Arbeitsproben: Erfolge anschaulich darstellen

Arbeitsproben: Erfolge anschaulich darstellen

Im Vergleich zum Lebenslauf in Papierform kommt Arbeitsproben eine besondere Aussagekraft zu: Sie führen dem zukünftigen Arbeitgeber das praktische Können des Bewerbers greifbar vor Augen. Diese Anschaulichkeit ist der wichtigste Grund, weshalb in vielen Stellenanzeigen um Arbeitsmuster gebeten wird.

Arbeitsproben: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Arbeitsproben können vom Arbeitgeber als Zusatz zur Bewerbung verlangt werden. Der Kandidat kann sie seinem Lebenslauf auch unaufgefordert hinzufügen. Ansonsten sind die Muster notwendige Dokumente in der Bewerbungsmappe.
  • Solche Belege sind besonders in Berufen mit einem kreativen Schwerpunkt relevant. Zum Beispiel wird von angehenden Journalisten und Grafikdesignern ein entsprechender Leistungsnachweis gefordert.
  • In den Bewerbungsunterlagen kommen die Proben an letzter Stelle oder werden dem Arbeitgeber in einer Mappe vorgelegt.
  • Beim Vorstellungsgespräch sollte man sich auf eventuelle Rückfragen zu den Arbeitsproben einstellen. Der Bewerber ist auf der sicheren Seite, wenn er eine seiner Anfertigungen als Kopie mitbringt.
  • Leider gibt es auch in der Arbeitswelt unseriöse Inserate. Bei zu präzisen Forderungen ist Vorsicht geboten. Hier besteht die Gefahr des Ideenklaus. Ein kopiertes Dokument mit Wasserzeichen schützt das eigene Werk vor unerlaubter Vervielfältigung.
  • Auch Berufsanfänger müssen Arbeitsproben vorweisen - allerdings keine tatsächlichen Leistungsnachweise, sondern erdachte Projektideen oder Lösungsansätze zu Fragestellungen, die in der jeweiligen Branche eine Rolle spielen.

Was sind Arbeitsproben?

Eine Arbeitsprobe ist eine Demonstration der Fertigkeiten oder Fähigkeiten einer Person in ihrem gewählten Beruf. Arbeitgeber verlangen oft Arbeitsproben, um zu beurteilen, ob eine Person für eine offene Stelle geeignet ist oder nicht. Mit den eingereichten Dokumenten verschafft sich der Personaler einen ersten Eindruck.

Arbeitsproben können viele verschiedene Formen annehmen, wie z. B. Schreibproben, Design-Portfolios, Videodemonstrationen oder sogar Testprojekte. 

Diese Werke sind das Gegenstück zu den formellen Bewerbungsunterlagen, zu denen das Anschreiben, der Lebenslauf und Kopien von Zeugnissen gehören. Anhand von Arbeitsproben kann der Personaler die praktischen Kompetenzen des Bewerbers beurteilen.

Was ist der Zweck von Arbeitsproben?

Im Allgemeinen werden Arbeitsproben am häufigsten in der Phase des Vorstellungsgesprächs verlangt. Es gibt jedoch Fälle, in denen ein Stellenangebot von der Vorlage bestimmter Arbeitsproben abhängig gemacht wird. Wenn Sie im Rahmen des Vorstellungsgesprächs aufgefordert werden, Arbeitsproben vorzulegen, liegt das im Allgemeinen daran, dass der Gesprächspartner Ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten in Aktion sehen möchte. 
Eine Arbeitsprobe soll die Aussichten des Bewerbers auf seinen Wunschberuf erhöhen. Hochwertige Muster sind in vielen Fällen für eine Einladung zum Vorstellungsgespräch oder für eine direkte Zusage ausschlaggebend. Folglich profitiert nicht nur der Vorgesetzte, sondern auch der Stellensuchende von solchen Proben.

Arbeitsproben vs. Portfolio: Was ist was?

