Vorpraktikum: Brücke zwischen Schule und Uni

Vorpraktikum: Brücke zwischen Schule und Uni

Berufsleben | 08.07.2024

Immer mehr Hochschulen verlangen von Studienanfängern ein Vorpraktikum, das zwischen Schulabschluss und Studienstart in der Freizeit absolviert werden soll. Hier erfahren Sie mehr zum Thema Vorpraktikum.

Ein Vorpraktikum wird zunehmend zur Voraussetzung für die Zulassung zu bestimmten Studiengängen. Doch was genau ist der Sinn dahinter und welche Tipps sollten Studieninteressierte bei der Suche nach Praktikumsplätzen beachten? In diesem Artikel erhalten Sie alle wichtigen Informationen zu den Möglichkeiten eines Vorpraktikums. Erfahren Sie, warum immer mehr Unis ein solches Praktikum verlangen, welche Vorteile es bietet und wie Sie am besten einen passenden Praktikumsplatz finden.

Was ist eigentlich ein Vorpraktikum?

Ein Vorpraktikum ist sozusagen ein verpflichtendes Praktikum, konkreter eine Grundvoraussetzung, die erfüllt werden muss, um sich überhaupt für einen bestimmten Studiengang einschreiben zu können. Das Vorpraktikum wird im Allgemeinen zwischen dem Abitur sowie dem Studienbeginn absolviert und soll dabei helfen, in einen bestimmten Bereich tiefer einzutauchen und schon einmal erste Erfahrungen zu sammeln. Ein solcher Grunderfahrungsschatz soll vor allem auch bei der Entscheidung helfen, ob der gewählte Studiengang und das spätere Betätigungsfeld überhaupt das Richtige für einen sind. Anders ausgedrückt: Künftige Studierende können mit einem Vorpraktikum bereits vor Beginn des Studiums beurteilen, ob sie die richtige Wahl getroffen haben und laufen nicht Gefahr, ihren Studiengang unter Umständen nach einigen Semestern abbrechen oder die Studienrichtung wechseln zu müssen.

  • Bachelorstudiengänge mit Vorpraktikum sind etwa technische Studiengänge wie zum Beispiel Maschinenbau, aber auch kreative Studiengänge oder Bildungseinrichtungen verlangen ein solches Praktikum.

  • Ohne die Bescheinigung über das absolvierte Praktikum kann die bzw. der Studierende gar nicht erst zum jeweiligen Studiengang zugelassen werden.

  • Die Praktikumsbescheinigung ist also ein Teil der Immatrikulationsunterlagen.

Die Dauer eines Vorpraktikums kann von einer Hochschule zur nächsten variieren. In der Regel dauert es aber zwischen sechs und zwölf Wochen. In Ausnahmen erlauben FHs und Unis, dass das Vorpraktikum innerhalb der ersten vier Wochen nach Semesterbeginn nachgeholt wird

Welche Vorteile bietet ein Vorpraktikum?

  • Sie stellen fest, ob Ihnen die Tätigkeit Spaß macht oder nicht.
  • Sie sammeln wertvolle erste Erfahrungen und wappnen sich für den späteren Beruf.
  • Sie lernen praktische Tätigkeiten und Abläufe kennen.
  • Bei einem sozialen Praktikum erlernen Sie beispielsweise pflegerische Tätigkeiten.
  • Sie knüpfen schon im Vorfeld Ihres Studiums Kontakte in der Branche.
  • Sie erwerben Kenntnisse, die Ihnen den Einstieg ins Studium erleichtern sollen. So verstehen Sie später als Studentin oder Student in den Vorlesungen konkreter, wovon bei bestimmten Abläufen, Techniken oder Inhalten die Rede ist. Ein Vorpraktikum soll also auch das Erlernen der Theorie im Studium erleichtern

Können absolvierte Ausbildungen als Vorpraktikum angerechnet werden?

Wer vor dem Studienbeginn schon eine fachspezifische Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen hat, muss möglicherweise kein Vorpraktikum mehr ableisten. Es zahlt sich in jedem Fall aus, bei der Fachhochschule oder der Fakultät einmal nachzufragen, ob die Ausbildung für den gewünschten Studiengang anerkannt werden kann.

Möchten Sie zum Beispiel Maschinenbau studieren und haben bereits eine Ausbildung zum Industriemechaniker abgeschlossen, so brauchen Sie in der Regel kein Vorpraktikum mehr zu absolvieren. In einem solchen Fall haben Sie die Möglichkeit, sich Ihre Ausbildung anrechnen zu lassen. Das funktioniert jedoch nur dann, wenn die Ausbildung thematisch eng mit Ihrem angestrebten Studiengang verbunden ist. Informieren Sie sich aber dennoch im Vorfeld, welche Bescheinigungen und Zeugnisse Sie wann und an wo vorzeigen müssen, damit Sie sich problemlos und fristgerecht an der Hochschule einschreiben können.

