Festanstellung: Was ist ein Normalarbeitsverhältnis?

Festanstellung: Was ist ein Normalarbeitsverhältnis?

Immer wieder wechselnde Arbeitsplätze, fortlaufende kräftezehrende Bewerbungen um einen neuen Job und finanzielle Unsicherheiten können psychisch belasten und einiges an Lebensqualität nehmen. Deswegen ist die klassische Festanstellung auch im 21. Jahrhundert immer noch sehr beliebt und wird von den meisten Arbeitnehmern angestrebt. Zu Recht? Wir klären auf.

Ist der richtige Job erst einmal gefunden, wollen viele nicht mehr um diesen bangen und wünschen sich umso mehr Sicherheit. Denn ein regelmäßiges Einkommen ist für viele Grundlage für eine sichere und lebenswerte Existenz. Fixkosten, Lebenshaltungskosten und alle sonstigen finanziellen Ausgaben wollen problemlos abgedeckt sein. Mit einer unbefristeten Festanstellung schaffen sich die meisten ein stabiles Fundament für ihre Zukunft.

Aber die Realität auf dem Arbeitsmarkt sieht oftmals anders aus. Befristete Arbeitsverhältnisse sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Potenzielle Mitarbeiter laufen von einer Personalvermittlung zur nächsten. In vielen Branchen werden Arbeitnehmer austauschbar und Firmen wollen sich nicht an festes Personal binden. Eine Festanstellung ist deshalb oft heiß begehrt. Weil sie als besonders existenzsichernd gilt, ist sie für den Großteil der Angestellten das Nonplusultra.

BEGRIFFSDEFINITION: FESTANSTELLUNG

Unter dem Begriff der Festanstellung wird verstanden, dass sich sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber für unbestimmte Zeit vertraglich aneinander binden. Das geschlossene Arbeitsverhältnis wird als unbefristet deklariert, was bedeutet, dass das Arbeitsverhältnis nicht zu einem bestimmten, vertraglich geregelten Zeitpunkt endet, der Arbeitnehmer nicht ohne weiteres gekündigt werden kann und beide Parteien eine vereinbarte oder gesetzlich geregelte Kündigungsfrist einhalten müssen. Üblicherweise wird solch ein Arbeitsverhältnis auch als Normalarbeitsverhältnis bezeichnet.

Nicht befristete Arbeitsverhältnisse gewährleisten dem Arbeitnehmer einen dauerhaften Verbleib im Unternehmen.

„FESTEINSTELLUNG“ ODER „FESTANSTELLUNG“?

Wenn Sie als Arbeitnehmer von einem unbefristeten Arbeitsverhältnis sprechen, dann ist immer eine Festanstellung gemeint. Der Umfang der Arbeitszeit ist dabei irrelevant. Ein Beschäftigungsverhältnis in Teilzeit kann genauso gut eine Festanstellung sein wie ein Job in Vollzeit.

Aus Sicht eines Arbeitgebers wird hingegen oftmals von einer Festeinstellung gesprochen. Bereits bei der Stellenausschreibung legen die meisten Arbeitgeber sich fest, ob sie jemanden fest einstellen wollen oder zunächst nur eine befristete Anstellung anbieten.

Eine Festanstellung meint nicht, dass es sich ausschließlich um ein Beschäftigungsverhältnis in Vollzeit handelt. Auch diverse Teilzeitmodelle sind bei einer Festanstellung möglich. Der Trend aktuell auf dem Arbeitsmarkt heißt in vielen Berufsfeldern: Arbeitsverhältnisse in Teilzeit. Viele Arbeitnehmer wollen mehr Lebensqualität durch mehr Freizeit erreichen und verzichten stattdessen lieber auf mehr Lohn. Die Vorstellung von einem 8- oder 9-Stunden-Arbeitstag hat sich in den letzten Jahren sichtbar gewandelt.

WAS IST UNTER EINEM „NORMALARBEITSVERHÄLTNIS“ ZU VERSTEHEN?

Ein Normalarbeitsverhältnis entspricht dem Arbeitsethos unserer auf Leistung ausgelegten Gesellschaft am ehesten. Die gewöhnliche Arbeitszeit beträgt acht Stunden an fünf Tagen die Woche.

