glück sollte keinesfalls unterschätzt werden, wenn wir gesund und zufrieden bleiben oder es wieder werden wollen.

Diese Lebensphilosophie eignet sich zur Beantwortung einer jeden Frage. Allerdings müssen wir diese Antworten alle selbst finden. Das Ikigai-Modell gibt nur die Tools an die Hand, aber es verlangt auch aktives und tiefes Nachdenken.

Es gibt zwar in der westlichen Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie ähnliche Modelle, aber keines ist so einfach und gleichzeitig so genial wie dieses Tool. Wir müssen herausfinden, wofür wir arbeiten, denn das Geldverdienen kann auf Dauer nicht der einzige Grund für die Berufswahl sein.

Der richtige Arbeitsplatz ist so viel mehr als die Einnahmequelle, die unseren Lebensunterhalt und den unserer Familien sichert. Diese Methode der Selbstfindung ist also absolut zu empfehlen und sie kann in jedem Lebensalter angewandt werden, um sich beruflich neu zu orientieren.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.