Mentoring: Mit starker Begleitung zum beruflichen Erfolg

Mentoring: Mit starker Begleitung zum beruflichen Erfolg

Beruflicher Erfolg hängt in erster Linie von der persönlichen Motivation und den eigenen Fähigkeiten ab. Es ist vor allem für Neueinsteiger förderlich, einen versierten Ratgeber an ihrer Seite zu haben. Solche Förderer werden als Mentoren bezeichnet. Wie ein Mentoring genau funktioniert und wie Sie den perfekten Begleiter für Ihre berufliche Laufbahn finden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist Mentoring?

Jedes Unternehmen hat seine eigenen Regeln. Dazu gehören branchenspezifische Arbeitsweisen oder Umgangsformen zwischen Angestellten und Klienten. Auf diesen Codex müssen sich neue Kollegen einstellen.

Der Begriff 'Mentoring' spielt in der modernen Arbeitswelt eine vielschichtige Rolle. Er bezeichnet das Verhältnis zwischen einem erfahrenen Manager und einem Berufsanfänger. Solch ein Young Professional kann ein Auszubildender oder ein Quereinsteiger sein.

Beim Mentoring wird der Schützling von seinem Förderer angeleitet. Der langjährige Angestellte betreut ihn bei seinem beruflichen Einstieg und steht ihm als Ratgeber zur Seite. Diese Förderung soll den jungen Arbeitnehmer bei seiner Findungsphase im Betrieb unterstützen.

Die Teilnahme an Mentorenprogrammen ist eine freiwillige Entscheidung. Jeder Interessent darf sich zum Mentor ausbilden lassen oder sich einen Partner suchen, der ihn angemessen fördern kann.

Wie unterstützt ein Mentor Ihre berufliche Weiterentwicklung

Für Ihre berufliche Weiterentwicklung ist es nützlich, wenn Sie einen Mentor finden. Dessen Rolle ist seit der Antike bekannt, viele erfolgreiche Menschen stützten sich darauf: Der Mentor von Platon war Sokrates, der des Psychoanalytikers C.G. Jung das große Vorbild Sigmund Freud.

Mentoren beraten, geben immense Erfahrungen weiter und unterstützen ihre Schützlinge durch Fürsprache, das eigene Netzwerk und das Gewicht des eigenen Ansehens. Im Berufsleben können Sie Ihren Mentoren ansprechen, wenn sich offene Fragen stellen. Sie dürfen ihm vertrauen und ihn vor wichtigen Entscheidungen konsultieren. Das hilft am Anfang einer Karriere, aber auch in deren fortgeschrittenem Stadium. Der Mentor wird Sie inspirieren. Sie dürfen ihm über seine Schulter schauen, damit Sie feststellen, wie ein erfahrener Kollege mit kritischen Situationen umgeht. Seine Rolle ist teilweise die eines Türöffners, der Ihnen sein Netzwerk zur Verfügung stellt, teilweise die eines Lehrers. Wie ein Lehrer übt er auch Kritik: Er hinterfragt Sie, hält Ihnen einen Spiegel vor und spricht unangenehme Dinge an. Das ist nicht immer ein angenehmer Prozess, jedoch (fast) immer sehr hilfreich für Ihre Reflexion und Weiterentwicklung.

Mentoring vs. Coaching: Wo liegt der Unterschied?

Coaching ist ein Begriff, der oft mit dem Mentoring gleichgesetzt wird, doch diese Beziehungen unterscheiden sich. Bei Coachings liegt der Schwerpunkt nicht auf der Förderung, sondern auf der Beratung des Mitarbeiters. Der Coach hilft für einen zeitlich sehr begrenzten Zeitraum, vor allem aber berät er nur. Ein Netzwerk für Ihr berufliches Umfeld bringt er nicht mit. Dieses aber gehört zum Mentoring, das überdies langfristig und sehr persönlich angelegt ist.

Beim Mentoring nimmt die persönliche Ebene einen zentralen Stellenwert ein. Diese Beziehungsebene trifft nicht auf Coachings zu. Ein Coach begegnet seinem Gegenüber auf Augenhöhe. Das Verhältnis zwischen Mentor und Schützling ist hierarchisch geprägt. Trotz aller Professionalität kann sich ihre berufliche Beziehung zu einer Freundschaft entwickeln. Beide Beteiligte wissen den Wert ihrer Partnerschaft zum Wohl des Anderen, aber auch zum eigenen Wohl zu schätzen. In diesem Fall spricht man von informellem Mentoring.

Coachings unterliegen zeitlichen Begrenzungen. Mentorings sind langfristig angelegte Maßnahmen. Die Ratschläge eines Mentors sind immer subjektiv. Coaches halten sich mit persönlichen Meinungsäußerungen zurück und konzentrieren sich stattdessen auf Methodik.

Die Parallelen bestehen in der beratenden Funktion beider Verfahren. Auch das Coaching zielt auf die bestmögliche Betreuung des Mitarbeiters ab. Der Arbeitnehmer nimmt die Angebote in Anspruch, um an seiner beruflichen Persönlichkeit zu wachsen und sich seinen Vorstellungen entsprechend weiterzuentwickeln. Deshalb kommt Mentorings und Coachings eine individuelle Komponente zu, die vom Ratsuchenden abhängt.