Was ein Normalarbeitsverhältnis ausmacht, sind:

  • Beschäftigung in Vollzeit
  • sozialversicherungspflichtiger Job
  • unbefristeter Arbeitsvertrag
  • stabiles monatliches Gehalt, das im Vertrag geregelt ist
  • Umfang von Arbeitszeit und Arbeitsleistung werden im Vertrag festgehalten
  • keine selbstständige Tätigkeit und keine Zeit- oder Leiharbeit

 

WAS SIND ANDERE ODER GEGENTEILIGE MODELLE ZUR FESTANSTELLUNG?

Die Zeiten ändern sich. Eine Beschäftigung in Vollzeit ist längst nicht mehr selbstverständlich. Viele Firmen ziehen alternative Möglichkeiten der Einstellung vor. Die Gründe dafür können vielfältig sein: Kostenersparnis, weniger Bedarf oder Flexibilität bei der Mitarbeiterauswahl.

Andere Möglichkeiten der Beschäftigung können sein:

  • befristetes Arbeitsverhältnis
  • geringfügige Beschäftigung
  • Zeitarbeit
  • Praktikum
  • selbstständige Beschäftigung
  • freie Mitarbeit oder Anstellung auf Honorarbasis

Diese Arbeitsverhältnisse sind entweder zeitlich befristet oder variieren in Arbeitszeit und Arbeitsumfang. Sie lassen dem Arbeitgeber mehr Spielraum.

VOR- UND NACHTEILE EINER FESTANSTELLUNG

VORTEILE

  • Langfristige Planungen sind problemlos möglich (Familie, Immobilienkauf)
  • bessere Chancen bei Kreditinstituten und Vermietern
  • keine finanziellen Lücken
  • Schutz des Arbeitnehmers durch Vertretung seiner Interessen (etwa über einen Personal- oder Betriebsrat)
  • keine Existenzängste, damit mehr Sicherheit und Stabilität
  • betriebliche Zusatzleistung
  • Sozialabgaben gewähren u.a. die Altersvorsorge
  • Kündigungsschutz nach längerer Unternehmenszugehörigkeit 
  • berufliche Entwicklung beim Unternehmen ist sehr wahrscheinlich (Karriere)
  • Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber kann wachsen
  • soziale Kontakte zu vertrauten Kollegen
  • mühselige und aufwendige Bewerbungsprozesse entfallen
  • Kontinuität im Lebenslauf

NACHTEILE

  • weniger Flexibilität durch eine dauerhafte Bindung
  • Verharren in immer derselben Tätigkeit, Möglichkeiten zur Veränderungen sind limitiert
  • fehlender Perspektivwechsel
  • keine Gehaltserhöhungen (sofern nichts im Vertrag geregelt ist)
  • Arbeitgeber und Arbeitnehmer schätzen mitunter durch Gewohnheit ihre Leistungen mit der Zeit zu wenig
  • Verlust von Motivation bei immer denselben Abläufen und Prozessen
  • feste Arbeitszeiten

IN WELCHER BRANCHE SIND UNBEFRISTETE ARBEITSVERTRÄGE DIE REGEL?

Ganz klar: Der Bedarf bestimmt die Nachfrage und damit auch die Art der Anstellung. Unbefristete Arbeitsverhältnisse finden Sie vor allem in handwerklichen Berufen, weil es hier an Fachkräften mangelt und junge Leute kaum noch gewillt sind, diese Berufe zu erlernen. Mittelständische Betriebe bieten zudem bevorzugt Festanstellungen an. Sie wollen ihr Personal behalten und möglichst wenig Fluktuation im Betrieb haben. So können Sie besser langfristig planen.

Auch in der Dienstleistungsbranche haben Sie gute Chancen auf unbefristete Jobs. Manche Firmen suchen händeringend nach ambitioniertem und kompetentem Personal. In den Bereichen Pflege und Soziales sowie im Verkauf und Finanzwesen wird ebenfalls ein Großteil der ausgeschriebenen Jobs unbefristet angeboten. Auch im öffentlichen Dienst tun sich mittlerweile viele Möglichkeiten für externe Mitarbeiter auf, denn die Nachfrage an Fachkräften war lang nicht mehr so hoch wie aktuell.