Auch dann, wenn Sie in der Vergangenheit schon einmal ein freiwilliges Praktikum in der Fachrichtung Ihres gewünschten Studiengangs gemacht haben, können Sie sich dieses möglicherweise als Vorpraktikum anrechnen lassen. Fragen Sie einfach mal bei der Universitätsverwaltung nach.

Welche Studieninteressenten müssen ein Vorpraktikum absolvieren?

Imme mehr Hochschulen haben für bestimmte Studiengänge ein Vorpraktikum als Zulassungsbedingung. Schließlich sollen sich künftige Studenten und Studentinnen mit ihrer Studienfachwahl zu 100 % sicher sein und nicht mitten im Semester feststellen, dass sie nicht die richtige Wahl getroffen haben.

  • Vor allem für praktisch orientiertere Studiengänge ist in der Regel ein Nachweis für ein Vorpraktikum erforderlich.

  • Für Technikstudiengänge wie zum Beispiel Ingenieurwesen, Maschinenbau oder Physik werden Sie mit Sicherheit ein technisches Vorpraktikum vorweisen müssen. Mithilfe solcher Praktika lernen Sie die Arbeitsweisen und grundlegenden Arbeitsabläufe der unterschiedlichen technischen Bereiche in einem Unternehmen näher kennen und können auch das Zusammenspiel besser verstehen.

  • In einigen kreativen Studiengängen wie zum Beispiel Design kann ein solches Praktikum vor der Immatrikulation ebenfalls erforderlich sein.

  • Auch wenn Sie Soziale Arbeit studieren möchten, ist in den meisten Fällen ein Vorpraktikum nötig, denn der Arbeitsalltag im späteren Berufsleben weicht doch sehr vom theoretischen Studium ab. Ein Vorpraktikum bietet sich hier besonders an, damit Sie bereits vor Studienbeginn ein Gefühl für die Arbeit in den verschiedenen Einrichtungen entwickeln, so zum Beispiel mit Senioren, Jugendlichen oder auch schwer erziehbaren Kindern. Darüber hinaus hilft Ihnen ein Vorpraktikum bei der Spezialisierung und Studienrichtung im Bachelorstudiengang.

Die meisten Gesellschafts-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften verlangen nur selten ein Praktikum für die Bewerbung auf einen Studienplatz.

Worauf ist bei einem Vorpraktikum konkret zu achten?

  • Nicht alle Hochschulen haben dieselben Voraussetzungen für das verpflichtende Vorpraktikum. Die Dauer des Praktikums kann sich beispielsweise von einer Hochschule zur nächsten unterscheiden: Bei einigen Universitäten und Fachhochschulen soll sich das Vorpraktikum über eine Dauer von 6 Wochen erstrecken, bei anderen Bildungsinstitutionen sind es zehn Wochen oder sogar drei Monate.

  • Bei Praktika, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, gibt es zudem die Möglichkeit, in unterschiedlichen Unternehmen tätig zu sein, um vor dem Studienstart noch mehr Einblick und wertvolle Eindrücke zu gewinnen.

  • Bei einigen Unis ist es auch möglich, einen Teil des Vorpraktikums noch während der ersten Semesterwochen abzuleisten. Bevor Sie das Studium an der Uni beginnen muss also nur ein Teil des Praktikums absolviert werden. Erkundigen Sie sich im Vorfeld jedoch genau, denn diese Regelung ist nicht einheitlich gültig.

Wie wird das Vorpraktikum vergütet?

  • Da ein Vorpraktikum praktisch ein Teil Ihres künftigen Studiums und somit ein Pflichtpraktikum ist, haben Sie als Praktikant*in kein Anrecht auf ein Gehalt.

  • In einem freiwilligen Praktikum, das sich über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten erstreckt, hätten Sie hingegen einen Anspruch auf einen Mindestlohn.

  • Auch für ein Vorpraktikum können Sie jedoch auf einen großzügigen Arbeitgeber treffen, der seinen Praktikanten gerne eine Vergütung zahlt. Manche Unternehmen bieten anstatt eines Gehalts während der Praktikumszeit bestimmte Benefits an: So erhalten auch Praktikanten einen Fahrtkostenzuschuss oder können mittags in der firmeneigenen Kantine essen.

