Einschlägige Berufserfahrung: Was bedeutet sie und wann ist die Anforderung erfüllt?

Einschlägige Berufserfahrung: Was bedeutet sie und wann ist die Anforderung erfüllt?

Wenn ein Arbeitgeber ein Stellenangebot unterbreitet, enthält es oft den Hinweis, dass "einschlägige Berufserfahrung erforderlich" ist Diese Formulierung kann verwirrend sein, denn es ist nicht immer klar, welche konkreten Anforderungen damit gemeint sind. Was die Bezeichnung konkret bedeutet, für welche Berufsgruppen sie besonders relevant ist und warum Arbeitgeber sie so wichtig ist, lesen Sie in diesem Artikel.

Anforderung an die Bewerber: „einschlägige Berufserfahrung“

Rund zwei Drittel aller Arbeitnehmer wechseln bis zu fünfmal in ihrem Leben ihre Anstellung in einem Unternehmen. Sind Sie derzeit auf Jobsuche und lesen Sie immer wieder die Anforderung der einschlägigen Berufserfahrung? Für Recruiter und Führungskräfte ist der Begriff effektiv und wertvoll: Doch nicht jeder Bewerber kann mit dieser Stellenanforderung etwas anfangen. Wie definiert sich die einschlägige Berufserfahrung konkret und gibt es dazu Richtlinien, um beim Bewerbungsgespräch nicht ins Fettnäpfchen zu treten?

Der folgende Artikel hilft Ihnen dabei, den Begriff besser zu verstehen und vermittelt Ihnen das nötige Wissen dazu.

Was bedeutet „einschlägige Berufserfahrung“?

Die einschlägige Berufserfahrung ist keine bloße Floskel, wie es viele Arbeitnehmer vermuten. Gerade Berufseinsteiger erstarren bei den Worten, denn nach einem absolvierten Studium oder nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung gibt es wenig Praxiserfahrung. Lediglich ein Praktikum können die meisten Berufseinsteiger vorweisen.

Eines sei vorweg gesagt: Lassen Sie sich nicht abschrecken von der Stellenanforderung, die im Normalfall eine Wunschvorstellung ist. Das gilt vor allem für frische Absolventen, die kaum Erfahrung im Job vorweisen können.

Es gibt verschiedene Abstufungen, um Bewerber mit allen beruflichen Qualifikationen mit den entsprechenden Erfahrungen mit einzubeziehen und um sie besser zu vergleichen.

Danach richtet sich häufig auch das Gehalt, denn ein Bewerber mit geringen beruflichen Erfahrungen ist für das Unternehmen nicht so wertvoll wie ein qualifizierter oder sogar überqualifizierter Bewerber. Dennoch sind auch Menschen mit geringer Qualifikation erwünscht, da sie frischen Wind hineinbringen und weniger kosten.

Was zählt als einschlägige Berufserfahrung?

Hierzu zählen Fachwissen und Können, die Sie in Ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn erworben haben. Anhand der vorangegangenen Tätigkeiten haben Sie sich das Wissen angeeignet, um die ausgeschriebene Stelle eigenständig und gut auszuüben.

Die Formulierung setzt voraus, dass die bisherige Tätigkeit auf einem gleichen Niveau ist wie die neue, für die Sie sich bewerben. Das macht es zum einen für Personaler einfach, einen passenden Kandidaten zu finden. Zum anderen ist es für die Bewerber gut, um sich von der besten Seite zu zeigen. Bringen Sie Ihre wichtigsten Qualifikationen mit im Vorstellungsgespräch ein, indem Sie auf die im Lebenslauf und Anschreiben aufgeführten Erfahrungen hinweisen.

Warum ist den Arbeitgebern einschlägige Berufserfahrungen so wichtig?

Die Anforderung in der Stellenausschreibung hat vor allem den Zweck, erste Bewerber herauszufiltern. Denn der feststehende Ausdruck hat eine erste abschreckende Wirkung auf jene, die nicht selbstbewusst sind oder die sich schnell überfordert fühlen.

Darüber hinaus werden mit dieser Formulierung alle Bewerber angesprochen: Das gilt sowohl für solche mit als auch für solche ohne Berufserfahrung. Im Idealfall verfügen die Kandidaten über die gewünschte Arbeitserfahrung für die Tätigkeit, sodass das Arbeitsverhältnis erleichtert wird.

