Lücken im Lebenslauf: Mogelpackung oder Überraschungspaket?

Lücken im Lebenslauf: Mogelpackung oder Überraschungspaket?

Lücken im Lebenslauf können aus verschiedenen Gründen entstehen, z. B. weil Sie eine Auszeit genommen haben, um eine Familie zu gründen oder um wieder zur Schule zu gehen. Und nicht immer läuft im Leben alles nach Plan. Sogenannte „unattraktive Stationen“ im Lebenslauf möchten Bewerber deshalb am liebsten aus ihrer beruflichen Laufbahn streichen. Obwohl diese Lücken zunächst als negativ angesehen werden können, gibt es Möglichkeiten, sie in ein positives Licht zu rücken. Indem Sie Lücken in einem positiven Licht betrachten, können Sie Arbeitgebern zeigen, dass Sie ein vielseitiger Mensch mit einem breiten Spektrum an Fähigkeiten und Erfahrungen sind. In diesem Beitrag werden wir einige der häufigsten Lücken in Lebensläufen erörtern und erläutern, wie Sie diese füllen können. Außerdem geben wir Ihnen einige Tipps, wie Sie diese Lücken im Vorstellungsgespräch erklären können. Lesen Sie weiter und erfahren Sie mehr!

Zeit für Veränderung

Der Wechsel allein ist das Beständige, hat schon Arthur Schopenhauer gesagt. In unserer heutigen Arbeitswelt bleiben nur noch die wenigstens Arbeitnehmer bis zur Rente bei dem Unternehmen, in dem sie gelernt haben. Die klassische Berufslaufbahn von einst hat ausgedient. Befristete Arbeitsverträge, häufige Jobwechsel und persönliche Auszeiten sind an der Tagesordnung.

Viele Bewerber wollen und müssen die Jobs wechseln, weil sie nur so vielfältige Einblicke in diverse Bereiche gewinnen und Chancen auf abwechslungsreiche Herausforderungen erhalten. Niemand möchte sich zum Fachidioten abstempeln lassen. Lange Lebensläufe mit kurzfristigen Jobs sind deshalb längst keine Seltenheit mehr und müssen auch nicht per se schlimm sein. Sie stehen für einen Bewerber, der flexibel ist und offen für Neues, der sich weiterentwickeln will und ambitioniert nach neuen Aufgaben sucht.

Und immer öfter erlauben sich Bewerber auch eine Auszeit vom Berufsalltag. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Ob Elternzeit (für Frauen und Männer), ein Sabbatical oder eine Weiterbildung – die Lebensläufe sind vielseitiger und individueller geworden. Das macht sie interessant, manchmal aber auch unübersichtlich. Sogenannte Lücken entstehen, mit denen Bewerber umzugehen wissen müssen.

Wann ist eine Lücke tatsächlich eine Lücke?

Von einer Lücke im Lebenslauf wird gesprochen, wenn ein Bewerber in einem gewissen Zeitraum kein Beschäftigungsverhältnis, keine Ausbildung, kein Studium, kein Praktikum und keine Selbstständigkeit ausgeübt hat. Dauert dieser Zeitraum länger als drei Monate an, werden Personaler misstrauisch.

Eine Lücke im Lebenslauf ist eine Station, die nicht allzu viel Raum und Zeit einnehmen sollte. Es wird empfohlen, längere Lücken immer zu füllen und hierbei ehrlich und positiv vorzugehen.

