Jahresgespräch: Chance für objektive Beurteilung

Jahresgespräch: Chance für objektive Beurteilung

Bei Mitarbeitern ist Jahresgespräch nur mehr oder weniger beliebt, einige fürchten es regelrecht. Das ist nur bedingt begründet. Zwar werden auch Kritikpunkte angesprochen, doch vorrangig soll dieses Gespräch den betreffenden Mitarbeiter fördern und motivieren.Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie dieses Gespräch für eine objektive Beurteilung und Selbsteinschätzung nutzen.

Wozu dient das Jahresgespräch?

Bei Mitarbeitern ist dieses Gespräch nur mehr oder weniger beliebt, einige fürchten es regelrecht. Das ist nur bedingt begründet. Zwar werden auch Kritikpunkte angesprochen, doch vorrangig soll dieses Gespräch den betreffenden Mitarbeiter fördern und motivieren. Es skizziert, was er zur Erreichung der Ziele seiner Abteilung und des Unternehmens beigetragen hat.

Ein Lob sollte praktisch immer enthalten sein, denn einen vollkommen nutzlosen Mitarbeiter kann es nicht geben – das Unternehmen würde ihn entlassen. Natürlich gibt es auch Verbesserungswünsche und manchmal sogar etwas herbere Kritik, doch darauf sollte ein halbwegs selbstkritischer Mensch vorbereitet sein, wenn er weiß, dass einige seiner Leistungen suboptimal ausgefallen sind.

Warum ist dieses Mitarbeitergespräch teilweise so unbeliebt?

Einige Mitarbeiter befürchten, das Jahresgespräch könne nicht auf Augenhöhe stattfinden und sei daher von vornherein unangenehm. Ob das den Tatsachen entspricht, liegt ausdrücklich am Vorgesetzten und an der gesamten Gesprächs- und Konfliktkultur im Unternehmen. Es gilt prinzipiell, Angst und Unsicherheit vonseiten der Mitarbeiter zu vermeiden, weil das beide Seiten nicht weiterbringt. Sie sollten daher als Mitarbeiter nicht allzu unruhig sein. Zwar werden Sie beurteilt, doch ein guter Vorgesetzter wird objektiv bleiben. Zudem können Sie sich direkt vorbereiten. Beachten Sie hierfür unsere folgenden Hinweise.

Ihre Rolle im Jahresgespräch

Nehmen Sie von vornherein eine selbstsichere Haltung im Gespräch ein. Das ist von überragender Bedeutung. Es geht darum, ob Sie sich lediglich als Gast im Büro Ihres Chefs fühlen und auf seine Gesprächsansätze mit Rede und Antwort reagieren oder ob Sie als gleichwertiger Gesprächspartner auftreten und daher Ihre eigene Meinung vertreten und Ihre eigenen Themen ansprechen.

Finden Sie die goldene Mitte zwischen einer Zustimmung zu den Argumenten des Chefs (auch zu einigen Kritikpunkten) und dem Vertreten einer anderen Meinung, die Sie mit Fakten belegen können. Treten Sie weder zu forsch noch zu schüchtern auf. Bleiben Sie respektvoll und sachlich.

Wenn Ihr Chef Kritik anbringt, sollten Sie überlegen, ob Ihnen dieser Kritikpunkt auch schon aufgefallen ist. Fast immer dürfte das der Fall sein. Dann können Sie sich erklären oder dem Chef beipflichten und künftige Besserung versprechen. Bei nicht nachvollziehbarer Kritik fragen Sie am Besten nach Beispielen. Diese dürften Ihnen helfen, die Sichtweise Ihres Chefs zu verstehen. Demonstrieren Sie gleichermaßen die Fähigkeit, Kritik anzunehmen und daraus zu lernen als auch unberechtigte Kritik behutsam abzuwehren.

Bedenken Sie jedoch, dass diese nur selten vorkommt – jedenfalls nicht bei kompetenten Chefs. Demonstrieren Sie Lernbereitschaft. Bieten Sie an, das angesprochene Problem ab sofort zu beobachten und an Besserungen zu arbeiten. Bitten Sie um ein neuerliches Gespräch zwecks Auswertung nach einigen Monaten.

Fähigkeit zur Selbstbeurteilung

Sie sollten sich selbst sehr genau kennen, um Ihre eigenen Interessen vertreten zu können. Daher gilt es, vor dem Jahresgespräch einige wichtige Fragen zu klären:

Wie schätzen Sie Ihre eigenen Leistungen ein? Fertigen Sie sich hierzu eine Liste mit Ihren erfolgreich umgesetzten Projekten und den erreichten Zielen an. Diese Liste dient zunächst dazu, dass Sie sich selbst Ihre Erfolge bewusst machen. Doch Sie können die Punkte auch im Jahresgespräch vortragen.

Werfen Sie einen Blick auf das vergangene Jahr zurück: Es wird immer Ergebnisse geben, mit denen Sie besonders zufrieden sein können. Doch einiges haben Sie nicht erreicht. Machen Sie sich beides bewusst. Dann fragen Sie sich, in welchen Punkten Sie sich unbedingt verbessern sollten.

Werfen Sie einen Blick nach vorn: Welche Ziele stehen kurz-, mittel- und langfristig an? Welche Projekte sollten dringend in Angriff genommen werden? Sind Änderungen an Ihrer Arbeitsweise angezeigt? Möchten Sie Fähigkeiten und Fertigkeiten verbessern? Reizen Sie neue Aufgaben?


Ihr Chef wird durch diese Selbstbeurteilung bemerken, dass Sie sich hervorragend auf das Jahresgespräch vorbereitet haben. Allein damit punkten Sie. Nehmen Sie diese Vorbereitung etwas längerfristig in Angriff, damit Sie ruhigen Gewissens in Ihr Jahresgespräch gehen können.
 

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.