Stellenanzeigen richtig lesen: Lohnt sich meine Bewerbung?

Stellenanzeigen richtig lesen: Lohnt sich meine Bewerbung?

Bei der Jobsuche ist es gar nicht so einfach, anhand in der Fülle der Firmenbeschreibungen und Anforderungen zu erkennen, welche Qualifikationen unbedingt erforderlich sind und welche eher als Bonus gelten dürfen. Es ist daher Übungssache, Stellenanzeigen richtig lesen zu lernen. Passt das Unternehmen zu mir und was genau ist eigentlich mit dem oft gelesenen Schlagwort "Teamfähigkeit" gemeint?

Beim Durchforsten von Stellenanzeigen fragt sich manch ein Kandidat, ob sich eine Bewerbung auf eine bestimmte Stellenofferte überhaupt lohnt, wenn er die passende Stelle finden will. Wie Sie Stellenanzeigen richtig lesen, erfahren Sie hier.
Leider lässt sich so etwas allein anhand einer Stellenanzeige nicht entscheiden. Wer die passende Stelle finden will, muss zumindest das Vorstellungsgespräch absolvieren.
Anhand einer Stellenanzeige kann jedoch entschieden werden, ob eine Bewerbung ratsam ist oder ob Sie sich die Mühe sparen sollten.

So sehen seriöse Stellenangebote aus

Stellenausschreibungen können in Bezug auf Länge und Inhalt sehr unterschiedlich sein, die meisten enthalten jedoch einige grundlegende Informationen über die Stelle und das Unternehmen, z. B. die Stellenbezeichnung, die Aufgaben, die erforderlichen Qualifikationen und die Gehaltsspanne. In einigen Fällen enthalten die Stellenanzeigen auch eine kurze Beschreibung des Unternehmens oder des Teams, in dem der Bewerber arbeiten wird. Heutzutage ist es auch üblich, dass Stellenanzeigen einen Link zu einem Online-Bewerbungsformular enthalten. 

Anhaltspunkte zur Qualität der Stellenanzeige liefert der Ort, an dem sie zu finden ist. Welche Zeitung, Zeitschrift, Stellenbörse oder Firmenwebsite ist beteiligt? Am besten, Sie suchen auf einem renommierten Portal.
Skepsis ist angebracht, wenn keine Kontaktdaten oder ein ungewöhnlich hoher Lohn bei geringer Arbeitszeit genannt werden.

SO ERKENNEN SIE IN DREI SCHRITTEN, OB SIE EINE CHANCE HABEN:

1. PRÜFEN, OB DIE ANNONCE VOLLSTÄNDIG IST

Zu den wichtigsten Informationen gehören die gesuchten Anforderungen.

  • Wie wird der gesuchte Beruf bezeichnet?
  • Welche Qualifikationen und Kenntnisse erwartet das Unternehmen von Ihnen?
  • Was genau soll Ihre Aufgabe sein?
  • Handelt es sich um eine Arbeit in Teil- oder Vollzeit?
  • Wird eine befristete Stelle oder eine unbefristete geboten und
  • wo genau soll der Einsatzort sein?

Bevor Sie sich auf eine unvollständige Stellenannonce bewerben, sollten Sie diese Fragen telefonisch klären. Eine unvollständige Anzeige kann auch dafür sprechen, dass diese nicht seriös ist. Nicht ungewöhnlich ist allerdings, dass die Anzeige keine Aussage über das zukünftige Gehalt trifft. Hier wollen sich die Arbeitgeber Spielraum lassen und eine Gehaltsvorstellung im Bewerbungsschreiben oder im Vorstellungsgespräch abfragen.

2. HABE ICH DIE VERLANGTE QUALIFIKATION?

Wenn Sie bei der Arbeitgebersuche nun die vollständigen Informationen über die ausgeschriebene Stelle erhalten haben, prüfen Sie, ob Sie die Anforderungen erfüllen.
Neben den fachlichen Qualifikationen wünschen sich viele Arbeitgeber auch das Vorhandensein sogenannter Soft Skills. Dazu gehören beispielsweise Kritikfähigkeit, Teamgeist oder Empathie. Diese müssen Sie im Bewerbungsschreiben jedoch nicht erwähnen. Jeder Arbeitgeber testet diese Fähigkeiten in einem persönlichen Gespräch.
Teamfähigkeit etwa können Sie sich zuschreiben, wenn Sie in der Lage sind, Kollegen zu vertrauen, keine Angst vor Konflikten haben, zuverlässig sind, Verantwortung übernehmen können und an einem guten Gesamtergebnis des Teams interessiert sind.

Lesen Sie aus der Stellenanzeige heraus, welche Fähigkeiten für die Position unbedingt vorhanden sein sollten und welche zur Not auch verzichtbar sind. Die unverzichtbaren Anforderungen erkennen Sie an Wendungen wie "Sie verfügen über", "Sie haben eine abgeschlossene Ausbildung als ..."
Auch die Reihenfolge, in der die Anforderungen genannt werden, sagen etwas über deren Wichtigkeit aus. Optionale Fähigkeiten drücken Arbeitgeber gerne in Form von Wünschen aus: "Idealerweise können Sie ...", " ... ist ein Plus."