Gründe für Lücken im Lebenslauf

Gründe für längere Lücken im Lebenslauf gibt es zahlreiche. Das können sein:

  • Persönliche Auszeit: Der Wunsch nach mehr Zeit für sich selbst.
  • Eine Lebenskrise: Dazu gehören schwierige private Umstände wie Trennungen oder der schmerzliche Verlust eines nahen Angehörigen.
  • Mehr Zeit für die Familie: Kindererziehung und Kinderbetreuung.
  • Der emanzipierte Vater: Elternzeit für Männer.
  • Ungeplante Ereignisse: Die Pflege eines Angehörigen.
  • Lang gehegte Träume: Der Auslandsaufenthalt, ein Sabbatical oder eine Weltreise.
  • Ein nicht vorhersehbares Dilemma: Die plötzliche oder längere Arbeitslosigkeit.
  • Gesundheitliche Einschränkungen: Psychische Erkrankungen wie Burn Out oder Krankheit durch einen Unfall.
  • Drang nach Veränderung: Die Umschulung oder Zweitausbildung.
  • Notwendige Karriereschritte: Die Möglichkeit zur Fortbildung.
  • Die ganz große Chance: Das Wagnis der Selbstständigkeit.
  • Andere Ambitionen: Ehrenamt oder ein sonstiges soziales Engagement.
  • Zwischen den Jobs: Die Zeit des Überbrückens.

Einen Sonderfall stellt die Zeit der Pandemie dar. Viele Arbeitnehmer haben von heute auf morgen eine Kündigung wegen Corona erhalten. Einige Branchen sind besonders hart betroffen.

Sind Lücken im Lebenslauf ein No-Go bei Personalern?

Lücken im Lebenslauf werden oft mit etwas Negativem assoziiert. Sie stehen dafür, dass etwas passiert ist, das möglicherweise im Verschulden des Bewerbers liegt. Hinter Arbeitslosigkeit werden nicht selten Fehlverhalten, Anpassungsschwierigkeiten oder fehlende Kompetenz vermutet. Auch eine längere Lücke wegen Krankheit macht sich oft nicht gut im Lebenslauf. Kein Arbeitgeber möchte jemanden einstellen, dessen Leistungsfähigkeit er anzweifeln muss.

Kurze Anstellungen und wiederholte Jobwechsel stehen wiederum für einen Bewerber, der vielleicht kein Durchhaltevermögen besitzt und dem es an Motivation mangelt. Auch ungeklärte Freizeiten im Lebenslauf können irritierend wirken. Wenn Bewerber ihre Lücken nicht nachvollziehbar erklären, gehen Personaler davon aus, dass etwas nicht stimmt. Das ist immer schlecht für den Bewerber.

Geben Sie Ihren Lücken Fülle!

Nicht zwangsläufig müssen Lücken im Lebenslauf bei Personalern schlecht ankommen. Sie können den Bewerber durchaus interessant machen und dessen Lebenslauf aufwerten. Auch Personaler wissen, dass sich Zeiten ändern und der Trend dahin geht, mehr als nur ein oder zwei berufliche Stationen im Lebenslauf aufzulisten. Die Lebensläufe werden bunter und persönlicher.

Kurze Lücken nach einer Ausbildung oder einer Beschäftigung sind nicht weiter erklärungsbedürftig. Es ergibt sich aus dem Kontext heraus, dass in dieser Zeit wahrscheinlich einfach die Jobsuche stattgefunden hat.

Können Lücken im Lebenslauf sogar positiv wirken?

Ja! Bewerber müssen nur wissen, wie sie ihre Lücken schön verpacken und geschickt verkaufen. Mit ein paar ganz simplen und legitimen Tricks werden auch so beschäftigungslose Lebensphasen zu spannenden Stationen, die im Idealfall die Persönlichkeit reifen lassen haben.

Tipp: Lücken mit Angaben können den Lebenslauf aufwerten. Wer statt Arbeitslosigkeit „aktive Jobsuche“ schreibt, formuliert positiv und zeigt damit indirekt sogar Engagement.

Gut vorbereitet sein im Vorstellungsgespräch

Arbeitslosigkeiten lassen sich meistens gut erklären. Sagen Sie kurz, warum Sie arbeitslos geworden sind, zum Beispiel wegen einer Befristung, eines Umzugs oder einer selbst gewählten Auszeit. Dann beschreiben Sie, wie Sie diese Zeit als Chance genutzt haben, um neue Ziele zu finden und nochmal neu durchzustarten. Sprechen Sie von Arbeitsmarktorientierung statt von Arbeitslosigkeit. Seien Sie kreativ und zugleich motiviert.

