Männer pendeln länger zur Arbeit als Frauen

Männer pendeln länger zur Arbeit als Frauen

News | 14.03.2024

Männer in Vollzeitbeschäftigung pendeln länger zur Arbeit als vollzeitbeschäftigte Frauen. Das hat auch mit den unterschiedlichen Berufen von Männern und Frauen zu tun.

Die unterschiedliche Berufswahl bei Männern und Frauen wirkt sich auch auf die zum Pendeln zurückgelegte Strecke und dementsprechend auch auf die Pendelzeit aus. Während Männer im Jahr 2017 durchschnittlich 13,4 Minuten zur Arbeit benötigten, waren es bei Frauen nur 11,6 Minuten. Das liegt an den unterschiedlichen Entfernungen zwischen Wohn- und Arbeitsort bei Männern und Frauen. Die Zahlen basieren auf der IAB-Beschäftigten-Historik (BeH). Für diese wurde eine Stichprobe von sechs Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2017 verwendet.

Unterschiedliche Berufswahl bei Männern und Frauen als Ursache

Ein Grund für die unterschiedlichen Pendelzeiten sind die unterschiedlichen Berufswahlen bei Männern und Frauen. So gibt es zum Beispiel in den medizinischen und nicht medizinischen Gesundheitsberufen wie zum Beispiel Krankenschwester oder Pflegefachkraft einen Frauenanteil von 73 Prozent. Diese Berufe weisen eine unterdurchschnittliche Pendelzeit auf, weil sie nahezu in allen Regionen vorhanden sind und damit weite Pendelwege in der Regel entfallen.
Wie es im Beitrag des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) dazu heißt, wählen Frauen, die erwarten, später vorrangig Familienverpflichtungen zu übernehmen, eher regionale Berufe.

Mit zunehmendem Alter steigt die Pendelzeit bei Männern und sinkt bei Frauen

Ein weiterer Unterschied zwischen Männern und Frauen im Berufsleben ist, dass die Pendelzeit von Männern mit zunehmendem Alter ansteigt, während sie bei Frauen sinkt. Frauen arbeiten außerdem häufiger in Kleinbetrieben. Hier ist die Pendelzeit in der Regel geringer als bei Beschäftigten größerer Betriebe. Zudem ist der positive Zusammenhang zwischen dem erzielten Arbeitsentgelt und der Pendelzeit bei Männern stärker ausgeprägt als bei Frauen.

Und: Frauen leben und arbeiten häufiger in einer städtischen Region. Dagegen pendeln Männer mehr in ländlichen Regionen. Dabei sind die Pendelstrecken auf dem Land in der Regel weiter als in der Stadt.

Mehr Flexibilität für Frauen schaffen

Die kürzeren Pendelstrecken und Pendelzeiten von Frauen scheinen ein Symptom für ein bekanntes Phänomen zu sein: Frauen arbeiten häufiger in Jobs mit einer geringeren Bezahlung und machen seltener Karriere als Männer. Um Frauen zu fördern und ihnen eine Tätigkeit in weiter entfernten Betrieben zu ermöglichen, sind bessere Rahmenbedingungen nötig. Hier ist in erster Linie eine bessere und flächendeckende Ganztagsbetreuung in Kitas und Grundschulen zu nennen. Auch die Möglichkeit zur Arbeit im Homeoffice oder zum hybriden Arbeiten kann eine Alternative sein. Und nicht zuletzt können Verbesserungen bei der Mobilität auf dem Land für mehr Flexibilität sorgen. Dazu gehört insbesondere ein besseres ÖPNV-Angebot.

 

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Dr. Hans-Peter Luippold

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und LinkedIn.