Arbeitswelt 4.0: Coworking, New Work, Agiles Arbeiten & Co.

Mit dem Wandel in der Gesellschaft, der nicht zuletzt durch die digitalen Revolutionen hervorgerufen wird, verändert sich auch die Art und Weise, wie die Menschen heute ihre Arbeit wahrnehmen. Das Prinzip der klassischen 40-Stunden-Woche scheint überholt zu sein, der Ruf nach Work-Life-Balance stellt Unternehmen vor Herausforderungen und die Start-Up-Szene in den Großstädten modernisiert die Denkweisen der Arbeitswelt. Unter dem Begriff "New Work" hat der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann ein Manifest verfasst, das einen Hinweis darauf liefern könnte, wie die Arbeit der Zukunft aussieht.

New Work - was soll das sein?

Das Arbeitspapier entstand unter der Prämisse, dass mit all den Innovationen und Veränderungen in der Gesellschaft die Art und Weise, wie heute gearbeitet wird, nicht mehr zeitgemäß ist. Immer mehr Unternehmen setzen auf Digitalisierung, die Industrie verliert im Vergleich mit der Dienstleistungs-Branche an Bedeutung und auch das klassische Handwerk scheint weniger interessant für Arbeitnehmer zu sein. Daraus entstand der Gedanke einer Arbeitswelt 4.0. Der Mensch soll wieder mehr im Fokus stehen, es geht um eine höhere Effizienz und schließlich um solche Punkte wie die Work-Life-Balance in Zeiten, in denen es für junge Menschen schwer erscheint, neben der Karriere eine Familie zu gründen.

Zwar erscheinen viele Grundpfeiler aus dem Manifest in der heutigen Arbeitswelt noch utopisch, der Grundgedanke dahinter macht aber durchaus Sinn: Menschen sollen mehr Flexibilität bei der Arbeit haben, sich mit den Unternehmen identifizieren und gleichzeitig eine höhere Effizienz liefern. Beispiele dafür, wie diese neuen Konzepte aussehen können und wie bereits jetzt Ansätze von diesem Gedanken zu finden sind, finden sich vor allem in den jungen Branchen.

Wie können neue Arbeitsformen aussehen?

Die genauen Techniken sind natürlich noch ein wenig schwammig und nicht jede Form findet bei den praktischen Anwendern den Zuspruch, den sie in der Theorie haben. Es gibt allerdings einige Ansätze, die in modernen Unternehmen - besonders in Start-Ups und den Tech-Riesen aus dem Silicon Valley - bereits jetzt getestet werden. Sogenanntes agiles Arbeiten ist nur ein Beispiel dafür: Flexibel auf Herausforderungen reagieren, Ressourcen so nutzen, wie sie benötigt werden und sie nicht einfach nur freihalten. Kurzfristige Ziele, kleinere Teams, flachere Hierarchien - all diese Dinge, sollen zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit führen.

Auch die bereits angesprochene Work-Life-Balance soll mit dem neuen Konzept mehr in den Fokus rücken. Neue Arbeitsformen sollen es ermöglichen, dass die Angestellten wieder mehr Zeit für sich selbst, für die Erholung und somit zur Regeneration haben. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Arbeitsweisen nicht nur zu Burnout bei vielen jungen Menschen führen, sondern auch ein mitunter kompliziertes Privatleben hinterlassen. Konzepte wie Home-Office, Gleitzeit und "Vertrauensarbeitszeit" sind bereits jetzt fester Bestandteil in vielen Unternehmen. Das Ziel muss es sein, dass neben einer guten Karriere auch immer der Aufbau eines Privatlebens möglich ist.

Ein besonders interessantes Konzept, das in den Shared Spaces der Städte bereits jetzt genutzt wird, ist das Crowdworking. Crowdworker kommen durch gute Netzwerke und Plattformen im Internet zusammen, arbeiten an Projekten und erledigen die Aufgaben, für die ein Unternehmen sonst eine eigene Stelle schaffen müsste - in deutlich weniger Zeit. Das Konzept zieht viele junge Menschen mit einmaligen Talenten an, die diese flexible und neue Art zu Arbeiten zu schätzen wissen.

Wo werden die Menschen in zehn Jahren arbeiten?

Man mag von dem Konzept halten was man möchte - und es sind viele Schwachstellen vorhanden - aber es lässt sich kaum bezweifeln, dass sich die Art und Weise, wie gearbeitet wird, verändern wird. Der klassische Bürojob dürfte mittelfristig der Vergangenheit angehören. Desk Sharing, bei dem mit Hilfe von Modellen wie der Gleitzeit der feste Arbeitsplatz im Büro abgeschafft wird, ist nur ein Beispiel für praktische Anwendungen, die bereits heute genutzt werden. Mit Coworking, wo sich viele Freelancer ein Büro teilen und von Synergien profitieren, ist ein weiterer Ansatz. Die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, verändert sich. Die große Frage ist, in welche Richtung es geht. Kann das New-Work-Konzept ein wirkliches Manifest für die zukünftige Ausrichtung in Unternehmen sein?

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.

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