Gleiches gilt bei einer Erkrankung. Grundsätzlich müssen Sie die Art der Krankheit nicht angeben. Gesundheitliche Angaben sind freiwillig. Wenn Sie wegen gesundheitlicher Einschränkungen längere Zeit nicht erwerbsfähig waren, können Sie das genauso mitteilen. Erkrankungen sind erstmal abschreckend für Arbeitgeber. Fügen Sie dann im Lebenslauf den Zusatz hinzu: "Vollständig genesen". Im Bewerbungsgespräch können Sie erklären, dass die Krankheit für Sie auch gleichzeitig eine Zeit der Selbstfindung und Neuorientierung war. Oder sagen Sie, Sie haben einen längeren Reha-Aufenthalt hinter sich. Auch das ist möglich.

  • Hinweis: Haben Sie aufgrund der Erkrankung einen Grad der Behinderung, kann es sich für Sie lohnen, diesen zu erwähnen. Gerade im öffentlichen Dienst werden Sie dann bei der Bewerberauswahl bevorzugt behandelt (bei gleicher fachlicher Eignung).

Unabhängig davon, warum Sie eine Zeit lang nicht in einem Beschäftigungsverhältnis standen, machen Sie diese Lücke zu etwas Wertvollem. Sagen Sie, dass genau das für Sie der Anlass war, etwas zu verändern. Und schließlich schadet es nie, die bequeme Komfortzone auch mal zu verlassen.

  • Hinweis: Die Art der Erkrankung muss nicht genannt werden, es sei denn, sie wirkt sich auf die Tätigkeit selbst aus oder es besteht Ansteckungsgefahr!

Ehrlich währt am längsten

Kennen Sie Ihren Lebenslauf und Ihre Lücken. Halten Sie Ihre aufrichtigen Erklärungen fürs Vorstellungsgespräch bereit. Hier wird genau nachgefragt, hier kommt es auf Ihre Argumente an. Erklären Sie nachvollziehbar, warum Sie eine Auszeit hatten, welchen Sinn diese hatte und welches Ziel Sie damit verfolgt haben. Stehen Sie zu Ihren Lücken; Lügen wird ein gewiefter Personaler durch geschicktes Nachfragen ohnehin entlarven können. Diese große Peinlichkeit sollten Sie sich ersparen.

Betrachten Sie eine Absage aufgrund Ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen als Zeichen: Zeigt sich der Arbeitgeber verständnislos, ist es sowieso nicht der richtige Arbeitsplatz für Sie. Es gibt genug soziale Arbeitgeber, die auch Bewerbern mit Ecken und Kanten eine Chance geben.

Drei Tabus: So sollten Sie mit Lücken auf keinen Fall umgehen

  1. Wenn Sie Lücken wegmogeln oder bei den Beschäftigungszeiten falsche Angaben machen, ist das mehr als ein Kavaliersdelikt. Wenn die Lüge auffliegt, folgt im schlimmsten Fall die Kündigung. Außerdem drohen könnten strafrechtliche Konsequenzen drohen!
  2. Geben Sie als Grund einer Kündigung niemals Mobbing an oder reden schlecht über den Ex-Chef. Das gehört sich nicht und kommt nicht gut an. Sagen Sie lieber: Unsere Vorstellungen gingen zu weit auseinander, es war Zeit, sich zu trennen.
  3. Vermeiden Sie Schusselfehler. Gehen Sie bei der Erstellung Ihres Lebenslaufs akkurat vor. Vergessen Sie nichts. Prüfen Sie jedes einzelne Jahr auf mögliche Lücken und füllen Sie diese ehrlich und nachvollziehbar.