Versetzen Sie sich einmal in die Situation des Personalchefs: Mit einem unerfahrenen Bewerber darf er nicht viel erwarten, sodass er mehr Zeit für die Einarbeitung in die Tätigkeit benötigt. Das kostet Zeit und die ist bekanntlich teuer.

Verfügt der Arbeitnehmer aber über die entsprechende Berufserfahrung, ist das Arbeitsverhältnis für ihn wesentlich angenehmer. Er kann sich darauf verlassen, dass der Arbeitnehmer sofort in seine Tätigkeit einsteigt und diese zuverlässig ausübt.

Aus diesem Grund schreiben viele Arbeitgeber in die Bewerbung zur einschlägigen Berufserfahrung auch den Zusatz "von Vorteil". Dann können Sie davon ausgehen, dass auch Ihre Bewerbung mit geringer Berufserfahrung akzeptiert und gelesen wird.

Einschlägige Berufserfahrung bei Jobs nach TVöD

Die klare Abgrenzung der einschlägigen Berufserfahrung ist nicht immer gegeben. Um auf Nummer sicher zu gehen, lesen Sie sich die Regelung §16 des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst - kurz TVöD - einmal durch. Darin ist die konkrete Definition, die den Begriff bestens erklärt, beschrieben.

Für Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst gilt also eine klare Definition, was diesen Grad der Berufserfahrung ausmacht. Im öffentlichen Dienst ist er vor allem entscheidend hinsichtlich der Einordnung in eine bestimmte Entgeltgruppe, für die es, je nach Berufserfahrung, unterschiedliche Stufen gibt.
Für alle anderen ist diese Anforderung lediglich eine Äußerung, um sich in der Stellenausschreibung deutlicher auszudrücken. Eine Stufenzuordnung der Beschäftigten nach festen Entgeltgruppen gibt es hier in der Regel nicht, es gibt aber Arbeitgeber, die sich an den Kriterien des TVöD orientieren. Sollte dies der Fall sein,wird dies und die jeweilige Entgeltgruppe in der Stellenanzeige in der Regel mit angegeben.

Welche Grade an Berufserfahrung werden außerdem häufig von Unternehmen gefordert?

Um allen Bewerbern gerecht zu werden, gibt es verschiedene Abstufungen.

Erste Berufserfahrung

Diese Formulierung richtet sich vor allem an Berufseinsteiger: Sie können erste Erfahrungen als Werkstudent oder in Praktika erworben haben, die für den Arbeitgeber von Vorteil sind.

Allgemeine Berufserfahrung

Diese Anforderung richtet sich ebenfalls an Berufseinsteiger, die mehr als nur Werkstudententätigkeit oder Praktika absolviert haben. Sie kennen sich mit den Prozessen im Unternehmen aus und wissen sofort, wie sie die Tätigkeit ausüben müssen.

Einschlägige Berufserfahrung

Hierbei ist es wichtig, dass Sie bereits relevante Erfahrungen in einem Unternehmen gemacht haben. Die Qualifikation, die Sie damit erworben haben, ist für die ausgeschriebene Tätigkeit wichtig.

Fundierte Berufserfahrung

Bei dieser Anforderung sucht der Arbeitgeber nach einem Arbeitnehmer, der über fundiertes Fachwissen verfügt. Das hat er sich in mehreren Jahren in einem oder in mehreren Unternehmen angeeignet und er hat die entsprechenden Fortbildungen dafür absolviert. Praktika und eine Werkstudententätigkeit sind von dieser Formulierung ausgeschlossen. Es wird als tiefergehendes Wissen vorausgesetzt.

Mehr- oder langjährige Berufserfahrung

Bei dieser Formulierung ist der Zeitfaktor entscheidend für den Arbeitgeber: Wie lange hat die Person die gleiche Tätigkeit ausgeübt und welche zusätzlichen Qualifikationen hat sie in der Zeit erworben? Diese Bezeichnungen gelten vor allem für Ausschreibungen als

  • Senior-
  • Filial-
  • oder Projektleiter.

So leisten Sie einen Nachweis für Ihre einschlägige Berufserfahrung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um einen Nachweis über Ihre Tätigkeit zu erhalten. Wichtig ist immer, dass Sie sich alles dokumentieren lassen.

