Auch der Sozialbereich bietet Potential für mobiles Arbeiten und Homeoffice

Auch der Sozialbereich bietet Potential für mobiles Arbeiten und Homeoffice

News | 11.04.2024

Remote Work und Homeoffice sind zumindest für bestimmte Tätigkeiten auch in sozialen Berufen und im Bereich der Gesundheit möglich. Allerdings wird das Potential noch nicht voll ausgeschöpft.

Mit der Corona-Pandemie haben sich die Möglichkeiten für das Arbeiten im Homeoffice und für Remote Work deutlich erweitert. Und auch im Sozial- und Gesundheitswesen gab es eine solche Entwicklung. Das berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Im Jahr 2018, also noch vor Corona, gab es demnach in jedem fünften Betrieb im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten. Damit rangierte die Branche deutlich hinter vielen anderen Wirtschaftsbereichen, in denen teilweise schon zwischen 40 und 70 Prozent der Betriebe mobiles Arbeiten ermöglichten. Und selbst in den Sozial- und Gesundheitseinrichtungen mit der grundsätzlichen Möglichkeit zum mobilen Arbeiten konnte lediglich jeder zehnte Beschäftigte diese auch in Anspruch nehmen. In anderen Branchen lag dieser Anteil mit 20 Prozent doppelt so hoch.

Nicht jede Tätigkeit ist für Remote Work und Homeoffice geeignet

Einschränkungen bei Remote Work und Homeoffice im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesen sind in der Natur vieler dort angesiedelter Tätigkeiten begründet. Die Betreuung und die Pflege von alten, kranken oder auf andere Weise hilfsbedürftigen Menschen setzt die Anwesenheit der Mitarbeiter voraus. Dennoch gibt es auch für Pflegefachkräfte, Krankenschwestern und andere Berufe in der Branche viele Tätigkeiten, die sich von unterwegs oder von zu Hause erledigen lassen. Hier sind insbesondere administrative Tätigkeiten und Dokumentationsaufgaben zu nennen, die bei vielen Beschäftigten mehr als die Hälfte bis zu zwei Drittel ihres gesamten Aufgabenumfangs ausmachen.

Möglichkeiten für Homeoffice und Remote Work in Einrichtungen der Caritas gestiegen

Als Beispiel für die Ausweitung der Möglichkeiten für Homeoffice und Remote Work im Sozialbereich nennt das IAB die Caritas. Demnach boten im dritten Quartal 2022 rund 86 Prozent der befragten Einrichtungen der Organisation die Möglichkeit an, bestimmte Aufgaben zu Hause oder unterwegs zu erledigen. Das entspricht einer Zunahme von sieben Prozentpunkten gegenüber dem vierten Quartal 2020. Doch nicht alle Mitarbeiter können diese Möglichkeiten auch nutzen: In den Einrichtungen, die im Jahr 2022 Homeoffice und Remote Work angeboten haben, konnten gerade einmal 29 Prozent der dort Beschäftigten auch davon Gebrauch machen. Dieser Anteil ist seit 2020 nicht gestiegen.

Warum mehr Einrichtungen Homeoffice und Remote Work ermöglichen

Die Unternehmen, die Homeoffice oder mobiles Arbeiten anbieten, stellten bei ihren Begründungen ihre Beschäftigten in den Mittelpunkt. 86 Prozent wollten zum Zeitpunkt der Befragung die Infektionsgefahr reduzieren. 81 Prozent nannten eine verbesserte Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter als Beweggrund. Ähnlich hoch ist der Anteil der Einrichtungen, die dadurch ihre Attraktivität als Arbeitgeber stärken wollten (78 Prozent). Drei Viertel oder 75 Prozent der Einrichtungen zielten auf zusätzliche Flexibilitätsspielräume ihrer Mitarbeiter ab. Dazu passt, dass 58 Prozent der Einrichtungen geringere Fahrzeiten ihrer Beschäftigten als Grund nannten. Außerdem wurden genannt: ein ruhigerer Arbeitsort für die Mitarbeiter (43 Prozent), optimierte Nutzung der Büroflächen (26 Prozent), erhöhte Produktivität (16 Prozent) sowie längere Erreichbarkeit der Beschäftigten (14 Prozent).

Dass die Einrichtungen das Wohl ihrer Mitarbeiter in den Vordergrund stellen, kommt nicht von ungefähr, denn Gesundheit und Pflege sind besonders stark vom Fachkräftemangel betroffen. Demzufolge bemühen sich die Arbeitgeber, die Bedingungen für bestehende und zukünftige Beschäftigte zu verbessern, um dadurch bessere Wettbewerbschancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.

Die Minderheit der Einrichtungen, die weder Homeoffice noch mobiles Arbeiten anbieten, begründet dies hauptsächlich mit fehlender Eignung der Tätigkeiten (93 Prozent). Als weitere Gründe werden genannt: fehlende technische Ausstattung (21 Prozent), Unvereinbarkeit mit geltenden Datenschutzrichtlinien (17 Prozent) oder eine erschwerte kollegiale Zusammenarbeit (14 Prozent). Zehn Prozent gaben an, dass die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens bisher nicht thematisiert worden seien. In drei Prozent der Fälle wurde ein fehlendes Interesse des Personals als Ursache genannt.

Fazit

Um als Arbeitgeber attraktiver zu werden, bieten inzwischen mehr Unternehmen aus den Bereichen Gesundheit und Soziales die Möglichkeit für Homeoffice und zum mobilen Arbeiten. Die Herausforderung besteht darin, dass sich ein großer Teil der Kerntätigkeiten, nämlich die Betreuung und die Pflege hilfsbedürftiger Menschen, nur vor Ort erbringen lässt. Dennoch gibt es ein großes Potential für mehr Flexibilität, vor allem im Bereich administrativer Tätigkeiten wie dem Erstellen von Berichten und Dokumentationen, von Dienst- und Projektplänen, der Arbeitszeiterfassung und der Aufgabe von Bestellungen von Material und Dienstleistungen.

Unternehmen und Einrichtungen, die grundsätzlich die Möglichkeit für mobiles Arbeiten und Homeoffice anbieten, sollten darauf achten, dass diese Möglichkeit auch von den Mitarbeitern in Anspruch genommen werden kann - zum Beispiel durch die Bereitstellung der benötigten technischen Infrastruktur.

©Foto @zinkevych freepik.com
Dr. Hans-Peter Luippold

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und LinkedIn.

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