Was versteht man unter dualer Ausbildung?

Was versteht man unter dualer Ausbildung?

Die duale Ausbildung ist die weitaus häufigste Variante der Berufsausbildung in Deutschland. Über die Hälfte der deutschen Jugendlichen geht diesen Ausbildungsweg, der weltweit bewundert wird, den es vergleichbar aber nur in der Schweiz und in Österreich gibt. Erfahren Sie hier, wie das System funktioniert und welche Vorteile es hat.

Internationale Aufmerksamkeit für das duale System

Das System wird in China, in den USA und in Spanien so genau beobachtet, dass diese Staaten erwägen, es einzuführen. Darauf verweist die IHK. Große internationale Konzerne haben es schon in ihren einheimischen, nicht in Deutschland ansässigen Betrieben eingeführt, so etwa Seat als spanischer Automobilhersteller. Dort findet inzwischen die Berufsausbildung nach dem deutschen dualen Modell statt. Deutsche Konzerne wie Volkswagen wiederum exportieren das System, VW hat 2010 ein derartiges Ausbildungsprogramm im russischen Kaluga gestartet. Dort werden jetzt Mechatroniker dual ausgebildet. Die Regierungen und Konzernlenker erhoffen sich davon eine bessere Qualifizierung und auch die Verringerung der vielfach grassierenden Jugendarbeitslosigkeit, die beispielsweise in Spanien besonders hoch ist.

Was bedeutet “duale Ausbildung”?

Dieses Ausbildungssystem, nach dem die meisten der 350 in Deutschland staatlich anerkannten Ausbildungsberufe unterrichtet werden, basiert auf der zweigeteilten Ausbildung in einem Fachbetrieb und an der Berufsschule. Das theoretische Fachwissen vermittelt die Berufsschule, im Betrieb erwerben die Azubis praktische Fähigkeiten und Kenntnisse. Diese Kombination ist die Besonderheit der dualen Berufsausbildung, die den Azubis eine sehr praxisorientierte Qualifikation mit einem guten theoretischen Fundament verschafft. Ihre Chancen erhöhen sich dadurch auf dem Arbeitsmarkt sehr deutlich. Der Berufsschulunterricht findet üblicherweise an zwei Tagen wöchentlich statt, sodass sich Theorie und Praxis permanent abwechseln und sinnvoll ergänzen. Es gibt allerdings auch die Blockform des Schulunterrichts. In einigen Ausbildungsberufen erscheint das aus rein inhaltlichen Gründen sinnvoller. Die Azubis besuchen dann jeweils für einige Wochen die Schule oder den Ausbildungsbetrieb. Grundsätzlich ist das System bundesweit einheitlich geregelt, Unterschiede gibt es nur zwischen den Branchen und/oder Ausbildungsberufen. Die einheitliche Ausbildung in einem Beruf verschafft den jungen Facharbeitern überall die gleichen Chancen, was auf Abiturienten leider nicht zutrifft.

Alternativen zur dualen Ausbildung

Es gibt natürlich noch andere Ausbildungsarten auch in Deutschland, die sich für bestimmte Berufe gut eignen. Im Folgenden ein Überblick:

  • Berufsfachschule oder Fachakademie: Diese rein schulische Ausbildung wird vorrangig für Berufe im Gesundheitswesen angeboten, so etwa für Altenpfleger. Aber auch Assistenten für Informatik und Erzieher durchlaufen die schulische Ausbildung.
  • Beamtenausbildung: Beamte durchlaufen eine Ausbildung je nach Laufbahn zum Beispiel als Beamter für allgemeine innere Verwaltung, für die Bundesbank oder für die Feuerwehr.
  • Fachabitur: Bei diesem Ausbildungsgang erwerben junge Leute die Hochschulreife und zusätzlich einen Berufsabschluss. Diese Zusatzqualifikationen können zum Beispiel der Eurokaufmann, der Europaassistent oder der Handelsfachwirt, aber auch die Heilerziehungs- oder Krankenpflege sein.
  • Duales Studium: Mit dem Abitur, der Fachhochschulreife oder der fachgebundenen Hochschulreife ist diese Kombination aus Studium und beruflicher Ausbildung möglich.