Was macht einen guten Mentor aus?

Das Aufgabenfeld des Beraters setzt sich aus mehreren Funktionen zusammen. Bei allen Eigenschaften als Wegbegleiter steht er in einem Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Vorgesetzten. Seine Ratschläge orientieren sich an den Werten der Führungsriege. Diese Form von Loyalität trifft nicht auf externe Mentoren zu.

Qualifizierte Mentoren besitzen die Fähigkeit, ihrem Schützling mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen. Sie äußern sachliche Kritik, ohne die Person ihres Mentees in Frage zu stellen.

Ein Mentor fungiert als Berater. Er leitet den Mentee bei seinen beruflichen Anforderungen an. Bei dem gegenseitigen Austausch stehen die Ziele der geförderten Person im Vordergrund. Der Mentor gibt nach eigenem Ermessen Ratschläge. Für die Umsetzung ist er jedoch nicht zuständig. Wenn der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung innerhalb des Betriebs besteht, knüpft der Mentor Kontakte zu anderen Abteilungen im Unternehmen.

Vertraulichkeit steht an erster Stelle. Beim Mentoring dringt kein Gesprächsinhalt nach außen und wird auch nicht mit der Führung besprochen. Der Mentee kann seinen Berater allerdings von seiner Schweigepflicht entbinden.

Was bringt mir ein Mentoring?

Mentorenprogramme dienen der beruflichen und zwischenmenschlichen Orientierung. Arbeitnehmer versprechen sich bessere Karrierechancen, wenn sie sich von einem erfahrenen Mentor anleiten lassen.

Bei dieser Partnerschaft lernen sich beide Seiten auch als Personen kennen. Gleichzeitig lernen sie etwas über sich selbst. Solche Programme haben für den Betreuer ebenso viel Nutzen wie für den Betreuten.

Angehende Hochschulabsolventen können sich an ihrer Universität einen Begleiter suchen, um sich auf ihre Promotion oder die abschließende Prüfung vorzubereiten. Während der Schreibphase ist der betreuende Dozent ihr Ansprechpartner. Doktoranden wählen ihren Doktorvater nach verschiedenen Kriterien aus:

  1. Zusammenhang zwischen dem Thema der Doktorarbeit und dem Forschungsschwerpunkt des Dozenten
  2. Persönliche Beziehung und Empfehlung durch Dritte
  3. Möglichkeiten einer beruflichen Förderung im akademischem Milieu

Meistens geht dem Mentoring an der Hochschule ein persönlicher Kontakt voraus. Betreuer und Doktorand sind sich nicht fremd, sondern kennen sich aus früheren Semestern. Sie können ihre Position zu wissenschaftlichen Fragestellungen besser einschätzen und nehmen diesen Hintergrund als Basis für eine Zusammenarbeit.

Wie oft sollte ich meinen Mentor treffen?

Der Austausch mit dem Mentor sollte in regelmäßigen Abständen erfolgen. Häufige und vor allem vertraute Kontakte zwischen Mentor und Protegé fördern die Karriere. Gelegentliche Termine finden im Rahmen von Coachings statt.

Überlegen Sie auch schon zu Beginn des Mentorings, wie lange diese Partnerschaft dauern soll. Jedes Mentor-Mentee-Verhältnis braucht einen überschaubaren Zeitrahmen. Die Häufigkeit und Rahmenbedingungen der Treffen werden einvernehmlich festgelegt. Auch nach dem Programm bleiben viele Mentoren mit ihren Schützlingen in Verbindung. An diesem Verhältnis kann nach Bedarf wieder angeknüpft werden. Unter solchen wünschenswerten Umständen kann eine jahrelange kollegiale Partnerschaft entstehen.

Was macht mich für den Mentor interessant?

Die Konstellation beim Mentoring ist nicht einseitig. Auch der Mentor kann vom Young Professional etwas Neues lernen. In Feedbackgesprächen teilt ihm sein Schützling mit, welche Fortschritte er im Rahmen des Programms gemacht hat. Diese Rückmeldungen spiegeln die Fähigkeit des Mentors wider. Er erfährt, wo seine Stärken als Berater liegen und in welchen Bereichen noch Verbesserungsbedarf besteht.