Schwieriger wird es hingegen, wenn Sie eine Stelle im Lager suchen. Diese Stellen werden vorzugsweise nur über Zeit- oder Leiharbeit angeboten. Die offenen Jobs sind meistens zeitlich begrenzt, sie erhalten Sie üblicherweise nur über eine Personalvermittlung. Diese schließt dann auch mit Ihnen den Arbeitsvertrag ab. Wer Glück hat und sich durch sehr gute Leistungen hervorhebt, hat die Chance auf eine Festanstellung beim Arbeitgeber direkt.

Projektbezogene Stellen, zum Beispiel im Management, in der Wissenschaft und Forschung oder in den Bereichen Medienkommunikation und Marketing sind meistens ebenfalls befristet. Wer hier eine Festanstellung ergattert, kann sich glücklich schätzen. Ähnlich sieht es in den Branchen Bildung und Personalwesen aus.

GIBT ES EIN RECHT AUF FESTANSTELLUNG?

Wenn ein Arbeitsvertrag befristet ist, endet das Arbeitsverhältnis, ohne dass es einer Kündigung bedarf. Sie haben als Arbeitnehmer erstmal kein Recht auf eine Festanstellung, weder im öffentlichen Dienst noch in der freien Marktwirtschaft. Im Vertrag muss jedoch zwingend die Befristung erwähnt sein.

KEINE KETTENBEFRISTUNG

In der Praxis ist es nicht unüblich, dass Arbeitgeber immer wieder nur befristet einstellen oder einen Mitarbeiter nach oder kurz vor Auslauf eines befristeten Arbeitsvertrages zwar eine Verlängerung des Arbeitsverhältnisses anbieten, dieses jedoch auch wieder befristet ist. Diese Aneinanderreihung an befristeten Arbeitsverträgen nennt sich Kettenbefristung und ist nur in einem bestimmten Rahmen zulässig. So muss für die Befrsitung zwingend ein sachlicher Grund vorliegen. Andernfalls darf ein Arbeitsverhältnis maximal zwei Jahre insgesamt befristet werden. Geht 

Sachliche Gründe können zum Beispiel sein:

  • Elternzeitvertretung
  • Krankheitsvertretung
  • begrenzte Haushaltsmittel des Arbeitgebers
  • zeitliche befristete Projektarbeit

Andernfalls darf ein Arbeitsverhältnis in der Regel maximal zwei Jahre insgesamt befristet werden. Danach kann der Arbeitnehmer bei seinem Arbeitnehmer auf Festanstellung klagen.

AB WANN MUSS EIN BEFRISTETES ARBEITSVERHÄLTNIS ENTFRISTET WERDEN?

Das Arbeitsrecht ist manchmal kompliziert. Manche befristeten Arbeitsverträge beinhalten auch unzulässige Klauseln. Auch dann können Sie als Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine Festanstellung haben. Im Notfall sollten Sie immer eine Rechtsberatung aufsuchen. Es kann sich für Sie lohnen.

Besser ist es in jedem Fall aber, eine Festanstellung oder Entfristung im Gespräch mit dem Arbeitgeber zu erreichen. Und mit einer guten Arbeitsleistung zu überzeugen.

GUTEN CHANCEN AUF EINE FESTANSTELLUNG – WAS MÜSSEN SIE TUN?

Die Chancen für ein unbefristetes Arbeitsverhältnis stehen gut, wenn Sie eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung absolviert haben oder einen Studienabschluss nachweisen können. Denn nachweislich bekommen gelernte Fachkräfte schneller einen unbefristeten Vertrag. In Zeiten von Fachkräftemangel und Personalfluktuation ringen viele Arbeitgeber um gut ausgebildete und qualifizierte Mitarbeiter für ihre Unternehmen. Sie werben deshalb mit einem lukrativen Gehalt, zusätzlichen Leistungen oder Boni und Festanstellungen bei der Suche nach geeigneten Bewerbern. Hilfsarbeiter hingegen müssen öfter damit rechnen, dass ihnen Jobs wegen deren Qualifikationsdefiziten nur zeitlich begrenzt angeboten werden. Fachkräfte und Akademiker sind meistens im Vorteil bei der Suche nach einem adäquaten Normalarbeitsverhältnis.