Sie sollten sich auf die Annonce bewerben, wenn Sie über ungefähr drei Viertel der in der Stellenannonce genannten optionalen Kenntnisse und Erfahrungen verfügen. Beispiel: Wenn eine Firma 5 Jahre Berufserfahrung wünscht, haben Sie vielleicht auch dann eine Chance auf den Job, wenn Sie erst seit drei Jahren dabei sind. Es kommt hierbei auch auf die Zahl der Bewerber an.

3. PASSE ICH IN DIE FIRMA?

Einen Hinweis darauf, ob Ihr potenzieller Arbeitgeber und Sie zusammenpassen, geben folgende Formulierungen:

"Traditionsreiches Familienunternehmen“ - hier ist eine strikte Hierarchie zu erwarten. In der Regel erhalten nur Familienmitglieder Spitzenpositionen.

Eine Firma, die sich mit dem Begriff "flache Hierarchien" beschreibt, erwartet von ihren Mitarbeitern besondere Verantwortungsbereitschaft im Gegenzug zu der eingeräumten Entscheidungsfreiheit.

Wenn von "leistungsorientierter Bezahlung" die Rede ist, können Sie meistens nur mit einem kleinen Festgehalt rechnen. Nur wer viel leistet, kann mehr verdienen.

"Schnell wachsendes Unternehmen" - hier haben Sie die Chance, manche Dinge mitgestalten zu können. Mit einer festen Struktur können Sie jedoch nicht rechnen.

Ich erfülle nicht alle Anforderungen- trotzdem bewerben?

Die kurze Antwort lautet: vielleicht. Es ist zwar immer am besten, wenn Sie alle Anforderungen für eine Stelle oder ein Programm erfüllen, für das Sie sich bewerben, aber manchmal können Ausnahmen gemacht werden. Wenn Sie sich zum Beispiel für eine Stelle bewerben, für die 5 Jahre Berufserfahrung erforderlich sind, Sie aber nur 4 Jahre Berufserfahrung haben, können Sie die Stelle vielleicht trotzdem bekommen, wenn Ihre 4 Jahre Berufserfahrung für die Stelle besonders relevant sind.

Muss- und Kann-Anforderungen

In vielen Fällen geben Arbeitgeber gewünschte Qualifikationen an, die "bevorzugt", aber nicht erforderlich sind, die sogenannten Kann-Anforderungen. Das bedeutet, dass sie Bewerbern mit diesen Qualifikationen den Vorzug geben würden, aber auch bereit sind, Bewerber in Betracht zu ziehen, die diese Qualifikationen nicht erfüllen. Demgegenüber sind die sogenannten Muss-Anforderungen in der Regel unverzichtbar. Ob es sich bei einer geforderten Fähigkeit um eine Muss- oder Kann-Anforderung handelt, erkennen Bewerber an der Formulierung. Eine Muss-Anforderung wird meist beworben mit "...erwarten wir /setzen wir voraus.", während Kann-Kriterien häufigt mit "...sind wünschenswert / hilfreich" beschrieben werden.

Wenn Sie eine oder mehrere der bevorzugten Qualifikationen für eine Stelle nicht erfüllen, sollten Sie Ihre anderen Stärken und Leistungen in Ihren Bewerbungsunterlagen hervorheben. Wenn Sie sich beispielsweise für eine Stelle bewerben, für die Bewerber mit Erfahrung in einem bestimmten Softwareprogramm bevorzugt werden, Sie diese Erfahrung aber nicht haben, können Sie andere relevante Softwareprogramme erwähnen, mit denen Sie umgehen können.

Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass man Ihnen sagt, Sie seien nicht qualifiziert. Bewerben Sie sich also ruhig - vielleicht überraschen Sie sich selbst!

Richtig auf eine Stellenanzeige bewerben

Haben Sie eine Stellenanzeige gefunden, die Ihnen zusagt, seriös ist und deren Muss-Anforderungen Sie gerecht werden, ist es Zeit, sich an die Bewerbung zu machen. Achten Sie dabei unbedingt darauf, ob in der Anzeige eine Bewerbungsfrist angegeben ist. Diese sollten Sie unbedingt einhalten!
Passen Sie Ihr Anschreiben auf das ausschreibende Unternehmen, die Stellenanzeige und das Anforderungsprofil an und nehmen Sie Bezug darauf. Auch im Lebenslauf sollte besonderer Augenmerk auf die Qualifikationen gelegt werden, die für den Job gefordert sind.

Wenn viele wesentliche Informationen fehlen, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die Firma die Bewerbersuche nicht allzu ernst nimmt oder es sich nicht um eine wichtige Position handelt. Wer viel Geld in die Suche nach Mitarbeitern investiert, nimmt die Sache hingegen etwas ernster und wird eine entsprechend gute Bezahlung bieten. Nun liegt es an Ihnen, zu entscheiden, wie interessant die ausgeschriebene Stelle für Sie ist. Wir wünschen viel Erfolg!

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.