So nutzen Sie eine aktuelle bestehende Lücke sinnvoll

Beim Verfassen Ihres Lebenslaufs ist es wichtig, strategisch mit den Lücken in Ihrem beruflichen Werdegang umzugehen. Lücken können potenzielle Arbeitgeber aufhorchen lassen, da sie auf unerklärliche Arbeitslosigkeit oder lange Abwesenheit vom Arbeitsplatz hindeuten können. Diese Lücken können jedoch auch genutzt werden, um andere Aspekte Ihrer Erfahrung und Fähigkeiten hervorzuheben.
Betrachten Sie sie daher als Chance, sich weiterzuentwickeln und zu verbessern, und zeigen Sie, dass Sie engagiert und zielstrebig sind, auch wenn Sie nicht immer beruflich aktiv gewesen sind. Auch das kann beim Personaler Eindruck machen!

Formulieren Sie in Ihrer Bewerbung daher immer positiv, und seien Sie positiv. Es gilt die Devise: Das Glas ist immer halb voll.

  • Eine gescheiterte Selbstständigkeit können Sie so erklären: Als ich mein eigener Chef war, konnte ich viel über mich lernen. Ich habe für mich dabei festgestellt, dass eine Festanstellung besser zu mir passt und sich besser mit meinen Zielen vereinbaren lässt.
  • Wenn Sie zuletzt krank waren, sagen Sie: Während der Zeit meiner Erkrankung habe ich viel über mich lernen können. Mein Fokus liegt nach meiner Genesung darauf, wieder Teil der Arbeitswelt zu werden und beruflich aktiv zu sein, mein Fachwissen umzusetzen und dabei Neues zu lernen.
  • Arbeitslosigkeit erklären Sie zum Beispiel so: Als ich auf Jobsuche war, hat mir das die Augen in vielerlei Hinsicht geöffnet. Ich möchte eine Tätigkeit ausüben, mit der ich mich identifizieren kann. Deshalb habe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle bei Ihnen beworben.
  • Haftaufenthalte können mit einer Tätigkeit gefüllt werden, die Sie vielleicht ausgeübt haben in der Justizvollzugsanstalt. Ist das nicht möglich, können Sie im Gespräch immer noch sagen, dass Sie in dieser Zeit viel über Ihre berufliche Neuorientierung nachgedacht haben und die Vergangenheit nun hinter sich lassen wollen.

Jede Lücke im Lebenslauf sollte gefüllt sein, sowohl die dreimonatige Arbeitslosigkeit als auch die einjährige persönliche Auszeit. Wenn dies im Lebenslauf schlecht umsetzbar ist, dann halten Sie aussagekräftige Erklärungen und positive Formulierungen fürs Bewerbungsgespräch bereit.

Fazit: Mut zur Lücke, denn Dinge passieren

Lücken im Lebenslauf gibt es de facto eigentlich nicht. Denn selbst wenn Bewerber keiner Beschäftigung oder Weiterbildung nachgegangen sind, ist ja etwas passiert im Leben. Wer Lücken im Lebenslauf ohne Kommentar stehen lässt, hinterlässt Fragezeichen beim Personaler. Deshalb sollten Lücken immer vermieden werden. Wenn die Lücken nicht zu lang sind und ihr Hintergrund nachvollziehbar ist, gibt es keinen Grund zur Sorge. Dann haben sie auch kaum Einfluss auf den weiteren Bewerbungsprozess.

Wichtig ist: Falschangaben haben im Lebenslauf nichts zu suchen. Der Fokus einer Bewerbung sollte niemals auf den Lücken, sondern auf den Fähigkeiten, der beruflichen Qualifikation und den sonstigen Soft Skills legen. Lücken sollten zwar erklärt werden, mehr aber auch nicht. Ehrlichkeit ist dabei das A und O einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Das Leben ist keine Einbahnstraße und Dinge passieren, ohne dass wir sie immer planen können. Das verstehen auch Personaler. Wir sind alle Menschen mit Schwachstellen und Schicksalsschlägen. Das Leben verläuft niemals geradlinig. So what?

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.