Selbstvorstellung: Persönliche Worte mit großer Wirkung

Selbstvorstellung: Persönliche Worte mit großer Wirkung

Ob im privaten oder im beruflichen Umfeld, eine Selbstvorstellung gehört im gesellschaftlichen Miteinander dazu. Dabei geht es nicht darum, der weltbeste Redner oder Entertainer zu sein, sondern sein Gesprächsgegenüber mit dem Erzählten zu fesseln und von Ihrer Persönlichkeit zu überzeugen.

Nur die wenigsten sind von Natur aus so redegewandt und schlagfertig, dass sie aus dem Stegreif über sich sprechen können, ohne dabei nervös zu werden. Wir sind alle keine Wolfs of Wall Street. Dearum ist nichts im Bewerbungsprozess schwieriger, als sich selbst optimal zu verkaufen. Nicht umsonst geraten die meisten Bewerber ins Schwitzen und Stottern, wenn sie aufgefordert werden, etwas von sich zu erzählen. Dabei ist eine Kurzvorstellung eine einmalige Chance, wenn sie denn gut vorbereitet und überzeugend präsentiert wird.

Wir verraten, wie es geht.

Was ist eine Selbstvorstellung?

Eine Selbstvorstellung oder Kurzvorstellung ist fast immer Teil vom Vorstellungsgespräch. Auch im Assessment Center wird sie oft verlangt. Wie der Begriff selbst bereits verrät, geht es darum, dass die im Mittelpunkt stehende Person etwas von sich selbst erzählt, das im Kontext des Gesprächs steht.

Worum geht es bei einer Selbstvorstellung im Bewerbungsgespräch?

Es geht nicht darum, den schriftlichen Lebenslauf eins zu eins wiederzugeben. Der Personaler oder Chef hat sich diesen ja bereits anschauen können. Stattdessen ermöglicht eine Kurzvorstellung, mit einem offenen Wesen, ein paar positiven Charakterzügen und herausragenden beruflichen Erfolgen zu glänzen. Der Gesprächspartner soll mit einer kurzen, aussagekräftigen und kreativen Perfomance überrascht, begeistert und überzeugt werden.

Erzählen Sie in einer Kurzvorstellung Ihren Gesprächspartnern, wer Sie sind und was Sie für das Unternehmen leisten wollen. Folgende Fragen können beim Aufbau einer Kurzvorstellung hilfreich sein:

  • Wer sind Sie?
  • Was tun Sie?
  • Welche Fähigkeiten zeichnen Sie aus?
  • Weshalb kann das Unternehmen bei einer Zusammenarbeit mit Ihnen profitieren?

Filtern Sie bei Ihrer Kurzvorstellung die für den Job wichtigen beruflichen Stationen heraus und konzentrieren Sie sich darauf. Seien Sie sparsam mit Nebensächlichkeiten, aber bauen Sie Anekdoten ein, die etwas über Ihren Charakter verraten und im Zusammenhang mit der Stelle stehen.

Tipp: Langweilen Sie Ihr Gesprächsgegenüber nie mit unnötigen Details.

Welchen Sinn hat die Selbstvorstellung im Vorstellungsgespräch? 

In folgenden Situationen wird sie genutzt:

  • als Vertreter eines Unternehmens beim Austausch mit Geschäftspartnern
  • beim Bewerbungsgespräch
  • bei Messeauftritten oder sonstigen beruflichen Veranstaltungen
  • im Gespräch mit Neukunden
  • beim Antritt einer neuen Stelle
  • beim Kennenlernen neuer Kollegen
  • beim Austausch mit Personal anderer Firmen
  • in Arbeitskreisen oder -gruppen
  • auf Empfängen
  • im privaten Bereich auf Partys, großen Feiern oder außergewöhnlichen Veranstaltungen
  • in Seminaren oder Fortbildungskursen

In der Regel werden Kurzpräsentationen gern als Aufhänger für das Vorstellungsgespräch im Bewerberprozess verwendet. Nach einer obligatorischen Begrüßung aller Anwesenden und eventuell etwas Smalltalk wird dann üblicherweise das Wort an den Bewerber mit der Bitte um eine kurze Selbstvorstellung weitergegeben.