Selbst einen Mentor suchen: So geht es

  1. Bevor der Mentee nach einem Förderer sucht, sollte er sich über den Zweck der Patenschaft im Klaren sein. Dazu gehört die Frage, ob man tatsächlich einen Mentor oder einen Coach sucht.
  2. Qualifizierte Mentoren nehmen ihre Rolle als Förderer gegenüber ihrem Schützling ernst. In einer ersten Kontaktaufnahme lernen sich beide Seiten persönlich kennen.
  3. Einsteiger müssen sich über die Bedingungen der Mentorenprogramme informieren. In einem seriösen Programm bereiten sich die zukünftigen Mentoren in Seminaren auf ihre Tätigkeit vor. Als Mentee darf man nach Zertifikaten fragen, welche die Qualifikation der Mentoren bescheinigen.
  4. Die Wahl sollte auf einen Mentor fallen, der nicht fachfremd ist. Er muss die Branche genau kennen, um zielführende Ratschläge geben zu können.
  5. Bei der Teilnahme an Jobmessen, Seminaren oder betriebsinternen Projekten lernt man neue Leute kennen. Unter ihnen ist möglicherweise der ideale Fürsprecher. Solche Bekanntschaften können im Zuge der Mentorensuche aufgefrischt werden.
  6. Mentoring-Programme am Arbeitsplatz nutzen: Einige Unternehmen bieten eigene Mentorenprogramme an. Sie haben Beziehungen oder können Kontakte zu externen Mentoren herstellen.
  7. Falls sich kein geeigneter Ratgeber findet, ist Selbstreflexion empfehlenswert. Stellen Sie sich vor, dass Ihnen ein Unterstützer zur Seite steht. Bei neuen Aufgaben lautet die Frage: 'Was würde mir mein imaginärer Betreuer raten?'.

Was, wenn die Chemie nicht stimmt?

Leider harmoniert die Partnerschaft zwischen Mentor und Schützling nicht immer auf Anhieb. In diesem Fall sollte der Mentee den Mut aufbringen, seine Bedenken offen anzusprechen.

  1. Viele Missverständnisse werden durch mangelhafte Kommunikation verursacht. In diesem Fall ist ein offener Dialog ratsam. Beide Gesprächspartner sollten Unstimmigkeiten in ihrem Verhältnis zueinander klären können, ohne unsachliche Kritik zu üben. Bleiben Sie in Ihrer Kritik immer konstruktiv. Solch ein professioneller Umgang fördert die Beziehungen zwischen Förderer und Protegé.
  2. Manche erfahrenen Mentoren nutzen ihre Position zum Nachteil des Mentees aus. Diese bewusste Hierarche ist ein Kritikpunkt. Ein Mentor nimmt aufgrund seiner längeren Karrierelaufbahn eine übergeordnete Stellung ein. Sie darf aber nicht gegen den Schützling ausgespielt werden.
  3. Der Mentee kann sich mit dem Vorgesetzten oder dem Leiter des Programms in Verbindung setzen, um die Probleme zu klären.
  4. Wenn sich Konflikte nicht lösen lassen oder das Verhältnis angespannt bleibt, empfiehlt sich die Suche nach einem neuen Mentor. Der Vorgesetzte kann zu Rate gezogen werden, um 'Kandidaten' vorzuschlagen.

"Reverse Mentoring" als neues Konzept

Das sogenannte Reverse Mentoring ist ein neues, aber erfolgreiches Konzept. Bei diesem wechselseitigen Mentoring treten beide Parteien als Feedbackpartner auf. Sie loben und kritisieren die Leistungen ihres Gegenübers.

Bei dieser Variante des Mentorings ist das hierarchische Gefälle niedriger. Die Kommunikation verläuft auf einer persönlichen Ebene, die ein hohes Maß an Vertrauen voraussetzt. Der vertrauensvolle Austausch hat positive Auswirkungen auf die Zusammenarbeit. Unstimmigkeiten lassen sich leichter beheben oder kommen gar nicht erst auf.

Es besteht die Möglichkeit eines Rollentauschs: Der Betreuer lässt sich vom Mentee beraten. Beide handeln umgekehrt und der Schützling kann auf sein Wissen zurückgreifen, welches ihm vermittelt wurde. Deshalb ist eine langfristige Partnerschaft beim Reverse Mentoring kein Zufall, sondern ausdrücklich erwünscht.

Fazit: Mentoring ist mehr als nur berufliche Begleitung

Die Förderung durch einen Mentor öffnet berufliche Türen. Beim Mentoring lernt der Neueinsteiger seine zukünftige Tätigkeit kennen. Zu dieser Einführung zählen nicht nur die fachlichen Inhalte, sondern auch verschiedene Werte und Arbeitswesen.
Mentees sollten sich für einen erfahrenen Mitarbeiter entscheiden, den sie sich als Vorbild nehmen können. In erster Linie müssen beide Seiten miteinander harmonieren. Gegenseitige Sympathie ist die entscheidende Grundlage für ein erfolgreiches Mentoring.
Nicht nur der Unterstützte freut sich über Wertschätzung. Auch der Mentor fühlt sich in seiner Funktion bestätigt, wenn er für seinen Beistand gelobt wird. Auf diese Weise signalisiert ihm der Mentee, dass er seine Aufgabe als Förderer zufriedenstellend erfüllt.

Mit der Zeit kann sich aus dem Mentoring im Job ein freundschaftliches Verhältnis entwickeln. Dieser Wandel hat nichts mit mangelhafter Professionalität zu tun, sondern sollte als Bestätigung der harmonischen Zusammenarbeit gewertet werden. Ein guter Berater ist offen für neue Erkenntnisse. Auch - oder gerade dann - wenn er sie seinem Protegé verdankt.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.