Welche Modelle für die Teilzeitarbeit gibt es?

Über die Hälfte der erwerbstätigen deutschen Frauen arbeiten in Teilzeit, bei den Männern ist es etwa ein Fünftel. Tendenziell entscheiden sich immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für das Teilzeitmodell, für das es mehrere Arbeitszeitlösungen gibt. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie solche Lösungen aussehen können.

Was bedeutet Teilzeitarbeit?

Allen Möglichkeiten der Teilzeit haben eines gemeinsam: Die Wochenarbeitszeit liegt unter der von Vollzeitbeschäftigten. Ein oft anzutreffendes Modell ist die 20-Stunden-Woche, doch es gibt weitaus mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer profitieren von den Teilzeitmodellen, wenn diese im Konsens vereinbart werden. Sie gelten als wichtiges Instrument für mehr Familienfreundlichkeit und Arbeitgeber-Attraktivität. Auch wirtschaftlich sind sie interessant. Die rechtlichen Aspekte finden sich im Teilzeit- und Befristungsgesetz. Wir wollen uns im Folgenden die Varianten der Teilzeitarbeit anschauen.

Klassische Teilzeit

Bei diesem Modell wird die tägliche Arbeitszeit gleichmäßig reduziert. Die Länge und die Dauer der Arbeitstage sind festgelegt. So könnte eine Angestellte im Büro immer von Montag bis Freitag von 8.30 bis 13.30 Uhr arbeiten.

Variable Teilzeit

Hierbei ist die Arbeitsverteilung bei einer reduzierten wöchentlichen Arbeitszeit variabel. Ein Beispiel wäre die Verkäuferin im Einzelhandel, die wöchentlich 20 Stunden arbeitet. Diese 20 Stunden könnten für einzelne Wochentage verbindlich festgelegt werden, also beispielsweise montags und dienstags je acht Stunden, donnerstags vier Stunden, sie könnten aber auch je nach Arbeitsanfall flexibel auf einzelne Wochentage verteilt werden. Die Verkäuferin könnte am Montag acht Stunden, am Dienstag vier Stunden und entweder am Samstag oder am Donnerstag (je nach Bedarf) nochmals acht Stunden arbeiten.

Saisonale Teilzeit

Bei reduzierter durchschnittlichen Wochenarbeitszeit arbeiten die Beschäftigten der Saison entsprechend in Voll- oder Teilzeit. Dieses Modell kommt unter anderem in der Landwirtschaft und in der Gastronomie zum Einsatz.

Der oder die Beschäftigte könnte 32 Stunden pro Woche in einem Restaurant mit Biergarten arbeiten. Im Sommer ist der Biergarten voller Gäste, im Winter wird nur innen bedient. Daher arbeitet die Person von Mai bis August pro Woche 42 Stunden und häuft damit 160 Überstunden an, die sie im Januar bis April ausgleicht: In diesen Monaten arbeitet sie nur 22 Wochenstunden. Ab September bis Dezember leistet sie regulär 32 Stunden wöchentlich.

Vollzeitnahe Teilzeitarbeit

Ab 30 Stunden pro Woche nähert sich die Teilzeit der Vollzeit an und wird dementsprechend bezeichnet. Der Teilzeitumfang ähnelt eher einer Vollzeitstelle als der 50-Prozent-Teilzeit. Viele Betriebe und ihre Beschäftigten streben dieses Modell an, weil es die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehr fördert.

Auf der vollzeitnahen Teilzeitstelle können unter anderem Fach- und Führungskräfte ihren anspruchsvollen Aufgaben nachgehen, ohne die Familie allzu sehr zu vernachlässigen. Das Modell lässt sich zum Beispiel mit einer Vier-Tage-Woche realisieren, von der auch ältere Beschäftigte profitieren würden. Für Führungskräfte wird das Modell in anderen EU-Staaten schon rege praktiziert, Deutschland liegt bei der Umsetzung leider zurück.

So könnte eine Führungskraft in einem Entwicklungsbüro wöchentlich 32 Stunden arbeiten, was 80 % Vollzeit entspricht, und sich dabei die Arbeitszeit relativ frei einteilen. Situativ würde sie entscheiden, ob sie eher sechs Stunden pro Tag an vier Tagen und acht Stunden am fünften Tag oder acht Stunden an vier Tagen arbeiten möchte. Bestimmte Arbeitszeitroutinen pendeln sich meistens ein. Wenn in einer Familie beide Eltern dieses Modell wählen, kann das zu einer ausgezeichneten Situation mit viel Freizeit und dennoch einem ausreichenden Verdienst führen.

Teilzeit in Schichtarbeit

In Schichtarbeit ist die Teilzeit nicht einfach zu realisieren, möglich sind aber auch solche Modelle. Es hat sich dabei herausgestellt, dass eine komplett freie Schicht zwischendurch besser einzuplanen ist als die Reduktion der Arbeitszeit pro Schicht. Dennoch ist bei der Umsetzung Kreativität gefragt. Mögliche Ansätze können sein:

  • zusätzliche Freischichten
  • Job-Sharing (zwei Beschäftigte teilen sich den Arbeitsplatz)
  • zusätzliche Mittelschicht mit entsprechend reduzierter Arbeitszeit
  • geringere Schichtstärken in Zeiten geringerer Auslastung, so nachts oder am Wochenende

Vorteile der Teilzeitarbeit für Arbeitgeber

Dass die Arbeitnehmer von Teilzeitregelungen profitieren, ist unbestritten. Doch welche Vorteile ergeben sich eigentlich für die Arbeitgeber? Diese sind größer, als man vermuten könnte. So können die Betriebe mit Teilzeitmodellen ihre natürlichen Auftragsschwankungen ausgezeichnet ausgleichen. Das beste Beispiel liefert hierfür die saisonale Teilzeit.

Außerdem arbeiten die Beschäftigten in der kürzeren Arbeitszeit deutlich effizienter, der Krankenstand sinkt, es wird pro Zeiteinheit mehr geleistet.

Teilzeitregelungen ziehen gute Fach- und Führungskräfte an. Die höchsten Leistungen vollbringen die meisten Menschen zwischen dem 28. und 39. Lebensjahr. Das ist aber auch die Lebenszeit, in welcher sie in ihre Familie mit jüngeren Kindern vollends eingebunden sind. Durch ein Teilzeitmodell entfällt für sie die schwierige Entscheidung zwischen Beruf und Karriere. Gerade Frauen, die ausgezeichnete Fach- und Führungskräfte sein können, werden dadurch zu sehr wertvollen Mitarbeiterinnen.

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Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.