Remote Work - werden wir zukünftig von überall arbeiten?

Remote Work - werden wir zukünftig von überall arbeiten?

Remote Work (in etwa: “Fernarbeit”) ist ein scheinbar unaufhaltsamer Trend. Sie unterscheidet sich von der Arbeit nur im Home Office dadurch, dass sie an jedem beliebigen Ort stattfinden kann. Ein Online-Anschluss genügt. Erfahren Sie hier, welche Konsequenzen das für unsere Arbeitswelt hat.

Wie ist Remote Work definiert?

Das wesentliche Merkmal dieses Arbeitsmodells ist, dass der Arbeitnehmer nicht an das Firmenbüro gebunden ist. Er kann daheim, auf Reisen, auf einer Parkbank oder am Strand arbeiten. Der Kontakt zur Firma findet online und telefonisch statt. Die Arbeitsaufgaben müssen sich komplett online erledigen lassen. Das ist bei manchen Heimarbeitsjobs nicht gegeben, weil aufgrund strenger firmeninterner und/oder gesetzlicher Datenschutzbestimmungen manche Daten offline verarbeitet werden müssen. Solche Mitarbeiter sind dann über ein sehr sicheres VPN mit ihrer Firma verbunden oder geben gar die Daten auf einem externen Datenträger ab, zumindest mit dem VPN sind sie in der Regel an den heimischen PC gebunden. Beim kompletten Remoting können sie sich von wo auch immer in den Firmenserver einloggen. Sie müssen prinzipiell auch keine Präsenz in der Firma zeigen. Es gibt Freiberufler, die ihre Auftraggeber noch nie gesehen und fast noch nie mit ihnen telefoniert haben. Diese Definition ist deshalb zu beachten, weil mit einem Tele- oder Heimarbeitsplatz häufig etwas anderes gemeint ist. Von diesen Beschäftigten erwarten die Firmen doch ein gelegentliches Auftauchen zu Meetings. Wer also einen Remote Job sucht, muss Stellenanzeigen richtig lesen.

Ist Remote Work schon sehr verbreitet?

Das Modell boomt mit steigender Tendenz. Im Extremfall verlassen einige dieser Beschäftigten überhaupt nicht mehr aus beruflichen Gründen das Haus, in den USA soll das 2,6 % aller Berufstätigen betreffen. Remote Jobs gibt es aber noch viel mehr. Der Drang zu ihnen wird begünstigt durch den Wunsch der Millenials, vollkommen selbstbestimmt zu arbeiten. Doch nicht nur diese Generation Y hat diesen Wunsch. Gerade ältere Arbeitnehmer haben die Vorteile des Arbeitsmodells erkannt. In den USA arbeiten auf diese Weise haupt- oder nebenberuflich 18,8 % der über 65-Jährigen. Dabei erledigen sie zum Teil anspruchsvollere Jobs im Management. Wenn es möglich wäre, würden wahrscheinlich noch viel mehr Menschen gerade abseits der Generation Y gern auf dieses Modell umschwenken. Nach jüngeren Umfragen wünschen sich 74 % der etwas älteren Arbeitnehmer (ab dem 50. Lebensjahr) diese Art von Flexibilität im Job. Die beschriebene Fernarbeit können sich 34 % von ihnen vorstellen.

Vor- und Nachteile der Fernarbeit

Die bessere Zeiteinteilung begünstigt die Work-Life-Balance, das ist der größte Vorteil. Alle Berufe, die sich am PC und online durchführen lassen, sind für dieses Arbeitsmodell prädestiniert. Webdesign, Bilder und Videos vermarkten, Programmieraufgaben und Texterstellung gehören unter anderem dazu. Ein Nachteil ist die teilweise schlechte Bezahlung der Jobs und der damit einhergehende Hang zur Selbstausbeutung. Ein weiterer Nachteil ergibt sich durch die teilweise schlechtere Effizienz, wenn Aufträge wirklich nur online erledigt werden und aufgrund der Preisstruktur persönliche Absprachen nicht lohnenswert erscheinen. Dieser Nachteil hat dazu geführt, dass die Fernarbeit in einigen Bereichen rückläufig ist. Das betrifft zum Beispiel die Wartung von Softwareprogrammen. Diese lässt sich aus der Ferne durchführen, doch viele Unternehmen holen die IT-Spezialisten inzwischen wieder lieber in ihre eigenen Räume. Sie gehen aus Erfahrung davon aus, dass es einen effizienten Wissenstransfer zwischen externen Spezialisten und den eigenen Experten nur vor Ort geben kann. Auch kann die Fernarbeit Prozesse verlangsamen. Sie führt nämlich aufgrund bestimmter Organisationsstrukturen dazu, dass im freiberuflichen Bereich die Auftragnehmer zwischen so vielen Aufträgen wählen können, dass sie nicht schnell und fokussiert genug für einen Kunden die Aufträge abarbeiten. Schlimmstenfalls leidet bei so einer Auftragslage sogar die Qualität. Noch ein Nachteil ist, dass die Arbeit im Home Office nicht jedermanns Sache ist. Sie erfordert viel Disziplin. Ansonsten hat der Beschäftigte am Ende zwar eine prima Work-Life-Balance, verdient aber viel zu wenig. Dennoch scheinen insgesamt die Vorteile zu überwiegen. Einheitlich werden immer wieder folgende Punkte genannt:

  • höhere Produktivität
  • geringerer Stress
  • Entlastung von Arbeitsweg und Arbeitskleidung
  • gesundheitlich vorteilhaft unter anderem durch die Möglichkeit des Ausschlafens
  • große Familienfreundlichkeit
  • höhere Zufriedenheit der Beschäftigten
  • Entlastung der Umwelt
  • Kostenersparnisse für die Firmen (Arbeits- und Parkplätze für die MitarbeiterInnen entfallen)

Wie sind Remote Jobs zu finden?

Es bleibt dabei: Wer solche Jobs sucht, muss die Stellenanzeigen richtig lesen. Wenn dort beispielsweise steht, dass der Mitarbeiter auch daheim arbeiten kann, dann ist es kein echter Remote Job. Die Beschäftigung ist eher mit Telearbeit zu beschreiben. Auch die Art der Tätigkeit spielt eine große Rolle. Hierfür verweisen wir noch einmal auf die obige Definition. Der Job muss sich von jedem Ort der Welt aus erledigen lassen. In ihren Stellenanzeigen haben Firmen aber einen generellen Hang zu Euphemismen (Beschönigungen), sie verwenden daher auch gern beliebte Schlagwörter wie Heimarbeit oder Remote Job. Davon dürfen Sie sich nicht täuschen lassen. Analysieren Sie das Jobprofil genau, dann wissen Sie, woran Sie sind.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.