Wie ist die duale Ausbildung juristisch geregelt?

Die Rechtsgrundlagen schafft das Berufsbildungsgesetz (BBiG) gemeinsam mit den einzelnen Ausbildungsverordnungen für die jeweiligen Berufe. Diese juristischen Rahmenbedingungen beziehen sich unter anderem auf die Pflichten und Rechte der Azubis und der Ausbilder, aber auch auf Ausbildungsinhalte. Die Regelungen für den Einzelfall finden sich im jeweiligen Ausbildungsvertrag. Kontrolliert werden sie durch die zuständigen Stellen wie die HWK oder die IHK. Diese nehmen auch die Prüfungen ab.

Ausbildungsbereiche und Berufe für die duale Ausbildung

Die Ausbildungsberufe lassen sich fünf Ausbildungsbereichen zuordnen. Diese sind:

  • Industrie und Handel: z.B. Bankkaufmann, Fachinformatiker, Bürokaufmann, Industriemechaniker, Verkäufer, Koch, Versicherungskaufmann
  • Öffentlicher Dienst: z.B. Fachangestellter für Bäderbetriebe, Straßenwärter, Justizfachangestellter, Vermessungstechniker, Verwaltungsfachangestellter
  • Handwerk: z.B. Bäcker, Augenoptiker, Brauer und Mälzer, Friseur, Fotograf, Maler und Lackierer
  • Freie Berufe: z.B. Notarfachangestellter, Medizinischer Fachangestellter, Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter, Tiermedizinischer Fachangestellter, Steuerfachangestellter, Zahnmedizinischer Fachangestellter
  • Landwirtschaft: z.B. Landwirt, Forstwirt, Hauswirtschafter, Gärtner

Gibt es Voraussetzungen für einen dualen Ausbildungsberuf?

Es gibt keine strengen juristischen Voraussetzungen, das legt das BBiG fest. Praktisch verlangen aber viele Betriebe das Erfüllen bestimmter Mindestanforderungen. Zu diesen gehören ein bestimmter Schulabschluss wie Haupt- oder Realschule und sogar in einigen Fällen gute Noten in bestimmten Fächern.

Dauer der dualen Ausbildung, Vergütung

Die meisten dualen Ausbildungsgänge dauern zweieinhalb bis dreieinhalb Jahre, das Gros glatt drei Jahre. Die Leistungen eines Azubis und sein vorheriger Schulabschluss können die Ausbildung verkürzen oder verlängern. Erfreulich ist die Regelung nach § 17 BBiG, wonach jeder Azubi einen Rechtsanspruch auf eine angemessene Vergütung hat. Sie unterscheidet sich zwischen den Branchen, den Ausbildungsberufen und -betrieben sowie den Ausbildungsjahren, steigt also vom ersten bis zum dritten oder vierten Ausbildungsjahr. Durchschnittswerte beginnen bei 250 Euro monatlich, auch 950 Euro und teilweise noch etwas mehr sind möglich. Sollte der Arbeitgeber tarifgebundene Löhne zahlen, beziehen diese auch die Ausbildungsvergütung mit ein.

Prüfungen und Abschluss

Es gibt während der Ausbildung eine Zwischen- und eine Abschlussprüfung. Letztere führt im Handwerk zum Gesellenbrief. Danach sind Weiterbildungen möglich.

Dr.Hans-Peter Luippold

Autor: Dr.Hans-Peter Luippold

Dr. Hans-Peter Luippold studierte Betriebswirtschaft in Freiburg und Köln und sammelte als Führungskraft bei Daimler, Volkswagen, Lufthansa, Wella und Vorwerk Erfahrungen in allen wesentlichen Unternehmensbereichen. Seit April 2000 ist er als Unternehmens- und Personalberater in Frankfurt am Main tätig. Er hält regelmäßig Vorträge und lehrt zu den Themen Erfolg und Karriere. Vernetzen Sie sich mit ihm über Xing und Facebook.