It’s your turn!

Personaler wollen sich bei einer Selbstvorstellung ein eigenes Bild von Ihnen als Mensch, als Bewerber und als potenziellen neuen Mitarbeiter machen. Wie treten Sie auf? Passt das Gesagte mit dem schriftlichen Lebenslauf und dem Rest Ihrer Bewerbung zusammen? Können Sie überzeugend argumentieren? Die kurze Vorstellung soll Ihr Profil also in einer kurzen Zeitspanne vertiefen und möglichst die Frage beantworten, warum ausgerechnet Sie die bestgeeignete Person für den Job sind.

Bewerber möchten als vertrauensvolle Sympathieträger und als interessante, offene sowie geistreiche Persönlichkeiten mit Kompetenz und Fachwissen erscheinen. Damit das gelingt, ist es hilfreich, sich folgende Fragen im Vorab selbst zu stellen und zu beantworten:

  • Warum sind Sie heute hier?
  • Warum sollten gerade Sie die Stelle bekommen?
  • Welchen Nutzen hat das Unternehmen davon, wenn es Sie einstellt?

Die gelungene Kurzvorstellung: Richtig vorbereiten, glänzen und überzeugen

„Erzählen Sie uns etwas über sich selbst.“ Nach diesem Satz haben Sie die schwierige, wenngleich aber auch wunderbare Gelegenheit, Ihre Zuhörer in wenigen Sekunden von sich zu überzeugen, zumindest aber neugierig auf Sie zu machen. Wenn Sie kein Naturtalent sind, dann schaffen Sie das nur mit einer sorgfältigen und professionellen Vorbereitung.

Wirkungsvolle Methoden

Ein probates Mittel der Selbstpräsentation ist der Elevator Pitch. In weniger als zwei Minuten sollte Ihr Gesprächspartner wissen, mit wem er es zu tun hat, worin Ihre größte Kompetenz liegt, welche Stationen Sie in Ihrem Werdegang geprägt und welche Positionen Sie bereits besetzt haben. Im Elevator Pitch fassen Sie innerhalb von kurzer Zeit wesentliche Punkte zusammen, die relevant sind für die Stelle und gleichzeitig beleuchten Sie Ihre herausragendsten Stärken. So weiß Ihr Zuhörer am Ende im Idealfall, warum er Sie einstellen sollte.

Tipp: Vergessen Sie nicht, das Ganze mit einer Portion Humor zu würzen. So können Sie Ihre eigene Aufregung etwas abmildern und die angespannte Situation spielend leicht auflockern.

Visualisieren Sie!

Zählen Sie nicht nur Ihre wichtigen Karrierestationen und Stärken auf, sondern erzählen Sie eine Geschichte. Geschichten erzeugen Aufmerksamkeit und Emotionen. Wenn Sie richtig beeindrucken wollen, dann lassen Sie sich eine Präsentation mit Bildern einfallen. Damit rechnen Arbeitgeber nicht zwangsläufig. Gerade in einem kreativen Beruf wie Mediendesigner kommt eine entsprechende Selbstpräsentation gut an.

Nennen Sie Beispiele für Ihre Stärken!

Zählen Sie nicht einfach nur auf, was Sie gut können, sondern belegen Sie es mit Beispielen aus Ihrem bisherigen Werdegang und Ihrem Leben. So kreieren Sie eine individuelle Kurzvorstellung, die viel über Sie aussagt.