  • Im Arbeitszeugnis,
  • in einem Praktikumszeugnis,
  • einen Auslandsaufenthalt
  • oder zusätzliche Qualifikationen durch Fort- oder Weiterbildungen

sollten immer mit Ort und Datum abgezeichnet werden.

Nachweis im Lebenslauf

Geben Sie im Lebenslauf die wichtigen Stationen in Ihrem Leben an. Dazu zählen zum Beispiel

  • Schulpraktika,
  • Ausbildung oder Studium,
  • Praktika,
  • Werkstudententätigkeiten
  • oder Volontariate.

Nachweis im Anschreiben

Im Anschreiben gehen Sie näher auf Ihre Erfahrungen ein und beziehen diese auf die Stellenausschreibung. So ziehen Sie den bekannten roten Faden, sodass Sie im Bewerbungsgespräch besser darauf eingehen können.

Was ist, wenn ich nicht über die geforderte einschlägige Berufserfahrung verfüge?

Wenn Sie nicht über die geforderten Berufserfahrungen verfügen, ist es in den meisten Fällen nicht weiter tragisch. Das gilt vor allem dann, wenn die Einstufung der

  • ersten,
  • geringfügigen
  • oder allgemeinen Berufserfahrungen

die Rede ist. Dann können Sie sich meistens auf die Stelle bewerben, ohne angewiesen zu werden. Anders sind es mit Berufserfahrungen aus, die mehr- oder langjährig sein sollen.

Im Übrigen ist es nie zu spät, die entsprechenden Berufserfahrungen zu sammeln. Das können Sie sowohl im Unternehmen als auch im Privaten erreichen. Selbst im höheren Alter sind

  • dreimonatige Auslandsaufenthalte,
  • Kurse an der Volkshochschule oder der Universität
  • sowie Weiterbildungen, die durch das Arbeitsamt gefördert werden,

lohnenswert. Damit zeigen Sie, dass Sie eine gute Einstellung haben und dass Sie sich auf jeden Fall einbringen möchten. Nutzen Sie die Zeit als Arbeitsloser, Absolvent oder für den Übergang, um neue Erfahrungen neben dem Bewerbungsprozess zu machen.

Fazit: Trotz fehlender oder geringer Berufserfahrung bewerben

Die einschlägige Berufserfahrung ist von Anfang an im Berufsleben wichtig. Dennoch sollten Sie nicht verzagen, wenn Sie bislang über minimale Erfahrungen verfügen.

Gehen Sie mit einer positiven Einstellung heran und versuchen Sie es doch einmal bei einem Unternehmen, das zu Ihnen passt.

Sammeln Sie so viel Fachwissen und Erfahrung, um beim potenziellen Arbeitgeber bei jeder neuen Jobsuche zu punkten. Das können Sie bereits in jungen Jahren erreichen, indem Sie

  • ein Praktikum absolvieren,
  • eine Werkstudententätigkeit ausüben
  • oder einen Auslandsaufenthalt unternehmen.

So punkten Sie auch als Berufseinsteiger und erhalten die Chance, sich im Vorstellungsgespräch gegen Mitbewerber mit mehr Erfahrung zu beweisen.

 

Einschlägige Berufserfahrung: DIE WICHTIGSTEN FRAGEN IN KÜRZE BEANTWORTET 

Antworten auf die wichtigsten Fragen auf einen Blick:

Was zählt als einschlägige Berufserfahrung?

Einschlägige Berufserfahrung ist jede Arbeit oder ehrenamtliche Tätigkeit, die Sie in der Vergangenheit ausgeübt haben und die für die Stelle, auf die Sie sich bewerben, relevant ist. Wenn Sie sich beispielsweise für eine Stelle als Lehrerin oder Lehrer bewerben, wäre jede Tätigkeit, bei der Sie mit Kindern gearbeitet oder unterrichtet haben, einschlägige Berufserfahrung.

Was bedeutet einschlägige Berufserfahrung für die Entgeltgruppen nach TVöD?

Einschlägige Berufserfahrung ist nach §16 TVöD ein Faktor für die Einteilung in eine der dort genannten Entgeltgruppen.

Wann verfüge ich über "erste Berufserfahrung"?

Erste Berufserfahrungen hat, wer bereits als Werkstudent oder in Praktika Erfahrungen erworben hat, die für den angestrebten Job von Vorteil sind.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.