Der Praktikumsbericht und die Praktikumsbescheinigung

Vorpraktikum – Bericht

Nach Ihrem Vorpraktikum müssen Sie für die Hochschule noch einen Praktikumsbericht anfertigen. Darin stellen Sie kurz das Unternehmen vor, in dem Sie tätig waren und skizzieren den Praktikumsverlauf. Ebenso bewerten Sie in diesem Bericht das Praktikum aus Ihrer Sicht.

Ein Teil des Vorpraktikumsberichts kann auch ein Wochenbericht sein, in welchem Sie tabellenartig aufschreiben, welche Tätigkeiten Sie im Unternehmen absolviert haben.

Praktikumsbescheinigung

Dem Bericht wird die Praktikumsbescheinigung – und optional ein Praktikumszeugnis – beigelegt. Die Bescheinigung zeigt der Universität oder Fachhochschule an, dass Sie das Praktikum mit Erfolg absolviert haben, regelmäßig vor Ort waren und zuverlässig Ihre Tätigkeiten erledigt haben.

Die Bescheinigung für das Vorpraktikum sollte Folgendes enthalten:

  • Name und Anschrift des Praktikumsbetriebes
  • Name der Betreuungsperson
  • Ihren eigenen Namen, Ihre Anschrift sowie Ihre Kontaktdaten
  • Praktikumsdauer
  • Aufgabengebiete und Einsatzbereiche in der Praktikumsstelle
  • Datum, Unternehmensstempel und Unterschrift des Betreuers bzw. der Betreuerin

Eine Bewertung Ihrer eigenen Person und Ihrer Tätigkeit erfolgt durch das Praktikumszeugnis. Ein solches bekommen Sie im Allgemeinen nur auf Nachfrage. Das Praktikumszeugnis hebt Ihre individuellen Fähigkeiten und Stärken hervor, was später für Sie von Vorteil sein kann, wenn Sie sich bei einem anderen Arbeitgeber bewerben.

Wie finde ich am besten einen Vorpraktikumsplatz?

Wenn Sie ein verpflichtendes Vorpraktikum ableisten müssen, können Sie auf der Universitätswebseite oder am Schwarzen Brett nach weiterführenden Informationen suchen. Jede Hochschule hat hier eine eigene Organisation bezüglich der Vorgehensweise. Grundsätzlich müssen Sie sich jedoch selbst um den Praktikumsplatz kümmern.

Wenn die Hochschulen Wert auf Vorpraktika bei bestimmten Unternehmen legen, gibt es beim jeweiligen Fachbereich Listen mit möglichen Praktikumsstellen.

  • Im Sekretariat der Universität erhalten Sie weitere Auskunft.
  • Auch Praktikumsbörsen liefern passende Angebote.
  • Auf den Unternehmenswebseiten erwarten Sie häufig weitere nützliche Informationen.
  • Wenn Sie sich für einen Praktikumsplatz in einem bestimmten Unternehmen interessieren, sollten Sie dort persönlich anrufen.
  • Doch aufgepasst: Der Praktikumsschwerpunkt muss sich mit dem Studienschwerpunkt decken, ansonsten wird Ihr Vorpraktikum nicht anerkannt!

So funktioniert die Bewerbung um einen Vorpraktikumsplatz

Für einen Vorpraktikumsplatz müssen Sie sich regulär bewerben. Doch keine Sorge: Die Praktikumsbewerbung ist nicht so aufwendig und so lang wie eine Bewerbung für Ihren späteren Beruf. Haben Sie eine Ausschreibung gefunden, sollten Sie sich exakt durchlesen, was Ihr Arbeitgeber in der Bewerbung erwartet.

  • Um sich auf einen Vorpraktikumsplatz zu bewerben, müssen Sie ein Anschreiben und einen Lebenslauf erstellen. Im Lebenslauf müssen alle Informationen über Ihre Schullaufbahn, die bisherige praktische Erfahrung und Ihre Hobbys enthalten sein, die für das Vorpraktikum von Bedeutung sind.
  • Im Anschreiben müssen Sie überzeugend Ihre Motivation darstellen, warum Sie das Praktikum absolvieren möchten und weshalb Sie der ideale Kandidat für die Stelle sind.
  • Einige Arbeitgeber erwarten für ein Praktikum, das sich nur über einen kurzen Zeitraum von wenigen Wochen erstreckt, überhaupt kein Motivationsschreiben. In einem solchen Fall reicht es aus, wenn Sie den Lebenslauf einreichen.

Senden Sie Ihre Bewerbung mitsamt dem Lebenslauf in einem einzigen Dokument per E-Mail an das jeweilige Unternehmen.

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Dr. Hans-Peter Luippold

Autor: Dr. Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und LinkedIn.