DER WEG ZUM UNBEFRISTETEN ARBEITSVERTRAG - TIPPS, UM DEN ARBEITGEBER VON EINER FESTANSTELLUNG ZU ÜBERZEUGEN

Natürlich sind immer auch Faktoren wie Arbeitsmarkt, Wirtschaftsleben und Branche ausschlaggebend, ob Sie als Arbeitnehmer gute Chancen auf eine Festanstellung haben oder eher nicht. Hierauf können Sie wenig Einfluss nehmen. Sie können aber bei der Jobsuche mit diesem Wissen gezielter vorgehen, indem Sie von vornherein suggerieren, für Weiterbildungsangebote offen zu sein. Vermitteln Sie auch, dass sie ein langfristiges Arbeitsverhältnis anstreben und untermalen Sie diese Aussage mit entsprechendem Engagement im Unternehmen. Beweisen Sie Ihrem Arbeitgeber, dass es sich für ihn lohnt, Sie als Arbeitskraft dauerhaft zu halten.

Zeigen Sie hohen Einsatz für das Unternehmen, glänzen Sie mit Kreativität und bringen Sie Ideen ein. So können Sie es von einer befristeten Beschäftigung zu einer Festanstellung schaffen.

NETZWERKARBEIT IST ANGESAGT

Nutzen Sie Kontakte innerhalb des Unternehmens und halten Sie Augen und Ohren offen. Viele unbefristete Jobs werden nur intern ausgeschrieben. Nicht selten werden die gewünschten Kandidaten schon im Vorfeld bestimmt. Auch Kollegen, die bereits lange Zeit zum Unternehmen gehören, wissen manchmal mehr und können sich für Sie einsetzen, indem sie Empfehlungen in der Chefetage aussprechen. Pflegen Sie deshalb Ihr kollegiales Netzwerk und integrieren Sie sich im Team.

Versuchen Sie, zu allen Kollegen, unabhängig von Sympathie, ein kollegiales Verhältnis aufzubauen. Das kann helfen, aus einem befristeten Job ein Normalarbeitsverhältnis zu machen. Also stellen Sie sich nicht nur mit Ihrem Chef gut, sondern immer auch mit Ihrem Team. Im Idealfall brauchen Sie dann gar keine Personalvermittlung mehr.

BILDUNG SIEGT!

„Erfolg bedingt lebenslanges Lernen.“ (Robert Schumann)

Bilden Sie sich fortlaufend weiter, im kleinen wie im großen Rahmen. Ruhen Sie sich nicht auf Ihren Lorbeeren aus. Das Wissen aus Ihrer Ausbildungszeit wird irgendwann nicht mehr genügen und die Konkurrenz schläft nicht. Bleiben Sie also up to date und verharren Sie nicht in der Position, die Sie haben. Dienst nach Vorschrift ist eine bodenständige Sache. Wenn Sie aber mehr als das zu leisten bereit sind, klappt es auch mit einer Festanstellung.

NICHTS IST SO BESTÄNDIG WIE VERÄNDERUNG

Zu guter Letzt: Bleiben Sie flexibel. Manche Unternehmen haben unterschiedliche Firmensitze, ein Wechsel sollte niemals gänzlich ausgeschlossen werden. Vielleicht ist eine unbefristete Stelle in einem anderen Firmensitz schneller möglich. Verharren Sie nicht in Mustern und Abläufen, sondern suchen Sie auch selbst neue Herausforderungen. Zeigen Sie sich offen gegenüber neuen Konstrukten wie zum Beispiel Homeoffice. Dann helfen Sie dem Arbeitgeber, sich schneller für Sie als festen Arbeitnehmer zu entscheiden.

LAST BUT NOT LEAST

Wirtschaftskrise, schwankender Arbeitsmarkt und Personalabbau verstärken bei vielen Arbeitnehmern den Wunsch nach einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis. Wer sich nicht permanent auf Jobsuche begeben will, für den ist eine Festanstellung das Nonplusultra in der Arbeitswelt.

Aber auch wenn Arbeitnehmer vorerst nur einen unbefristeten Vertrag erhalten, so stehen die Chancen gut, daraus eine Festanstellung zu machen. Wem das zu aufwendig oder zu nervenaufreibend ist und wer nicht ewig auf eine Entfristung hoffen möchte, dem wird empfohlen, sich ausschließlich auf Stellenangebote mit Festanstellung zu bewerben.

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Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.