Die Verwechslung mit einem Portfolio kommt im Zusammenhang mit Arbeitsproben häufig vor. Was haben beide Schriftstücke gemeinsam und worin bestehen die Unterschiede?

Sowohl eine Arbeitsprobe als auch ein Portfolio sind Spiegelbilder des eigenen Könnens. Eine Arbeitsprobe ist ein kleines, spezifisches Beispiel Ihrer Arbeit, während ein Portfolio eine Sammlung Ihrer bisherigen und aktuellen Arbeiten darstellt.
Im Gegensatz zu Arbeitsproben tauchen Portfolios nicht zwangsläufig im Bewerbungsprozess auf. 

Manche Leute verwenden die Begriffe synonym, aber im Allgemeinen ist ein Portfolio umfassender als eine Arbeitsprobe.

In welchem Kontext werden Arbeitsproben präsentiert?

Proben von selbstständig erbrachten Arbeitsleistungen sind nicht nur in Bewerbungsprozessen üblich. Auch Freiberufler verwenden Arbeitsmuster, um neue Kunden zu akquirieren. Je nach Kontext wird hier entweder ein Portfolio oder ausgewählte Arbeitsproben präsentiert.
Vor der Immatrikulation in bestimmte Studiengänge werden Studierende dazu aufgefordert, im Rahmen der Bewerbung Arbeitsproben vorzuweisen.

In welchen Branchen und Berufen sind Arbeitsproben üblich?

Arbeitsproben werden zumeist in Branchen mit künstlerisch-kreativer Ausrichtung erwartet. Zum Teil verlangen auch Arbeitgeber im Bereich der Wissenschaft eine Auswahl an Mustern.
Weitere Bereiche, in denen häufig Arbeitsproben gefordert werden, sind:

  • Journalismus
  • Grafikdesign
  • Fotografie 
  • Webdesign / Programmieren

 

Wie sieht eine Arbeitsprobe typischerweise aus?

Diese Werke zählen zur Kategorie der Arbeitsmuster:

  1. Zeichnungen und Skizzen
  2. Eigenständig verfasste Schriftstücke wie Zeitungsartikel, Glossen oder Bücher
  3. Fotografien
  4. Grafiken
  5. Präsentation von selbst entwickelten Programmen
  6. Videomitschnnitte

Im künstlerischen Sektor gehören auch in Handarbeit angefertigte Bilder oder Modelle zu den Arbeitsproben. Grundsätzlich können sich Bewerber eine Regel merken: Die Muster sollten im wörtlichen Sinn greifbar sein. Je wörtlicher diese Plastizität zutrifft, umso größer ist der Aussagewert.

Arbeitsproben in der Bewerbung

Vor allem für Schulabgänger oder Studien ist das Verfassen der ersten Bewerbung eine neue Erfahrung. Überdies stellen sich Bewerber bei einem Branchenwechsel der Herausforderung, geeignete Arbeitsproben auszuwählen. Hier erfahren Sie, was Sie bei der Planung berücksichtigen müssen.

Bewerber sollten sich darauf gefasst machen, dass sie im Vorstellungsgespräch gezielt auf ihre Werke angesprochen werden. Die folgenden Fragen können bezüglich der Muster zur Sprache kommen:

  1. 'Warum haben Sie gerade diese Probe ausgewählt und nicht eine andere?'
  2. 'Wann, wo und unter welchen Umständen sind die Originale entstanden?'
  3. 'Welche Inspiration steckt hinter dieser Probe?' (typische Frage in künstlerisch ausgerichteten Berufen)
  4. 'Warum glauben Sie, dass diese Arbeitsprobe Ihre Chancen auf den neuen Job erhöhen könnte?'

Das Nachreichen von weiteren Proben ist in der Regel unproblematisch. Beim Bewerbungsgespräch sollte der Stellensuchende seine Dokumente in kopierter Form mitbringen. Damit zeigt er, dass er sich auf das Gespräch mit dem Personaler vorbereitet hat.