  • Teamfähigkeit und Teamgeist (Treiben Sie Sport in einem Team oder führen Sie eine Mannschaft an? Haben Sie schon mal eine Führungsposition ausgeübt in Ihrem Beruf?)
  • Verantwortung übernehmen (Leiten Sie einen Verein oder eine Sportgruppe?)
  • Flexibilität (Sind Sie mobil? Können Sie auch am Abend und am Wochenende arbeiten? Wenn Sie Kinder haben: Ist die Kinderbetreuung gesichert?)
  • Ehrgeiz (Haben Sie Wettbewerbserfahrung? Gibt es erfolgreiche Projekte, die Sie nachweisen können?)
  • Kreativität (Welche außergewöhnlichen Hobbys haben Sie?)
  • Zahlen- oder Datenaffinität (Begeistern Sie in Ihrem Umfeld Ihre Mitmenschen mit Ihrem außergewöhnlichen Verständnis für Zahlen oder Daten?)
  • Programmierkenntnisse (Welche sind das? Für wen und was haben Sie bereits programmiert?)
  • Sprachen (Gab es längere Auslandsaufenthalte, bei denen Sie Ihre Fremdsprachenkenntnisse vertiefen konnten? Haben Sie sonstige Sprachkurse besucht und auf welchem Niveau sprechen Sie Fremdsprachen? Bringen Sie ein paar Sätze in einer Fremdsprache in Ihrer Selbstpräsentation mit ein, sofern diese einen Bezug zur Stelle haben.)
  • Soziale Kompetenz (Sind Sie ehrenamtlich tätig? Trainieren Sie eine Mannschaft in Ihrer Freizeit? Helfen Sie in der Nachbarschaft?)

Wenn Sie Ihren Fähigkeiten in kleinen Stories verpacken, bleiben Sie als Bewerber in positiver Erinnerung.

Tipp: Lassen Sie kleine Schwächen geschickt mit einfließen in Ihrer Präsentation, das macht sie menschlich und Sie ersparen sich die (Fang-)Frage nach Ihren Schwächen.

Nutzen Sie die bekannte AIDA-Formel!

AIDA steht für: Attention – Interest – Desire – Action. Wenn Sie Ihre Kurzvorstellung nach diesem Prinzip gestalten, wird ein roter Faden erkennbar sein für Ihre Zuhörer und Sie kommen nicht in die Gelegenheit, sich im Erzählten zu verlieren. Gehen Sie nach dieser Reihenfolge beim Aufbau Ihrer Präsentation vor:

  1. Aufmerksamkeit verschaffen

Da es im Vorstellungsgespräch vornehmlich um Sie geht, wird Ihnen die notwendige Aufmerksamkeit natürlich schon geschenkt. Sie müssen also mit einem gelungenen Einstieg in Ihre Vorstellung starten. Starten Sie zum Beispiel mit der Frage: „Warum ich für Ihr Unternehmen die richtige Person bin? Ich will es Ihnen gern erläutern und Sie von mir überzeugen.“ Lächeln Sie und versuchen Sie, möglichst unverkrampft zu sprechen. Sie können sich auch bedanken für die Einladung und sagen, dass Sie sich freuen, heute hier zu sein und etwas von Ihnen erzählen zu dürfen.

  1. Interesse wecken

Nennen Sie die interessanten Aspekte Ihrer bisherigen Karriere oder berichten Sie von Ihren größten Erfolgen. Machen Sie Ihre Zuhörer neugierig auf sich. Belegen Sie Ihre Aussagen über Ihre Kompetenz mit vielen Beispielen.

  1. Verlangen erzeugen

Argumentieren Sie überzeugend, wenn Sie über Ihre Berufserfahrung, Ihr Können und Ihr Fachwissen reden. Unterstreichen Sie hierfür auch Ihre Persönlichkeit. Bewirken Sie beim Arbeitgeber, dass er Sie gern als Mitarbeiter haben möchte. Denken Sie daran, dass er sich fragen wird, inwiefern sein Unternehmen von Ihnen als Mitarbeiter profitieren wird. Geben Sie ihm Antworten darauf.

