Prokrastination: Die Aufschieberitis schnell loswerden

Prokrastination: Die Aufschieberitis schnell loswerden

Prokrastination ist die Eigenheit, dringende Arbeiten bis zuletzt vor sich her zu schieben. Im Berufsleben kann das sehr prekäre Auswirkungen haben. Lernen Sie hier die Ursachen dieser unproduktiven Praxis und Möglichkeiten zu ihrer Überwindung kennen.

Welche Gründe gibt es für die Aufschieberitis?

Fast jeder Mensch kennt von sich selbst die Eigenheit, etwas nicht gleich erledigen zu wollen. Das führt am Ende zu großem Zeitdruck und damit zu Stress. Bei einigen Menschen wird diese schädliche Eigenheit zum Dauerzustand. Für die Prokrastination gibt es aus fachlicher Perspektive drei Hauptgründe:

  • Grund 1 Überforderung: In einer Überforderungssituation ist es relativ normal, Dinge zunächst nicht zu erledigen. Es fehlen hierfür die Zeit und die Kraft. Das passiert praktisch allen überforderten Menschen, doch es gibt Personen, die dauerhaft überfordert zu sein scheinen. Sonst wären sie nicht von prokrastinativem Verhalten betroffen.
  • Grund 2 Widerstand gegen äußeren Druck: Äußerer Druck baut bei manchen Menschen einen großen inneren Gegendruck auf, der sich dann im aufschiebenden Verhalten entlädt. Woher der äußere Druck kommt – von Vorgesetzten oder durch objektive Zwänge –, kann dabei egal sein. Die Betroffenen wehren sich und lassen die Arbeit liegen.
  • Grund 3 Verlass auf andere: Es gibt durchaus Menschen, die sich auf ihr Umfeld verlassen. Dieses wird die Sache schon richten, glauben sie – und behalten damit allzu oft recht. Oft hat diesen Buben die Mama alles nachgeräumt, als sie noch ganz klein waren. Inzwischen sind sie über 40 und haben eine Kollegin von Anfang 30, die selbst Mama so eines Buben ist und reflexartig auch dem kindlichen Kollegen alles abnimmt.

Wie lässt sich eine Prokrastination überwinden?

Es gibt Mittel gegen diese Schwäche, die wir ebenfalls in drei Strategien darstellen wollen:

  • Tipp 1 feste Strukturen: Entwickeln Sie feste Strukturen in Ihrem Arbeits- und Lebensalltag. Schon Schüler und Studenten können sich in Lerngruppen zusammenschließen und damit klare Lernphasen in einem festen Umfeld definieren. Berufstätige sollte sich eine tägliche und wöchentlich To-do-List anlegen – mit relativ festem Zeitplan. Freies Arbeiten ist für Menschen, die zur Aufschieberitis neigen, kein geeignetes Modell.
  • Tipp 2 auf passendes Umfeld achten: Sie benötigen ein Wirkungsumfeld, das zur Arbeit und zur Ihren eigenen Stärken passt. Damit sind das soziale Umfeld und auch der Arbeitsort gemeint. Wer beispielsweise in einem freundlichen Büro unter Kollegen sitzt, hat das deutliche Gefühl, auch pünktlich etwas leisten zu müssen. Das Home Office wäre aber wahrscheinlich der falsche Ort. Auch das soziale Umfeld sollte stimmen. Es soll motivieren, fördern und auch angemessen fordern.
  • Tipp 3 eigene Ziele verfolgen: Wer über Eigenmotivation verfügt, weil er ein wirklich großes Ziel vor Augen hat, schiebt die Aufgaben nicht vor sich her. Sie sollten sich also oft fragen, was Sie erreichen möchten und was Sie am meisten antreibt. Dann streben Sie solche Arbeiten an. Das ist nicht immer leicht, doch es lohnt sich. Auf keinen Fall sollten Sie sich auf Dauer an einen vollkommen ungeliebten Job binden.

Wir dürfen dabei freilich nicht vergessen, dass eine echte Prokrastination psychopathologische Züge hat und sich klinisch definieren lässt. Sie kann auch auf einer Depression basieren und würde damit nur temporär auftreten, doch auch ADHS kann die Ursache sein. Daher sollten Betroffene die Gang zum Psychologen nicht scheuen, weil es moderne Diagnosemethoden und auch Therapieansätze gibt.

 

 

 

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.