Arbeitsproben nur nach Aufforderung?

Meistens werden die Bewerber in den Stellenausschreibungen darauf hingewiesen, dass sie Proben anfertigen sollen. Die Aufforderung ist eine Verpflichtung, Arbeitsmuster einzureichen. Fehlende Unterlagen wirken sich denkbar negativ auf das Ansehen im jeweiligen Unternehmen aus.

Wenn in der Stellenausschreibung keine Arbeitsproben verlangt werden, steht es dem Bewerber frei, entsprechende Dokumente zu übersenden. Er kann im eigenen Ermessen Kontakt zum neuen Arbeitgeber aufnehmen und fragen, ob das freiwillige Einreichen von Arbeitsmustern akzeptabel ist.

Arbeitsproben und Urheberrecht: so viel dürfen Sie preisgeben

Mit dem Urheberrecht wird das erstellte Dokument vor einer unrechtmäßigen Verwendung durch Dritte geschützt. Im Kontext der Arbeitsproben können keine klaren Grenzen zwischen dem Muster und dem Gedankengut gezogen werden.

Es ist nicht ratsam, wertvolle Orginale zu verschicken. Fertigen Sie stattdessen eine Kopie Ihrer Dokumente an und versehen Sie die Duplikate mit Wasserzeichen. Diese Methode dient Ihrem eigenen Schutz: Eine unerlaubte Vervielfältigung ist bei solchen Werken nicht mehr möglich.

So integrieren Sie Arbeitsproben in Ihre Bewerbungsunterlagen

Natürlich sollten die Arbeitsproben sich in die restlichen Bewerbungsunterlagen einfügen. Für die Arbeitsproben kann man eine Mappe erstellen. Sie wird zusätzlich zu den Bewerbungsunterlagen eingereicht.

An welcher Stelle in den Unterlagen positioniere ich die Arbeitsproben?

Arbeitsproben mit größerem Umfang werden an letzter Stelle in die Bewerbungsmappe integriert. Darüber hinaus kann man sie nach dem Lebenslauf in den Unterlagen positionieren.
Ihre Arbeitsproben können ein beliebiges Format haben (PDFs, Word-Dokumente usw.), sollten aber folgende Angaben enthalten: Projekttitel, Name des Kunden (falls zutreffend), Datum der Projektarbeit, kurze Zusammenfassung des Projekts.

Wie viele Arbeitsproben?

Trotz aller Motivation sollte die Anzahl der Arbeitsproben einen bestimmten Rahmen nicht überschreiten. Eine zu dicke Mappe ist unübersichtlich und wird vom Personaler oft nicht bis zum Ende durchgesehen.

In einem kurzen Telefonat mit dem Personaler kann man sich nach dem gewünschten Umfang erkundigen. Wenn in der Stellenanzeige zum Beispiel von drei Arbeitsmustern die Rede ist, kann sich der Bewerber an dieser Angabe orientieren. Er weiß, wie viele Proben verlangt werden und stattet seine Bewerbungsunterlagen dementsprechend aus.

Der allgemeine Richtwert liegt bei 3 bis 4 Ausfertigungen. Sie sollten möglichst neu, also in jüngerer Zeit angefertigt worden sein. Zu alte Proben lassen keine Rückschlüsse auf den aktuellen Fähigkeits- und Kenntnisstand des Bewerbers zu. Der Bezug zum angestrebten Beruf muss klar zu erkennen sein. Bei der Auswahl sollte man diesen Gedanken in Betracht ziehen und selektierend vorgehen.

Detaillierte Proben können dem Personaler im Bewerbungsgespräch vorgelegt werden. Die überschaubaren Werke gehören in die Bewerbungsunterlagen. Falls ihre Größe den Rahmen sprengt, werden die Muster als Anhang von Emailnachrichten übersandt.

Wie treffe ich eine gute Auswahl?