  1. Aktion

Beenden Sie Ihre Präsentation mit einer klassischen Aufforderung wie: „Genug von mir, jetzt ist es an Ihnen!“ oder „Trauen Sie sich, mich einzustellen. Sie werden es nicht bereuen.“ Seien Sie etwas mutig und wenn es Ihrem Naturell entspricht, schließen Sie humorvoll Ihre Selbstvorstellung ab. Viele Vorstellungsgespräch laufen routiniert ab. Personaler und Chefs freuen sich bestimmt über ein bisschen Abwechslung.

Einfache Regeln, um Eindruck zu machen: Der Ablauf

Nach der Einleitung beginnen Sie mit Ihrem Namen, Ihrem Alter und Ihrem Familienstand. Das steht zwar auch in Ihrem Lebenslauf, aber zu einer Vorstellung gehören diese Angaben immer. Sie können diese Angaben etwas ausschmücken, das macht Sie auf Anhieb menschlich und nahbar. Sagen Sie vielleicht ganz kurz etwas zu Ihrer Familie (Partner, Kinder, Haustiere).

Erzählen Sie als nächstes, was Sie gelernt haben und warum. War das schon von Anfang Ihr Traumberuf? Sind Sie ein Typ, der immer wieder Neues lernen will? Kommen Sie dann zügig auf Ihre Berufspraxis zu sprechen. Hier müssen Sie filtern und unwichtigere Stationen oder Aufgabenbereiche weglassen. Fügen Sie herausragende Erfolge mit ein in Ihre Präsentation (ein tolles Projekt, ein spannender Auslandsaufenthalt, eine nützliche Weiterbildung).

Runden Sie alles mit ein paar persönlichen Informationen ab (ein auffallendes Hobby oder eine lustige Anekdote). Stellen Sie einen Bezug zur Stelle her.

Vergessen Sie nicht, zu erklären, warum Sie in der Stelle Ihren Traumjob sehen. Sagen Sie, auf welche Aufgaben im Unternehmen Sie sich freuen.

Tipp: Rechnen Sie mit Nachfragen und bereiten Sie sich auch darauf vor.

Das Telefoninterview

Wenn Sie sich am Telefon selbst vorstellen, dann können Sie nicht mit Ihrer Erscheinung punkten. Jetzt kommt es vor allem auf die Stimme, die Tonalität und die Wahl der Worte an. Sprechen Sie deutlich und nicht zu schnell. Eine klare Aussprache ist essenziell. Machen Sie auch kurze Pausen.

Diese Fehler sollten Sie vermeiden

  • Unsicherheiten im Auftreten
  • Widersprüche zur Bewerbung
  • Lücken, die Sie nicht nachvollziehbar erklären können
  • Stottern und schwammige Erläuterungen
  • wildes Gestikulieren oder verschränkte Arme
  • fehlender Blickkontakt
  • unpassende Kleidung, die Schweißflecken nicht verbirgt
  • stoische Wiedergabe des schriftlichen Lebenslaufs

Versuchen Sie, Ihre Selbstpräsentation mit einer Portion Charme, einem Hauch Selbstironie und viel Selbstbewusstsein zu präsentieren. Seien Sie in jedem Fall Sie selbst. So sorgen Sie für Authentizität.

Tipp: Üben Sie vorm Spiegel, bis Ihre Präsentation sitzt. Achten Sie dabei auf Ihre Körpersprache. Proben Sie, wenn möglich, mit einem Freund oder Ihrem Partner. Bitten Sie dann um ehrliches Feedback.

Fazit - Kurz und knackig

Die Selbstvorstellung unterstreicht Ihre schriftliche Bewerbung. Bewerbung und persönlicher Auftritt müssen zusammenpassen und stimmig sein. Stapeln Sie nie zu tief, wenn es um Sie selbst geht. Denn immerhin haben Sie als Arbeitnehmer etwas zu bieten.

Versuchen Sie aber auch nicht, jemand zu sein, der Sie nicht sind. Ein schlechtes Schauspiel fliegt schnell auf, spätestens bei einer Einstellung. Denken Sie langfristig und geben Sie etwas von Ihrem Charakter preis, vornehmlich natürlich Ihre positiven Seiten.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.