  1. Als Bewerber sollte man nur die Proben auswählen, welche für den angestrebten Beruf relevant sind.
  2. Grafiken oder Veröffentlichungen wie Bücher und Zeitschriften kommen als Arbeitsproben in Frage. Je persönlicher sie sind, umso besser spiegeln sie die Begabungen des Jobsuchenden wider.
  3. Es kommt nicht auf Masse, sondern auf Qualität an. Gibt es eine Probe, auf die Sie sehr stolz sind oder deren Inhalt von einem ehemaligen Arbeitgeber lobend erwähnt wurde? Dann gehört sie definitiv in die Bewerbungsmappe.
  4. Kandidaten sollten Arbeitsproben verwenden, die von ihnen allein angefertigt wurden. Wenn Sie eine Probe mit einem früheren Kollegen zu Papier gebracht haben, muss auf diese gemeinschaftliche Arbeit Bezug genommen werden. So setzt man sich keinem Verstoß gegen das Urheberrecht aus.
  5. Inhaltliche Parallelen zu Projekten des zukünftigen Arbeitgebers sind nicht immer von Vorteil. Zeigen Sie in Ihren Proben, was Sie selbst geleistet haben. Auch und gerade dann, wenn die Werke dem Personaler neue thematische Erkenntnisse bringen.

Was, wenn die Stellenausschreibung Arbeitsproben fordert, aber ich als Berufsfänger noch keine vorweisen kann?

In diesem Fall sollte der Bewerber auf seine Position als Berufsanfänger hinweisen. Das Anschreiben ist für solche Informationen gut geeignet. Anstelle von Arbeitsproben legt der Jobsuchende beispielhafte Ausarbeitungen zu einem Thema vor, welches zur Branche passt. Ein bewussten Auslassen solcher musterhaften Leistungsnachweise ist nicht angezeigt. Im schlimmsten Fall wird der Bewerber als Kandidat für den neuen Job aussortiert.

Versenden Sie Ihre Arbeitsproben mit Bedacht

Einsteiger müssen sich eingehend über das Unternehmen informieren, bevor sie ihre Bewerbung samt Arbeitsproben verschicken. Nicht jeder Arbeitgeber hat seriöse Absichten. Auch wenn eine Stellenausschreibung vertrauenserweckend wirkt, empfiehlt sich eine Recherche im Netz. Bei unseriösen Angeboten besteht die Gefahr des Ideenklaus: Die Verfasser bitten um Arbeitsmuster, die sie später als ihre eigenen Werke ausgeben oder sogar veröffentlichen.

Folgende Aspekte sollten das gesunde Misstrauen wecken:

  1. Die Bitte um Arbeitsmuster geht auffallend ins Detail
  2. Der erwünschte Inhalt und Aufbau der Arbeitsproben deckt sich mit dem Tätigkeitsbereich des jeweiligen Betriebes
  3. In der Stellenanzeige wird ein Sachverhalt vorgegeben, welcher in den Unterlagen bearbeitet werden soll
  4. Eine besondere Skepsis ist bei Fragestellungen nach anderen Unternehmen angebracht - mit solchen Verhaltensweisen bewegt sich der Inserent in einer juristischen Grauzone

Fehlende Kontaktdaten sind ein Alarmsignal. Vertrauliche Anzeigen sind mit einer Anschrift und einer Emailadresse versehen. Meistens erhält der Bewerber einen Verweis auf einen Ansprechpartner. Dies kann der Vorgesetzte, der Abteilungsleiter oder ein zuständiger Mitarbeiter aus dem Personalbüro sein.

Negative Rezensionen von anderen Mitbewerbern sind als Infomaterial sehr hilfreich. Eine schlechte Bewertung sagt noch nicht viel über die Glaubhaftigkeit des Unternehmens aus. Treten diese Rückmeldungen gehäuft auf, kann man von einem schlechten Ruf des Arbeitgebers ausgehen. 

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.